Ein Glas Prosecco für 12 Euro – was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien, ist in München längst Realität. Die Preise für den italienischen Schaumwein klettern in der bayerischen Metropole kontinuierlich nach oben, und die 10-Euro-Marke pro Glas ist mittlerweile kein Einzelfall mehr. Besonders in angesagten Vierteln wie Schwabing oder der Innenstadt verlangen Wirte inzwischen Summen, die selbst gestandene Münchner Stammgäste stutzen lassen. Wer abends noch schnell einen Prisecco München bestellt, muss tief in die Tasche greifen – und das oft für Standardqualität ohne besondere Herkunftsbezeichnung.
Die Entwicklung trifft nicht nur Touristen, die ohnehin mit höheren Preisen rechnen. Auch Einheimische spüren den Unterschied, wenn der Wochenend-Aperitif plötzlich so viel kostet wie ein halbes Essen. Dabei war der Prisecco München einst als günstige Alternative zum Champagner beliebt – doch diese Zeiten sind vorbei. Während einige Wirte die Teuerung mit gestiegenen Einkaufspreisen begründen, vermuten Kritiker vor allem eines: dass die Nachfrage in der wohlhabenden Stadt schlicht jede Preisspirale rechtfertigt. Ob Trend oder Dauerzustand – fest steht, dass Münchens Gastronomie eine neue Preisära eingeläutet hat.
Warum Münchner Kneipen jetzt kräftig aufschlagen
Die Preisschraube in Münchner Kneipen dreht sich weiter – und besonders Prosecco-Liebhaber spüren es jetzt im Geldbeutel. Wo vor einem Jahr noch acht Euro für ein Glas Standard waren, verlangen viele Wirte inzwischen bis zu zwölf Euro. Der Grund liegt nicht allein in der Inflation, sondern auch in den stark gestiegenen Einkaufspreisen für italienischen Schaumwein. Laut einer aktuellen Erhebung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Bayern sind die Großhandelspreise für Prosecco seit 2022 um durchschnittlich 28 Prozent geklettert. Die Wirte geben diese Kosten weiter, doch nicht alle Gäste nehmen es gelassen hin.
Besonders in Szenevierteln wie Schwabing oder der Maxvorstadt reagieren Stammgäste mit Unverständnis. „Früher war Prosecco das günstige Alternativgetränk zum Champagner – heute kostet er fast so viel“, hört man häufig an den Tresen. Doch die Wirte haben wenig Spielraum: Neben den höheren Einkaufskosten schlagen auch Energiekosten, Mieten und gestiegene Löhne zu Buche. Wer die Preise nicht anpasst, riskiert rote Zahlen.
Einige Lokale versuchen, mit kreativen Lösungen gegenzusteuern. Statt teurer Marken-Proseccos setzen sie auf günstigere Alternativen aus regionalem Anbau oder reduzieren die Glasgröße von 0,1 auf 0,08 Liter. Doch selbst das reicht oft nicht aus, um die Preissprünge abzufedern. Die Folge: Viele Gäste bestellen seltener Schaumwein – oder wechseln gleich in Bars, wo die Preise noch moderater sind.
Ob sich die Lage bald entspannt, bleibt fraglich. Die Prosecco-Ernte 2023 in Italien fiel aufgrund von Wetterextremen schlechter aus als erwartet, was die Preise weiter unter Druck setzt. Bis die nächste Lese bessere Erträge bringt, müssen Münchner Gastwirte und ihre Gäste wohl oder übel tief in die Tasche greifen.
Prosecco für zwölf Euro – diese Lokale ziehen mit
Während manche Münchner Gastronomen ihre Prosecco-Preise auf bis zu zwölf Euro hochschrauben, setzen andere auf moderatere Preispolitik – ohne an Qualität zu sparen. Im Café Frischhut am Viktualienmarkt bleibt das Glas Prosecco bei 6,50 Euro, obwohl die Betriebskosten auch hier gestiegen sind. „Wir wollen nicht, dass unsere Stammgäste plötzlich überlegen müssen, ob sie sich ein zweites Glas leisten können“, erklärt ein Mitarbeiter. Der Familienbetrieb setzt stattdessen auf höhere Umsätze durch Treue statt durch Einzelpreis-Erhöhungen.
