Mit einem Schlag reagiert die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auf jahrzehntelangen Stillstand: Die geplante Erweiterung des U-Bahn-Netzes München markiert den größten Ausbau seit der Jahrtausendwende. Über 12 Kilometer neue Strecken, fünf zusätzliche Stationen und eine Milliarde Euro Investitionen sollen bis 2035 das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs stärken. Besonders die Linien U5 und U6 erhalten Zuwachs – letztere soll erstmals bis nach Martinsried fahren und damit Tausende Pendler aus dem Wissenschafts- und Forschungsstandort direkt an das Stadtzentrum anbinden.

Für die über 1,5 Millionen Einwohner und täglich 900.000 Fahrgäste im bestehenden U-Bahn-Netz München kommt die Ankündigung nicht zu früh. Engpässe an Stoßzeiten, überlastete Umsteigeknoten wie Marienplatz und eine wachsende Stadtbevölkerung machten den Handlungsdruck unübersehbar. Die Erweiterung verspricht nicht nur Entlastung, sondern auch eine Neuverteilung der Verkehrsströme – besonders in Richtungen, die bisher nur umständlich mit Bussen oder der S-Bahn zu erreichen waren. Ob die ehrgeizigen Pläne halten, was sie versprechen, wird sich zeigen müssen.

Münchens U-Bahn-Netz steht vor historischem Wachstum

Mit dem Spatenstich für die U5-Verlängerung nach Pasing und den konkreten Planungen für die U9 beginnt eine neue Ära im Münchner Nahverkehr. Das Netz wächst erstmals seit der Jahrtausendwende wieder substantiell – und das an gleich mehreren Fronten. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) spricht von einem „historischen Moment“, der die Weichen für die nächsten Jahrzehnte stellt.

Allein die Verlängerung der U5 um 2,4 Kilometer bis Pasing wird voraussichtlich 850 Millionen Euro verschlingen. Doch die Investition lohnt sich: Prognosen zufolge steigt die Zahl der Fahrgäste auf dieser Strecke bis 2030 um rund 40 Prozent. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die U9, die als Tangentiallinie von Olympiazentrum über Schwabing bis nach Neuperlach die bestehenden Radiallinien entlasten soll. Verkehrsplaner betonen, dass solche Querverbindungen in einer wachsenden Stadt wie München längst überfällig seien.

Besonders im Westen Münchens wird sich das Gesicht des ÖPNV grundlegend ändern. Die neuen Haltestellen in Pasing – darunter ein Umsteigeknoten zum S-Bahn-Netz – schaffen direkte Anbindungen für Zehntausende Pendler. Bisher mussten viele Umwege in Kauf nehmen oder auf Busse ausweichen. Mit der Fertigstellung der U5-Erweiterung 2028 verkürzt sich für sie die Fahrtzeit ins Zentrum um bis zu 20 Minuten.

Doch nicht nur die Strecken selbst wachsen. Hinter den Kulissen arbeitet die MVG an einer Modernisierung der gesamten Infrastruktur: von digitalen Stellwerken über barrierefreie Zugänge bis hin zu einer Verdichtung des Takts auf den stark frequentierten Linien. Kritiker monieren zwar, dass die Bauzeiten lang und die Kosten hoch seien. Doch für die Stadtentwicklung ist das Projekt alternativlos – will München seine Klimaziele erreichen und gleichzeitig die Lebensqualität in den äußeren Bezirken sichern.

Drei neue Linienabschnitte und 10 Kilometer Gleis bis 2030

Bis 2030 wird das Münchner U-Bahn-Netz um drei neue Linienabschnitte und insgesamt zehn Kilometer Gleis wachsen – die größte Erweiterung seit der Jahrtausendwende. Die Pläne der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sehen vor, dass die U5 bis zum Olympiazentrum verlängert wird, während die U6 eine neue Station am Klinikum Großhadern erhält. Parallel entsteht ein komplett neuer Ast der U9, der die Messestadt mit dem Werksviertel verbindet.

Besonders ehrgeizig ist das Vorhaben an der U5: Hier sollen nicht nur 2,3 Kilometer neue Strecke entstehen, sondern auch zwei zusätzliche Stationen den Nordwesten der Stadt besser anbinden. Verkehrsexperten betonen, dass diese Erweiterung die Kapazität im Berufsverkehr um bis zu 20 Prozent steigern könnte – eine dringend benötigte Entlastung für die stark frequentierte Linie.

