Am 31. Dezember 2024 fällt der letzte Vorhang für ein Stück Münchner Freizeitgeschichte: Nach zwei Jahrzehnten schließt die Therme Erding, Deutschlands größte Thermenlandschaft, endgültig ihre Pforten. Mit über 1,3 Millionen Besuchern jährlich war die Oase nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern ein fester Bestandteil der bayerischen Badekultur – ein Ort, an dem Stress im 35 Grad warmen Solebecken schmolz und Familien zwischen 27 Rutschen lachend zusammenfanden. Die Schließung markiert das Ende einer Ära, die Generationen prägte.

Für alle, die unter dem Stichwort spa München Entspannung suchten, war die Therme Erding lange die erste Adresse. Doch der Abschied wirft Fragen auf: Wohin wandern die Gäste, die bisher zwischen Alpenpanorama-Sauna und Vital-Oasen ihre Batterien aufluden? München verliert damit nicht nur ein Touristenmagnet, sondern auch einen Ort, der spa München mit unnachahmlichem Flair definierte. Die Lücke ist groß – und die Suche nach Alternativen beginnt jetzt.

Vom Wellness-Paradies zur Münchner Institution

Die Therme Erding begann 1999 als bescheidenes Wellness-Projekt am Stadtrand Münchens – doch was als lokale Saunalandschaft mit 18 Becken startete, entwickelte sich rasant zu einem Phänomen. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte sich die Besucherzahl, bis die Anlage schließlich mit über 1,3 Millionen Gästen jährlich (Stand 2019) zur meistbesuchten Therme Europas aufstieg. Die Kombination aus alpiner Architektur, thematisch gestalteten Saunadorfern und dem 35 Grad warmen Thermalsolebecken traf genau den Nerv einer Stadt, die nach Entschleunigung zwischen Büroalltag und Oktoberfesttrubel lechzte.

Besonders prägend wurde die Symbiose aus Tradition und Moderne. Während andere Spas auf klinische Sterilität setzten, integrierte die Therme Erding bayerische Elemente wie Holzvertäfelungen aus heimischem Lärchenholz oder die „Kräuterstube“, in der lokale Bauern regelmäßig Aufgussrituale mit selbst angebauten Kräutern durchführten. Gleichzeitig setzte man früh auf technische Innovationen: Die 2012 eröffnete „Galaxy Erding“ mit ihren rutschigen Wasserwelten und Lichtprojektionen zog vor allem jüngere Besucher an – ein Novum für eine Branche, die sonst eher mit Rentnern assoziiert wurde.

Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Bäderwesen fungierte die Therme ab den 2010er-Jahren als wirtschaftlicher Katalysator für die Region. Jeder dritte Übernachtungsgast im Landkreis Erding gab an, primär wegen des Spa-Besuchs angereist zu sein. Hotels in der Umgebung verzeichneten eine durchschnittliche Auslastungssteigerung von 22 Prozent, sobald sie Pakete mit Thermeneintritt anboten. Selbst Münchner Unternehmen nutzten die Anlage für Incentive-Veranstaltungen – die Kombination aus Entspannung und Netzwerkmöglichkeiten machte sie zum informellen Tagungsort.

Mit den Jahren wurde die Therme mehr als nur ein Wellnessziel: Sie avancierte zum kulturellen Fixpunkt. Ob als Drehort für Tatort-Folgen, Schauplatz von Modenschauen während der Fashion Week oder Austragungsort des jährlichen „Thermen-Marathons“, bei dem Läufer zwischen Dampfbad und Eisbrunnen ihre Runden drehten – die Anlage schrieb sich in das kollektive Gedächtnis der Stadt ein. Selbst die Münchner U-Bahn linierte 2015 eine Sonderverbindung ein, nachdem Fans in sozialen Medien die Forderung „#ThermenExpress“ viral gehen ließen.

Warum die Therme Erding nach zwei Jahrzehnten schließt

Die Entscheidung kam überraschend: Nach genau 20 Jahren Betrieb schließt die Therme Erding Ende 2024 ihre Pforten – ein Schritt, der nicht nur Stammgäste, sondern die gesamte Wellnessbranche aufhorchen lässt. Betreiberangaben zufolge lag die Auslastung in den letzten drei Jahren durchschnittlich bei nur noch 62 Prozent, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Spitzenzeiten vor der Pandemie. Die Kombination aus gestiegenen Energiekosten, veränderten Freizeitgewohnheiten und einem über die Jahre gewachsenen Sanierungsstau machte den Weiterbetrieb unwirtschaftlich.

