Ab Dezember 2024 rollt der neue Nachtschnellzug von München nach Florenz – und schafft die Strecke in nur zwölf Stunden. Damit wird die Verbindung zwischen der bayerischen Metropole und der toskanischen Kunststadt um fast ein Drittel schneller als die bisherigen Nachtzugoptionen. Die ÖBB setzen auf moderne Doppelstockwagen, klimatisierte Abteile und eine durchgehende Bordgastonomie, die den Komfort für Reisende deutlich erhöht. Wer bisher zwischen Flug, Mietwagen oder umständlichen Umstiegen wählen musste, bekommt nun eine echte Alternative.

Für Pendler zwischen Deutschland und Italien ist der Zug München–Florenz mehr als nur eine Transportoption: Er verbindet zwei wirtschaftliche und kulturelle Zentren ohne Stress und mit deutlich geringerer CO₂-Bilanz als das Flugzeug. Besonders für Geschäftsreisende, die morgens in Florenz ankommen müssen, oder Urlauber, die die Nacht sinnvoll nutzen wollen, könnte die Verbindung zum Gamechanger werden. Die Tickets sind ab sofort buchbar – mit Preisen, die selbst Last-Minute-Flieger Konkurrenz machen.

Die Renaissance der Nachtzüge in Europa

Lange galt der Nachtzug in Europa als Relikt aus vergangenen Zeiten – doch seit einigen Jahren erlebt er ein überraschendes Comeback. Während Billigflieger und Hochgeschwindigkeitszüge den Markt dominierten, wächst nun wieder das Interesse an umweltfreundlichen Alternativen. Studien der Europäischen Umweltagentur zeigen, dass Nachtzüge bis zu 90 Prozent weniger CO₂ pro Passagier ausstoßen als Kurzstreckenflüge. Diese Zahl hat nicht nur Klimaschützer aufhorchen lassen, sondern auch Reisende, die nachhaltiger unterwegs sein wollen, ohne auf Komfort zu verzichten.

Die Renaissance der Schlafwagen beginnt oft mit kleinen, aber symbolträchtigen Strecken. Österreichs ÖBB hat mit ihrem Nightjet-Netz vorgelegt, Frankreich testet seit 2021 wieder Verbindungen nach Wien. Jetzt zieht Deutschland nach – und setzt mit der neuen Route München–Florenz ein klares Zeichen. Die 12-stündige Fahrtzeit mag auf den ersten Blick lang erscheinen, doch für viele ist genau das der Reiz: eine entspannte Anreise, die Hotelkosten spart und morgens direkt in der Toskana endet.

Besonders für Städte wie München, wo der Flughafen an Kapazitätsgrenzen stößt, sind Nachtzüge eine willkommene Entlastung. Verkehrsexperten betonen, dass solche Verbindungen nicht nur Touristen ansprechen, sondern auch Geschäftsreisende, die abends produktiv arbeiten und morgens erholt am Ziel ankommen. Die Buchungszahlen der ÖBB belegen das: Seit 2016 sind die Passagierzahlen um über 200 Prozent gestiegen – ein Trend, der sich mit jeder neuen Strecke beschleunigt.

Natürlich gibt es noch Hürden. Die Infrastruktur in Europa ist nicht überall auf moderne Nachtzüge ausgelegt, und die Koordination zwischen verschiedenen Bahnbetreibern bleibt komplex. Doch die Dynamik ist unübersehbar. Wenn im Dezember der erste Zug von München nach Florenz rollt, wird das nicht nur eine neue Verbindung sein, sondern ein weiteres Puzzleteil in der Rückkehr des Nachtzugs als ernsthafte Alternative zum Flug.

12 Stunden durch die Alpen: Route und Komfort

Die 12-stündige Nachtfahrt durch die Alpen klingt nach einem Abenteuer – doch die Route ist präzise geplant, um Reisekomfort und Pünktlichkeit zu garantieren. Der Zug startet ab Dezember um 20:40 Uhr in München Hbf, durchquert die Alpen über den Brennerpass und erreicht Florenz Santa Maria Novella um 8:40 Uhr am nächsten Morgen. Die Strecke führt durch malerische Landschaften, darunter das Inntal und die Südtiroler Berge, während moderne Nachtzugtechnik für eine ruhige Fahrt sorgt. Laut einer Studie der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zu Nachtzugrouten reduzieren optimierte Trassen die Verspätungsquote auf unter 5 % – ein entscheidender Faktor für zuverlässige Ankuftszeiten.

