Ab Juni wird das Münchner Nahverkehrsticket spürbar teurer. Die MVV kündigt Preiserhöhungen von bis zu 5,30 Euro an – ein Schritt, der Pendler und Gelegenheitsfahrer gleichermaßen trifft. Während die IsarCard für Erwachsene künftig 74,90 Euro statt bisher 69,60 Euro kostet, steigen auch die Preise für Einzel- und Tageskarten. Besonders betroffen sind Vielfahrer, die auf das München Ticket als günstige Alternative zu Monatskarten setzen. Die Anpassung kommt nicht überraschend, doch das Ausmaß übertrifft die Inflationsrate deutlich.
Für viele Münchner bedeutet die Erhöhung eine direkte Belastung des Haushaltsbudgets. Gerade wer regelmäßig zwischen Stadt und Umland pendelt, muss nun tiefer in die Tasche greifen. Das München Ticket, sonst als praktische Lösung für Kurzstrecken gefeiert, verliert durch die Preissprünge an Attraktivität. Während die MVV auf gestiegene Betriebskosten verweist, fragen sich Fahrgäste, ob die Leistung des Nahverkehrs mit den neuen Tarifen Schritt hält. Die Debatte um bezahlbare Mobilität in der Landeshauptstadt bekommt damit neuen Zündstoff.
Warum die MVV-Preise jetzt steigen
Die Preiserhöhung der MVV-Tickets ab Juni kommt nicht überraschend – sie ist das Ergebnis einer Mischung aus gestiegenen Kosten und politischen Entscheidungen. Laut dem aktuellen Verkehrsbericht des Bundes liegen die Betriebskosten im öffentlichen Nahverkehr bundesweit durchschnittlich 12 % höher als noch 2022. Energiepreise, Personalkosten und die Inflation haben die MVG und ihre Partnerunternehmen unter Druck gesetzt. Die Stadt München und der Freistaat Bayern springen zwar mit Subventionen ein, doch die Lücke bleibt: Ohne Anpassung der Ticketpreise drohte ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe.
Besonders ins Gewicht fällt der Anstieg bei den Monatskarten. Ein IsarCard9 Uhr für das gesamte MVV-Gebiet kostet künftig 84,90 Euro statt bisher 79,60 Euro – ein Plus von 6,6 %. Verkehrsexperten weisen darauf hin, dass solche Erhöhungen vor allem Pendler aus dem Umland treffen, die auf das Auto kaum ausweichen können. Die Preisspirale betrifft aber auch Gelegenheitsfahrer: Ein EinzelTicket für drei Zonen steigt um 30 Cent auf 4,10 Euro.
Hinzu kommt die Tarifreform, die das MVV-Tarifsystem vereinfachen soll. Künftig gibt es weniger Zonen, doch die verbleibenden werden teurer. Kritiker monieren, dass die Umstellung vor allem Vielfahrer belastet, während die versprochene „gerechtere Verteilung“ der Kosten in der Praxis schwer nachvollziehbar ist.
Die MVG betont, dass die Mittel aus den Preiserhöhungen direkt in den Ausbau des Netzes fließen – etwa in die Elektrobus-Flotte oder die Modernisierung der U-Bahn-Linien. Ob die Fahrgäste diese Argumentation akzeptieren, bleibt abzuwarten. Fest steht: Wer in München auf Bus und Bahn angewiesen ist, muss ab Juni tiefer in die Tasche greifen.
So viel kostet das München-Ticket ab Juni 2024
Ab dem 1. Juni 2024 steigen die Preise für das München-Ticket spürbar. Die Einzelfahrt im Innenraum wird dann 3,70 Euro kosten – 30 Cent mehr als bisher. Noch deutlicher fällt die Erhöhung bei Tageskarten aus: Das Single-TagesTicket für den Innenraum schlägt mit 9,50 Euro zu Buche, ein Plus von 50 Cent. Wer weiter raus muss, zahlt für das gesamte MVV-Gebiet künftig 14,80 Euro, was einer Steigerung von 70 Cent entspricht.
Besonders hart trifft es Vielfahrer mit Monatskarten. Die IsarCard für den Innenraum kostet ab Juni 72,90 Euro, ein Anstieg um 3,60 Euro. Pendler, die das gesamte Netz nutzen, müssen sogar 5,30 Euro mehr berappen: Ihre Monatskarte steigt auf 115,90 Euro. Verkehrsexperten weisen darauf hin, dass die Preisanpassungen deutlich über der aktuellen Inflationsrate von 2,2 Prozent (Stand März 2024) liegen.
