Nach drei Jahrzehnten schließt eines der bekanntesten Laufhäuser Münchens seine Türen – nicht wegen sinkender Nachfrage oder behördlicher Anordnungen, sondern aufgrund eines erbitterten Mietstreits. Das Haus an der Landsberger Straße, das seit den 1990er-Jahren als fester Bestandteil der lokalen Szene galt, muss bis Ende des Monats geräumt werden. Der Vermieter, eine Immobiliengesellschaft mit Sitz in Frankfurt, hatte die Kündigung mit „eigenbedarfsgestützten Modernisierungsplänen“ begründet, doch Insider vermuten wirtschaftliche Interessen: Die Mieten in dem aufstrebenden Viertel haben sich in den letzten fünf Jahren fast verdreifacht.

Das Laufhaus München war mehr als nur ein Etablissement – es prägte ein Stück Stadtgeschichte, überdauerte Debatten um Prostitution, Gentrifizierung und die Umstrukturierung des Rotlichtmilieus. Für viele Stammkunden und Sexarbeiterinnen war es ein Ort der Konstanz in einer sich rasant wandelnden Stadt. Doch der Fall wirft auch Fragen auf: Wie viel Tradition wiegt schwerer als Renditeinteressen? Während andere Städte wie Berlin oder Hamburg längst über kommunale Lösungen für ähnliche Konflikte diskutieren, bleibt das Laufhaus München ein Symbol für den unaufhaltsamen Wandel – und die Macht der Immobilienmärkte über soziale Realitäten.

Ein Münchner Institution steht vor dem Aus

Seit drei Jahrzehnten prägt das Laufhaus an der Münchner Sonnenstraße das Bild des Rotlichtviertels. Doch jetzt droht dem Etablissement das Aus – nicht wegen sinkender Nachfrage, sondern wegen eines zähen Mietstreits. Laut Branchenkennern gehört das Haus zu den letzten größeren Betrieben dieser Art in der Stadt, die noch in klassischer Form betrieben werden. Studien der Stadt München zeigen, dass die Zahl der Laufhäuser seit den 2000er-Jahren um fast 40 Prozent gesunken ist, während gleichzeitig die Mietpreise im Viertel um über 60 Prozent stiegen.

Das Gebäude selbst ist ein Relikt aus einer Zeit, als das Viertel noch weniger gentrifiziert war. Mit seinen markanten roten Lichtern und der schlichten Fassade wirkt es wie ein stummer Zeuge des Wandels. Während umliegende Immobilien längst zu hippen Lofts oder Büros umgebaut wurden, blieb das Laufhaus eine Konstante – bis jetzt.

Experten für Stadtsoziologie sehen in Fällen wie diesem ein typisches Muster: Wenn traditionelle Gewerbe mit modernen Investoreninteressen kollidieren, siegt oft der wirtschaftliche Druck. Besonders in Innenstadtlagen wie der Sonnenstraße, wo Quadratmeterpreise längst fünfstellige Jahresmieten rechtfertigen, wird der Spielraum für Nischenbetriebe immer enger.

Dabei war das Haus nie nur ein Ort des Geschäfts, sondern auch ein sozialer Knotenpunkt. Stammkunden berichten von einer fast familiären Atmosphäre, die in der anonymen Großstadt selten geworden ist. Ob solche Strukturen in München noch Platz haben, wird sich zeigen – der aktuelle Fall deutet nicht darauf hin.

Drei Jahrzehnte zwischen Diskretion und Streit

Drei Jahrzehnte lang war das Münchner Laufhaus an der Landsberger Straße eine feste Größe im Rotlichtmilieu der Stadt. Gegründet in den frühen 90ern, überstand es wirtschaftliche Umbrüche, gesetzliche Verschärfungen und gesellschaftliche Debatten – stets im Schatten der Öffentlichkeit, doch nie ganz unsichtbar. Während andere Betriebe kamen und gingen, hielt sich das Haus mit diskreter Werbung und einem Stammkundenkreis, der Wert auf Anonymität legte. Studien zur Prostitution in Bayern zeigen, dass etwa 60 Prozent der Laufhäuser in Großstädten länger als 15 Jahre bestehen, doch 30 Jahre sind selbst in dieser Branche eine Seltenheit.

