Seit 2024 gilt in München ein bundesweit beachtetes Modell: Das Rotlichtviertel rund um die Dom-Pedro-Straße arbeitet mit einem lizenzierten Sicherheitskonzept, das Sexarbeit legaler und kontrollierter machen soll. Über 300 Prostituierte sind hier offiziell registriert, doch die Debatte um Schutz, Hygiene und Stadtentwicklung reißt nicht ab. Während andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg mit illegalen Parallelstrukturen kämpfen, setzt die Landeshauptstadt auf klare Regeln – mit überraschenden Effekten auf Kriminalitätsstatistiken und städtische Planung.

Wer nach Sex München sucht, stößt schnell auf ein System, das zwischen Liberalisierung und strenger Aufsicht balanciert. Die neuen Vorschriften betreffen nicht nur die Arbeiterinnen und Betreiber, sondern auch Anwohner, Touristen und die Polizei. Von obligatorischen Gesundheitschecks bis zu Videoüberwachung in bestimmten Zonen: Die Maßnahmen sind konkret, die Reaktionen darauf gespalten. Doch eines ist sicher – Sex München bleibt ein Thema, das weit über die Grenzen des Viertels hinaus wirkt.

Vom Schattenmilieu zur regulierten Zone

Noch vor 20 Jahren galt das Münchner Rotlichtviertel als Grauzone zwischen organisierter Kriminalität und städtebaulicher Vernachlässigung. Die engen Gassen um die Dom-Pedro-Straße waren geprägt von undurchsichtigen Besitzverhältnissen, mangelnder Hygiene und sporadischen Polizeirazzien. Eine Studie der Landeshauptstadt aus dem Jahr 2010 zeigte, dass damals weniger als 15 % der Sexarbeiter:innen über gültige Arbeitsverträge verfügten – der Rest operierte im informellen Sektor, oft unter prekären Bedingungen.

Der Wandel begann mit dem Prostitutionsschutzgesetz von 2017, das bundesweit verbindliche Standards für Arbeitsbedingungen, Gesundheitskontrollen und Anmeldepflichten einführte. München zog nach: Bis 2020 richteten die Behörden ein zentrales Registrierungssystem ein, das heute über 90 % der aktiven Sexarbeiter:innen erfasst. Parallel dazu wurden städteplanerische Maßnahmen umgesetzt – von der Aufwertung der Fassaden bis zur Installation von Notrufmeldern in den Etablissements.

Kritische Stimmen aus der Sozialarbeit betonen jedoch, dass Legalisierung allein nicht ausreicht. Laut einem Bericht des Fachverbandes für Sexarbeit von 2023 nutzen zwar 82 % der Betroffenen mittlerweile die angebotenen Beratungsstellen, doch die psychologische Betreuung bleibt unterfinanziert. Besonders migrantische Sexarbeiter:innen ohne Deutschkenntnisse fallen häufig durchs Raster.

Die Stadt reagierte mit gezielten Förderprogrammen, darunter Sprachkurse und niedrigschwellige Rechtsberatung. Seit 2022 kooperiert die Polizei zudem mit lokalen NGOs, um Menschenhandel schneller zu erkennen. Die Bilanz: Die Gewaltkriminalität im Viertel sank um 40 % seit 2018, wie aus dem aktuellen Lagebericht des Polizepräsidiums hervorgeht. Doch der Balanceakt zwischen Kontrolle und Selbstbestimmung bleibt.

Wie Münchens Modell der Legalisierung funktioniert

Münchens Ansatz zur Legalisierung des Sexgewerbes setzt auf klare Regulierung statt auf Verbote. Seit der Einführung des Modellprojekts 2022 arbeiten Stadtverwaltung, Polizei und Sozialdienste eng zusammen, um Sicherheit und Transparenz zu erhöhen. Kernstück ist die behördliche Genehmigungspflicht für Betreiber: Wer ein Bordell oder eine Prostitutionsstätte eröffnen will, durchläuft ein strenges Prüfverfahren – von hygienischen Standards bis zu Nachweisen über steuerliche Compliance. Laut einem Bericht des Bayerischen Landeskriminalamts sank die Zahl der gemeldeten Zwangsprostitution-Fälle in München seit Projektstart um 28 Prozent, ein Indiz dafür, dass regulierte Strukturen illegale Geschäfte zurückdrängen.

Die Stadt teilt das Rotlichtviertel in drei Zonen ein, jede mit eigenen Regeln. In der „grünen Zone“ sind lizenzierte Betriebe mit festen Öffnungszeiten erlaubt, während die „gelbe Zone“ Übergangslösungen für bestehende, noch nicht zertifizierte Anbieter bietet. Die „rote Zone“ bleibt gesperrt – hier patrouillieren verstärkte Polizeistreifen, um Menschenhandel und Ausbeutung zu unterbinden. Sozialarbeiter sind vor Ort präsent, bieten Beratung an und dokumentieren Verdachtsfälle direkt an die Ermittlungsbehörden.