Für Familien und Gruppen wird der Ausflug in die Stadt ebenfalls teurer. Das Gruppen-TagesTicket (bis zu fünf Personen) kostet künftig 15,50 Euro statt bisher 14,80 Euro. Wer mit Kindern unter 15 Jahren unterwegs ist, profitiert weiterhin von der kostenlosen Mitnahme – doch die Grundgebühr steigt.
Die MVV begündet die Erhöhungen mit gestiegenen Betriebskosten und Investitionen in die Infrastruktur. Kritiker monieren jedoch, dass die Preissprünge besonders Geringverdiener und Studenten belasten, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.
Diese Tarife schlagen besonders zu Buche
Die Preiserhöhung trifft Pendler besonders hart, die auf bestimmte Tarife angewiesen sind. Das IsarCard9 Uhr für die Innenzone steigt um satte 5,30 Euro auf 66,90 Euro monatlich – ein Plus von fast neun Prozent. Wer bisher knapp 62 Euro bezahlte, muss nun tief in die Tasche greifen. Verkehrsverbünde rechtfertigen die Anpassung mit gestiegenen Energiekosten und Inflation, doch für viele Haushalte kommt die Erhöhung zur Unzeit.
Auch Gelegenheitsfahrer spüren die Veränderung. Das Single-Ticket für die Innenzone kostet ab Juni 3,70 Euro statt bisher 3,50 Euro. Aufs Jahr gerechnet summieren sich die 20 Cent pro Fahrt für Vielfahrer schnell zu einem zweistelligen Betrag. Laut einer aktuellen Erhebung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) geben Münchner Haushalte bereits jetzt durchschnittlich 120 Euro im Monat für Mobilität aus – Tendenz steigend.
Besonders ärgerlich: Die Preise für Kurzstrecken-Tickets (bis zu 2 Stationen) klettern von 1,80 auf 1,90 Euro. Gerade für Kurztrips zum Bäcker oder zur Arbeit wird das Ticket damit fast unwirtschaftlich. Kritiker monieren, dass die MVV damit die Attraktivität des ÖPNV für kurze Distanzen weiter schwächt – obwohl die Stadt eigentlich den Umstieg vom Auto fördern will.
Wer auf das Streifenkarten-Abo setzt, zahlt künftig 63,60 Euro statt 60,50 Euro für zehn Fahrten. Die Erhöhung um 3,10 Euro mag auf den ersten Blick moderat wirken, doch bei monatlicher Nutzung schlägt sie mit fast 40 Euro Mehrkosten pro Jahr zu Buche. Gerade für Schüler, Azubis oder Geringverdiener wird der ÖPNV so zum Luxusgut – obwohl er eigentlich sozialverträglich sein sollte.
Tipps zum Sparen trotz höherer Fahrpreise
Die Preiserhöhung beim MVV trifft viele Münchner hart – doch mit ein paar Tricks lässt sich trotzdem sparen. Wer flexibel ist, kann etwa die günstigeren Tageskarten nutzen: Statt Einzelfahrten zu kaufen, lohnt sich oft das München XXL-Ticket für 9,50 Euro, das bis zu fünf Personen einen Tag lang durch alle Zonen bringt. Bei Gruppen oder Familien rechnet sich das schnell, selbst wenn nur zwei oder drei Leute mitfahren. Auch das IsarCard9 Uhr ab 15,90 Euro im Monat bleibt eine attraktive Option für Pendler, die nicht in der Stoßzeit unterwegs sind.
Ein oft unterschätzter Tipp: die MVV-App aktiv nutzen. Hier gibt es nicht nur digitale Tickets ohne Aufschlag, sondern auch Rabattaktionen wie das „3-Tage-Ticket für 12,80 Euro“, das gelegentlich im Angebot ist. Zudem spart man sich die Warteschlangen an den Automaten – und vermeidet so spontane, teurere Käufe aus Zeitdruck. Wer regelmäßig mit dem Rad unterwegs ist, kann außerdem die Kombi-Tickets prüfen, die Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen ermöglichen, ohne extra zu zahlen.
Laut einer aktuellen Erhebung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) nutzen nur 12 Prozent der Münchner ÖPNV-Fahrgäste systematisch Sparangebote wie Wochen- oder Monatskarten. Dabei lohnt sich der Wechsel oft schon ab acht Fahrten im Monat. Wer unsicher ist, ob sich eine Dauerarte lohnt, kann den MVV-Tarifrechner auf der Website nutzen – der zeigt innerhalb von Sekunden, welche Option am günstigsten ist. Auch Arbeitgeberzuschüsse für Jobtickets werden häufig nicht ausgeschöpft, obwohl viele Firmen bis zu 25 Prozent der Kosten übernehmen.
