Ab Dezember 2024 rollt der erste direkte München-Florenz-Zug durch die Alpen – eine 10-stündige Nachtverbindung, die Reisende ohne Umstieg von der Isar an den Arno bringt. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) setzen damit ein klares Zeichen gegen Kurzstreckenflüge und für klimafreundliche Alternativen: Allein auf dieser Strecke könnten jährlich bis zu 50.000 Fluggäste auf die Schiene wechseln, schätzen Verkehrsexperten. Mit modernisierten Nightjet-Wagen, inklusive Liege- und Schlafwagen, wird die Fahrt nicht nur ökologisch, sondern auch komfortabel.

Für Pendler zwischen Deutschland und Italien ändert sich damit die Reiseplanung grundlegend. Bisher erforderte die Strecke über Wien oder Zürich oft lästige Umstiege und verlängerte die Fahrzeit auf bis zu 14 Stunden. Der neue München-Florenz-Zug spart nicht nur Zeit, sondern bietet auch eine attraktive Option für Städtereisende, die morgens in der Toskana ankommen und sofort in den Tag starten wollen – ohne Jetlag, ohne Sicherheitskontrollen, nur mit dem Blick auf die vorbeiziehenden Alpen im Mondlicht.

Die Renaissance der Nachtzüge in Europa

Europas Schienennetze erleben ein überraschendes Comeback: Nachtzüge. Nach Jahrzehnten des Rückgangs steigen die Passagierzahlen seit 2020 jährlich um durchschnittlich 24 Prozent. Klimabewusste Reisende, gestresste Vielflieger und Städte mit überlasteten Flughäfen treiben diese Renaissance voran. Die neue Verbindung München–Florenz passt perfekt in diesen Trend – sie verbindet zwei wirtschaftliche Zentren ohne Umstieg und spart gegenüber dem Flug rund 180 kg CO₂ pro Passagier.

Verkehrsexperten sehen darin mehr als nur Nostalgie. Eine Studie der Europäischen Umweltagentur zeigt, dass Nachtzüge auf Strecken unter 1.000 Kilometern die umweltfreundlichste Alternative zum Flugzeug sind. Während Fluggesellschaften mit leeren Versprechungen über „nachhaltiges Kerosin“ werben, setzen Bahnbetreiber auf konkrete Lösungen: moderne Wagen mit Schallschutz, Liegeplätze in Privatsphäre-Kabinen und digitale Buchungssysteme, die Last-Minute-Tickets ermöglichen.

Besonders für Geschäftsreisende wird der Nachtzug attraktiv. Statt wertvolle Arbeitszeit am Flughafen zu verschwenden, nutzen sie die zehn Stunden für ungestörtes Schlafen – oder, dank Steckdosen und WLAN in der 1. Klasse, für Vorbereitungen am Laptop. Die Anbindung der Start- und Zielbahnhöfe an lokale Nahverkehrsnetze macht den Umstieg vom Büro direkt in den Fernzug möglich.

Doch nicht nur Ökologie und Effizienz überzeugen. Die Route führt durch einige der spektakulärsten Landschaften Europas: von den Alpen über die Seen Oberitaliens bis hin zu den Hügeln der Toskana. Wer morgens in Florenz ankommt, hat den Sonnenaufgang über den Weinbergen des Chianti bereits vom Zugfenster aus erlebt – ein Erlebnis, das kein Flughafen der Welt bieten kann.

10 Stunden durch die Alpen: Route und Komfort

Die neue Nachtzugverbindung zwischen München und Florenz verspricht nicht nur eine zeitsparende Alternative zum Flug, sondern auch ein Reiseerlebnis mit alpiner Kulisse. Auf der rund 650 Kilometer langen Strecke durchquert der Zug die Österreichischen Alpen über den Brennerpass, wo sich zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden spektakuläre Ausblicke auf schneebedeckte Gipfel und tiefe Täler bieten. Die Trasse folgt dabei teilweise historischen Eisenbahnrouten, die seit dem 19. Jahrhundert für ihre ingenieurtechnischen Meisterleistungen bekannt sind – etwa die 1.371 Meter lange Brennerbasistunnel-Passage, die als eine der längsten Eisenbahntunnel der Alpen gilt.