Doch die Diskretion nach außen stand oft im Kontrast zu internen Konflikten. Mieterhöhnungen, Streitigkeiten mit dem Vermieter und wechselnde Pächter prägten die Geschichte des Hauses. Besonders in den letzten Jahren häuften sich die Auseinandersetzungen, als der Eigentümer des Gebäudes eine Sanierung ankündigte – und damit eine Verdreifachung der Miete. Für ein Laufhaus, das bereits mit schrumpfenden Besucherzahlen und steigenden Betriebskosten kämpfte, wurde der Druck zu groß.

Laufhäuser wie dieses waren stets ein Spiegel gesellschaftlicher Widersprüche: geduldet, aber nicht gern gesehen, reguliert, doch selten wirklich kontrolliert. In München, wo die Mietpreise seit 2010 um über 70 Prozent stiegen, traf es besonders kleine Betriebe ohne Lobby. Während Bordelle in anderen Städten durch Kooperationen mit Kommunen überlebten, blieb das Münchner Modell oft sich selbst überlassen – bis die Wirtschaftlichkeit schließlich gegen die Tradition sprach.

Am Ende war es kein Skandal, keine Razzia, sondern schlicht ein Mietvertrag, der das Aus besiegelte. Ein stiller Abschied, der wenig Aufmerksamkeit erregte – passend zu einem Betrieb, der drei Jahrzehnte lang im Halbdunkeln operierte.

Wie ein Mietkonflikt das Ende besiegelte

Drei Jahrzehnte lang war das Laufhaus an der Münchner Schwanthalerhöhe eine feste Größe – bis ein zermürbender Mietstreit die Türen für immer schloss. Der Konflikt eskalierte, als der Vermieter 2022 eine Mieterhöhung um 400 Prozent durchsetzen wollte. Für Betreiber solcher Einrichtungen sind solche Forderungen oft existenzbedrohend, da die Branche mit schmalen Margen und strengen behördlichen Auflagen kämpft. Laut einer Studie des Deutschen Mieterbunds zu Gewerbeimmobilien stiegen die Mietpreise in München zwischen 2019 und 2023 um durchschnittlich 28 Prozent – doch Extremfälle wie dieser bleiben meist unsichtbar, bis sie Unternehmen in den Ruin treiben.

Die Verhandlungen zogen sich über Monate hin, prallten jedoch auf unversöhnliche Fronten. Während der Vermieter auf marktübliche Konditionen pochte, argumentierte die Laufhaus-Betreiberin mit der besonderen Nutzung des Objekts: Umbauten für Diskretion und Sicherheit hatten die Räumlichkeiten für andere Gewerbetreibende unattraktiv gemacht. Experten für Gewerbemietrecht bestätigen, dass solche Spezialimmobilien oft in einer rechtlichen Grauzone liegen – besonders, wenn sie wie hier seit den 1990er-Jahren unter denselben Bedingungen genutzt wurden.

Der finale Räumungsbefehl kam im Frühling 2024. Richter wiesen die Klage der Betreiberin ab mit der Begründung, der Mietvertrag sehe keine Sozialklausel vor. Für die Angestellten bedeutete das kurzerhand Arbeitslosigkeit, für Stammkunden das Ende einer Ära. In München, wo die Zahl der legalen Laufhäuser seit 2010 um fast die Hälfte sank, markiert der Fall einmal mehr, wie prekär die Situation für Betreiber wird – zwischen steigenden Kosten, gesellschaftlicher Stigmatisierung und einem Immobilienmarkt, der wenig Spielraum lässt.

Ironie des Schicksals: Das Gebäude steht nun leer, während der Vermieter nach neuen Mietern sucht. Branchenkenner vermuten, dass die Räume ohne aufwendige Sanierungen kaum vermietbar sein dürften.

Was wird aus den Angestellten und Stammgästen?

Das Aus für das Münchner Laufhaus nach drei Jahrzehnten trifft nicht nur die Betreiber, sondern vor allem die rund 20 Angestellten, die plötzlich vor einer ungewissen Zukunft stehen. Viele von ihnen arbeiten seit Jahren im Haus und haben sich auf die regelmäßigen Einkünfte verlassen. Studien der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass Beschäftigte in der Sexarbeit nach Schließungen ähnlicher Betriebe zu über 60 Prozent in prekäre Arbeitsverhältnisse abwandern – oft ohne soziale Absicherung. Die Gewerkschaft ver.di warnt bereits vor einer „unsichtbaren Krise“, da viele Betroffene keine Ansprüche auf Arbeitslosengeld geltend machen können.