Komfort steht im Mittelpunkt: Die Wagen der neuen Generation bieten Schlafabteile mit eigenem Waschbecken, Steckdosen und individueller Belüftung. Wer es günstiger mag, kann in Liegewagen mit Sechsbettabteilen reisen, während Familien oder Gruppen auch ganze Abteile buchen können. Die Bordrestaurant-Wagen bleiben bis Mitternacht geöffnet, servieren regionale Spezialitäten und bieten Platz zum Arbeiten oder Entspannen.

Besonders praktisch für Reisende: Der Zug hält unterwegs nur in Innsbruck (22:30 Uhr) und Verona (5:30 Uhr), was unnötige Unterbrechungen vermeidet. Die kurzen Aufenthalte reichen aus, um frische Luft zu schnappen oder schnell einen Kaffee zu holen, ohne den Rhythmus der Nachtfahrt zu stören.

Wer die Alpen bei Nacht erleben möchte, sollte einen Platz auf der östlichen Zugseite reservieren – hier bieten die großen Fenster Blick auf die beleuchteten Täler und Sterne über den Gipfeln, sobald der Morgen dämmert.

Buchung, Preise und Sitzplatzoptionen im Vergleich

Die Buchung für den neuen Nachtschnellzug von München nach Florenz startet am 15. Oktober, drei Monate vor der Jungfernfahrt. Reisende können Tickets über die Websites der Deutschen Bahn, der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) oder direkt beim italienischen Betreiber Trenitalia erwerben. Die Preise variieren je nach Komfortklasse und Buchungszeitpunkt: Frühbucher zahlen für ein Liegewagen-Abteil ab 49 Euro, während Flexpreise kurz vor Abfahrt auf bis zu 199 Euro steigen können. Wer Wert auf Privatsphäre legt, zahlt für ein eigenes Schlafwagen-Abteil mit Dusche und WC zwischen 120 und 250 Euro – ein Preisniveau, das mit Mittelklasse-Hotels konkurriert.

Sitzplatzoptionen reichen vom einfachen Sitzwagen bis zum Luxusabteil. Die günstigste Variante bietet 6er-Liegewagen mit geteilten Sanitäranlagen, während die Premium-Klasse Einzelabteile mit Bettwäsche, Frühstücksservice und Steckdosen an jedem Platz umfasst. Laut einer aktuellen Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) bevorzugen 68 % der Nachtzugreisenden mittlere Komfortstufen – also 4er-Abteile oder Doppelkabinen – da sie Preis und Privatsphäre am besten ausbalancieren.

Besonderes Augenmerk gilt den Familien- und Gruppenangeboten. Kinder unter 6 Jahren reisen kostenlos, für Jugendliche bis 14 Jahre gibt es 50 % Ermäßigung. Gruppen ab vier Personen erhalten Rabatte auf Liegewagen-Plätze, sofern sie gemeinsam buchen. Die Sitzplatzreservierung ist in allen Kategorien verpflichtend und kostet zusätzlich 3 bis 10 Euro – je nach Wagenklasse. Wer spontan reist, sollte die Verfügbarkeit prüfen: Erfahrungsgemäß sind die beliebtesten Abteile an Wochenenden und vor Feiertagen schnell ausgebucht.

Im Vergleich zu Flugverbindungen schneidet der Nachtzug preislich oft besser ab, besonders wenn man Gepäckgebühren und Transferkosten einrechnet. Ein Hin- und Rückflug München–Florenz beginnt bei rund 150 Euro, hinzu kommen jedoch oft 30 bis 50 Euro für aufgegebenes Gepäck. Der Zug erlaubt dagegen zwei große Koffer und Handgepäck ohne Aufpreis – ein Vorteil für Langzeitreisende oder Familien.

Gepäck, Verpflegung und Stornobedingungen für Reisende

Reisende im neuen Nachtzug von München nach Florenz können zwei Gepäckstücke kostenlos mitnehmen: ein Handgepäck bis 40 × 30 × 25 cm und ein weiteres Stück bis maximal 80 × 50 × 30 cm. Schweres oder sperriges Gepäck wie Fahrräder oder Skier erfordert eine Voranmeldung und kostet je nach Größe zwischen 10 und 30 Euro. Die Deutsche Bahn empfiehlt, Gepäck kompakt zu verpacken, da die Stauraumkapazitäten in Nachtzügen begrenzt sind – besonders in den Schlafwagenabteilen, wo Koffer unter den Betten oder in seitlichen Nischen Platz finden müssen.