Die U9 wird erstmals als eigenständige Verbindung zwischen der Messestadt und dem aufstrebenden Werksviertel fungieren. Mit vier neuen Haltestellen auf einer Strecke von 4,1 Kilometern reagiert die MVG auf die wachsende Nachfrage in den boomenden Stadtteilen. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich 2026, wobei die Inbetriebnahme schrittweise erfolgen soll.

Finanziert wird das Milliardenprojekt durch Bund, Land und Stadt – ein Zeichen für die Priorität, die der ÖPNV-Ausbau in München genießt. Kritiker monieren zwar mögliche Bauverzögerungen, doch die MVG zeigt sich optimistisch: Erste Teilabschnitte könnten bereits 2028 fertiggestellt sein.

Wie die Erweiterung Fahrgäste im Norden und Osten entlastet

Die geplante U-Bahn-Erweiterung kommt vor allem für Pendler aus dem Münchner Norden und Osten wie ein lang ersehnter Befreiungsschlag. Aktuell kämpfen Linien wie die U6 an der Haltestelle Studentenstadt regelmäßig mit Überfüllungen – besonders zu Stoßzeiten drängen sich hier bis zu 3.200 Fahrgäste pro Stunde in die Wagen, wie aktuelle MVG-Zählungen zeigen. Die neuen Streckenabschnitte sollen diese Belastungsspitzen deutlich abmildern, indem sie alternative Routen schaffen und die Taktung auf stark frequentierten Abschnitten verdichten.

Im Norden profitiert besonders der Raum Schwabing-Freimann. Die Verlängerung der U6 um zwei Stationen bis zur neuen Endhaltestelle Nordhaide entlastet nicht nur die bestehende Strecke, sondern bindet auch das wachsende Wohn- und Gewerbegebiet besser an. Verkehrsexperten gehen davon aus, dass sich dadurch die Auslastung zwischen Dietlindenstraße und Studentenstadt um bis zu 20 Prozent reduzieren lässt – ein spürbarer Unterschied für Tausende Berufspendler.

Im Osten setzt die MVG auf eine cleverere Vernetzung: Die neue U9 soll ab 2030 die Lücke zwischen den bestehenden Linien U2 und U5 schließen und so direkte Umsteigeverbindungen ohne Umweg über den Hauptbahnhof ermöglichen. Gerade für Fahrgäste aus Berg am Laim oder Trudering bedeutet das kürzere Fahrzeiten und weniger Gedränge in den Stoßzeiten. Die Planer haben hier besonders die Zersiedelung der Nachkriegsgebiete im Blick, wo viele Haushalte auf den ÖPNV angewiesen sind.

Langfristig könnte die Erweiterung sogar den Individualverkehr reduzieren. Studien des Verkehrsverbunds München zeigen, dass jede neue U-Bahn-Station im Durchschnitt 500 Autofahrten pro Tag ersetzt. Für die stark belasteten Ausfallstraßen wie die Ingolstädter Straße oder die Friedrich-Engels-Bücke wäre das eine spürbare Entlastung – und ein Schritt hin zu einer klimafreundlicheren Stadt.

Bauphasen, Sperrungen und Alternativrouten im Überblick

Die Erweiterung des Münchner U-Bahn-Netzes läuft in mehreren klar definierten Bauphasen ab, die bis 2030 gestaffelt sind. Den Anfang macht 2025 der Abschnitt zwischen Olympiazentrum und Petuelring (U3), wo vor allem nachts und an Wochenenden mit Vollsperrungen zu rechnen ist. Parallel beginnen ab 2026 die Vorarbeiten für die neue U9 zwischen Sendlinger Tor und Neuperlach Süd – hier sind zunächst nur Teilabschnitte betroffen, doch ab 2028 wird der Abschnitt von Kolumbusplatz bis Neuperlach Süd für mindestens 18 Monate komplett gesperrt. Verkehrsexperten der TU München schätzen, dass während dieser Phase bis zu 20.000 Pendler täglich auf Ersatzverbindungen ausweichen müssen.

Für die U5-Verlängerung Richtung Pasing plant die MVG eine rollierende Sperrstrategie: Zwischen 2027 und 2029 wird der Abschnitt Westendstraße–Laim in drei Etappen jeweils für vier bis sechs Monate unterbrochen. Hier setzt man auf nächtliche Bauarbeiten, um den Tagbetrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Kritisch wird es jedoch 2029, wenn die Weichenverbindungen am Hauptbahnhof umgebaut werden – dann ist mit wochenlangen Einschränkungen auf den Linien U1, U2, U4 und U5 zu rechnen.

