Seit Wochen stapeln sich die Anträge, die Wartezeiten explodieren: Wer in München einen internationalen Führerschein beantragt, muss derzeit mit bis zu sechs Wochen Bearbeitungszeit rechnen – ein Vielfaches der sonst üblichen zwei bis drei Tage. Betroffen sind nicht nur Urlauber, die kurzfristig ein Mietauto im Ausland benötigen, sondern auch Berufspendler und Expats, deren Mobilität plötzlich auf dem Spiel steht. Die Stadtverwaltung bestätigt die Verzögerungen, verweist aber auf Personalengpässe und eine „außergewöhnlich hohe Nachfrage“.

Für alle, die dringend den internationalen Führerschein München brauchen, wird die Situation zum Problem: Ohne das Dokument riskieren sie im Ausland hohe Strafen oder gar die Beschlagnahmung des Fahrzeugs. Besonders prekär ist die Lage für diejenigen, die bereits Reisen oder Arbeitsaufenthalte gebucht haben – und nun vor leeren Versprechungen der Behörden stehen. Dabei ist der internationale Führerschein München eigentlich ein Standardverfahren, das normalerweise reibungslos über die Büros des Kreisverwaltungsreferats (KVR) läuft. Doch aktuell herrscht Stillstand, und die Wut der Betroffenen wächst.

Warteschlangen beim Straßenverkehrsamt: Warum dauert es so lange?

Wer in München einen internationalen Führerschein beantragt, muss Geduld mitbringen – und oft viel Zeit. Vor dem Straßenverkehrsamt am Dachauer Platz schlängeln sich täglich Warteschlangen, die sich über den Vorplatz erstrecken. An manchen Tagen stehen Bürger bereits vor Öffnung um 7:30 Uhr an, um überhaupt eine Chance auf einen Termin zu haben. Die Wartezeit für einen spontanen Besuch beträgt im Schnitt vier bis sechs Stunden, wie eine Erhebung der Süddeutschen Zeitung im Frühjahr 2024 zeigte.

Der Grund für die langen Wartezeiten liegt in einem Mix aus Personalmangel und stark gestiegener Nachfrage. Seit die EU 2023 die Gültigkeitsdauer des internationalen Führerscheins von drei auf ein Jahr verkürzt hat, ist die Anzahl der Anträge in München um rund 40 Prozent gestiegen. Gleichzeitig fehlen im Verkehrsamt seit Jahren Sachbearbeiter – eine Folge von Pensionierungen und unbesetzten Stellen im öffentlichen Dienst.

Hinzu kommt das bürokratische Procedere: Jeder Antrag erfordert eine persönliche Vorsprache, da Biometriedaten erfasst und Dokumente geprüft werden müssen. Digitalisierte Abläufe, wie sie in anderen Städten bereits getestet werden, gibt es in München bisher nicht. Verkehrsexperten kritisieren, dass die Stadt hier hinterherhinkt – während etwa Berlin oder Hamburg Online-Terminbuchungen und Vorab-Checks anbieten, bleibt München bei der klassischen Schlange.

Besonders betroffen sind Berufspendler und Reisende, die den internationalen Führerschein kurzfristig für Mietwagen im Ausland benötigen. Wer keinen ganzen Tag opfern kann, greift oft zu teuren privaten Vermittlungsdiensten – oder riskiert es, ohne gültigen Schein zu fahren.

Dokumente, Gebühren, Termine – der bürokratische Weg zum internationalen Führerschein

Der Weg zum internationalen Führerschein in München beginnt mit einem Stapel an Unterlagen. Wer den grauen oder rosafarbenen Schein für Reisen außerhalb der EU benötigt, muss persönlich beim Straßenverkehrsamt vorstellig werden. Pflicht sind der gültige deutsche Führerschein, ein aktueller Personalausweis oder Reisepass sowie ein biometrisches Passfoto. Seit 2023 verlangt die Behörde zusätzlich eine Meldebestätigung, die nicht älter als drei Monate sein darf. Ohne vollständige Dokumente wird der Antrag sofort abgelehnt – und der Termin verpufft.

Die Gebühren liegen bei 15,30 Euro für den internationalen Führerschein nach dem Genfer Abkommen von 1949 (grau) und 16,30 Euro für die Version nach dem Wiener Übereinkommen von 1968 (rosa). Beide Varianten sind maximal drei Jahre gültig. Wer beide benötigt, zahlt doppelt. Laut einer Erhebung des ADAC von 2024 warten Antragsteller in München durchschnittlich vier bis sechs Wochen auf die Ausstellung – in anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg sind es oft nur zwei.

Termine zu ergattern, gleicht mitunter einem Glücksspiel. Die Wartezeiten für einen freien Slot beim KVR betragen aktuell bis zu acht Wochen. Wer kurzfristig den Führerschein benötigt, kann es mit der Online-Terminvergabe versuchen, wo gelegentlich kurzfristige Stornierungen auftauchen. Alternativ bleibt der Gang zum Bürgerbüro ohne Voranmeldung – doch hier riskiert man stundenlanges Warten oder eine Abweisung bei hohem Andrang. Die Stadt München rät dringend zur Online-Buchung, auch wenn das System oft überlastet ist.

Ein häufiger Stolperstein: die Gültigkeitsdauer. Viele Antragsteller übersehen, dass der internationale Führerschein nur in Kombination mit dem nationalen Dokument gültig ist. Verliert man den deutschen Führerschein während der Reise, wird auch der internationale automatisch ungültig. Die Behörden warnen zudem vor unseriösen Anbietern, die Express-Ausstellungen gegen hohe Gebühren anpreisen – diese Dokumente sind in der Regel wertlos.

Erfahrungsberichte: Münchner erzählen von Wartezeiten und Improvisationslösungen

Die Wartezeiten für den internationalen Führerschein in München treiben viele Autofahrer zur Verzweiflung. Besonders betroffen sind Berufspendler wie der 34-jährige Logistiker Markus B., der für seine neuen Routen nach Österreich und Italien dringend das Dokument benötigte. Nach fünf Wochen ohne Antwort vom Bürgerbüro organisierte er sich kurzfristig einen Mietwagen mit Chauffeur – eine Lösung, die ihn über 800 Euro kostete. Sein Fazit: „Für Selbstständige wie mich ist das ein existenzbedrohendes Risiko.“

Studentinnen wie Lena T. berichten von ähnlichen Erfahrungen. Da ihr Erasmus-Semester in Spanien unmittelbar bevorstand, versuchte sie es nach drei Wochen Wartezeit über den ADAC. Dort erhielt sie den Schein innerhalb von 48 Stunden – gegen eine Gebühr von 15 Euro. Laut einer aktuellen Umfrage des Münchner Verkehrsclubs nutzen mittlerweile 23% der Antragsteller solche Alternativwege, obwohl die offizielle Bearbeitungszeit eigentlich bei maximal 14 Tagen liegen sollte.

Kreativ wurde auch die Familie Obermeier, die ihren Urlaub in Kroatien nicht gefährden wollte. Statt auf das Dokument zu warten, mieteten sie vor Ort ein Auto mit automatischer Übersetzungshilfe für den deutschen Führerschein – eine Dienstleistung, die immer mehr Autoverleiher in Touristenregionen anbieten. „Es war teurer, aber wenigstens stressfrei“, so der 42-jährige Vater.

Verkehrsexperten warnen jedoch vor solchen Notlösungen. Unklare Versicherungsschutzregelungen bei improvisierten Lösungen könnten im Schadensfall zu rechtlichen Problemen führen. Besonders bei Unfällen im Ausland sei der internationale Führerschein oft zwingend erforderlich, um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden.

Alternativen für Dringende: Wo der Führerschein schneller geht

Wer in München den internationalen Führerschein dringend benötigt, muss nicht zwangsläufig sechs Wochen auf einen Termin warten. Einige Alternativen beschleunigen den Prozess – wenn auch oft mit höheren Kosten oder etwas mehr Aufwand. Besonders beliebt sind private Fahrschulen, die den Antragsprozess als Service anbieten. Diese übernehmen nicht nur die Formalitäten, sondern haben teilweise direkte Kontakte zum Straßenverkehrsamt und können Termine innerhalb von 14 Tagen organisieren. Laut einer Erhebung des ADAC nutzen rund 20 Prozent der Antragsteller in Großstädten diese Dienstleistung, um Wartezeiten zu umgehen.

Eine weitere Option: der Gang zum Bürgerbüro in weniger frequentierten Landkreisen. Wer mobil ist, kann in umliegenden Städten wie Freising, Dachau oder Starnberg nach freien Kapazitäten suchen. Die Wartezeiten liegen dort oft bei unter zwei Wochen. Vorab lohnt ein Anruf, da nicht alle Ämter den internationalen Führerschein ausstellen – aber die meisten kooperieren mit dem Münchner Straßenverkehrsamt und leiten die Unterlagen weiter.