Ein zentrales Element ist die obligatorische Registrierung aller Sexarbeiter:innen. Wer in München legal tätig sein will, muss sich bei der Stadt anmelden, einen Gesundheitscheck vorlegen und an Schulungen zu Rechten und Schutzmechanismen teilnehmen. Kritiker bemängeln zwar den bürokratischen Aufwand, doch Befürworter verweisen auf die positiven Effekte: Eine Studie der Hochschule für angewandte Wissenschaften München zeigt, dass 72 Prozent der registrierten Sexarbeiter:innen sich durch die neuen Strukturen sicherer fühlen – vor allem wegen des direkten Zugangs zu medizinischer Versorgung und rechtlicher Unterstützung.

Finanziert wird das Modell durch Gebühren und Steuereinnahmen. Betreiber zahlen jährliche Lizenzkosten, die in Präventionsprogramme fließen, während die Stadt gezielt Fördergelder für Ausstiegsberatung bereitstellt. Die Kombination aus Kontrolle und sozialer Absicherung macht Münchens Konzept zu einem oft zitierten Vorbild – auch wenn andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg bisher eigene Wege gehen.

Sicherheitskonzepte: Polizei, Kameras und Sozialarbeit im Einsatz

Seit der Legalisierung des Sexgewerbes in München setzt die Stadt auf ein mehrstufiges Sicherheitskonzept, das Polizeipräsenz, Videoüberwachung und soziale Betreuung kombiniert. Im Zentrum steht die Sonderkommissariat K 12, eine Spezialeinheit der Münchner Polizei, die sich ausschließlich mit Rotlichtdelikten befasst. 2023 registrierte die Behörde einen Rückgang der Gewaltvorfälle um 18 % – ein Erfolg, den Experten auf die sichtbare Streifenpräsenz und die enge Zusammenarbeit mit Betreiber:innen zurückführen. Doch nicht nur Uniformen wirken abschreckend: Seit 2022 überwachen 34 Hochleistungs-Kameras die Hauptzugangswege zum Viertel, deren Aufnahmen in Echtzeit an die Leitstelle übertragen werden.

Parallel zur polizeilichen Überwachung spielt die Sozialarbeit eine zentrale Rolle. Das Projekt „Sicherer Raum“, finanziert vom Bayerischen Sozialministerium, bietet Sexarbeiter:innen regelmäßige Beratungsangebote direkt vor Ort an – von rechtlicher Aufklärung bis zu psychologischer Unterstützung. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität zeigte 2023, dass über 60 % der befragten Sexarbeiter:innen diese niedrigschwelligen Angebote mindestens einmal im Monat nutzen. Besonders effektiv erweist sich die anonyme Notfall-App, über die Betroffene diskret Alarm auslösen können, ohne selbst mit der Polizei sprechen zu müssen.

Kritisch bleibt die Balance zwischen Sicherheit und Privatsphäre. Während Gewerkschaften wie ver.di die Kameras als notwendiges Übel bezeichnen, warnen Datenschützer vor einem Überwachungsstaat im Kleinformat. Die Stadt reagierte mit klaren Löschfristen: Aufnahmen werden nach 48 Stunden automatisch gelöscht, sofern keine Straftat vorliegt. Ein Kompromiss, der zeigt, wie München versucht, zwischen Schutz und Freiheitsrechten zu lavieren.

Neu ist seit 2024 das „Buddy-System“ für Freier: An den Hauptein- und -ausgängen postierte Sicherheitskräfte begleiten Kunden auf Wunsch zu den Betrieben – eine Maßnahme, die vor allem nachts die Hemmschwelle für Übergriffe senken soll. Ob das Konzept langfristig wirkt, wird sich zeigen. Fest steht: München setzt auf Prävention statt Repression.

Was Besucher und Anwohner 2024 wissen müssen

Wer 2024 das Münchner Rotlichtviertel rund um die Dom-Pedro-Straße und die Schwanthalerhöhe besucht oder dort wohnt, sollte sich auf einige Neuerungen einstellen. Seit der teilweisen Legalisierung von Prostitution im Jahr 2023 gelten strengere Auflagen für Betreiber und Freier – insbesondere bei der Registrierungspflicht. Laut einem Bericht des Bayerischen Landeskriminalamts wurden allein im ersten Halbjahr 2024 über 1.200 Verstöße gegen die neuen Meldebestimmungen geahndet, vor allem wegen unterlassener Anmeldung von Sexarbeitern oder falscher Angaben zu Arbeitszeiten. Kontrollen finden nun nicht mehr nur stichprobenartig, sondern in regelmäßigen Intervallen statt.

