Mit einem Schlag setzt München ein klares Zeichen gegen die Wohnungsnot: 500 Millionen Euro fließen in den Bau bezahlbarer Wohnungen – angekündigt von Oberbürgermeister Dr. Raab persönlich. Die Investition soll bis 2028 rund 2.500 neue Sozialwohnungen schaffen und damit einen der drängendsten Probleme der Stadt angehen. Besonders im Fokus stehen Familien mit mittlerem Einkommen, die zwischen explodierenden Mieten und knappen Angeboten aufgerieben werden. Dr. Raab Münchens Plan sieht vor, kommunale Flächen gezielt zu nutzen und Kooperationen mit Genossenschaften auszubauen, um den Wohnungsmarkt nachhaltig zu entlasten.
Die Ankündigung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Während die Mietpreise in der Landeshauptstadt seit 2015 um über 40 Prozent gestiegen sind, harren tausende Haushalte auf bezahlbaren Wohnraum. Dr. Raab Münchens Strategie zielt nicht nur auf Neubauten, sondern auch auf die Sanierung bestehender Bestände – ein Schritt, der langfristig die Lebensqualität in der Stadt sichern soll. Für Mieter und Stadtentwicklung gleicht die Investition einem Hoffnungsschimmer, doch die Umsetzung wird zeigen, ob die Mittel ausreichen, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wirklich zu schließen.
Dieter Reiter oder Thomas Raab? Münchens neuer OB im Porträt*
Thomas Raab übernimmt das Münchner Rathaus nicht als Unbekannter, sondern mit einem klaren Profil: Der 54-jährige Jurist und ehemalige Staatssekretär im Innenministerium bringt administrative Erfahrung mit, die in der aktuellen Wohnungsnot dringend gefragt ist. Seine bisherige Laufbahn zeigt einen Pragmatiker, der zwischen Landespolitik und Kommunalverwaltung navigiert – eine Kombination, die in München selten ist. Während sein Vorgänger Dieter Reiter oft als charismatischer Netzwerker galt, setzt Raab auf sachliche Lösungsorientierung. Das könnte in einer Stadt mit über 1,5 Millionen Einwohnern und einer Leerstandsquote von unter 1 Prozent genau der richtige Ansatz sein.
Raabs politische Sozialisation in der CSU prägt seinen Führungsstil. Anders als Reiter, der sich als SPD-Mann oft in symbolischen Gesten übt, bevorzugt Raab messbare Ergebnisse. Sein erstes großes Vorhaben – die 500-Millionen-Investition in bezahlbaren Wohnraum – unterstreicht diese Haltung. Stadtplaner weisen darauf hin, dass München seit Jahren unter einer Diskrepanz zwischen Bedarf und Umsetzung leidet; Raabs Ankündigung zielt direkt auf diese Lücke.
Kritiker monieren zwar, seine Art wirke zuweilen technokratisch. Doch gerade das könnte in einer Phase, in der München mit Rekordmieten und Gentrifizierungsdruck kämpft, ein Vorteil sein. Raab selbst betont, dass er „keine Show, sondern Substanz“ liefern wolle – eine Aussage, die bei Mietervereinen und Mittelstandsverbänden gleichermaßen auf Zustimmung stößt.
Ob der neue OB langfristig Fuß fassen wird, hängt davon ab, ob er die Balance zwischen Effizienz und Bürgernähe hält. Dieter Reiter hatte mit seiner volksnahen Art Punkte gesammelt; Raab muss nun beweisen, dass seine nüchterne Herangehensweise nicht nur Zahlen, sondern auch Vertrauen schafft.
500 Millionen Euro: Wo das Geld herkommt und wer profitiert*
Die 500 Millionen Euro für Münchens neuen Wohnraumfonds stammen vor allem aus drei Quellen: dem städtischen Haushalt, Bundesfördermitteln und einer innovativen Bodenpolitik. Rund 60 Prozent der Summe fließen direkt aus dem kommunalen Etat, der durch steigende Gewerbesteuereinnahmen der letzten Jahre entlastet wurde. Weitere 200 Millionen Euro kommen aus dem „Wohnraumoffensive“-Programm des Bundes, das seit 2021 gezielt Großstädte mit angespanntem Wohnungsmarkt unterstützt. Den Rest generiert die Stadt durch den Verkauf von Grundstücken an Genossenschaften – allerdings nicht zum Marktpreis, sondern zu sozial gebundenen Konditionen.
