Über fünfzig Medikamente fehlen aktuell in Münchner Apotheken – von Antibiotika über Blutdrucksenker bis hin zu Schmerzmitteln für Kinder. Die Liste der Engpässe wächst stetig, wie der Bayerische Apothekerverband bestätigt. Besonders prekär: Selbst gängige Präparate wie Ibuprofen-Saft für Fieberkranke oder bestimmte Insulin-Pens sind betroffen. Die Lage spitzt sich zu, obwohl die Lieferkettenprobleme seit Monaten bekannt sind. Apotheker berichten von verzweifelten Eltern, die nach Alternativen suchen, und Ärzten, die Rezepturen umschreiben müssen.

Für Patienten in München bedeutet das oft wochenlange Wartezeiten oder den Gang zu mehreren Apotheken in München, um das benötigte Medikament aufzutreiben. Die Situation belastet nicht nur chronisch Kranke, sondern auch Haushalte mit akuten Erkrankungen. Während einige Apotheken in München versuchen, durch Eigenherstellung von Rezepturen zu helfen, warnen Experten vor Risiken durch falsche Dosierungen oder nicht geprüfte Ersatzmittel. Die Stadt steht vor einer Herausforderung, die weit über temporäre Lieferschwierigkeiten hinausgeht.

Lieferkettenchaos trifft Münchner Apotheken besonders hart

Seit Wochen kämpfen Münchner Apotheken mit einem Lieferkettenchaos, das die Versorgungsengpässe bei Medikamenten weiter verschärft. Besonders betroffen sind Arzneimittel mit Wirkstoffen aus Asien, wo Produktionsausfälle und Transportverzögerungen die Lieferketten lahmlegen. Laut einer aktuellen Erhebung des Bayerischen Apothekerverbands erreichen nur noch etwa 60 Prozent der bestellten Medikamente mit asiatischen Rohstoffen die Apotheken pünktlich – ein Rekordtief.

Die Folgen sind spürbar: Patienten müssen länger auf lebenswichtige Präparate warten oder erhalten Ersatzpräparate, die oft teurer sind. Ein Münchner Apotheker berichtete von Fällen, in denen Krebspatienten ihre Therapie unterbrechen mussten, weil spezifische Zytostatika nicht verfügbar waren. Die Situation wird durch den anhaltenden Fachkräftemangel in Logistikzentren und den gestiegenen Energiepreisen zusätzlich belastet.

Hinzu kommt, dass viele Generika-Hersteller ihre Produktion gedrosselt haben. Da diese oft günstigere Alternativen zu Originalpräparaten darstellen, fehlen nun preiswerte Optionen für chronisch Kranke. Pharmagroßhändler warnen, dass sich die Lage bis zum Herbst kaum entspannen wird, da die Nachfrage nach Grippemitteln und Antibiotika saisonbedingt steigen wird.

Besonders kritisch ist die Lage bei Kinderarzneimitteln. Fiebersäfte und bestimmte Antibiotika für Säuglinge sind seit Wochen nur noch sporadisch erhältlich. Eltern müssen teils mehrere Apotheken abklappern, um die benötigten Medikamente zu finden – eine Belastung, die viele als untragbar empfinden.

Diese 50 Medikamente fehlen aktuell am dringendsten

Die Liste der knappsten Arzneimittel in Münchner Apotheken liest sich wie ein Who’s-who der Grundversorgung: Von Schilddrüsenhormonen wie L-Thyroxin über Standard-Antibiotika wie Amoxicillin bis hin zu lebenswichtigen Asthmasprays wie Salbutamol – insgesamt 50 Präparate sind aktuell nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar. Besonders prekär wird es bei Schmerzmitteln: Ibuprofen 600 und Paracetamol-Zäpfchen für Kinder fehlen in fast jeder dritten Apotheke, wie eine aktuelle Umfrage des Bayerischen Apothekerverbands zeigt.

