Der Nachtzug von München nach Verona steht wieder auf den Schienen – nach einer zwölfstündigen Vollsperre, die hunderten Reisenden die Pläne durchkreuzte. Gegen 3:45 Uhr am frühen Mittwochmorgen gab die Deutsche Bahn endlich Entwarnung: Die Strecke über den Brenner war wieder befahrbar, nachdem ein Güterzug nach einem technischen Defekt blockiert hatte. Für viele Urlauber, Pendler und Geschäftsleute bedeutete die Sperre nicht nur Verspätungen, sondern auch nächtliche Improvisation in überfüllten Ersatzbussen oder spontane Hotelbuchungen.
Dass ausgerechnet der Zug München–Verona, eine der beliebtesten Nachtverbindungen zwischen Deutschland und Italien, betroffen war, verschärfte die Lage. Die Route ist für viele ein fester Bestandteil der Reiseplanung – ob für Städtetrips nach Venedig, Geschäftsreisen in die Lombardei oder den Urlaub am Gardasee. Während die Bahn nun die genauen Ursachen klärt, zeigt der Vorfall einmal mehr, wie anfällig der grenzüberschreitende Schienenverkehr trotz moderner Technik bleibt. Für Vielfahrer auf der Strecke München–Verona bleibt die Frage: Wann wird die Verbindung so zuverlässig, wie sie sein müsste?
Streik und Stau: Warum der Nachtzug wochenlang stillstand
Der Nachtzug zwischen München und Verona lag wochenlang lahm – nicht wegen technischer Pannen, sondern wegen eines zähen Arbeitskampfs. Die Gewerkschaft EVG hatte zu Streiks aufgerufen, die den Schienenverkehr in Süddeutschland und Österreich massiv beeinträchtigten. Besonders betroffen war die Brennerachse, wo Güter- und Personenzüge gleichermaßen zum Stillstand kamen. Allein in der ersten Maiwoche fielen über 60 Nachtzugverbindungen aus, wie Zahlen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zeigen.
Hinzu kamen baustellenbedingte Sperrungen. Die Strecke zwischen Rosenheim und Kufstein, ein kritischer Abschnitt für den Nachtzug München–Verona, war wegen Gleisarbeiten zeitweise komplett gesperrt. Reisende saßen fest, Umleitungen führten zu Verspätungen von bis zu fünf Stunden. Die ÖBB sprach von einer „ausnahmsweisen Häufung von Störfaktoren“, die selbst erfahrene Fahrgäste überraschte.
Verkehrsexperten wiesen darauf hin, dass Nachtzüge besonders anfällig für solche Kettenreaktionen sind. Während Tagsüber Alternativen wie Busse oder Regionalzüge existieren, fehlen nachts oft Ausweichmöglichkeiten. Die Folge: Tausende Urlauber und Pendler mussten kurzfristig umdisponieren – einige stornierten sogar ihre Reisen.
Erst nach intensiven Verhandlungen zwischen EVG und Bahnkonzernen normalisierte sich die Lage allmählich. Doch die Bilder überfüllter Bahnhöfe und gestrandeter Reisender bleiben ein Warnsignal für die Fragilität des europäischen Nachtzugnetzes.
Technischer Defekt oder Personalmangel – wer trägt die Schuld?
Die zwölfstündige Sperre des Nachtzugs von München nach Verona wirft Fragen auf: Lag es an einem technischen Defekt oder an Personalmangel? Eisenbahn-Experten verweisen auf eine alarmierende Entwicklung im europäischen Schienenverkehr. Laut dem jüngsten Bericht der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA) stiegen die Verspätungen und Ausfälle bei Nachtzügen im Jahr 2023 um 18 Prozent – ein Rekordwert, der vor allem auf Engpässe bei Fachkräften und veraltete Infrastruktur zurückzuführen ist.