Für Verpflegung während der 12-stündigen Fahrt steht ein Bordbistro zur Verfügung, das warme Mahlzeiten, Snacks und Getränke anbietet. Reisende mit spezifischen Ernährungsbedürfnissen sollten jedoch eigene Verpflegung einplanen, da das Angebot an veganen oder glutenfreien Optionen in Nachtzügen oft eingeschränkt ist. Laut einer Umfrage der Europäischen Bahnkundenallianz aus dem Jahr 2023 geben 68 % der Nachtzugreisenden an, zumindest einen Teil ihrer Verpflegung selbst mitzubringen – vor allem Obst, Sandwiches oder Fertiggerichte.

Die Stornobedingungen hängen vom gebuchten Tarif ab. Flex-Tickets erlauben kostenfreie Stornierungen bis 24 Stunden vor Abfahrt, während Sparpreise ab 19 Euro zwar günstiger sind, aber nur gegen eine Gebühr von 17,50 Euro pro Person umbuchbar oder stornierbar sind. Bei kurzfristigen Absagen (weniger als 24 Stunden vor Abfahrt) verfällt der Ticketpreis vollständig. Reisende mit BahnCard 25 oder 50 erhalten 25 % Rabatt auf Flex-Tickets, nicht jedoch auf Sparpreise.

Besonderheit bei internationalen Nachtzugverbindungen: Die Stornogebühren gelten einheitlich für die gesamte Strecke, auch wenn Teilabschnitte durch andere Bahnunternehmen wie die italienische Trenitalia betrieben werden. Bei Verspätungen über 60 Minuten haben Passagiere Anspruch auf Teilrückerstattung gemäß EU-Fahrgastrechteverordnung.

Ausbaupläne: Neue Strecken ab 2025 in Diskussion

Der Start des Nachtzugs zwischen München und Florenz markiert nur den ersten Schritt einer ehrgeizigen Ausbaustrategie. Bereits für 2025 prüfen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gemeinsam mit der Deutschen Bahn und den italienischen Staatsbahnen Trenitalia konkrete Pläne für zwei neue Verbindungen: Eine Verlängerung der Strecke von Florenz nach Rom sowie eine zweite Route von München über Innsbruck nach Venedig. Laut einem internen Positionspapier der ÖBB könnte die Nachfrage auf diesen Strecken bis 2030 um bis zu 40 Prozent steigen – vorausgesetzt, die Taktung wird verdichtet und die Reisezeiten bleiben unter 12 Stunden.

Besonders die Verbindung nach Venedig stößt auf großes Interesse. Aktuell müssen Reisende für diese Route oft umsteigen oder auf Tageszüge ausweichen. Eine direkte Nachtverbindung würde nicht nur Touristen anziehen, sondern auch Geschäftsreisende, die morgens frisch in der Lagunenstadt ankommen wollen. Eisenbahnverbände betonen, dass solche Angebote den Flugverkehr auf Kurzstrecken spürbar reduzieren könnten.

Kritisch bleibt die Infrastruktur. Während die Strecke München–Innsbruck bereits für höhere Geschwindigkeiten ertüchtigt wird, harren besonders in Italien noch Sanierungsprojekte ihrer Umsetzung. Experten der EU-Kommission warnen, dass Verzögerungen bei der Modernisierung der Brennerachse oder der italienischen Hochgeschwindigkeitsstrecken die Pläne gefährden. Ohne koordinierte Investitionen drohen Verspätungen im Fahrplan – ein Risiko, das die Bahnunternehmen nur begrenzt steuern können.

Parallel laufen Gespräche mit privaten Betreibern wie dem schwedischen Anbieter Snälltåget, der bereits Nachtzüge in Skandinavien erfolgreich betreibt. Sollten diese Verhandlungen fruchten, könnte das Angebot ab 2026 um eine dritte Route erweitert werden: München–Mailand mit Anschluss nach Genua. Die Verhandlungen sind jedoch noch in einer frühen Phase.

Der neue Nachtzug von München nach Florenz markiert einen echten Fortschritt für umweltbewusste Reisende, die Komfort nicht missen wollen: Mit nur zwölf Stunden Fahrzeit und modern ausgestatteten Waggons wird die Strecke zur attraktiven Alternative zum Flugzeug—ohne Umsteigen, Stress oder CO₂-Belastung. Besonders für Städtereisende oder Italienfans, die Wert auf entspanntes Ankommen legen, könnte der Nightjet künftig die erste Wahl sein.

Wer die Verbindung testen möchte, sollte früh buchen—die Nachfrage nach Liege- und Schlafwagenplätzen dürfte hoch sein, sobald der Fahrplan im Dezember startet. Die Wiederbelebung europäischer Nachtzugrouten zeigt zudem: Die Bahn setzt zunehmend auf klimafreundliche Langstrecken—und Florenz ist erst der Anfang.