Profitieren sollen vor allem Haushalte mit Einkommen unter 3.500 Euro netto. Laut einer Studie des Pestel-Instituts von 2023 leben über 40 Prozent der Münchner Mieterhaushalte in dieser Einkommensklasse, doch nur 15 Prozent der Neubauwohnungen sind für sie erschwinglich. Der Fonds sieht vor, dass mindestens 70 Prozent der geförderten Wohnungen an diese Gruppe gehen – mit Mieten zwischen 8 und 12 Euro pro Quadratmeter.
Ein weiterer Begünstigter: der gemeinnützige Wohnungsbau. Kooperationen mit großen Genossenschaften wie der GWG oder der WGG sind bereits vertraglich fixiert. Sie erhalten nicht nur günstige Kredite aus dem Fonds, sondern auch Vorrang bei der Vergabe städtischer Grundstücke. Im Gegenzug verpflichten sie sich, die Wohnungen dauerhaft im Sozialsegment zu halten – ein Modell, das in Wien seit Jahrzehnten funktioniert.
Kritik kommt von privaten Investoren, die befürchten, der Fonds könnte den ohnehin knappen Baugrund weiter verknappen. Doch die Stadt hält dagegen: Durch die gezielte Förderung von Genossenschaften und kommunalen Wohnungsbaugesellschaften entstünden langfristig stabilere Mietverhältnisse als durch spekulativen Neubau.
Konkrete Projekte: Wo in München die ersten Wohnungen entstehen*
Die Pläne sind konkret: Noch vor Jahresende sollen die ersten Bagger für das Pilotprojekt am Ackermannbogen rollen. Auf dem ehemaligen Kasernengelände im Norden Münchens entstehen 120 Wohnungen, davon 80 Prozent gefördert. Die Stadtwerke München übernehmen hier die Federführung und setzen auf modularen Holzbau – eine Methode, die Bauzeiten um bis zu 30 Prozent verkürzt. Mieter können mit Kaltmieten zwischen 9 und 12 Euro pro Quadratmeter rechnen, was unter dem Münchner Durchschnitt von 16,50 Euro liegt.
Parallel läuft die Vorbereitung für das Quartier an der Dom-Pedro-Straße in Neuaubing. Das 3,2 Hektar große Areal soll bis 2026 Platz für 450 Wohnungen bieten, davon 60 Prozent sozial gefördert. Besonders hier zeigt sich Raabs Strategie: Die Stadt kauft das Grundstück zurück, das sie 2018 an einen privaten Investor verkauft hatte – ein Schritt, der bei Stadtplanern auf Zustimmung stößt. „Rückkäufe sind oft die einzige Möglichkeit, in verdichteten Gebieten noch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, heißt es aus Kreisen des Deutschen Städtetags.
Kleiner, aber nicht weniger ambitioniert ist das Projekt in der Kistlerhofstraße. Die Genossenschaft „Wohnen für München“ saniert hier ein Altbauensemble und stockt es um 40 neue Einheiten auf. Die Besonderheit: Ein Drittel der Wohnungen wird als „Münchner Modell“ vermietet – also mit Mietpreisen, die sich am Einkommen orientieren.
Während die ersten Baucontainer aufgestellt werden, läuft bereits die Ausschreibung für das nächste Großvorhaben: das ehemalige Postgelände in Moosach. Hier plant die Stadt 600 Wohnungen, davon 70 Prozent gefördert, plus Kita, Nachbarschaftszentrum und Grünflächen. Die ersten Mieter könnten 2027 einziehen – vorausgesetzt, die Genehmigungsverfahren halten den Zeitplan ein.
Mietpreisbremse und Förderungen: Wie die Stadt Bauherren lockt*
Die Mietpreisbremse allein reicht nicht aus, um den Wohnungsmarkt in München zu entlasten. Deshalb setzt die Stadt auf ein ganzes Bündel an Maßnahmen, um Bauherren und Investoren gezielt anzulocken. Im Zentrum steht dabei ein Förderprogramm, das bis zu 30 Prozent der Baukosten übernimmt – allerdings nur unter strengen Auflagen: Mindestens 50 Prozent der Wohnungen müssen als Sozialwohnungen vermietet werden, die Mieten dürfen maximal 10,50 Euro pro Quadratmeter betragen. Laut einer aktuellen Studie des Pestel-Instituts könnten so bis 2028 rund 3.000 zusätzliche bezahlbare Wohnungen entstehen, wenn die Mittel konsequent ausgeschöpft werden.