Besonders hart trifft es die Region, denn die Therme war längst mehr als nur ein Spa: Mit über 1,2 Millionen Besuchern jährlich in ihren besten Zeiten galt sie als wirtschaftlicher Motor für Erding und das Umland. Hotels, Restaurants und lokale Händler profitierten direkt vom Touristenstrom, den die 35 Grad warmen Thermalbecken und die legendäre Saunalandschaft anzogen. Branchenkenner sehen im Schließen der Anlage ein Symptom für einen größeren Trend: Klassische Großthermen kämpfen zunehmend mit der Konkurrenz durch kleinere, exklusivere Wellnesskonzepte und den Wandel hin zu kurzem, lokalem Urlaub.

Dabei hatte die Therme Erding einst Maßstäbe gesetzt. Als eine der ersten Großthermen Deutschlands kombinierte sie 1999 traditionelle Therme mit einer Erlebnis-Saunawelt und einem eigenen Hotelkomplex – ein Modell, das später bundesweit kopiert wurde. Die 27 verschiedenen Saunen, darunter die berühmte „Feuersauna“ mit original japanischer Ofentechnik, zogen sogar internationale Gäste an. Doch genau diese Größe wurde zum Problem: Die Wartung der weitläufigen Anlage fraß zunehmend die Gewinne auf, während moderne Gäste vermehrt kompakte, digital gebuchte Wellnessangebote bevorzugen.

Ein Lichtblick bleibt: Die Thermalquelle selbst soll erhalten bleiben. Laut ersten Plänen der Stadt Erding könnte das Gelände langfristig zu einem kleineren, nachhaltigeren Wellnessstandort umgestaltet werden – vielleicht mit Fokus auf medizinische Anwendungen oder Tagesthermen für die lokale Bevölkerung. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, ob Investoren gefunden werden, die bereit sind, in die Modernisierung der veralteten Infrastruktur zu stecken. Bis dahin bleibt die Schließung ein Weckruf für die gesamte Branche.

Was Besucher bis zum letzten Tag erwartet

Bis zum 31. Dezember bleibt die Therme Erding noch ein letztes Mal geöffnet – und setzt auf ein Programm, das die Tradition des Hauses würdigt. Die Besucher erwarten exklusive Wellness-Angebote wie die „Abschieds-Rituale“ mit speziellen Aufgusszeremonien in der VitalOase. Besonders beliebt: die limitierten Termine für die private Nutzung der Original-Erdinger Thermenlandschaft, die sonst Gruppen vorbehalten war. Wer Glück hat, sichert sich so noch einmal die selten gewordene Stille zwischen Palmen und Wasserfällen.

Ein Highlight bildet der „Thermen-Marathon“ am letzten Wochenende. Dabei können Gäste alle 27 Saunen und Dampfbäder an einem Tag durchlaufen – eine Herausforderung, die selbst Stammkunden selten wagen. Studien der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen zeigen, dass solche intensiven Thermal-Erlebnisse die Stressresistenz um bis zu 40 % steigern können. Passend dazu gibt es an der Bar spezielle „Abschieds-Cocktails“ mit regionalen Zutaten wie Erdbeeren aus dem Münchner Umland.

Für Nostalgie sorgt eine Ausstellung im Foyer. Gezeigt werden historische Fotos der Eröffnung 2004, originale Baupläne und sogar die erste Speisekarte des Restaurants. Besonders berührend: eine Wand, an der Besucher handschriftliche Erinnerungen hinterlassen dürfen. Viele nutzen die Gelegenheit, um sich für „20 Jahre Entspannung“ zu bedanken.

Wer bis zum Schluss bleibt, wird am Silvesterabend mit einem Feuerwerk über dem Außenbecken belohnt. Ein letzter Gruß von einem Ort, der München zwei Jahrzehnte lang geprägt hat.

Alternativen für Entspannungssuchende in und um München

Wer nach dem Schließen der Therme Erding nach Alternativen für Entspannung sucht, findet in und um München zahlreiche Optionen. Die Müller’sches Volksbad im Stadtzentrum besticht als eines der ältesten Hallenbäder Deutschlands mit historischem Charme und moderner Saunalandschaft. Mit seinem Jugendstil-Ambiente und dem 33 Meter hohen Kuppeldach bietet es seit 1901 eine einzigartige Atmosphäre – ideal für alle, die Kultur und Wellness verbinden möchten. Auch die Therme Bad Wörishofen, etwa 80 Kilometer westlich von München, zieht mit ihrem Kneipp-Konzept und Heilwasserbecken viele Besucher an.