Als Alternativrouten empfiehlt die MVG während der Hauptbauphasen vor allem die S-Bahn-Linien S1 bis S8, die an zentralen Umsteigeknoten wie Hauptbahnhof, Ostbahnhof und Marienplatz haltmachen. Zudem werden temporäre Bus-Shuttles eingerichtet, etwa zwischen Petuelring und Moosach (Ersatz für U3) oder von Neuperlach Süd nach Perlach (für die U9-Bauphase). Für Radfahrer entstehen zusätzliche Abstellanlagen an den betroffenen Stationen, da die MVG mit einem Anstieg des Fahrradverkehrs um bis zu 30 Prozent rechnet.

Besonders herausfordernd wird die Koordination der Baustellen mit dem bestehenden Verkehr: Allein im Jahr 2028 überschneiden sich die Arbeiten an der U3, U5 und U9 an fünf kritischen Punkten. Um Staus zu vermeiden, setzt die Stadt auf eine dynamische Ampelschaltung und Echtzeit-Navigationsdaten für Verkehrsleitsysteme. Die genauen Zeitpläne und Umleitungsempfehlungen werden ab 2025 über die MVG-App und digitale Infotafeln an den Stationen abrufbar sein.

Langfristige Pläne: Vision für ein U-Bahn-Netz bis 2040

Bis 2040 soll Münchens U-Bahn-Netz nicht nur wachsen, sondern grundlegend neu gedacht werden. Die MVG plant ein System, das die Stadt flächendeckend erschließt – mit 15 neuen Stationen und einer Verlängerung der Linien um insgesamt 25 Kilometer. Besonders im Fokus: die Anbindung bisher vernachlässigter Stadtteile wie Freiham oder das Messestadt-Riem-Gebiet, wo bis zu 30.000 neue Wohnungen entstehen. Verkehrsexperten betonen, dass solche Erweiterungen entscheidend sind, um den erwarteten Bevölkerungszuwachs von 20 % bis 2035 zu bewältigen.

Ein zentrales Element der Vision ist die U9, die als erste Linie Münchens Nordosten mit dem Südwesten verbinden soll. Geplant ist eine Strecke von der Studentenstadt über Schwabing bis nach Perlach – quer durch die Stadt, ohne Umsteigen. Damit würde sich die Reisezeit zwischen diesen Punkten um bis zu 40 % verkürzen. Die Machbarkeitsstudie, die 2023 in Auftrag gegeben wurde, sieht vor, dass die U9 bis 2038 schrittweise in Betrieb geht.

Doch nicht nur neue Linien stehen auf der Agenda. Bestandsstrecken wie die U6 sollen modernisiert und mit zusätzlichen Zügen entlastet werden, um die Taktung in Stoßzeiten auf unter drei Minuten zu verdichten. Kritiker monieren zwar, dass solche Projekte oft an Finanzierungslücken scheitern. Die MVG verweist jedoch auf das aktuelle Investitionsvolumen von 3,2 Milliarden Euro – das größte in der Geschichte des Unternehmens.

Langfristig könnte München damit zu den europäischen Metropolen aufschließen, die bereits über ein dichtes U-Bahn-Netz verfügen. Wien oder Barcelona zeigen, wie eine gut vernetzte Infrastruktur die Lebensqualität steigert. Ob die Pläne halten, was sie versprechen, wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten zeigen.

Die geplante U-Bahn-Erweiterung markiert einen historischen Moment für München: Erstmals seit zwei Jahrzehnten wächst das Netz nicht nur in kleinen Schritten, sondern mit klaren Prioritäten für entlastete Innenstadtbereiche, bessere Anbindung peripherer Stadtteile und eine direkte Verbindung zum Forschungszentrum in Garching. Besonders Pendler und Studierende profitieren langfristig von kürzeren Fahrzeiten und weniger Umstiegsstress – vorausgesetzt, die Bauarbeiten halten den Zeitplan ein und die Finanzierung bleibt gesichert.

Wer jetzt schon von den Veränderungen betroffen ist, sollte die MVG-Apps und Baustellen-Updates regelmäßig prüfen, um Umleitungen oder Ersatzverkehr frühzeitig einzuplanen. Mit jedem neuen Abschnitt rückt München näher an ein Verkehrskonzept, das Wachstum und Lebensqualität endlich unter einen Hut bringt – und setzt damit ein Signal für andere Großstädte, die ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen.