Ab Dezember 2024 rollt der neue Nachtschnellzug von München nach Mailand – und katapultiert die Verbindung zwischen den beiden Wirtschaftsmetropolen in eine neue Ära. Mit einer Fahrzeit von nur acht Stunden unterbietet er die bisherigen Nachtzug-Optionen um fast drei Stunden, während er tagsüber sogar mit dem Flugzeug konkurriert, wenn man Check-in und Transferzeiten einrechnet. Drei Mal pro Woche wird der moderne Zug verkehren, ausgestattet mit Liegewagen, Schlafwagen und einem Bordbistro, das regionale Spezialitäten anbietet. Die Buchungen starten bereits im September, doch erste Tests zeigen: Die Nachfrage nach der Strecke München–Mailand übersteigt bereits jetzt die Erwartungen der Bahn.
Für Pendler, Geschäftsreisende und Urlauber ändert sich damit die Kalkulation grundlegend. Wer bisher zwischen teuren Last-Minute-Flügen, umständlichen Umstiegen oder einer nächtelangen Busfahrt wählen musste, bekommt nun eine echte Alternative. Besonders für die vielen italienischen Gastarbeiter in Bayern oder deutsche Unternehmen mit Standorten in der Lombardei könnte der Zug zur ersten Wahl werden. Die Strecke München–Mailand ist eine der meistbefahrenen Europas – doch erst jetzt wird sie auch nachts zur komfortablen Hochgeschwindigkeitsverbindung. Die Frage ist nicht mehr ob man über Nacht reist, sondern nur noch: in welchem Komfort.
Die Renaissance der Nachtzüge in Europa
Lange galten Nachtzüge als Relikt einer vergangenen Ära – doch seit einigen Jahren erleben sie in Europa ein überraschendes Comeback. Während Billigflieger und Hochgeschwindigkeitszüge den Markt dominierten, wächst nun das Bewusstsein für nachhaltige Alternativen. Eine Studie der Europäischen Umweltagentur zeigt, dass Zugreisen im Vergleich zum Flugzeug bis zu 90 Prozent weniger CO₂-Emissionen verursachen. Besonders auf Strecken wie München–Mailand, wo die Nachtzugverbindung ab Dezember die Reisezeit auf acht Stunden verkürzt, wird das Potenzial deutlich: Pendler und Urlauber können Zeit sparen, ohne auf Komfort oder Klimaschutz zu verzichten.
Die Renaissance der Nachtzüge ist kein Zufall, sondern Ergebnis gezielter Investitionen. Bahnbetreiber wie die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben mit ihren Nightjet-Verbindungen bewiesen, dass Nachfrage existiert – selbst auf Strecken, die früher als unwirtschaftlich galten. Die neue Verbindung nach Mailand knüpft an diesen Trend an und setzt auf moderne Wagen mit Schlafkabinen, Liegewagen und sogar Mini-Suiten. Selbst Businessreisende, die früher ausschließlich das Flugzeug nutzten, entdecken die Vorzüge: Ankunft erholt, ohne Zeitverlust durch Check-in oder Sicherheitskontrollen.
Kritiker verweisen zwar auf die noch lückenhafte Infrastruktur in einigen europäischen Ländern, doch die Zeichen stehen auf Expansion. Allein zwischen 2020 und 2023 stieg die Zahl der Nachtzugverbindungen in Europa um über 30 Prozent. Die Strecke München–Mailand könnte dabei zum Vorbild werden, wie sich historische Bahntrassen mit moderner Technik und kundenfreundlichen Services neu beleben lassen.
Dass der Nachtzug mehr ist als nur ein Transportmittel, zeigt sich auch im gesellschaftlichen Wandel. Reisende schätzen zunehmend die Entschleunigung, das Gefühl, unterwegs zu sein, statt nur von A nach B zu gelangen. Die achtstündige Fahrt von München nach Mailand wird so zur bewussten Alternative – nicht trotz, sondern wegen der längeren Reisezeit.
