Ab 2025 rollt München grüner: Die MVG München setzt auf 20 brandneue Elektrobusse, die jährlich rund 5.000 Tonnen CO₂ einsparen sollen. Die ersten Fahrzeuge der neuen Flotte werden auf der Linie 100 zwischen Moosach und Ostbahnhof unterwegs sein, weitere Strecken folgen bis Ende des Jahres. Mit einer Reichweite von bis zu 250 Kilometern pro Ladung und Schnellladefunktionen an den Endhaltestellen markiert das Projekt einen entscheidenden Schritt in Richtung klimaneutraler Nahverkehr.

Für Fahrgäste bedeutet die Aufrüstung der MVG München nicht nur saubere Luft, sondern auch mehr Komfort: Die E-Busse bieten USB-Anschlüsse, Echtzeit-Infos zu Verspätungen und eine geräuschärmere Fahrt. Die Investition von über 30 Millionen Euro unterstreicht das ehrgeizige Ziel der Stadt, bis 2035 die gesamte Busflotte auf Elektroantrieb umzustellen. Wer täglich mit Bus und Bahn unterwegs ist, wird die Veränderungen schon bald spüren – und das nicht nur auf den Hauptrouten.

Münchens Weg zur klimaneutralen Flotte

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) setzt seit Jahren konsequent auf Elektromobilität – nicht als Trend, sondern als strategische Notwendigkeit. Bereits 2020 rollten die ersten E-Busse durch die Stadt, doch der aktuelle Plan geht weit darüber hinaus: Bis 2035 soll die gesamte Busflotte klimaneutral sein. Ein ehrgeiziges Ziel, das nur mit klaren Etappen und massiven Investitionen in Infrastruktur gelingen kann.

Der jüngste Schritt ist die Bestellung von 20 zusätzlichen E-Bussen für 2025, die auf den Linien 100, 144 und 199 zum Einsatz kommen. Doch Zahlen allein sagen wenig über die Herausforderung dahinter. Laut einer Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) benötigen Kommunen für eine vollständige Umstellung nicht nur Fahrzeuge, sondern auch ein flächendeckendes Ladekonzept – pro E-Bus reichen einfache Steckdosen nicht aus. Die MVG reagiert darauf mit dem Ausbau von Schnellladestationen an Endhaltestellen und einem intelligenten Energie-Management, das Lastspitzen im Stromnetz vermeidet.

Kritiker monieren zwar die hohen Anschaffungskosten, die bei rund 500.000 Euro pro E-Bus liegen – fast das Doppelte eines Dieselmodells. Doch die Rechnung geht auf: Über die Lebensdauer spart die MVG durch geringere Betriebskosten und staatliche Fördergelder bis zu 30 % ein. Hinzu kommt der ökologische Nutzen: Jeder umgestellte Bus reduziert den CO₂-Ausstoß um etwa 80 Tonnen jährlich.

Parallel läuft die Schulung der Fahrer:innen, denn E-Busse erfordern ein angepasstes Fahrverhalten, um die Reichweite zu optimieren. Bremsenergie-Rückgewinnung und vorausschauende Routenplanung werden dabei genauso trainiert wie der Umgang mit der neuen Technik. Die MVG setzt hier auf interne Workshops und Partnerschaften mit Herstellern – ein Beweis dafür, dass die Umstellung nicht nur die Fahrzeuge, sondern das gesamte System betrifft.

Die 20 neuen E-Busse im Detail

Die 20 neuen E-Busse der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) setzen auf modernste Technik: Jedes Fahrzeug verfügt über eine Batteriekapazität von 440 kWh, was eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern pro Ladung ermöglicht – selbst bei winterlichen Temperaturen. Die Busse des Typs Mercedes-Benz eCitaro G, eine Gelenkvariante mit 18 Metern Länge, bieten Platz für 120 Fahrgäste und sind mit drei Türen für zügiges Ein- und Aussteigen ausgestattet. Besonders auffällig ist das Design: Die Frontpartie erinnert an die klassische MVG-Optik, kombiniert aber glatte Linien mit LED-Lichtbändern für bessere Sichtbarkeit.

Ein zentrales Merkmal der neuen Flotte ist die Ladeinfrastruktur. An den Endhaltestellen der Linien 100 und 144 entstehen derzeit Schnellladestationen mit 300 kW Leistung, die während der kurzen Standzeiten die Batterien in weniger als 10 Minuten auf 80 Prozent aufladen. Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zu E-Bus-Projekten in Großstädten reduziert diese Technik die Betriebsausfallzeiten um bis zu 30 Prozent im Vergleich zu älteren Modellen.