Ähnlich handelt das Bar Centrale in der Schellingstraße. Hier kostet der Prosecco seit Jahren stabil 7,80 Euro – trotz Lieferengpässen und Inflation. Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) halten rund 40 Prozent der bayerischen Gastwirte ihre Getränkepreise bewusst niedrig, um die Gästebindung nicht zu gefährden. Stattdessen reduzieren viele die Portionsgrößen oder setzen auf saisonale Angebote.
Ein weiterer Ansatz: Hausmarken und Direktimporte. Das Ristorante Da Michele in Schwabing bezieht seinen Prosecco direkt von einem Winzer in der Provinz Treviso und spart so Zwischenhändler-Margen. Das Ergebnis: 8,50 Euro pro Glas, während vergleichbare Qualitäten anderswo längst die Zehn-Euro-Marke geknackt haben. „Wer klug einkauft, muss nicht jeden Cent auf den Gast abwälzen“, heißt es aus der Branche.
Doch nicht alle können oder wollen sich anpassen. Kleine Bars wie das Vinothek im Glockenbachviertel erhöhten zwar auf 9,20 Euro, bieten dafür aber monatlich wechselnde Prosecco-Sorten aus Nischenanbau an – ein Kompromiss zwischen Kosten und Kundenerlebnis. Die Strategie scheint aufzugehen: Die Gäste zahlen gern etwas mehr, wenn sie im Gegenzug etwas Besonderes geboten bekommen.
Gäste reagieren: zwischen Verständnis und empörtem Boykott
Die Reaktionen auf die drastischen Preiserhöhungen in Münchner Bars und Restaurants fallen gespalten aus. Während einige Gäste die Anpassungen als unvermeidbar akzeptieren, lösen die neuen Preise bei anderen blankes Entsetzen aus. Besonders der Prosecco für bis zu 12 Euro pro Glas sorgt für hitzige Diskussionen in sozialen Medien. „Das ist schlicht Wucher“, kommentiert ein Nutzer unter einem Post der Süddeutschen Zeitung, während eine andere Stimme die Wirte verteidigt: „Wer selbst mal Personal gesucht hat, weiß, warum die Preise steigen müssen.“
Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) zeigt, dass rund 60 Prozent der Gäste in Großstädten höhere Preise grundsätzlich nachvollziehen können – allerdings nur, wenn die Qualität stimmt. Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Viele Münchner fühlen sich von den aktuellen Erhöhungen überrumpelt. „Früher war ein Aperitif in der Stadt noch erschwinglich, jetzt muss man für zwei Gläser Prosecco fast 25 Euro hinlegen“, moniert eine Stammgästin aus Schwabing. Die Preissprünge von teilweise über 50 Prozent innerhalb weniger Monate treffen besonders junge Leute und Studenten, die sich den Luxus kaum noch leisten können.
Boykottaufrufe machen bereits die Runde. In einigen Online-Foren organisieren sich Gruppen, die gezielt Lokale meiden wollen, die ihre Preise überdurchschnittlich angehoben haben. „Wenn ein Glas Hauswein plötzlich 9 Euro kostet, dann gehe ich lieber woanders hin“, schreibt ein Nutzer in einer lokalen Facebook-Gruppe. Gleichzeitig melden sich aber auch Gäste zu Wort, die betonen, dass sie bereit seien, mehr zu zahlen – solange Transparenz herrscht. „Wenn der Wirt erklärt, warum die Preise steigen, ist das für mich okay“, so ein Gast aus Haidhausen.
Die Stimmung ist angespannt, und die Debatte zeigt: Die Preispolitik wird für viele Wirte zum Balanceakt. Während die einen mit kulanten Stammkundentarifen oder kleineren Portionen gegensteuern, setzen andere auf klare Kommunikation – oder ignorieren die Kritik einfach.
So spart man trotzdem: Alternativen ohne Geschmacksverlust
Wer in München nicht auf den gewohnten Prosecco-Genuss verzichten will, muss kreativ werden. Statt im überteuerten Innenstadt-Lokal lohnt sich der Blick auf kleinere Weinstuben in Schwabing oder Haidhausen, wo Gläser oft noch zwischen 6 und 8 Euro kosten. Besonders in Familienbetrieben bleiben die Preise stabiler – hier setzt man auf Stammkunden statt auf Touristen. Ein Tipp: Viele Wirte bieten Hausmarken an, die qualitativ gleichwertig sind, aber ohne den teuren Importaufschlag.
