Seit den frühen Morgenstunden des 8. August steht der Münchner Hauptbahnhof still – und bleibt es vorerst auch. Ein schwerwiegender Defekt an der Oberleitung hat den gesamten Fern- und Regionalverkehr lahmgelegt, wie die Deutsche Bahn bestätigte. Betroffen sind nicht nur Pendler, sondern auch tausende Reisende, die täglich über den größten Bahnhof Bayerns mit rund 450.000 Fahrgästen pro Tag unterwegs sind. Ersatzbusse und Umleitungen sollen die größten Engpässe abfedern, doch die Situation bleibt angespannt: Bis mindestens 12. August wird mit Einschränkungen gerechnet.

Für München bedeutet die Sperrung des Hauptbahnhofs mehr als nur Verspätungen. Der Knotenpunkt ist das Herzstück des öffentlichen Verkehrs in der Region, vernetzt ICE-Linien mit S-Bahn und U-Bahn und verbindet die Stadt mit dem gesamten Land. Ohne funktionierenden Betrieb am Münchner Hbf stockt nicht nur der Personenverkehr – auch Lieferketten und wirtschaftliche Abläufe geraten ins Stocken. Die Bahn arbeitet unter Hochdruck an der Reparatur, doch bis zur vollständigen Wiederherstellung der Oberleitung bleibt die Geduld der Fahrgäste die einzige Alternative.

Ursache des massiven Oberleitungsdefekts

Der massive Schaden an der Oberleitung im Münchner Hauptbahnhof geht auf ein seltenes, aber bekanntes Phänomen zurück: eine Kaskadenstörung durch Materialermüdung in Kombination mit extremen Witterungsbedingungen. Laut Angaben der Deutschen Bahn handelte es sich um einen Riss in einer tragenden Halterung, der sich innerhalb weniger Stunden auf über 200 Meter Länge ausbreitete. Solche Schäden treten vor allem auf, wenn Stahlkomponenten über Jahrzehnte hinweg Mikrovibrationen ausgesetzt sind – etwa durch vorbeifahrende Züge oder Temperaturschwankungen. Im konkreten Fall beschleunigte die aktuelle Hitzewelle mit Temperaturen über 35 Grad den Prozess, da sich die Metallteile stärker ausdehnten als üblich.

Experten des Eisenbahn-Bundesamts bestätigen, dass solche Großschäden zwar selten sind, aber besonders in hochfrequentierten Knotenpunkten wie München zu langwierigen Sperrungen führen. Statistisch gesehen kommt es in Deutschland jährlich zu etwa 15 schweren Oberleitungsdefekten – die meisten davon jedoch auf weniger stark befahrenen Strecken, wo Reparaturen zügiger möglich sind. Im Hauptbahnhof München erschwert die komplexe Infrastruktur mit über 30 Gleisen und einem dichten Taktfahrplan die Arbeiten zusätzlich.

Hinzu kam ein technisches Detail: Die betroffene Strecke nutzt ein älteres Oberleitungssystem der Bauart Re 250, das in den 1990er Jahren verbaut wurde. Während moderne Anlagen über redundante Sicherungssysteme verfügen, die Teilausfälle abfedern können, fehlt diese Absicherung hier. Ein Sprecher der Bahn erklärte, dass die Sanierung nun nicht nur die defekte Stelle, sondern auch präventiv benachbarte Abschnitte umfasst – um ähnliche Vorfälle während der anstehenden Großbaustelle für die zweite S-Bahn-Stammstrecke zu vermeiden.

Die genauen Ursachen klärt derzeit eine Sonderkommission, doch erste Analysen deuten auf eine Kombination aus Alterung, Wartungsrückstand und externen Belastungen hin. So hatten bereits 2022 Gutachten auf erhöhten Verschleiß in diesem Bereich hingewiesen, ohne dass es zu akuten Maßnahmen kam.

Welche Züge fallen aus – und welche Alternativen gibt es?

Der Ausfall des Münchner Hauptbahnhofs trifft den Fern- und Regionalverkehr gleichermaßen hart. Laut Angaben der Deutschen Bahn fallen bis zum 12. August rund 40 Prozent aller geplanten Fernverkehrszüge aus oder werden umgeleitet. Besonders betroffen sind ICE-Verbindungen in Richtung Stuttgart, Nürnberg und Berlin, die entweder komplett entfallen oder über Augsburg und Ingolstadt umgeleitet werden. Auch Nachtzüge wie der Nightjet nach Wien oder Zürich starten und enden vorerst in München-Pasing statt im Hauptbahnhof.