Kritisch wird es auch bei chronischen Erkrankungen. Patienten mit Bluthochdruck suchen vergeblich nach Ramipril oder Candesartan, während Diabetiker auf Insulin-Pens wie Lantus SoloStar warten müssen. Selbst einfache, aber unverzichtbare Medikamente wie Pantoprazol gegen Sodbrennen oder das Durchfallmittel Loperamid sind Mangelware. Die Gründe? Lieferkettenprobleme, gestiegene Nachfrage und Produktionsengpässe bei Generika-Herstellern.

Besonders betroffen: Kinderarzneimittel. Fiebersäfte mit Paracetamol oder Ibuprofen in kindgerechten Dosierungen sind kaum zu bekommen – ein Albtraum für Eltern in der Grippesaison. Auch Impfstoffe wie der FSME-Schutz oder bestimmte Tetanus-Auffrischungen stehen auf der Roten Liste. Apotheker warnen: Wer auf Reservemedikamente angewiesen ist, sollte jetzt handeln, bevor die Bestände komplett leer sind.

Die Krise trifft nicht nur Patienten. Münchner Apotheken verbringen täglich Stunden mit der Suche nach Alternativen, kontaktieren Großhändler oder tauschen sich im Netzwerk aus, um wenigstens kleine Kontingente zu sichern. Doch selbst dann helfen oft nur Notlösungen: Teilweise müssen Tabletten geteilt, Dosierungen umgestellt oder teurere Originalpräparate statt Generika abgegeben werden – eine Belastung für Budget und Nerven.

Wie Patienten jetzt Alternativen finden – ohne lange Wartezeit

Die Suche nach verfügbaren Medikamenten wird für Münchner Patienten zunehmend zur Herausforderung. Während Apotheken mit Lieferengpässen bei über 50 Präparaten kämpfen, zeigen aktuelle Umfragen, dass fast 60 Prozent der Betroffenen alternative Lösungen selbst in die Hand nehmen – oft mit Erfolg.

Eine bewährte Strategie: der Wechsel zu Generika. Viele verschreibungspflichtige Medikamente haben preiswerte, aber wirkstoffgleiche Alternativen. Apotheker empfehlen, den behandelnden Arzt gezielt nach Austauschmöglichkeiten zu fragen. Bei rezeptfreien Arzneimitteln lohnt sich der Vergleich zwischen Online-Apotheken und lokalen Filialen, da Lagerbestände stark variieren.

Digital hilft die Arzneimittelauskunft der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Über die Website oder App lassen sich verfügbare Packungsgrößen und Ersatzpräparate in Echtzeit abrufen. Besonders bei chronischen Erkrankungen spart das Zeit – und vermeidet unnötige Apotheken-Touren.

Für dringende Fälle bieten einige Münchner Apotheken einen Sofortbestellservice an: Sie organisieren Medikamente innerhalb von 24 Stunden aus anderen Städten, sofern der Arzt die Notwendigkeit bestätigt. Die Kosten übernimmt meist die Krankenkasse, wie eine Sprecherin des Bayerischen Apothekerverbands bestätigt.

Apotheker warnen: Notfallreserven schrumpfen weiter

Die Warnungen aus Münchens Apotheken werden lauter: Die Notfallreserven für kritische Medikamente sind im Juni auf einen historischen Tiefstand gesunken. Nach Angaben des Bayerischen Apothekerverbands liegen die Bestände bei einigen lebenswichtigen Arzneimitteln wie Antibiotika oder Asthmasprays nur noch bei etwa 30 Prozent des üblichen Niveaus. Besonders betroffen sind Generika, deren Lieferketten seit Monaten instabil bleiben.

Hinter den Kulissen läuft der Kampf um jede Packung. Apotheker müssen täglich improvisieren, ersetzen fehlende Wirkstoffe durch Alternativpräparate oder teilen die letzten verfügbaren Blister an mehrere Patienten auf. Ein Sprecher des Verbands betont, dass die Situation nicht mehr nur unangenehm, sondern gefährlich sei – vor allem für chronisch Kranke, die auf regelmäßige Medikation angewiesen sind.

Die Gründe für die anhaltende Knappheit sind vielfältig: Lieferengpässe bei Rohstoffen aus Asien, Produktionsverzögerungen in europäischen Werken und der anhaltende Preisdruck im Gesundheitssektor. Während Politik und Pharmaindustrie über Lösungen diskutieren, bleibt den Apotheken vor Ort nichts anderes übrig, als die Lager täglich neu zu bewerten und Prioritäten zu setzen. Die Hoffnung auf schnelle Besserung schwindet mit jedem Monat.