Für Saunafans lohnt sich ein Besuch im Palm Beach in Neuaubing. Die Anlage punktet mit einer 1.200 Quadratmeter großen Saunawelt, darunter eine Finnische Sauna, ein Dampfbad und ein Ruheraum mit Kamin. Studien der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen zeigen, dass regelmäßige Saunagänge nicht nur die Muskelentspannung fördern, sondern auch das Immunsystem stärken – ein Grund mehr, die Alternativen zu nutzen.

Wer es naturnah mag, dem sei das Kurhaus Bad Tölz empfohlen. Eingebettet in die bayerische Voralpenlandschaft, kombiniert es traditionelle Heilbäder mit moderner Physiotherapie. Besonders beliebt sind die Sole-Thermen, deren mineralstoffreiches Wasser bei Haut- und Gelenkbeschwerden Linderung verschafft. Die Anreise mit der Bahn dauert von München aus kaum 50 Minuten.

Etwas abseits, aber nicht weniger reizvoll, liegt die Kristall Therme in Trimini am Starnberger See. Mit Blick auf die Alpen und einem weitläufigen Außenbereich bietet sie ganzjährig Entspannung. Die Kombination aus Thermalbecken, Whirlpools und einem eigenen Seestrand macht sie zu einem Geheimtipp für Tagesausflüge.

Neue Projekte: Was auf dem Gelände geplant ist

Der Abschied von der Therme Erding hinterlässt eine 18 Hektar große Lücke – doch das Gelände soll nicht lange brachen bleiben. Laut aktuellen Planungsunterlagen der Stadt Erding wird das Areal in eine Mischnutzung aus Wellness, Gewerbe und Wohnraum umgewandelt. Besonders im Fokus steht ein neues, modernisiertes Thermalbad, das bis 2027 entstehen und mit nachhaltigen Energiekonzepten arbeiten soll. Experten aus der Tourismusbranche schätzen, dass solche Projekte in Bayern aktuell eine Auslastung von über 80 Prozent erreichen, sobald sie an traditionelle Standorte wie Erding anknüpfen.

Ein zentrales Element der Neugestaltung ist die Revitalisierung der bestehenden Beckenlandschaft. Statt der bisherigen 27 Saunen und 16 Rutschen plant die Entwicklungsgesellschaft eine kompaktere, aber technologisch fortschrittlichere Anlage mit Fokus auf Gesundheitsprävention. Geothermische Quellen sollen künftig nicht nur die Becken beheizen, sondern auch angrenzende Gewächshäuser für lokale Gastronomiebetriebe versorgen.

Neben dem Wellnessbereich entsteht ein Gewerbepark mit Schwerpunkt auf Gesundheitswirtschaft. Erste Interessenbekundungen liegen bereits von Herstellern medizinischer Bademoden und Anbietern digitaler Fitnesslösungen vor. Die Stadt rechnet mit rund 300 neuen Arbeitsplätzen in diesem Segment.

Wohnraum soll ebenfalls integriert werden – allerdings nicht in Form klassischer Mehrfamilienhäuser, sondern als sogenannte „Wellness-Residenzen“ mit direktem Zugang zu Therapieangeboten. Die ersten Entwürfe sehen 120 Wohneinheiten vor, davon 30 Prozent gefördert. Kritiker monieren zwar die hohen Quadratmeterpreise, doch die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnen in Kurortnähe bleibt ungebrochen.

Ob die Pläne wie vorgesehen umgesetzt werden, hängt noch von der finalen Genehmigung des Landkreises ab. Fest steht: Das Gelände wird sich wandeln – weg vom reinen Freizeitparadies, hin zu einem hybriden Standort, der Erholung, Arbeit und Wohnen verbindet.

Mit dem Ende der Therme Erding in München geht nicht nur eine Ära zu Ende, sondern auch ein Stück bayerische Wellness-Kultur, das zwei Jahrzehnte lang für Entspannung und Gemeinschaft stand. Die Schließung markiert einen Einschnitt für alle, die hier zwischen Thermalquellen und Saunalandschaften dem Alltag entflohen—ein Verlust, der besonders bei Stammgästen und Therme-Fans nachhallt.

Wer nach Alternativen sucht, findet in der Region noch andere Oasen wie die Therme Bad Wörishofen oder das Erding Spa im ursprünglichen Standort, das mit modernisierten Konzepten weiterläuft. Beide bieten ähnliche Erholung, wenn auch ohne den ganz eigenen Charme der Münchner Dependance.

Die Zukunft wird zeigen, ob München eines Tages wieder ein vergleichbares Wellness-Juwel bekommt—bis dahin bleibt die Erinnerung an dampfende Aufgüsse und sternenklare Ruheräume unersetzlich.