Mit 120 neuen Kursen setzt die Münchner Volkshochschule im Herbst 2024 ein deutliches Zeichen für lebenslanges Lernen. Von Programmierkursen für Berufseinsteiger bis zu Kreativworkshops für Senioren deckt das Angebot erstmals auch Nischenthemen wie urbanes Gärtnern oder KI-gestützte Fotobearbeitung ab. Besonders auffällig: Fast ein Drittel der Neuzugänge reagiert direkt auf aktuelle gesellschaftliche Trends – etwa Kurse zu nachhaltigem Konsum oder psychischer Resilienz im digitalen Zeitalter.
Für Münchnerinnen und Münchner bedeutet das erweiterte Programm der Volkshochschule München mehr als nur Weiterbildung. Es spiegelt die Dynamik einer Stadt wider, in der Wissensdurst und praktische Skills gleichermaßen gefragt sind. Ob für den Job, das Hobby oder persönliche Herausforderungen – die Bandbreite zeigt, wie moderner Bildungsauftrag heute aussieht. Und wer genau hinschaut, entdeckt sogar Kooperationen mit lokalen Unternehmen, die Absolventen gezielt in den Arbeitsmarkt begleiten.
Von der Abendschule zur modernen Bildungsplattform
Die Münchner Volkshochschule (MVHS) blickt auf eine 105-jährige Geschichte zurück – doch ihr Ursprung als klassische Abendschule für Berufstätige und Bildungsinteressierte ist längst nur noch ein Kapitel unter vielen. Was 1919 mit Kursen in Stenografie und Fremdsprachen für Fabrikarbeiter begann, hat sich zu einer der größten kommunalen Weiterbildungseinrichtungen Deutschlands entwickelt. Heute nutzt die MVHS moderne Lernplattformen, Hybridformate und kooperiert mit Hochschulen, um lebenslanges Lernen flexibel und niedrigschwellig anzubieten.
Der Wandel zeigt sich besonders in den Zahlen: Während in den 1980er-Jahren noch über 80 Prozent der Teilnehmer:innen aus München kamen, besuchen heute rund 30 Prozent der Kursteilnehmenden die Angebote digital – viele von ihnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Bildungsforscher verweisen darauf, dass diese Entwicklung kein Zufall ist: Volkshochschulen wie die MVHS haben früh erkannt, dass Weiterbildung nicht mehr an physische Räume gebunden sein muss, um wirksam zu sein.
Ein Beispiel für die moderne Ausrichtung ist das neue „MVHS Campus“-Portal, das seit 2023 schrittweise eingeführt wird. Hier finden sich nicht nur Kursmaterialien, sondern auch interaktive Lernpfade, die individuell auf Vorkenntnisse abgestimmt werden können. Wer etwa einen Sprachkurs belegt, erhält automatisch Vorschläge für passende Konversationsgruppen oder kulturelle Begleitveranstaltungen – ein Service, der klassische Abendschulmodelle weit hinter sich lässt.
Doch die MVHS bewahrt bewusst auch Traditionen: Noch immer gibt es Kurse, die bewusst ohne digitale Hilfsmittel auskommen, etwa die beliebten Philosophie-Salons oder handwerkliche Workshops in den historischen Räumen der Einsteinstraße. Diese Mischung aus Innovation und Bewährtem macht die Einrichtung zu einem Spiegel Münchens selbst – einer Stadt, die ihre Geschichte pflegt, ohne den Anschluss an die Gegenwart zu verlieren.
Sprachen, Handwerk und Digitales: Die Highlights des Programms
Sprachbegeisterte kommen im Herbstprogramm der Münchner Volkshochschule auf ihre Kosten: Mit 45 neuen Sprachkursen – von Arabisch für Anfänger bis hin zu Fortgeschrittenen-Konversation auf Japanisch – deckt die MVHS ein Spektrum ab, das selbst selten nachgefragte Sprachen wie Schwedisch oder Persisch einschließt. Besonders gefragt sind nach wie vor die klassischen Fremdsprachen: Englischkurse machen fast ein Drittel des Sprachangebots aus, gefolgt von Spanisch und Französisch. Neu im Programm ist ein intensiver Business-Englisch-Kurs, der speziell auf die Bedürfnisse von Berufseinsteigern zugeschnitten ist und in Kooperation mit lokalen Unternehmen entwickelt wurde.
Wer handwerkliche Fähigkeiten erwerben oder vertiefen möchte, findet im aktuellen Katalog 28 Workshops – von traditionellem Töpfern über Möbelrestaurierung bis hin zu modernen Techniken wie 3D-Druck. Ein Highlight ist der Kurs „Nachhaltiges Upcycling“, der zeigt, wie aus alten Materialien neue Möbelstücke entstehen. Laut einer aktuellen Umfrage der deutschen Volkshochschulen steigt die Nachfrage nach handwerklichen Kursen seit 2022 um jährlich 12 %, was die MVHS mit einem erweiterten Angebot aufgreift.