Kunden berichten mittlerweile von wartenden Schlangen vor den Apotheken, sobald eine neue Lieferung bestimmter Medikamente eingeht. Die Stimmung ist angespannt, die Geduld vieler Patienten am Limit.

Neue Strategien gegen den Mangel – was Politik und Hersteller planen

Der anhaltende Medikamentenmangel in München zwingt Politik und Pharmaunternehmen zum Handeln. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) waren im ersten Halbjahr 2024 bereits über 300 Wirkstoffe bundesweit betroffen – eine Verdopplung im Vergleich zu 2022. Besonders kritisch zeigt sich die Lage bei Antibiotika, Schmerzmitteln und Blutdrucksenkern, wo Lieferkettenstörungen und Produktionsengpässe in Asien die Versorgungskette unterbrechen. Die bayerische Staatsregierung hat nun eine Taskforce ins Leben gerufen, die gemeinsam mit Großhändlern und Apothekerverbänden kurzfristige Lösungen erarbeiten soll.

Ein zentraler Ansatz liegt in der Diversifizierung der Bezugsquellen. Bisher beziehen deutsche Apotheken rund 70 Prozent ihrer Generika aus Indien und China. Um Abhängigkeiten zu verringern, fördert das Bundesgesundheitsministerium nun die Rückkehr der Wirkstoffproduktion nach Europa. So plant der Pharmakonzern Hexal in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern den Aufbau einer neuen Produktionsstätte für Grundchemikalien in Oberbayern – mit dem Ziel, bis 2026 mindestens 30 Prozent des lokalen Bedarfs abzudecken. Parallel dazu werden Anreize für Apotheken geschaffen, größere Notfallreserven anzulegen.

Auch digitale Lösungen gewinnen an Fahrt. Seit Mai testen ausgewählte Münchner Apotheken ein Echtzeit-Meldeportal, das Engpässe automatisch an benachbarte Filialen weiterleitet und Patienten per App über verfügbare Alternativen informiert. Das System, entwickelt von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, soll bis Ende des Jahres flächendeckend eingeführt werden. Kritiker monieren jedoch, dass solche Maßnahmen nur Symptome bekämpften, solange die Preispolitik für Generika nicht reformiert werde.

Langfristig setzt die Branche auf strategische Partnerschaften. So haben sich kürzlich fünf große Pharmaunternehmen mit der EU-Kommission auf ein „Resilienz-Abkommen“ geeinigt, das Lieferketten transparenter macht und bei Krisen Prioritäten für lebenswichtige Medikamente festlegt. München könnte hier als Pilotregion dienen: Die Stadtapothekerkammer verhandelt derzeit mit dem Klinikum rechts der Isar über eine direkte Belieferung kritischer Stationen – ein Modell, das bei Erfolg auf andere Großstädte übertragen werden soll.

Die anhaltenden Lieferengpässe in Münchner Apotheken zeigen, wie fragil die Arzneimittelversorgung selbst in einer wohlhabenden Stadt wie München geworden ist—mit über 50 betroffenen Präparaten im Juni ist das kein temporäres Ärgernis, sondern ein strukturelles Problem, das Patienten direkt trifft. Besonders chronisch Kranke und ältere Menschen spüren die Folgen, wenn lebenswichtige Medikamente plötzlich nicht verfügbar sind oder nur mit aufwändigen Umwegen beschafft werden können.

Wer aktuell auf verschreibungspflichtige Arzneimittel angewiesen ist, sollte proaktiv handeln: Apotheken frühzeitig über den Bedarf informieren, nach alternativen Wirkstoffen oder Generika fragen und notfalls den Arzt um eine Anpassung der Therapie bitten—manche Engpässe lassen sich so umgehen, bevor sie zur Krise werden. Wie lange die Branche diese Situation ohne politische Lösungen durchhält, hängt davon ab, ob Lieferketten endlich stabilisiert und die Abhängigkeit von wenigen Produzenten verringert wird.