Technische Probleme scheinen auf den ersten Blick die naheliegendste Erklärung. Doch wer genauer hinschaut, erkennt ein tieferliegendes Muster: Während moderne Hochgeschwindigkeitszüge regelmäßig gewartet werden, fristen ältere Nachtzug-Wagons oft ein Schattendasein. Die Deutsche Bahn räumte zwar ein, dass ein „unvorhergesehener Defekt an der Bremsanlage“ die Sperre auslöste. Doch Branchenkenner betonen, dass solche Pannen häufiger auftreten, wenn Wartungsintervalle aufgrund von Personalmangel gestreckt werden.
Der Mangel an qualifiziertem Personal trifft die Bahn besonders hart. Lokführer, Techniker und Servicekräfte fehlen flächendeckend – eine Folge von jahrelanger Unterinvestition in Ausbildung und Arbeitsbedingungen. In Italien und Österreich, wo der Zug ebenfalls verkehrt, sieht die Lage kaum besser aus. Hier zeigt sich, dass die Probleme nicht an nationalen Grenzen haltmachen.
Fest steht: Solange keine nachhaltigen Lösungen für Personal und Infrastruktur gefunden werden, bleiben Reisende die Leidtragenden.
Fahrplanänderungen und Ersatzverbindungen für betroffene Reisende
Die 12-stündige Vollsperrung zwischen München und Verona zwang die Deutsche Bahn zu umfangreichen Anpassungen im Fahrplan. Betroffen waren nicht nur der Nachtzug Wien–Verona, sondern auch Regionalverbindungen wie der EC 85, der mit Verspätungen von bis zu drei Stunden in Innsbruck eintraf. Laut Angaben des Bundesverkehrsministeriums führen solche Störungen im Schnitt zu 20 % mehr Ausweichrouten – eine Belastung für Reisende und Logistik gleichermaßen.
Für Fahrgäste des Nachtzugs stand ein Ersatzbus zwischen München Ost und Kufstein bereit, wo die Verbindung nach Innsbruck wieder auf die Schiene wechselte. Die Umsteigezeiten verlängerten sich dadurch um durchschnittlich 45 Minuten. Besonders kritisch: Gepäckwagen konnten nicht mitgeführt werden, was vor allem Familien und Radfahrer vor Herausforderungen stellte.
Tagesverbindungen wie der RJ 62 München–Verona wurden über Augsburg und die Arlbergstrecke umgeleitet. Hier kam es zu Kapazitätsengpässen, da die Ersatztrassen weniger Züge pro Stunde aufnehmen können. Eisenbahn-Experten betonen, dass solche Ad-hoc-Lösungen zwar notwendig sind, aber oft an den Grenzen der Infrastruktur scheitern – besonders in Spitzenzeiten wie den Sommerferien.
Reisende wurden per App und Aushang über die Änderungen informiert, doch nicht alle erhielten rechtzeitig Updates. Einige berichteten von überfüllten Bussen, andere von fehlenden Ansagen in den Zügen. Die Bahn versprach nachträgliche Erstattungen für Verspätungen über 60 Minuten, doch die Abwicklung dauert in der Regel mehrere Wochen.
Wie Passagiere jetzt Entschädigungen und Erstattungen beantragen
Die 12-stündige Sperrung der Nachtzugstrecke zwischen München und Verona wirft für betroffene Passagiere Fragen auf: Welche Rechte haben sie, und wie können sie Entschädigungen oder Erstattungen durchsetzen? Laut EU-Verordnung 1371/2007 stehen Reisenden bei Verspätungen von über 60 Minuten pauschal 25 bis 50 Prozent des Ticketpreises zu – je nach Strecke und Dauer der Verzögerung. Bei einer kompletten Annullierung wie in diesem Fall sogar die volle Rückerstattung oder eine alternative Beförderung.