Für absolute Eilfälle bleibt der Weg über den ADAC oder andere Automobilclubs. Mitglieder erhalten häufig Priorität bei der Terminvergabe, manchmal sogar innerhalb von 48 Stunden. Der Haken: Die Bearbeitungsgebühr liegt mit 30 bis 50 Euro deutlich über den regulären 15,30 Euro des Amts. Wer diese Option wählt, sollte alle Unterlagen – von Passfoto bis Sehtest – komplett vorbereitet haben, um Verzögerungen zu vermeiden.

Wer Zeit sparen will, kann auch online vorgehen. Einige Anbieter wie internationaler-fuehrerschein.de vermitteln Termine gegen Gebühr. Kritiker monieren zwar die zusätzlichen Kosten, doch für Berufspendler oder kurzfristige Auslandsreisen überwiegt oft der Nutzen. Wichtig: Seriosität prüfen, denn nicht alle Portale arbeiten mit offiziellen Stellen zusammen.

Digitalisierung in Sicht? Pläne der Stadt für kürzere Bearbeitungszeiten

Die Stadt München will die Wartezeiten für den internationalen Führerschein deutlich verkürzen – mit einem ehrgeizigen Digitalisierungsprojekt. Aktuell dauert die Bearbeitung bis zu sechs Wochen, während andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg denselben Vorgang in der Hälfte der Zeit erledigen. Laut einem internen Bericht des Kreisverwaltungsreferats (KVR) aus dem März 2024 soll bis Ende 2025 ein vollständig digitalisierter Antragsprozess eingeführt werden, der die Bearbeitungsdauer auf unter zwei Wochen drücken könnte.

Der Knackpunkt liegt in der manuellen Prüfung der Unterlagen. Noch immer müssen Anträge physisch sortiert, Stempel gesetzt und Dokumente händisch abgeglichen werden. Experten für Verwaltungsmodernisierung verweisen auf Studien, die zeigen, dass digitale Workflows in vergleichbaren Behörden die Fehlerquote um bis zu 40 Prozent senken – bei gleichzeitig halbierter Bearbeitungszeit. München hängt hier hinterher: Während in Stuttgart bereits 70 Prozent der Führerscheinanträge online eingereicht werden, sind es in der Landeshauptstadt gerade einmal 35 Prozent.

Konkrete Maßnahmen sind bereits in Planung. So soll noch in diesem Jahr ein Pilotprojekt starten, bei dem Anträge für den internationalen Führerschein über das Serviceportal der Stadt eingereicht und automatisch mit den Daten des Zentralen Fahrerlaubnisregisters abgeglichen werden. Parallel läuft die Schulung von Mitarbeitenden, um die neuen Systeme effizient zu nutzen. Kritiker monieren allerdings, dass ähnliche Vorhaben in der Vergangenheit an technischen Hürden oder Personalmangel scheiterten.

Bürgermeister Dieter Reiter (SPD) betonte in einer Sitzung des Stadtrats, dass die Priorität auf „schlanken, nutzerfreundlichen Lösungen“ liege – ohne zusätzliche Bürokratie. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Fest steht: Solange die Digitalisierung stockt, bleiben Münchner Autofahrer auf Geduld oder teure Express-Dienste angewiesen.

Wer in München einen internationalen Führerschein braucht, muss sich auf Wartezeiten von bis zu sechs Wochen einstellen – ein Ärgernis für alle, die kurzfristig ins Ausland reisen oder dort fahren wollen. Die Bürokratie im KVR und Personalmangel verschärfen das Problem, während digitale Lösungen oder Terminbeschleunigungen bisher kaum greifen.

Betroffenen bleibt oft nur, den Antrag frühzeitig zu stellen oder alternative Optionen wie Mietwagen mit lokalem Führerschein zu prüfen, falls das Zielland dies erlaubt. Wer die Wartezeit umgehen will, sollte direkt beim ADAC nachfragen, der in manchen Fällen schneller helfen kann.

Ohne grundlegende Reformen im Meldewesen wird sich an den langen Bearbeitungszeiten wenig ändern – doch der Druck auf die Stadt wächst, endlich praktikable Lösungen zu finden.