Digitalisierung bleibt ein zentraler Schwerpunkt. Die MVHS reagiert auf den wachsenden Bedarf an Medienkompetenz mit 18 neuen Kursen – darunter Grundlagen der Programmierung mit Python, Datenschutz im Alltag und ein Workshop für Senioren zum sicheren Umgang mit Smartphones. Erstmals wird auch ein Kurs zu künstlicher Intelligenz angeboten, der sich an Einsteiger richtet und praktische Anwendungen wie Textgenerierung oder Bildbearbeitung vermittelt.
Besonders familienfreundlich zeigt sich das Programm mit kombinierten Angeboten wie „Eltern-Kind-Programmieren“, bei dem Eltern gemeinsam mit ihren Kindern erste Schritte in der digitalen Welt gehen. Auch die Abendkurse für Berufstätige wurden ausgeweitet, um flexiblere Teilnahme zu ermöglichen.
Anmeldung, Kosten und Fördermöglichkeiten im Überblick
Die Anmeldung für die Herbstkurse der Münchner Volkshochschule (MVHS) läuft seit dem 1. August – und das Interesse ist groß. Allein in den ersten drei Tagen nach Freischaltung des Portals verzeichnete die MVHS über 8.000 Buchungen, ein Rekord für die viertgrößte Volkshochschule Deutschlands. Wer noch einen Platz ergattern möchte, sollte nicht zögern: Beliebte Kurse wie „Grundlagen der Programmierung mit Python“ oder „Kreatives Schreiben für Anfänger“ sind oft innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Die Registrierung erfolgt bequem online über die Website der MVHS oder persönlich in einem der sieben Stadtbezirkszentren.
Die Kosten variieren je nach Kursformat und Dauer. Ein Standardkurs mit 12 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten kostet zwischen 80 und 150 Euro. Besonders günstig sind die Angebote im Bereich „Politik und Gesellschaft“: Hier beginnen die Preise bereits bei 30 Euro für komprimierte Workshops. Wer langfristig sparen möchte, kann das MVHS-Semesterticket für 280 Euro erwerben – es ermöglicht die Teilnahme an bis zu fünf Kursen pro Semester.
Für einkommensschwache Münchner gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Der „Bildungsscheck Bayern“ übernimmt bis zu 500 Euro pro Jahr für berufsbezogene Weiterbildungen, während das MVHS-eigene „Sozialticket“ Ermäßigungen von bis zu 70 Prozent auf ausgewählte Kurse gewährt. Laut einer Studie der Universität Bamberg aus dem Jahr 2023 nutzen rund 15 Prozent der MVHS-Teilnehmenden solche Förderprogramme – Tendenz steigend. Anträge lassen sich direkt bei der Kursanmeldung stellen; die Bearbeitung dauert in der Regel weniger als eine Woche.
Wer unsicher ist, ob ein Kurs die richtige Wahl trifft, kann viele Angebote zunächst als Schnupperstunde besuchen. Diese Option gilt vor allem für Sprachkurse und kreative Fächer wie Malerei oder Musik. Die MVHS rät Interessierten, sich frühzeitig über die genauen Konditionen zu informieren, da die Regelungen je nach Fachbereich variieren.
Wie die Kurse Berufseinsteiger und Quereinsteiger unterstützen
Der Arbeitsmarkt in München bleibt dynamisch – und die Volkshochschule reagiert darauf. Mit gezielten Kursen für Berufseinsteiger und Quereinsteiger deckt das Herbstprogramm 2024 Lücken ab, die viele Arbeitgeber in Bewerbungsgesprächen immer wieder bemängeln. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fehlen bei fast 40 Prozent der Bewerber ohne Berufserfahrung grundlegende digitale Kompetenzen oder branchenspezifisches Know-how. Genau hier setzen die neuen Angebote an: Von Excel-Grundlagen für Bürojobs bis hin zu Projektmanagement-Zertifikaten für Technikeinsteiger bietet die MVHS praxisnahe Qualifizierungen, die direkt im Lebenslauf verankert werden können.
Besonders Quereinsteiger profitieren von den modular aufgebauten Kursen. Wer etwa aus dem Einzelhandel in die Pflege wechseln möchte, findet hier passgenaue Vorbereitungskurse – inklusive Praktikumsvermittlung und Bewerbungstraining. Die Dozenten, oft selbst Branchenkenner mit Personalverantwortung, vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch die ungeschriebenen Regeln verschiedener Berufsfelder. Ein Beispiel: Der Kurs „Technisches Englisch für Handwerker“ richtet sich speziell an Fachkräfte mit Migrationshintergrund, die ihre Sprachkenntnisse berufsbezogen ausbauen wollen.
Flexibilität steht im Mittelpunkt. Viele Kurse lassen sich berufsbegleitend absolvieren, andere sind als Intensivwochenenden konzipiert. Für Berufseinsteiger ohne finanzielle Rücklagen gibt es zudem ermäßigte Gebühren oder die Möglichkeit, Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit einzulösen. Die MVHS kooperiert hier eng mit lokalen Unternehmen, die teilweise sogar Kursplätze sponsern – eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitssuchende.
