Seit Montagmorgen steht Münchens Tramlinie 21 still – und das vorerst für Wochen. Ein massiver Schaden an der Oberleitung zwischen Moosach und Freimann zwingt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu einer vollständigen Einstellung des Betriebs auf unbestimmte Zeit. Betroffen sind täglich rund 20.000 Fahrgäste, die nun auf Ersatzbusse oder Umwege über andere Linien ausweichen müssen. Die Reparaturarbeiten gestalten sich aufwendiger als zunächst angenommen: Allein die Diagnose der Schäden an den Stromleitungen und Masten erforderte spezialisiertes Equipment, das erst aus anderen Bundesländern herbeigeschafft werden musste.

Für Pendler, Schüler und Anwohner im Münchner Norden bedeutet der Ausfall der Tram 21 München eine spürbare Einschränkung. Die Linie verbindet nicht nur wichtige Wohnviertel wie Schwabing-West mit dem Olympiazentrum, sondern dient auch als Zubringer zu U-Bahn-Linien und S-Bahnen. Besonders in Stoßzeiten sorgt die Tram 21 München normalerweise für Entlastung auf stark frequentierten Strecken – doch jetzt drohen längere Wartezeiten und überfüllte Ersatzverkehre. Die MVG warnt bereits vor Verzögerungen und rät zu frühzeitiger Abfahrt, während die Stadt nach Lösungen sucht, um den Nahverkehr notdürftig aufrechtzuerhalten.

Ursache der Oberleitungsschäden in München

Die Schäden an der Oberleitung der Tramlinie 21 in München gehen auf eine Kombination aus Materialermüdung und extremen Wetterbedingungen zurück. Wie eine erste Analyse der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zeigt, haben vor allem die starken Temperaturschwankungen der vergangenen Wochen die Leitungen übermäßig belastet. Bei Frost ziehen sich die Drähte zusammen, bei Hitze dehnen sie sich aus – ein Prozess, der sich in diesem Winter besonders häufig und abrupt wiederholte. Die Folge: Mikrorisse in den Leitungen, die sich im Betrieb zu größeren Brüchen ausweiteten.

Hinzu kommt das Alter der betroffenen Abschnitte. Ein Großteil der Oberleitungen im Münchner Straßenbahnnetz stammt aus den 1990er-Jahren und hat die geplante Nutzungsdauer von 25 bis 30 Jahren bereits überschritten. Laut einem Bericht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sind rund 40 Prozent der Oberleitungsinfrastruktur in deutschen Großstädten in einem kritischen Zustand – München bildet hier keine Ausnahme. Die MVG hatte zwar in den letzten Jahren schrittweise Modernisierungen vorgenommen, doch die Sanierung des gesamten Netzes würde nach Schätzungen mindestens fünf Jahre und mehrere hundert Millionen Euro erfordern.

Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Belastung durch den Verkehr. Die Tramlinie 21 gehört zu den am stärksten frequentierten Strecken Münchens, mit bis zu 12.000 Fahrgästen täglich. Jede Passage eines Wagens übt mechanischen Stress auf die Leitungen aus, besonders in Kurven oder an Weichen. Die MVG hatte bereits 2022 in einem internen Papier vor einer „überproportionalen Abnutzung“ in hochbelasteten Abschnitten gewarnt – ohne jedoch konkrete Sofortmaßnahmen einzuleiten.

Kurzfristig verschärft wurde die Situation durch einen technischen Vorfall Mitte Februar, als ein defekter Stromabnehmer eines Trams einen Lichtbogen auslöste. Dieser verursachte nicht nur einen lokalen Kurzschluss, sondern beschleunigte die Korrosion der umliegenden Leitungsabschnitte. Solche Ereignisse sind zwar selten, zeigen aber, wie anfällig die Infrastruktur bei vorbelastetem Material reagiert.

Welche Streckenabschnitte der Tram 21 betroffen sind

Der Ausfall der Tram 21 trifft nicht die gesamte Linie gleich stark. Besonders betroffen ist der Abschnitt zwischen St.-Veit-Straße und Romanplatz, wo die Oberleitungsschäden am schwerwiegendsten sind. Hier müssen Fahrgäste mit Ersatzbussen rechnen, die im 10-Minuten-Takt verkehren sollen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) gibt an, dass rund 60 Prozent der regulären Fahrgastzahlen auf diesem Teilstück normalerweise unterwegs sind – ein deutlicher Hinweis auf die zu erwartenden Einschränkungen.