Komfort steht bei der zehnstündigen Fahrt im Mittelpunkt. Die Wagen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die den Nachtzug betreiben, sind mit modernen Schlafabteilen ausgestattet: von kompakten Liegewagen mit Waschbecken bis zu Deluxe-Kabinen mit eigenem Bad und Frühstücksservice. Klimatisierung, schalldichte Fenster und Bewegungsmelder im Gang sorgen für eine ungestörte Nachtruhe. Studien der ÖBB zeigen, dass über 80 Prozent der Nachtzugreisenden die Qualität des Schlafs als vergleichbar oder besser als zu Hause bewerten – ein entscheidender Faktor für die wachsende Beliebtheit solcher Verbindungen.

Wer wach bleibt, wird mit einem abwechslungsreichen Streckenerlebnis belohnt. Nach dem Start in München passiert der Zug kurz vor Innsbruck die Europabrücke, eine der höchsten Brücken Europas, bevor er sich durch das enge Wipptal schlängelt. Gegen 3 Uhr morgens überquert er die italienische Grenze bei Brennero, wo sich die Landschaft plötzlich verändert: Die schroffen Nordalpen weichen sanfteren Hügeln der Toskana, während der Zug durch Weinberge und Zypressenalleen in Richtung Florenz rollt. Ein Tipp für Fotobegeisterte: Die Morgendämmerung über dem Arno-Tal gehört zu den malerischsten Momenten der Reise.

Praktisch gedacht ist auch die Anbindung in den Zielstädten. In München startet der Zug am Hauptbahnhof mit direkter S-Bahn-Anbindung zum Flughafen, in Florenz endet die Fahrt am zentral gelegenen Santa Maria Novella – nur zehn Gehminuten von der Kathedrale entfernt. Gepäck kann entweder in den Abteilen verstaut oder im separaten Gepäckwagen untergebracht werden, der für Fahrräder und Skier ausgelegt ist.

Buchung, Preise und Sitzplatzoptionen im Vergleich

Die Buchung für den neuen Nachtschnellzug von München nach Florenz startet ab sofort über die Websites der Deutschen Bahn und der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Preise beginnen bei 49 Euro für einen Sitzplatz im Großraumwagen, während Liegewagenabteile ab 89 Euro und Schlafwagen mit privatem Bad ab 149 Euro angeboten werden. Frühbucher profitieren von günstigeren Tarifen, doch auch Last-Minute-Tickets bleiben verfügbar – allerdings mit Aufpreis von bis zu 30 Prozent, wie Branchenanalysen zeigen.

Sitzplatzoptionen reichen vom einfachen Platz im Großraumwagen bis hin zu exklusiven 1- oder 2-Bett-Schlafwagenabteilen mit Dusche und Frühstücksservice. Besonders gefragt sind die Komfortabteile, die bereits in den ersten Buchungstagen stark nachgefragt wurden. Reisende können zwischen verschiedenen Servicepaketen wählen, darunter ein Premium-Angebot mit Willkommensgetränk und Zeitungsauswahl.

Ein Vergleich der Preise mit anderen Nachtzugverbindungen in Europa zeigt, dass die München-Florenz-Strecke im Mittelfeld liegt. Während die Strecke Wien–Rom mit ähnlichen Komfortoptionen etwa 10 Prozent teurer ausfällt, sind Verbindungen wie Berlin–Stockholm oft günstiger, allerdings mit längeren Fahrzeiten. Eisenbahn-Experten betonen, dass die neue Verbindung durch ihre direkte Route und moderne Ausstattung überzeugt – ein entscheidender Faktor für Geschäftsreisende und Touristen gleichermaßen.

Flexible Stornierungsbedingungen gelten für alle Ticketklassen, wobei Schlafwagenbuchungen bis zu 48 Stunden vor Abfahrt kostenfrei geändert werden können. Sitzplatzreservierungen sind hingegen nicht erstattbar, lassen sich aber gegen eine Gebühr von 9 Euro umbuchen. Die genauen Konditionen finden sich auf den Buchungsportalen, wo auch Gruppenrabatte für Familien oder Reisegruppen ab vier Personen angeboten werden.

Warum Florenz? Die Vorteile der direkten Verbindung

Florenz lockt seit Jahrhunderten mit seinem unvergleichlichen Mix aus Kunst, Geschichte und dolce vita – doch die Anreise war für viele Deutsche bisher ein Hindernis. Während Rom und Mailand längst gut an das europäische Nachtzugnetz angebunden sind, fehlte bis jetzt eine direkte Verbindung in die toskanische Kulturmetropole. Studien der Europäischen Bahnagentur zeigen, dass 68 % der Reisenden aus dem deutschsprachigen Raum bei Strecken über 600 Kilometer den Zug dem Flugzeug vorziehen, sobald eine nächtliche Option ohne Umstieg existiert. Genau diese Lücke schließt nun der neue Nachtzug ab München.