Der erste Schritt ist die Dokumentation. Betroffene sollten ihre Tickets, Buchungsbestätigungen und – falls vorhanden – schriftliche Bestätigungen der Bahn über die Verspätung oder Ausfallmeldungen bereithalten. Fotobelege von Anzeigetafeln am Bahnhof oder Screenshots aus der DB-App können ebenfalls hilfreich sein. Verbraucherschützer raten, die Forderung direkt beim Zugbetreiber einzureichen, in diesem Fall bei der ÖBB Nightjet, die die Strecke gemeinsam mit der Deutschen Bahn betreibt.
Laut einer Studie der Europäischen Verbraucherzentren erhalten nur etwa 30 Prozent der berechtigten Fahrgäste tatsächlich ihre Entschädigung – oft aus Unwissenheit oder wegen bürokratischer Hürden. Wer auf Widerstand stößt, kann sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) wenden. Das Verfahren ist kostenlos und in der Regel innerhalb von drei Monaten abgeschlossen.
Für Reisende, die durch die Sperrung zusätzliche Kosten hatten – etwa für Hotelübernachtungen oder alternative Transportmittel –, lohnt sich ein separater Antrag auf Erstattung. Hier sind Originalbelege entscheidend. Die Bahn ist verpflichtet, „angemessene“ Ausgaben zu übernehmen, sofern diese direkt mit der Verspätung zusammenhängen.
Neue Strecken, mehr Komfort: Was die Zukunft der Verbindung bringt
Die Wiederinbetriebnahme des Nachtzugs zwischen München und Verona markiert nur den Anfang einer Reihe geplanter Verbesserungen. Bahnexperten gehen davon aus, dass die Strecke bis 2027 um mindestens 20 Prozent mehr Kapazität bieten wird – nicht zuletzt durch den Ausbau kritischer Abschnitte wie den Brennerkorridor. Neue Hochgeschwindigkeitszüge mit moderner Lärmdämmung und klimatisierten Abteilen sollen dann die Reisezeit um bis zu 90 Minuten verkürzen.
Besonders im Fokus steht der Komfort für Nachtreisende. Die Deutsche Bahn und ihre italienischen Partner arbeiten an einem Konzept für modular gestaltete Schlafwagen, die flexibel zwischen Familienabteilen, Einzelkabinen und preisgünstigen Liegewagen umgerüstet werden können. Erste Prototypen werden bereits in Österreich getestet, wo ähnliche Strecken ähnliche Herausforderungen stellen.
Ein oft unterschätzter Vorteil der Aufwertung: die bessere Anbindung an regionale Zentren. Künftig sollen zusätzliche Halte in Städten wie Innsbruck, Trient und Brescia die Attraktivität der Verbindung steigern. Das bringt nicht nur Touristen näher an ihre Ziele, sondern entlastet auch die stark frequentierten Tagzüge auf dieser Achse.
Technisch setzt man auf digitale Stellwerkstechnik, die Verspätungen reduzieren soll. Laut einer Studie des Europäischen Eisenbahnagentur könnten dadurch bis zu 15 Prozent der Verzögerungen auf der Strecke München–Verona vermieden werden – ein entscheidender Faktor für Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit.
Die Wiederaufnahme des Nachtzugs zwischen München und Verona nach zwölbstündiger Unterbrechung zeigt einmal mehr, wie anfällig grenzüberschreitende Bahnverbindungen für technische Störungen und organisatorische Hürden bleiben – doch auch, wie schnell Lösungen umgesetzt werden können, wenn Druck auf den Betreibern lastet. Für Reisende bedeutet das: Flexibilität einplanen, aktuelle Informationen über die Apps der Deutschen Bahn oder ÖBB abrufen und bei Verspätungen umgehend Entschädigungsansprüche prüfen, denn selbst kurzfristige Ausfälle berechtigen oft zu Rückerstattungen.
Mit der steigenden Nachfrage nach klimafreundlichen Alternativen zum Flug wird der Nachtzugverkehr in Europa weiter ausgebaut – ob die Infrastruktur und Servicequalität da langfristig mithalten können, hängt nun davon ab, ob aus solchen Vorfällen konkrete Verbesserungen folgen.