8 Stunden von München nach Mailand: Strecke und Komfort
Die 630 Kilometer zwischen München und Mailand bewältigt der neue Nachtschnellzug in nur acht Stunden – eine deutliche Beschleunigung gegenüber den bisher üblichen 11 bis 12 Stunden. Die Strecke führt über den Brennerpass, wo moderne Trassentechnik und optimierte Fahrpläne für kürzere Haltezeiten sorgen. Reisende passieren dabei malerische Landschaften wie die Tiroler Alpen und die Po-Ebene, ohne Umsteigen oder lästige Zwischenstopps.
Ein zentraler Faktor für die Zeitersparnis ist die Nutzung der Brennerbasistunnel-Umfahrung, die Steigungen reduziert und höhere Geschwindigkeiten ermöglicht. Laut Angaben der Deutschen Bahn und der italienischen Trenitalia wurde die Reisezeit durch koordinierte Infrastrukturprojekte um fast 30 Prozent verkürzt.
Der Komfort an Bord orientiert sich an modernen Hotelstandards: Die Abteile verfügen über klimatisierte Einzel- und Doppelkabinen mit eigenem Waschbecken, Steckdosen und dimmbarem Licht. In den höheren Klassen sind sogar private Duschen und Frühstücksservice inklusive. Wer es günstiger mag, findet in den Sitzwagen bequeme Liegesessel mit Fußstützen – ideal für Kurzschläfer.
Besonders für Geschäftsreisende interessant: Die Ankunft in Mailand erfolgt um 6:30 Uhr, rechtzeitig für frühe Termine. Die Verbindung startet ab München Hbf um 22:00 Uhr, sodass Pendler den Tag noch nutzen können, ohne wertvolle Arbeitszeit zu verlieren.
Buchung, Preise und Sitzplatzoptionen im Vergleich
Die Buchung für den neuen Nachtschnellzug zwischen München und Mailand startet ab sofort über die Websites der Deutschen Bahn und der italienischen Trenitalia. Preise beginnen bei 29 Euro für einen Sitzplatz im Großraumwagen, während Liegewagenabteile ab 59 Euro und Schlafwagen ab 99 Euro pro Person angeboten werden. Frühbucher profitieren von günstigeren Tarifen, da die Preise dynamisch steigen, je näher der Reisetermin rückt – ein System, das sich bereits bei anderen europäischen Nachtzugverbindungen bewährt hat.
Wer Komfort bevorzugt, kann zwischen drei Sitzplatzkategorien wählen. Die Basisoption umfasst einfache Sitzplätze mit Steckdosen und Leselicht, während die Premium-Klasse zusätzliche Beinfreiheit und eine ruhige Atmosphäre bietet. Für Familien oder Gruppen lohnt sich die Reservierung eines gesamten Abteils im Liegewagen, das bis zu sechs Personen fasst. Laut einer aktuellen Studie des Verkehrsclubs Deutschland nutzen über 60 % der Nachtzugreisenden diese Option für mehr Privatsphäre.
Die flexiblen Stornierungsbedingungen heben den neuen Zug von Billigflügen ab: Bis zu 72 Stunden vor Abfahrt sind Änderungen kostenfrei möglich, danach fällt eine Gebühr von 15 Euro an. Wer spontan reist, zahlt zwar mehr, spart aber Zeit – die direkte Verbindung entfällt Umstiege und langes Warten an Flughäfen.
Besonders praktisch für Vielfahrer: Die Strecke ist in das BahnCard-System integriert, sodass Inhaber 25 % oder 50 % Rabatt auf den Flexpreis erhalten. Auch Interrail-Pässe gelten, allerdings nur für Sitzplätze und gegen Aufpreis für Liege- oder Schlafwagen.
Umweltvorteil: Wie der Nachtzug Flüge überflüssig macht
Der neue Nachtzug zwischen München und Mailand schneidet nicht nur Reisezeit, sondern auch CO₂-Emissionen radikal zusammen. Während ein Hin- und Rückflug auf dieser Strecke pro Passagier durchschnittlich 230 Kilogramm CO₂ verursacht, liegt der Wert beim Nachtzug bei unter 30 Kilogramm – selbst wenn man die Herstellung und Wartung der Züge mit einrechnet. Klimaforscher des Öko-Instituts Freiburg bestätigen: Bei Strecken unter 1.000 Kilometern ist die Bahn fast immer die ökologisch überlegene Wahl, besonders wenn sie elektrisch betrieben wird und die Energie aus erneuerbaren Quellen stammt.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Statt Kerosin zu verbrennen, nutzt der Nachtzug Strom aus der Oberleitung. In Deutschland und Italien stammt ein wachsender Anteil davon aus Wind-, Wasser- und Solarkraft. Selbst bei gemischter Stromerzeugung schneidet die Bahn deutlich besser ab als Flugzeuge, die auf absehbare Zeit auf fossile Brennstoffe angewiesen bleiben.