Für Pendler aus dem Umland gestaltet sich die Situation noch komplizierter. Die S-Bahn-Linien S1 bis S8 fahren zwar weiterhin, enden aber größtenteils in München Ost, Laim oder Pasing. Experten der Bahn warnen vor erheblichen Verspätungen im gesamten Netz, da Ausweichstrecken wie die Strecke über Freising bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Wer kann, sollte auf alternative Verkehrsmittel ausweichen – oder Homeoffice nutzen.

Als Ersatz bieten die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und die Deutsche Bahn zusätzliche Busse und Tramverbindungen an. Zwischen Pasing und Ostbahnhof verkehrt etwa ein Schienenersatzverkehr im 10-Minuten-Takt, während die Tramlinie 19 ihre Fahrten zwischen St.-Veit-Straße und Hauptbahnhof verdichtet hat. Für Fernreisende empfiehlt die Bahn, vorab die aktuelle Fahrplanauskunft zu prüfen, da sich kurzfristige Änderungen ergeben können. Tickets für ausgefallene Züge bleiben auch in Regionalzügen oder Bussen gültig.

Wer dringend nach München reisen muss, sollte Umstiege in Augsburg, Ingolstadt oder Regensburg einplanen. Dort halten viele Fernzüge, die normalerweise durch München fahren würden. Die Bahn rät zudem, größere Bahnhöfe wie Pasing oder Ostbahnhof frühzeitig anzusteuern, da dort mit längeren Wartezeiten zu rechnen ist.

So kommen Pendler trotz Sperrung ans Ziel

Die vollständige Sperrung des Münchner Hauptbahnhofs bis zum 12. August stellt Zehntausende Pendler vor eine Herausforderung. Doch Alternativen gibt es – und sie sind besser ausgebaut, als viele denken. Laut Angaben der Deutschen Bahn nutzen täglich rund 450.000 Fahrgäste den Knotenpunkt. Für sie gilt jetzt: Umsteigen auf Ersatzverbindungen oder andere Verkehrsmittel, bevor die ersten Staus auf den Straßen entstehen.

Wer auf die Schiene angewiesen bleibt, sollte die Umleitungsstrecken über den Bahnhof Pasing oder den Ostbahnhof nutzen. Beide Stationen werden während der Sperrung als zentrale Knotenpunkte gestärkt, mit zusätzlichen Regionalzügen und verlängerten S-Bahn-Takten. Besonders Pasing profitiert von seiner Lage im Westen der Stadt – hier halten jetzt auch Fernverkehrszüge, die normalerweise nur den Hauptbahnhof bedienen. Fahrgastverbände raten dazu, die App DB Navigator für Echtzeit-Updates zu nutzen, da sich Verspätungen durch die Umleitungen häufen können.

Für alle, die flexibel sind, bietet sich der Umstieg auf Tram und U-Bahn an. Die MVG hat bereits angekündigt, die Takte auf den Linien U1, U2, U4 und U5 zu verdichten. Auch die Tramlinie 19, die direkt vom Stachus zum Ostbahnhof fährt, könnte für viele Pendler aus den östlichen Stadtteilen eine schnelle Lösung sein. Wer mit dem Rad unterwegs ist, findet an beiden Ersatzbahnhöfen ausreichend Abstellmöglichkeiten – ein Vorteil, den Autofahrer in den kommenden Tagen sicherlich beneiden werden.

Wer unbedingt mit dem Auto fahren muss, sollte die Park-and-Ride-Plätze an den S-Bahn-Stationen im Umland nutzen. Besonders die Parkhäuser in Dachau, Freising oder Ebersberg bieten ausreichend Kapazitäten und direkte Anbindungen an die umgeleiteten Züge. Verkehrsplaner warnen jedoch vor längeren Fahrzeiten: Auf den Autobahnen A8 und A99 rechnet man bereits mit erhöhten Stauaufkommen, sobald die Rushhour beginnt.

Fahrgastverbände fordern Entschädigung für Betroffene

Die Sperrung des Münchner Hauptbahnhofs trifft nicht nur Pendler und Reisende hart – sie wirft auch grundsätzliche Fragen nach Fahrgastrechten auf. Fahrgastverbände wie der Pro Bahn und die Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) kritisieren, dass Betroffene bisher ohne konkrete Entschädigungsangebote bleiben. „Bei einer mehrtägigen Vollsperrung eines solchen Knotenpunkts müssen automatische Erstattungen greifen“, fordert ein Sprecher des DBV. Bisher erhalten Reisende lediglich Hinweise auf mögliche Kulanzlösungen – ein Verfahren, das Verbände als „bürokratische Hürde“ bezeichnen.

Laut einer aktuellen Erhebung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) führen unvorhergesehene Störungen im Schienenverkehr bei 68 Prozent der Betroffenen zu finanziellen oder beruflichen Nachteilen. Doch während bei Verspätungen ab 60 Minuten Ansprüche auf Teilrückerstattung bestehen, fehlt für komplette Streckenausfälle oft eine klare Regelung. Die Verbände verweisen auf Präzedenzfälle wie die ICE-Sperrung nach dem Edersee-Unfall 2021, als die Bahn pauschal 25 Euro pro Tag erstattete.