Im Innenraum setzen die Busse auf Barrierefreiheit und Komfort. Niedrige Einstiege, ein durchgehender Niederflurbereich und zwei Rollstuhlplätze gehören zur Standardausstattung. Klimatisierung mit Wärmepumpe sorgt für angenehme Temperaturen – ein entscheidender Faktor, da die Fahrzeuge ganzjährig im Einsatz sein werden. Die Sitze bestehen aus recycelten Materialien, und digitale Fahrgastinformationssysteme zeigen Echtzeitdaten zu Verspätungen oder Umleitungen an.

Technisch überzeugen die eCitaro G auch durch ihr Sicherheitskonzept. Notbremsassistenten, Abbiegeassistenten mit Radarfunktion und eine 360-Grad-Kameraüberwachung sollen Unfälle minimieren. Die MVG testete diese Systeme bereits 2023 in einem Pilotprojekt auf der Linie 133 – mit dem Ergebnis, dass kritische Situationen im Straßenverkehr um 40 Prozent sanken.

Wo die Elektroflitzer 2025 fahren werden

Ab 2025 rollen die neuen E-Busse der MVG nicht nur durch die Innenstadt, sondern erschließen gezielt Strecken mit hohem Fahrgastaufkommen und topografischen Vorteilen für Elektroantriebe. Den Anfang macht die Linie 100, die künftig zwischen Moosach und dem Ostbahnhof verkehrt – eine 12 Kilometer lange Route mit häufigen Haltestellen, aber relativ flachem Profil. Ideal für die Reichweite der Batterien, die laut Herstellerangaben bis zu 250 Kilometer pro Ladung schaffen. Die MVG setzt hier auf eine Taktung von fünf Minuten in der Hauptverkehrszeit, was die Linie zu einer der am stärksten frequentierten des Netzes macht.

Auch die Linie 59, die vom Olympiazentrum nach Neuperlach Süd fährt, wird auf Elektroantrieb umgestellt. Mit ihrer Mischung aus Stadtverkehr und längeren Abschnitten auf der Mittleren Ringstraße dient sie als Teststrecke für die Effizienz der neuen Fahrzeuge unter unterschiedlichen Bedingungen. Verkehrsexperten betonen, dass gerade Strecken mit häufigen Brems- und Beschleunigungsvorgängen – wie sie im Münchner Berufsverkehr typisch sind – die Stärken von E-Bussen besonders zur Geltung bringen: bis zu 30 Prozent Energieersparnis gegenüber Dieselbussen durch Rekuperation.

Neu im Plan ist zudem die Linie 134, die ab kommendem Jahr die Messestadt Riem mit der Max-Weber-Platz verbindet. Hier kommt ein weiteres Plus der E-Flotte zum Tragen: die geräuscharme Fahrt. Anwohner in den dicht bebauten Vierteln entlang der Strecke hatten in Bürgerbefragungen wiederholt die Lärmbelastung durch Dieselbusse kritisiert. Die MVG reagiert damit nicht nur auf Klimaziele, sondern auch auf konkrete Rückmeldungen aus den Stadtteilen.

Nicht alle Linien werden jedoch sofort umgestellt. Die Linien 68 und 144 bleiben vorerst bei Diesel – hier fehlen noch die notwendigen Ladeinfrastrukturen an den Endhaltestellen. Doch bis 2027 soll auch hier der Umstieg gelingen, verspricht die MVG. Bis dahin konzentriert man sich auf die Strecken, wo die Technik bereits jetzt reibungslos integriert werden kann.

Ladeinfrastruktur und Reichweite im Stadtverkehr

Die Ausweitung der E-Bus-Flotte bei der MVG wirft Fragen zur Ladeinfrastruktur auf – besonders im dicht getakteten Münchner Stadtverkehr. Aktuell nutzen die bestehenden E-Busse des Herstellers Mercedes-Benz eCitaro Depots mit Schnellladestationen, die während der Betriebsruhe in weniger als vier Stunden eine Vollladung ermöglichen. Doch mit 20 zusätzlichen Fahrzeugen ab 2025 steigt der Bedarf an intelligenten Lösungen: Laut einer Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) benötigen E-Busse im Innerstädtischen Betrieb bis zu 30 Prozent mehr Ladekapazitäten als im Regionalverkehr, da häufige Halte und Ampelphasen den Energieverbrauch erhöhen.