Zwischen Hauptbahnhof und St.-Veit-Straße bleibt die Tram zwar im Einsatz, fährt aber nur im 20-Minuten-Takt statt wie üblich alle 10 Minuten. Dieser Abschnitt gilt als weniger kritisch, da die Schäden an der Oberleitung hier punktuell behoben werden konnten. Dennoch müssen Pendler mit längeren Wartezeiten rechnen.

Der nordöstliche Ast der Linie – von Romanplatz bis Moosach Bahnhof – wird vorerst mit reduzierter Geschwindigkeit befahren. Grund sind Vorsichtsmaßnahmen, nachdem bei Routineprüfungen Risse in den Stromabnehmern festgestellt wurden. Die MVG betont, dass dieser Abschnitt zwar nicht komplett stillsteht, aber mit Verzögerungen zu rechnen ist.

Fahrgastverbände kritisieren, dass die betroffenen Abschnitte gerade in Stoßzeiten stark frequentiert werden. Besonders der Bereich um den Rotkreuzplatz gilt als neuralgischer Punkt, da hier Umsteigemöglichkeiten zu U-Bahn und Bus bestehen. Ob die Ersatzmaßnahmen ausreichen, bleibt abzuwarten.

Alternativen für Pendler während der Sperrung

Die mehrwöchige Vollsperrung der Tramlinie 21 zwingt tausende Münchner Pendler zum Umdenken. Besonders betroffen sind Berufstätige aus den Stadtteilen Pasing und Laim, die täglich auf die Verbindung in die Innenstadt angewiesen sind. Laut einer Erhebung des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) nutzen rund 20.000 Fahrgäste die Linie 21 an Werktagen – viele von ihnen müssen nun auf Alternativen ausweichen.

Als direkte Ersatzlösung empfiehlt der MVV die Umsteigeverbindungen über die S-Bahn-Linien S1 bis S8, die parallel zur Tramroute verlaufen. Die Stationen Pasing, Laim und Hirschgarten bieten kurze Fußwege zu den Haltestellen der gesperrten Tram. Wer flexibler planen kann, sollte die U-Bahn-Linien U4 und U5 nutzen, die ebenfalls wichtige Knotenpunkte wie den Hauptbahnhof oder die Stiglmaierplatz bedienen. Fahrgastverbände raten zudem zu Apps wie MVV-App oder DB Navigator, um Echtzeit-Verbindungen zu prüfen.

Für Radfahrer könnte die Sperrung sogar eine Chance sein: Die Stadt München hat entlang der Tramstrecke temporäre Pop-up-Radwege eingerichtet, um den erhöhten Verkehr aufzufangen. Besonders die Strecke von Pasing über die Landsberger Straße gilt als gut ausgebaut. Wer kein eigenes Fahrrad besitzt, kann auf die MVG-Rad-Leihstationen zurückgreifen, die in der Nähe der ehemaligen Tramhaltestellen stehen.

Wer auf das Auto angewiesen ist, muss mit längeren Fahrzeiten rechnen. Verkehrsplaner warnen vor Staus auf der Landsberger Straße und der Nymphenburger Straße, da viele Pendler auf die Hauptverkehrsadern ausweichen. Carsharing-Anbieter wie Share Now oder Miles melden bereits erhöhte Buchungen in den betroffenen Vierteln – hier lohnt sich eine frühzeitige Reservierung.

Wie lange die Reparaturarbeiten voraussichtlich dauern

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) rechnet mit einem längeren Ausfall der Tramlinie 21. Erste Schätzungen gehen von mindestens sechs bis acht Wochen aus, bis die beschädigten Oberleitungsabschnitte zwischen Poccistraße und St.-Veit-Straße vollständig instand gesetzt sind. Verantwortlich für die Verzögerung sind nicht nur die umfangreichen Reparaturarbeiten selbst, sondern auch die aufwendige Koordination mit anderen Verkehrsträgern und Behörden. Laut Angaben des Verkehrsverbunds München (MVV) müssen allein für die Freigabe der Baustellenbereiche mehrere Genehmigungsverfahren durchlaufen werden – ein Prozess, der selbst bei priorisierter Bearbeitung Zeit kostet.