Zeitersparnis steht dabei an erster Stelle. Wer bisher mit der Bahn nach Florenz reiste, musste in Verona oder Bologna umsteigen, was die Fahrt um mindestens zwei Stunden verlängerte. Der direkte Nachtschnellzug reduziert die Reise auf zehn Stunden – und das bei Ankunft um 6:30 Uhr morgens, perfekt für einen frühen Start in die Uffizien oder auf die Piazzale Michelangelo.

Doch nicht nur die Effizienz überzeugt. Die Strecke führt durch einige der spektakulärsten Landschaften Europas: von den bayerischen Voralpen über den Brennerpass bis hin zu den sanften Hügeln der Toskana, die im Morgengrauen aus dem Zugfenster besonders magisch wirken. Für viele Reisende ist diese nächtliche Panoramafahrt bereits ein Highlight der Reise – ohne zusätzlichen Aufpreis.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Klimabilanz. Laut Berechnungen des Verkehrsclubs Deutschland stößt ein Nachtzugreisender auf der Strecke München–Florenz nur etwa ein Zehntel des CO₂ eines Fluggasts aus. Angesichts steigender Umweltbewusstseins und der wachsenden Beliebtheit von „Slow Travel“ kommt der neue Zug damit genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ausbaupläne: Weitere Strecken ab 2025 geplant

Der Nachtzug zwischen München und Florenz ist erst der Anfang. Ab 2025 plant die Deutsche Bahn gemeinsam mit ihren italienischen Partnern eine deutliche Ausweitung des Angebots. Geprüft werden derzeit Verbindungen nach Rom, Venedig und sogar bis nach Neapel, wie aus internen Unterlagen hervorgeht. Die Nachfrage nach klimafreundlichen Alternativen zum Flug steigt – allein 2023 verzeichnete die Bahn bei ihren bestehenden Nachtzugverbindungen ein Plus von 22 Prozent.

Besonders im Fokus steht die Strecke München–Rom, die voraussichtlich ab Herbst 2026 realisiert werden soll. Hier könnten Reisende künftig zwischen einer Tages- und einer Nachtverbindung wählen. Die Planungen sehen vor, die Fahrzeit auf unter 11 Stunden zu drücken, was durch modernisierte Trassen in Österreich und Italien erreicht werden soll.

Auch die Anbindung an bestehende europäische Nachtzugnetze wird ausgebaut. So ist eine direkte Verbindung von Florenz nach Wien über München in Diskussion, die ab 2027 den Umstieg in Innsbruck überflüssig machen würde. Verkehrsexperten betonen, dass solche Verknüpfungen entscheidend sind, um den Nachtzug als echte Alternative zum Kurzstreckenflug zu etablieren.

Kritisch bleibt die Infrastruktur: Während die Strecken in Deutschland und Österreich bereits für höhere Geschwindigkeiten ertüchtigt werden, hinkt Italien hier noch hinterher. Dennoch zeigt sich die Bahn optimistisch – erste Testfahrten auf der neuen Route München–Venedig sind für Anfang 2025 geplant.

Mit der Rückkehr des Nachtzugs zwischen München und Florenz ab Dezember wird eine der schönsten Strecken Europas wieder zum Erlebnis—ohne Umsteigen, mit Komfort und nur zehn Stunden Reisezeit. Wer die Toskana oder die bayerischen Alpen entspannt erkunden will, findet hier eine klimafreundliche Alternative zum Flugzeug, die gleichzeitig Zeit spart und den Charme klassischer Bahnromantik bewahrt.

Reisende sollten früh buchen, denn die Nachfrage nach Liegewagen und Schlafwagen wird hoch sein, besonders in der Hochsaison und an Wochenenden. Wer Flexibilität braucht, kann mit dem Sparpreis schon ab 29 Euro starten—doch wer Luxus bevorzugt, gönnt sich am besten ein eigenes Abteil mit Waschbecken und Frühstücksservice.

Die Wiederbelebung dieser Verbindung ist erst der Anfang: Mit weiteren Nachtzugprojekten in Europa könnte das Reisen auf der Schiene bald wieder so selbstverständlich werden wie vor Jahrzehnten.