Wer kurzfristig sparen muss, sollte zudem die Kurzstrecken-Tickets im Blick behalten: Für Fahrten bis zu zwei Stationen (ohne Umstieg) reichen oft die günstigen „Kurzstrecken-EinzelTickets“ für 1,80 Euro. Ideal für alle, die nur mal schnell in die Innenstadt oder zum nächsten Umsteigebahnhof müssen. Und wer ohnehin viel zu Fuß geht, kann mit Apps wie „MVG Mehrweg“ prüfen, ob sich die Strecke nicht auch kombinieren lässt – etwa durch eine kurze Busfahrt plus 10 Minuten Gehen statt einer teuren U-Bahn-Verbindung.
Zu guter Letzt: Wer bereit ist, etwas länger unterwegs zu sein, kann mit Umwegen über günstigere Zonen sparen. Beispiel gefällig? Wer von Freising nach München fährt, zahlt in Zone M-6 deutlich mehr als bei einer Umsteigeverbindung über Zone M-2. Mit etwas Planung lässt sich so der Preis fast halbieren – ohne großen Komfortverlust.
Was Fahrgäste in den nächsten Jahren erwartet
Die Fahrgäste im Münchner Verkehrsverbund (MVV) müssen sich auf mehr als nur höhere Preise einstellen. Bis 2028 plant der Verband eine schrittweise Umstellung des gesamten Tarifsystems – mit weitreichenden Folgen für Pendler und Gelegenheitsnutzer. Statt der bisherigen Zonenregelung soll ein flächendeckendes, entfernungsabhängiges Modell eingeführt werden, das nach Kilometern statt nach starren Gebietsgrenzen abrechnet. Verkehrsexperten der Technischen Universität München schätzen, dass dies für rund 15 % der Fahrgäste zu günstigeren Tickets führen könnte, während Vielfahrer auf längeren Strecken tiefer in die Tasche greifen müssen.
Ab 2025 kommt Bewegung in die Digitalisierung: Die MVV-App wird zur zentralen Drehscheibe für alle Tarife, inklusive dynamischer Preisgestaltung zu Stoßzeiten. Wer morgens zwischen 7 und 9 Uhr oder abends zwischen 16 und 18 Uhr fährt, zahlt künftig einen Aufschlag von bis zu 20 Cent pro Fahrt. Dafür sollen attraktive Rabatte für Nutzer locken, die ihre Fahrten in schwächer ausgelastete Zeiten verlegen.
Neu ist auch die geplante Integration des Radverkehrs. Ab 2026 wird es kombinierte Tickets für ÖPNV und Leihräder geben – ein Pilotprojekt, das zunächst an 20 U-Bahn-Stationen startet. Wer sein Ticket mit einem MVV-Rad verbindet, spart bis zu 1,50 Euro pro Tag.
Langfristig setzt der MVV auf eine stärkere Verknüpfung mit dem regionalen Schienenverkehr. Ab 2027 sollen alle S-Bahn-Linien in den Stadtverkehrstarif integriert werden, was besonders für Pendler aus dem Umland interessant wird. Die Kehrseite: Die Preise für Monatskarten steigen voraussichtlich um weitere 3 bis 5 Prozent, um die Infrastrukturkosten zu decken.
Die Preiserhöhung der MVV ab Juni trifft Pendler und Gelegenheitsfahrer gleichermaßen – mit bis zu 5,30 Euro Aufschlag pro Ticket wird der ÖPNV in München spürbar teurer, ohne dass sich das Angebot merklich verbessert. Besonders für Vielfahrer lohnt sich jetzt der Wechsel zu Abo-Modellen wie der IsarCard, die trotz Anpassung oft noch günstiger bleibt als Einzelkäufe.
Wer die Kosten drücken will, sollte Prepaid-Tickets vor dem 1. Juni kaufen oder Alternativen wie Fahrrad oder Carsharing prüfen, wo es möglich ist. Langfristig wird sich zeigen müssen, ob die Stadt die Attraktivität des Nahverkehrs durch bessere Taktungen oder digitale Services steigern kann – sonst riskiert sie, noch mehr Fahrgäste an das Auto zu verlieren.