Besonders problematisch: Viele Fahrgäste wissen gar nicht, dass sie Ansprüche geltend machen könnten. „Die Bahn informiert zu wenig über bestehende Rechte“, moniert ein Pro Bahn-Vertreter. Während Vielfahrer mit BahnCards oft kulante Lösungen erhalten, bleiben Gelegenheitsreisende oder Touristen ohne Unterstützung zurück. Die Verbände fordern nun eine zentrale Anlaufstelle für Entschädigungsanträge – sowie eine proaktive Kontaktaufnahme der Bahn mit betroffenen Kunden.

Kritik gibt es auch an der Kommunikation der Deutschen Bahn. Statt klarer Handlungsanweisungen dominieren vage Formulierungen wie „individuelle Prüfung“. Für Verbände ein Zeichen, dass das Unternehmen die Verantwortung auf die Kunden abwälzt. Dabei wäre eine pauschale Lösung nicht nur fairer, sondern auch effizienter: „Ein automatisiertes System würde die Bahn entlasten und den Ärger der Fahrgäste mindern“, so die einhellige Meinung.

Wann normaler Betrieb wieder möglich sein soll

Der Zeitplan für die Wiederaufnahme des regulären Betriebs am Münchner Hauptbahnhof steht bereits fest – zumindest unter Vorbehalt. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, soll der Knotenpunkt ab dem 13. August um 4:30 Uhr schrittweise wieder in den Normalbetrieb übergehen. Voraussetzung dafür ist, dass die Reparaturarbeiten an der beschädigten Oberleitung planmäßig verlaufen und keine weiteren technischen Überraschungen auftreten. Experten der Bahn rechnen damit, dass die Hauptgleise 11 bis 18 bis dahin vollständig instand gesetzt sind, während Nebenstrecken bereits früher freigegeben werden könnten.

Hintergrund der optimistischen Prognose sind die Fortschritte bei den Notfallarbeiten. Über 200 Techniker und Ingenieure arbeiten rund um die Uhr in Schichten, um die auf einer Länge von etwa 1,2 Kilometern beschädigte Oberleitung zu ersetzen. Laut Angaben des Bahninfrastruktur-Unternehmens DB Netz werden dabei hochspezialisierte Schweißroboter eingesetzt, die präziser und schneller arbeiten als manuelle Methoden. Parallel laufen Tests an den neuen Komponenten, um sicherzustellen, dass keine Folgeschäden durch den Kurzschluss vom 5. August entstanden sind.

Für Fahrgäste bedeutet das: Bis zum 12. August bleibt der Hauptbahnhof für den Fern- und Regionalverkehr komplett gesperrt. Ersatzverkehr mit Bussen und Umleitungen über die S-Bahn-Haltepunkte Hackerbrücke oder Karlspreplatz soll die größten Engpässe abfedern. Die Bahn warnt jedoch vor erheblichen Verspätungen, da bis zu 1.200 Züge täglich den Knoten normalerweise passieren – eine logistische Herausforderung, die selbst mit Notfallplänen nicht vollständig zu kompensieren ist.

Sollten die Reparaturen wider Erwarten länger dauern, hat die Bahn bereits einen Puffer einkalkuliert. In diesem Fall würde der Betrieb schrittweise ab dem 14. August hochgefahren, mit Priorität für den Fernverkehr. Eine vollständige Rückkehr zum Fahrplan vor dem 15. August gilt jedoch als unwahrscheinlich, da auch die anschließenden Sicherheitsabnahmen Zeit in Anspruch nehmen.

Die Sperrung des Münchner Hauptbahnhofs bis zum 12. August wirft Reisende und Pendler erneut in ein Chaos aus Umleitungen und Verspätungen – ein klares Zeichen, wie anfällig die kritische Infrastruktur auf unerwartete technische Defekte reagiert. Besonders betroffen sind Fernverkehrsreisende, die nun über Stuttgart oder Nürnberg umgeleitet werden, was nicht nur Zeit kostet, sondern auch die Kapazitäten anderer Knotenpunkte an ihre Grenzen bringt.

Wer in den kommenden Tagen unterwegs ist, sollte dringend die Live-Auskünfte der Deutschen Bahn nutzen, Alternativrouten über Regionalzüge prüfen oder – wo möglich – auf andere Verkehrsmittel wie Fernbusse ausweichen, um längere Wartezeiten zu vermeiden. Die aktuelle Situation unterstreicht einmal mehr, wie notwendig langfristige Investitionen in die Modernisierung des Schienennetzes sind, um solche Ausfälle künftig zu minimieren.