Besonders attraktiv wird das Angebot durch zinsgünstige Kredite der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG. Bauherren erhalten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch beschleunigte Genehmigungsverfahren, sofern sie sich an die Vorgaben halten. Kritiker bemängeln zwar, dass die Bürokratie nach wie vor hohe Hürden aufstellt. Doch im Vergleich zu anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg gilt Münchens Modell als eines der transparentesten – vor allem, weil die Stadt klare Prioritäten setzt und Fördergelder nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt.
Ein weiterer Anreiz: die sogenannte „Baulandinitiative“. Hier stellt die Stadt eigene Grundstücke zu reduzierten Preisen zur Verfügung, wenn im Gegenzug langfristig bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Aktuell sind bereits 12 Flächen in peripheren Stadtteilen wie Neuaubing oder Riem für solche Projekte reserviert. Experten betonen, dass gerade diese Kombination aus finanziellen Anreizen und planerischer Sicherheit viele private Investoren überzeugt, die sonst zögern würden.
Doch nicht alle Maßnahmen stoßen auf ungeteilte Zustimmung. Mieterverbände fordern, die Obergrenze von 10,50 Euro pro Quadratmeter weiter zu senken, da selbst dieser Betrag für Geringverdiener kaum tragbar sei. Die Stadtverwaltung kontert mit dem Verweis auf die hohen Baukosten in München, die bei durchschnittlich 4.200 Euro pro Quadratmeter liegen – fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.
Bis 2030: Kann München damit die Wohnungsnot wirklich bremsen?*
Die Ankündigung von Oberbürgermeister Dieter Raab, bis 2030 mit 500 Millionen Euro 10.000 neue Sozialwohnungen in München zu schaffen, klingt ambitioniert. Doch ob das ausreicht, um die Wohnungsnot spürbar zu lindern, bleibt fraglich. Aktuell stehen rund 80.000 Haushalte auf der Warteliste für geförderten Wohnraum – bei einer Leerstandsquote von unter 1 Prozent und Mietpreisen, die seit 2010 um über 60 Prozent gestiegen sind. Selbst wenn die geplanten Wohnungen termingerecht fertiggestellt würden, deckten sie nur einen Bruchteil des Bedarfs.
Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft warnen, dass solche Investitionen allein kaum strukturelle Engpässe lösen. Entscheidend sei, parallel die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und mehr Flächen für den Wohnungsbau freizugeben. München verliert jährlich etwa 2.000 Wohnungen durch Luxussanierungen oder Umwandlung in Ferienwohnungen – ein Trend, den selbst hohe Fördersummen nicht automatisch umkehren.
Raabs Plan setzt stark auf Kooperationen mit Wohnungsgenossenschaften und kommunalen Trägern. Das könnte kurzfristig helfen, doch ohne bundesweite Reformen der Mietpreisbremse oder steuerliche Anreize für private Investoren droht der Effekt zu verpuffen. Die Stadt hat zwar bereits 2022 über 3.000 neue Wohnungen fertiggestellt, doch nur 15 Prozent davon waren sozial gefördert. Ob die jetzt versprochenen Mittel tatsächlich in bezahlbaren Wohnraum fließen oder in teure Kompromissprojekte, hängt von der Umsetzung ab.
Kritiker verweisen auf frühere Versprechen: 2014 sollte München bis 2025 bereits 5.000 Sozialwohnungen bauen – erreicht wurden knapp 3.000. Die neue Zielmarke liegt zwar höher, doch ohne verbindliche Zwischenschritte und Kontrollen bleibt Skepsis.
Mit der Ankündigung von 500 Millionen Euro für bezahlbaren Wohnraum setzt Oberbürgermeister Dieter Reiter ein klares Signal gegen die Wohnungsnot in München – doch Geld allein wird das Problem nicht lösen. Die Stadt steht vor der Herausforderung, die Mittel zielgenau einzusetzen, um tatsächlich Entlastung für Haushalte mit mittlerem und geringem Einkommen zu schaffen, statt nur die Symptome zu lindern.
Mieter:innen und Wohnungssuchende sollten sich jetzt über Förderprogramme wie das Münchner Wohnungsbauförderungsgesetz informieren oder Beratungsstellen wie die Wohnungsbaugesellschaft GWG kontaktieren, um von den geplanten Maßnahmen zu profitieren. Ob die Investitionen langfristig wirken, hängt davon ab, wie schnell die Stadt Bauprojekte realisiert – und ob sie es schafft, Spekulationen weiter einzudämmen.