Hinzu kommt, dass die Schäden an der Oberleitung komplexer sind als zunächst angenommen. Wie ein Sprecher der MVG erläuterte, handelt es sich nicht um lokale Defekte, sondern um strukturelle Schwächen in einem rund 1,2 Kilometer langen Abschnitt. Hier müssen nicht nur Kabel und Masten ausgetauscht, sondern auch die gesamte Stromversorgung neu kalibriert werden. Vergleichbare Reparaturen in anderen Städten – etwa in Berlin nach den Frostschäden 2021 – zeigten, dass solche Arbeiten im Schnitt zwei Monate in Anspruch nehmen, selbst wenn rund um die Uhr gearbeitet wird.

Die MVG hat bereits zusätzliche Fachkräfte aus anderen Betrieben angefordert, um die Reparatur zu beschleunigen. Dennoch bleibt der Zeitplan ambitioniert: Allein die Lieferung spezieller Ersatzteile aus Österreich, die für die Münchner Oberleitungssysteme zertifiziert sind, dauert laut Herstellerangaben bis zu drei Wochen. Parallel laufen Abstimmungen mit der Polizei und dem Tiefbauamt, da während der Arbeiten temporäre Straßen- und Gehwegsperrungen nötig sind.

Fahrgäste müssen sich auf anhaltende Einschränkungen einstellen. Zwar soll ein Ersatzbusverkehr die wichtigsten Haltestellen bedienen, doch die MVG warnt vor längeren Wartezeiten – besonders in den Stoßzeiten zwischen 7 und 9 Uhr sowie am späten Nachmittag. Ob die Linie 21 wie geplant Anfang November wieder rollt, hängt nun davon ab, ob die Wetterbedingungen stabil bleiben und keine weiteren unvorhergesehenen Schäden auftreten.

Pläne der MVG für stabilere Oberleitungen in Zukunft

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) reagiert auf die wiederholten Oberleitungsprobleme mit konkreten Maßnahmen. Nach Angaben des Unternehmens sollen bis 2026 rund 120 Kilometer der Tram-Oberleitungen in München modernisiert werden – ein Projektvolumen von etwa 80 Millionen Euro. Besonders im Fokus stehen dabei Streckenabschnitte mit hoher Belastung wie die Linie 21, die seit Jahren unter häufigen Störungen leidet. Experten für Verkehrsinfrastruktur betonen, dass moderne Oberleitungssysteme mit verbesserter Spannungsregelung und widerstandsfähigeren Materialien die Ausfallzeiten um bis zu 40 Prozent reduzieren können.

Ein zentraler Baustein der Pläne ist der Einsatz von sogenannten „Festpunktkonstruktionen“. Diese Technologie verringert die mechanische Belastung der Leitungen bei Temperaturschwankungen, die in München besonders im Winter zu Rissen führen. Zudem testet die MVG aktuell ein neues Monitoring-System, das Schäden via Sensoren frühzeitig erkennt – noch bevor sie zu Ausfällen führen.

Kritik kommt jedoch von Fahrgastverbänden: Die Umstellung erfolge zu langsam. Während andere Großstädte wie Wien oder Zürich bereits flächendeckend auf die neue Technik setzen, hinkt München hinterher. Die MVG entgegnet, dass die schrittweise Sanierung notwendig sei, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Parallel dazu prüft das Unternehmen, ob zusätzliche Reserve-Trams die Folgen von Störungen abfedern können. Bisher stehen für die Linie 21 nur zwei Ersatzfahrzeuge bereit – zu wenig, um bei längeren Ausfällen wie dem aktuellen den Takt zu halten.

Die monatelangen Ausfälle der Tram 21 zeigen einmal mehr, wie anfällig Münchens ÖPNV-Netz für technische Probleme ist – und welche Kettenreaktionen schon ein einzelner Defekt an der Oberleitung auslösen kann. Pendler müssen sich auf längere Umwege, überfüllte Ersatzbusse und mögliche Verspätungen in anderen Linien einstellen, während die MVG unter Hochdruck an der Reparatur arbeitet.

Wer auf die Strecke zwischen St. Veit Straße und Effnerplatz angewiesen ist, sollte bis auf Weiteres Alternativen prüfen: Die U-Bahn-Linien U6 und U3 bieten sich als Ausweichrouten an, während Fahrradfahrer die parallel verlaufenden Radwege entlang der Isar nutzen können. Ob die geplante Modernisierung der Oberleitungen solche Störungen künftig verhindert, wird sich erst zeigen, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind und der Betrieb wieder stabil läuft.