Alternativ greifen immer mehr Gäste zu regionalen Schaumweinen aus Franken oder der Pfalz. Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Weinakademie bevorzugen mittlerweile 38 Prozent der Münchner bei Sekt und Prosecco lokale Alternativen – nicht nur aus Preisfairness, sondern auch aus Geschmacksüberzeugung. Wer es besonders günstig mag, bestellt einfach Piccolo-Flaschen (0,2 Liter) statt Einzelgläser: Die kosten oft nur halb so viel und lassen sich besser teilen.
Für Feierabend-Runden mit Kollegen oder Freundestreffen empfiehlt sich der Umweg über den Einzelhandel. Discounter wie Aldi oder Lidl führen regelmäßig Prosecco zwischen 4 und 6 Euro pro Flasche – selbst hochwertige DOCG-Marken sind im Angebot manchmal günstiger als ein einziges Glas in der Bar. Wer die Flasche mitbringt, spart nicht nur Geld, sondern umgeht auch die oft überhöhten Korkengelder der Gastronomie.
Und wer ganz auf den Sprudel nicht verzichten will, probiert einfach mal etwas Neues: Crémant aus dem Elsass oder Cava aus Spanien bieten ähnliche Frische zu deutlich niedrigeren Preisen. In vielen Münchner Bars stehen diese Alternativen längst auf der Karte – oft als „Geheimtipp“ der Wirte, die ihre Gäste trotz Inflation nicht verlieren wollen.
Bleibt der Preisschock – oder droht bald die Trendwende?
Die Preisspirale bei Münchner Wirtshäusern dreht sich weiter – doch erste Anzeichen deuten auf eine mögliche Entspannung hin. Aktuelle Daten des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHGV) zeigen, dass die Umsätze in der Branche im ersten Quartal 2024 zwar um 8 Prozent stiegen, die Besucherzahlen aber gleichzeitig um 3 Prozent zurückgingen. Ein klares Signal, dass Gäste langsam an ihre Grenzen stoßen. Besonders bei Premium-Produkten wie Prosecco, wo die 10-Euro-Marke pro Glas längst keine Seltenheit mehr ist, wird der Widerstand spürbar.
Branchenkenner führen die aktuellen Preissprünge vor allem auf die anhaltend hohen Betriebskosten zurück. Energie, Mieten und Personalkosten fressen bis zu 70 Prozent der Einnahmen auf – ein Wert, der vor der Pandemie noch bei etwa 55 Prozent lag. Doch während viele Wirte die Preise in den letzten Monaten fast monatlich anpassten, mehren sich nun Stimmen, die vor einer Überdehnung warnen. „Wenn der Gast das Gefühl hat, für ein Glas Wein fast so viel zu zahlen wie für ein Hauptgericht, bleibt er irgendwann weg“, heißt es aus Kreisen der Münchner Gastronomie.
Ein Hoffnungsschimmer kommt aus der Logistik: Die Frachtkosten für italienische Weine sind seit Jahresbeginn um rund 15 Prozent gesunken. Auch die Lohnforderungen der Gewerkschaften fallen moderater aus als befürchtet. Sollten sich diese Trends stabilisieren, könnte das erste Wirte bereits im Herbst zu einer vorsichtigen Preiskorrektur bewegen – zumindest bei den stark nachgefragten Standardweinen.
Doch bis dahin bleibt die Lage angespannt. Vor allem in den Innenstadtlagen, wo die Mieten pro Quadratmeter teilweise höher sind als in Mailands Nobelvierteln, gibt es kaum Spielraum. Hier setzen viele Betreiber stattdessen auf kreative Lösungen: kleinere Portionen, Hausmarken oder Happy-Hour-Angebote in ruhigen Zeiten. Ob das reicht, um die Gäste zurückzugewinnen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Die Preiserhöhungen in Münchner Kneipen und Bars zeigen deutlich: Prosecco für acht bis zwölf Euro pro Glas ist kein Einzelfall mehr, sondern wird zunehmend zur Norm—getrieben von steigenden Betriebskosten und einer Nachfrage, die solche Preise offenbar trägt. Wer nicht jedes Mal tief in die Tasche greifen will, sollte gezielt nach Happy-Hour-Angeboten Ausschau halten oder kleinere, weniger touristische Lokale aufsuchen, wo die Preise oft noch moderater ausfallen.
Dass die Entwicklung so bleibt, steht außer Frage—die Frage ist nur, wie lange Gäste bereit sind, für den gewohnten Sprudelwein-Genuss deutlich mehr zu zahlen als in anderen deutschen Städten.