Ein weiterer Pluspunkt: die enge Verzahnung mit der Münchner Wirtschaft. Durch regelmäßige Feedbackrunden mit Personalverantwortlichen passt die Volkshochschule ihre Inhalte kontinuierlich an. So entstand etwa der neue Kurs „KI-Grundlagen für Büroberufe“ nach dem Hinweis mehrerer IT-Firmen, dass selbst einfache Tools wie Chatbots oder Datenanalyse-Programme in Bewerbungen zunehmend erwartet werden. Wer hier früh einsteigt, hat bessere Karten.
Zukunftspläne: Hybridangebote und nachhaltige Bildungskonzepte
Die Münchner Volkshochschule (MVHS) setzt mit ihrem Herbstprogramm 2024 nicht nur auf quantitative Vielfalt, sondern auch auf strategische Weichenstellungen für die Zukunft. Laut dem aktuellen Bildungsbericht des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung nutzen bereits 38 Prozent der Volkshochschul-Teilnehmenden bundesweit hybride Lernformate – eine Zahl, die die MVHS mit gezielten Angeboten weiter steigern will. Ab September werden daher ausgewählte Sprachkurse, IT-Schulungen und kreative Workshops sowohl in Präsenz als auch online buchbar sein, um Flexibilität für Berufstätige, Eltern und Pendler zu schaffen. Die technische Infrastruktur wurde dafür in den letzten Monaten deutlich ausgebaut, darunter hochauflösende Kamerasysteme in den Räumlichkeiten der Einsteinstraße und eine benutzerfreundliche Lernplattform mit interaktiven Tools.
Nachhaltigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle – und zwar nicht nur inhaltlich, sondern auch konzeptionell. Erstmals integriert die MVHS im Herbstprogramm das Modell der „Klima-Kompaktkurse“, bei denen Teilnehmende in nur vier Wochen Grundlagen zu Themen wie Urban Gardening, nachhaltiger Ernährung oder Kreislaufwirtschaft erlernen. Diese Formate sind bewusst kurz gehalten, um niedrigschwelligen Zugang zu bieten und gleichzeitig Ressourcen zu schonen. Ergänzt wird das Angebot durch Kooperationen mit lokalen Initiativen wie den Münchner Repair-Cafés, deren Expertise direkt in die Kursgestaltung einfließt.
Langfristig plant die MVHS, bis 2026 mindestens 40 Prozent ihres gesamten Kursportfolios als hybride oder digitale Varianten anzubieten. Besonders im Fokus stehen dabei berufsbegleitende Zertifikatslehrgänge, etwa im Bereich der digitalen Kompetenzen oder der Pflegefortbildung. Studien zeigen, dass hybride Formate die Abbrecherquoten um bis zu 20 Prozent senken können – ein Argument, das auch die MVHS überzeugte. Parallel läuft die Entwicklung eines „Bildungspasses Nachhaltigkeit“, der Teilnehmenden ihre erworbenen Kenntnisse in diesem Bereich dokumentiert und so die Sichtbarkeit grüner Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt erhöht.
Die Umstellung erfordert jedoch mehr als nur technische Anpassungen. Schulungen für die rund 800 Dozentinnen und Dozenten der MVHS laufen bereits, um sie auf die Besonderheiten der digitalen Wissensvermittlung vorzubereiten. Dabei geht es nicht nur um den Umgang mit Tools, sondern auch um didaktische Methoden, die Interaktion und Motivation in virtuellen Räumen fördern. Ein Pilotprojekt mit der Ludwig-Maximilians-Universität München evaluiert derzeit, wie sich Präsenz- und Online-Phasen optimal kombinieren lassen, ohne die Qualität der Vermittlung zu beeinträchtigen.
Die Münchner Volkshochschule setzt mit ihrem Herbstprogramm 2024 einmal mehr ein starkes Zeichen für lebenslanges Lernen – nicht nur durch die Rekordzahl von 120 neuen Kursen, sondern durch ein Angebot, das gezielt aktuelle Bedürfnisse aufgreift, von digitalen Kompetenzen bis zu nachhaltigem Wohnen. Wer bisher gezögert hat, sich weiterzubilden, findet hier niedrigschwellige Einstiege, flexible Formate und Themen, die direkt im Alltag wirken, ob im Beruf oder Privatleben.
Ein Blick in den Katalog lohnt sich besonders für diejenigen, die konkrete Fähigkeiten wie Programmieren, Sprachen oder handwerkliche Techniken erlernen möchten, aber auch für alle, die einfach Neues ausprobieren wollen – die Anmeldung läuft bereits, und viele Kurse füllen sich schnell. Mit diesem Programm unterstreicht die MVHS nicht nur ihre Rolle als zentraler Bildungsort der Stadt, sondern zeigt auch, wie zeitgemäße Weiterbildung aussehen kann: praxisnah, inklusiv und voller Möglichkeiten für die nächsten Monate.