Geplant ist, die neuen Busse auf der Linie 100 einzusetzen, die mit 14 Kilometern Länge und 27 Haltestellen zu den anspruchsvollsten Strecken gehört. Hier kommt das Konzept der Opportunity-Charging-Stationen an Endhaltestellen ins Spiel: Kurze Ladeimpulse von 6–8 Minuten während der Wendezeiten sollen Reichweitenengpässe ausgleichen, ohne den Fahrplan zu verzögern. Die MVG testet diese Technologie bereits seit 2022 an der Haltestelle Romanplatz – mit einer Erfolgsquote von 98 Prozent bei der Ladestabilität.

Kritisch bleibt die Wintertauglichkeit. Bei Temperaturen unter null Grad sinkt die Reichweite von E-Bussen um bis zu 20 Prozent, wie Erfahrungen anderer Großstädte wie Berlin oder Hamburg zeigen. Die MVG setzt daher auf beheizbare Batterien in den neuen Modellen und eine redundante Ladeinfrastruktur an den Depots Freimann und Zieblandstraße, um Ausfälle zu vermeiden.

Langfristig könnte München zum Vorreiter für dynamisches Laden werden: Aktuell prüft die Stadtverwaltung in Kooperation mit den Stadtwerken München induktive Ladestreifen an ausgewählten Haltestellen, die während des Fahrgastwechsels Energie übertragen. Sollte das Pilotprojekt 2026 grünes Licht erhalten, wären die 20 neuen E-Busse bereits technisch dafür gerüstet.

Langfristige Pläne: Bis 2030 nur noch emissionsfrei

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) setzt ihre Klimaziele konsequent um: Bis 2030 soll der gesamte Busverkehr der Landeshauptstadt komplett emissionsfrei rollen. Ein ambitionierter Fahrplan, der nicht nur die Anschaffung von Elektrobussen, sondern auch den Ausbau der notwendigen Ladeinfrastruktur und die Umrüstung der Betriebshöfe umfasst. Aktuell sind bereits 30 E-Busse im Einsatz – mit den neu bestellten 20 Fahrzeugen für 2025 steigt der Anteil auf rund 15 Prozent der Flotte.

Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) könnten Elektrobusse im Stadtverkehr bis zu 80 Prozent der CO₂-Emissionen im Vergleich zu Dieselbussen einsparen, vorausgesetzt, der Strom stammt aus erneuerbaren Quellen. Die MVG kooperiert dafür eng mit den Stadtwerken München, um den Ökostromanteil kontinuierlich zu erhöhen. Parallel laufen Tests mit Wasserstoffbussen, die auf besonders langen Strecken zum Einsatz kommen könnten.

Der Umstieg auf emissionsfreie Antriebe erfordert mehr als nur neue Fahrzeuge. Die MVG investiert derzeit über 100 Millionen Euro in den Ausbau der Depot-Infrastruktur, darunter Schnellladestationen und intelligente Strommanagement-Systeme. Besonders herausfordernd: die Anpassung der Werkstätten, wo künftig hochvoltgeschultes Personal die Wartung übernimmt. Bis 2027 sollen alle sechs Betriebshöfe für die E-Flotte gerüstet sein.

Langfristig plant die MVG auch eine Verdichtung des Taktangebots – möglich wird dies durch die geringeren Betriebskosten der E-Busse. Während ein Dieselbus über seine Lebensdauer etwa 500.000 Euro an Kraftstoffkosten verursacht, liegen die Stromkosten für ein Elektromodell bei rund 150.000 Euro. Die eingesparten Mittel fließen direkt in den Ausbau des Netzes, etwa auf bisher schlecht erschlossenen Strecken in den Außenbezirken.

Mit den 20 neuen E-Bussen ab 2025 setzt die MVG München ein klares Zeichen für die Verkehrswende: Die festgelegten Strecken zeigen, dass die Elektroflotte nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch alltagstauglich geplant ist. Besonders Pendler auf den Linien 100, 133 und 144 profitieren künftig von leiserem, emissionsfreiem Fahrkomfort – ein Schritt, der Münchens Klimaziele greifbarer macht.

Wer regelmäßig eine der betroffenen Strecken nutzt, sollte sich schon jetzt über die geänderten Fahrpläne informieren, die die MVG voraussichtlich im Herbst 2024 veröffentlicht. Die Umstellung auf E-Busse könnte auch Anstoß sein, das eigene Mobilitätsverhalten zu überdenken, etwa durch Kombination mit Rad oder ÖPNV-Angeboten wie der IsarCard.

Bis 2030 will die MVG die gesamte Busflotte elektrifizieren – ein ehrgeiziges Vorhaben, das zeigt: Münchens öffentlicher Nahverkehr wird nicht nur grüner, sondern auch zukunftsfester.