Hinzu kommt der Flächeneffizienz-Gewinn. Ein Zug ersetzt Dutzende Einzelflüge und spart damit nicht nur Treibhausgase, sondern auch wertvollen Luftraum und Lärmbelastung für Anwohner in der Nähe von Flughäfen. Während Start und Landung zu den lautesten Phasen eines Fluges zählen, gleitet der Nachtzug fast geräuschlos durch die Nacht – ein Plus für Schlafqualität und lokale Ökosysteme.
Langfristig könnte der Ausbau solcher Verbindungen sogar die Nachfrage nach Kurzstreckenflügen weiter drücken. Studien zeigen, dass bei attraktiven Fahrzeiten und Komfort – wie Liegewagen und Bordrestaurant – bis zu 40 Prozent der Vielflieger auf der Strecke München–Mailand auf die Schiene umsteigen würden. Ein Erfolg, der nicht nur die Bilanz einzelner Reisender aufpoliert, sondern ganze Verkehrskonzepte nachhaltiger macht.
Ausbaupläne: Weitere Verbindungen ab 2025 geplant
Der Start des Nachtzugs zwischen München und Mailand markiert erst den Anfang einer größeren Expansion. Ab 2025 sollen weitere Verbindungen das europäische Nachtzugnetz verdichten – mit München als zentralem Knotenpunkt. Geplant sind direkte Routen nach Rom, Barcelona und sogar Wien, die das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen. Eisenbahn-Experten betonen, dass solche Ausbauten nicht nur die Reisezeiten verkürzen, sondern auch den CO₂-Ausstoß im Vergleich zu Kurzstreckenflügen um bis zu 90 Prozent senken können.
Besonders im Fokus steht die Strecke München–Rom, die voraussichtlich ab Herbst 2025 in Betrieb geht. Mit einer voraussichtlichen Fahrzeit von unter zehn Stunden würde sie eine attraktive Alternative zu Flugreisen bieten. Die Deutsche Bahn arbeitet hier eng mit den italienischen Staatsbahnen zusammen, um die Infrastruktur an den Grenzen zu optimieren.
Parallel dazu laufen Verhandlungen für eine Verbindung nach Barcelona. Diese Route würde über Zürich und Lyon führen und könnte ab 2026 realisiert werden. Die Herausforderung liegt vor allem in der Koordination der verschiedenen Bahnsysteme, da die Strecke durch drei Länder führt.
Auch innerdeutsche Verbindungen profitieren: Ab 2025 soll der Nachtzug von München nach Hamburg um eine weitere Verbindung pro Woche erweitert werden, um die steigende Nachfrage zu bedienen.
Mit der Wiederaufnahme des Nachtzugs zwischen München und Mailand ab Dezember wird eine der attraktivsten Bahnverbindungen Europas wiederbelebt: Acht Stunden Fahrtzeit, Komfortabteile und eine direkte Anbindung ohne Umstieg machen die Strecke zur echten Alternative zum Flugzeug oder Auto. Wer Stress an Flughäfen oder Staus auf der Brennerautobahn leid ist, findet hier eine entspannte Lösung – besonders für Geschäftsreisende, die morgens frisch in Mailand ankommen, oder Urlauber, die ihre Reisezeit sinnvoll nutzen wollen.
Für alle, die die Verbindung testen möchten, lohnt sich eine frühzeitige Buchung, da die Nachfrage nach Nachtzügen seit Jahren steigt und die Plätze begrenzt sind. Die Rückkehr dieser Strecke könnte erst der Anfang sein: Mit weiteren geplanten Nachtzugverbindungen in Europa zeichnet sich ein Trend ab, der das Reisen auf der Schiene nachhaltig verändern wird.