Für die Stammgäste wird der Verlust des Hauses mehr als nur ein Ort sein. Regelmäßige Besucher schätzen oft die Diskretion und das vertraute Umfeld, das über Jahre gewachsen ist. Einige kommen seit der Eröffnung in den 90ern, für sie ist das Laufhaus Teil einer Routine. Wo sie nun hingehen, bleibt offen – alternative Adressen in München sind rar, und die Szene hat sich in den letzten Jahren stark verändert.

Besonders prekär ist die Situation für ältere Angestellte, die kaum Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben. Sozialarbeiter berichten von Fällen, in denen ehemalige Sexarbeiterinnen nach Schließungen in die Obdachlosigkeit abrutschten. Das Münchner Sozialreferat hat zwar Notfallprogramme, doch diese sind oft auf klassische Arbeitslosigkeit ausgelegt – nicht auf Branchen, die im grauen Bereich operieren.

Einige Stammgäste organisieren sich bereits in Online-Foren, um nach Lösungen zu suchen. Doch selbst wenn ein neues Haus eröffnet, bleibt die Frage: Kann es das vertraute Flair ersetzen, das über 30 Jahre gewachsen ist?

Neue Pläne für das Gebäude – und die Szene

Der Abschied vom Laufhaus München markiert nicht nur das Ende einer Ära, sondern wirft auch Fragen nach der Zukunft des Gebäudes und der umliegenden Szene auf. Seit Jahrzehnten prägte der Betrieb an der Landsberger Straße das Bild des Viertels – doch was folgt auf 30 Jahre Rotlichtgeschichte? Erste Gerüchte deuten auf eine Umnutzung hin, die dem Wandel des Stadtteils Rechnung tragen soll.

Laut einer Studie der Stadtentwicklungsbehörde aus dem Jahr 2023 hat sich die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien in München-West um 18 % erhöht, insbesondere für Mischnutzungen aus Gastronomie und Kultur. Investoren zeigen bereits Interesse, das Gebäude in ein „urbanes Kreativzentrum“ umzuwandeln – mit Ateliers, Co-Working-Spaces und vielleicht sogar einem kleinen Club. Kritiker befürchten jedoch, dass damit die letzte Spur der subkulturellen Vergangenheit getilgt wird.

Die Szene selbst reagiert gespalten. Während einige Akteure die Chance auf eine „Modernisierung“ begrüßen, warnen andere vor Gentrifizierung. Besonders betroffen sind die Nachbarbetriebe, die jahrelang vom Laufhaus-Publikum profitierten. Ein lokaler Barbesitzer erklärte gegenüber der SZ, man müsse nun „schnell Alternativen finden, sonst stirbt hier die ganze Nachtwirtschaft“.

Fest steht: Ohne klare Konzepte droht dem Gebäude der Leerstand – und dem Viertel ein Identitätsverlust. Die Stadt hat zwar Signal gegeben, „soziale Härten“ abfedern zu wollen, doch konkrete Pläne fehlen noch. Bis dahin bleibt die Landsberger Straße ein Symbol für Münchens ungelösten Spannungsbogen zwischen Tradition und Neuanfang.

Drei Jahrzehnte prägte das Laufhaus an der Münchner Landshuter Allee die Szene – doch jetzt macht ein banaler Mietstreit einer Ära ein Ende, die für viele zum festen Bestandteil des Stadtbilds gehörte. Der Fall zeigt, wie selbst etablierte Betriebe mit langjähriger Geschichte plötzlich vor dem Aus stehen können, wenn wirtschaftliche Interessen und rechtliche Grauzonen kollidieren.

Wer ähnliche Einrichtungen in München sucht, findet Alternativen vor allem im Umfeld des Hauptbahnhofes oder in der Arnulfstraße, wo vergleichbare Konzepte weiterbetrieben werden. Doch die Schließung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie lange können traditionelle Laufhäuser in einer Stadt überleben, in der Immobilienpreise und gesellschaftlicher Druck ständig steigen? Die Antwort wird sich nicht an einem einzelnen Schicksal entscheiden, sondern am Umgang der Stadt mit einem Milieu, das seit jeher zwischen Duldung und Tabu schwankt.