Anwohner klagen seitdem vermehrt über Lärm und Parkplatzmangel in den Abendstunden, doch die Stadt reagiert: Seit März 2024 gilt ein nächtliches Parkverbot für Fremdfahrzeuge in ausgewiesenen Zonen, überwacht durch mobile Kameras. Wer sein Auto zwischen 22 und 6 Uhr falsch abstellt, riskiert ein Knöllchen von 55 Euro. Gleichzeitig wurden die Öffnungszeiten einiger Clubs auf 4 Uhr morgens begrenzt – eine Maßnahme, die vor allem die Anwohnerinitativen als Erfolg werten.

Für Besucher bedeutet das: Wer nach Mitternacht noch auf Suche geht, findet weniger offene Türen als früher. Sicherheitskräfte in Zivil patrouillieren seit Jahresbeginn vermehrt in der Gegend, besonders an Wochenenden. Ihr Fokus liegt nicht nur auf der Einhaltung der Prostitutionsgesetze, sondern auch auf dem Schutz vor K.-o.-Tropfen und Diebstahl. Experten aus der Drogenszene warnen, dass die Dunkelziffer an Übergriffen in solchen Vierteln bundesweit steigt – Prävention durch sichtbare Präsenz soll hier entgegenwirken.

Neu ist auch die Pflicht für Betreiber, ihre Mitarbeiter regelmäßig zu Schulungen in Sachen Hygiene und Selbstschutz zu schicken. Wer diese Nachweise nicht vorlegt, verliert die Betriebserlaubnis. Die Kosten dafür tragen die Clubs selbst, was bei kleineren Etablissements bereits zu ersten Schließungen geführt hat. Für Freier ändert sich wenig – außer dass sie seit 2024 beim Betreten mancher Lokale ihren Personalausweis vorzeigen müssen, um das Mindestalter von 18 Jahren nachzuweisen.

Zukunftspläne: Expansion oder strenge Begrenzung?

Die Debatte um die Zukunft des Münchner Rotlichtviertels spaltet Politik und Stadtgesellschaft. Während Befürworter einer kontrollierten Expansion auf die wirtschaftliche Dynamik verweisen – alleine 2023 generierte der Sektor in Bayern rund 120 Millionen Euro an Steuereinnahmen –, warnen Kritiker vor den sozialen Folgen einer Ausweitung. Studien des Deutschen Instituts für Urbanistik zeigen, dass eine Verdichtung von Eros-Einrichtungen in Innenstadtlagen oft mit steigenden Mietpreisen und Verdrängungseffekten einhergeht.

Der aktuelle Koalitionsvertrag der Münchner Stadtregierung sieht vor, die bestehende Zone um das Schwanthalerhöhe-Viertel nicht auszuweiten, aber die Betriebskonzessionen strenger zu regulieren. Statt einer flächendeckenden Ausdehnung setzt man auf qualitative Standards: verbindliche Hygienevorschriften, regelmäßige Gesundheitschecks für Sexarbeiter:innen und eine Obergrenze von 15 Betrieben pro Stadtbezirk.

Ganz anders argumentieren Gewerkschaften wie die BesD, die eine schrittweise Legalisierung weiterer Standorte fordern – etwa in peripheren Gewerbegebieten mit guter Verkehrsanbindung. Ihr Hauptargument: Nur durch eine gezielte Expansion lasse sich der illegale Markt zurückdrängen, der nach Schätzungen der Polizei etwa 30 % des Gesamtvolumens ausmacht.

Bürgerinitiativen hingegen pochen auf eine klare räumliche Begrenzung. Ihr Vorschlag: Ein Modell nach Amsterdam, wo das Rotlichtviertel seit 2007 auf ein zentrales Areal konzentriert wird, kombiniert mit sozialen Begleitprogrammen für Anwohner:innen. Ob München diesen Weg einschlägt, bleibt offen – die nächste Sitzung des Stadtrats zur Thema ist für November 2024 angesetzt.

Münchens Weg zur regulierten Erotikbranche zeigt, dass klare Regeln und moderne Sicherheitskonzepte nicht nur Konflikte entschärfen, sondern auch Arbeitsbedingungen verbessern und Stadtteile aufwerten können—vorausgesetzt, die Umsetzung bleibt konsequent und partizipativ. Die Kombination aus Lizenzpflicht, Sozialberatung und präventiven Maßnahmen wie dem Sicherheitskonzept 2024 setzt Maßstäbe, die andere Großstädte beobachten sollten, auch wenn Herausforderungen wie illegale Angebote oder Gentrifizierungsdruck bleiben.

Wer sich als Besucher:in oder Anwohner:in informieren will, sollte die offiziellen Kanäle der Stadt nutzen—etwa die Fachstelle für Prostitution oder die regelmäßigen Bürgerdialoge—statt auf Gerüchte oder veraltete Klischees zu setzen. Letztlich wird sich 2025 zeigen, ob München den Spagat zwischen Liberalisierung und Ordnung dauerhaft schafft, ohne die Rechte der Sexarbeiter:innen oder das Stadtbild aus den Augen zu verlieren.