Der Ausbau des München Terminal 1 stockt – und das nicht nur leicht. Nach aktuellen Plänen der Flughafen München GmbH wird sich die Fertigstellung um mindestens zwei Jahre verzögern, wie aus internen Unterlagen hervorgeht. Ursprünglich für 2026 avisiert, rückt die Inbetriebnahme nun frühestens auf 2028. Verantwortlich dafür sind Lieferengpässe bei Baumaterialien, gestiegene Kosten und bürokratische Hürden, die selbst optimistische Prognosen zunichtemachen. Allein die Baukosten haben sich seit Projektstart um über 30 Prozent erhöht, was die Debatte um die Zukunft des wichtigsten bayerischen Luftverkehrsknotens neu entfacht.
Für Vielflieger, Pendler und die lokale Wirtschaft ist die Verzögerung beim München Terminal 1 mehr als ein Ärgernis. Das Terminal, das jährlich Millionen Passagiere abfertigt, lebt seit Jahren an der Kapazitätsgrenze – mit Folgen: Überfüllte Gänge, längere Wartezeiten und ein marodes technisches System belasten den Betrieb. Während andere europäische Drehkreuze wie Frankfurt oder Amsterdam ihre Infrastruktur modernisieren, droht München den Anschluss zu verlieren. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie lange die Stadt den Stillstand verkraftet, ohne dass Reisekomfort und wirtschaftliche Attraktivität leiden.
Ursprünglicher Zeitplan und erste Planungsprobleme
Der ursprüngliche Zeitplan für den Neubau des Terminals 1 am Münchner Flughafen sah eine Fertigstellung bis 2026 vor. Die Planungen begannen bereits 2018, als erste Machbarkeitsstudien und Kapazitätsanalysen vorlagen. Damals ging man von einem reibungslosen Ablauf aus – doch die Realität holte das Projekt schnell ein.
Schon in der frühen Phase zeigten sich erste Engpässe. Die komplexe Logistik eines laufenden Flughafenbetriebs während der Bauarbeiten erwies sich als größere Herausforderung als angenommen. Hinzu kamen verzögerte Genehmigungsverfahren, da Umweltauflagen und Lärmschutzbestimmungen strengere Prüfungen erforderten. Laut einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) aus dem Jahr 2022 führen solche Verzögerungen bei Großprojekten im Schnitt zu Kostensteigerungen von bis zu 15 % – ein Risiko, das auch in München früh erkennbar war.
Besonders kritisch gestaltete sich die Koordination zwischen den beteiligten Behörden, der Flughafen München GmbH und den ausführenden Baufirmen. Während die ersten Entwürfe noch optimistisch von einer schrittweisen Inbetriebnahme ab 2024 ausgingen, mussten diese Pläne bereits 2021 revidiert werden. Die Pandemie verschärfte die Situation zusätzlich, als Lieferketten für Baumaterialien ins Stocken gerieten und Fachkräfteengpässe die Arbeitsabläufe bremsten.
Ein weiteres Problem: Die ursprünglichen Kostenschätzungen von rund 1,2 Milliarden Euro erwiesen sich bald als zu niedrig. Allein die Anpassung der Brandschutzvorgaben und die Nachrüstung moderner Sicherheitssysteme trieben die Budgetplanung in die Höhe. Experten aus der Branche hatten früh gewarnt, dass solche Großvorhaben im Flughafenbau selten ohne Nachbesserungen auskommen – in München bestätigte sich diese Einschätzung schneller als erwartet.
Offizielle Bestätigung: Zwei Jahre Verzögerung für Baubeginn
Die Verzögerung ist offiziell: Der geplante Baubeginn für das neue Terminal 1 am Münchner Flughafen wird um mindestens zwei Jahre verschoben. Das bestätigte die Flughafen München GmbH (FMG) in einer Pressemitteilung vom 12. Oktober. Ursprünglich sollte der Spatenstich 2025 erfolgen, nun ist frühestens 2027 mit den ersten Bauarbeiten zu rechnen.
Hintergrund sind komplexe Planungsanpassungen und längere Genehmigungsverfahren als ursprünglich angenommen. Besonders die Anforderungen an Nachhaltigkeitsstandards und die Integration moderner Sicherheitstechnologien haben den Zeitplan durcheinandergebracht. Laut einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) von 2023 dauern Großprojekte an deutschen Flughäfen im Schnitt 30 % länger als in vergleichbaren EU-Ländern – ein Trend, der sich in München nun bestätigt.
Die FMG betont, dass die Verzögerung keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb habe. Dennoch wirft sie Fragen auf: Die Kapazitätsengpässe am bestehenden Terminal 1, das für jährlich 25 Millionen Passagiere ausgelegt ist, werden sich weiter verschärfen. 2023 nutzten bereits 28,5 Millionen Reisende das Terminal – Tendenz steigend.
Kritik kommt von der Bayerischen Industrie- und Handelskammer, die warnt, dass Verzögerungen bei der Infrastruktur die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts München gefährden. Ob die neuen Zeitpläne gehalten werden können, bleibt abzuwarten: Noch steht die finale Freigabe durch das Luftfahrt-Bundesamt aus.
Folgen für Passagiere und Flugbetrieb am bestehenden Terminal
Die Verzögerung beim Neubau von Terminal 1 am Münchner Flughafen trifft Passagiere und Flugbetrieb direkt. Bereits jetzt kämpft der Standort mit Kapazitätsengpässen: Im vergangenen Jahr nutzten über 44 Millionen Reisende den Flughafen, während die bestehende Infrastruktur für deutlich weniger ausgelegt ist. Gepäckstaus, längere Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen und überfüllte Wartebereiche gehören seit Monaten zum Alltag – eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht.
Besonders in den Stoßzeiten am Morgen und Abend verschärft sich die Situation. Fluggesellschaften müssen häufiger Gates umplanen oder Passagiere per Bus zu entfernteren Positionen transportieren, was zu Verspätungen führt. Laut Angaben von Branchenexperten steigt die durchschnittliche Wartezeit an den Kontrollen um bis zu 30 Prozent, sobald die Auslastung 90 Prozent übersteigt – ein Wert, der in München längst regelmäßig erreicht wird.
Für Vielflieger und Geschäftsreisende bedeutet das vor allem eines: weniger Planungssicherheit. Wer bisher mit kurzen Umsteigzeiten kalkulierte, muss nun Puffer einrechnen oder riskiert verpasste Anschlüsse. Auch die Servicequalität leidet, da Personal in den überlasteten Terminals oft zwischen Check-in, Boarding und Passagierbetreuung hin- und hergerissen wird.
Die Verzögerung trifft zudem die Luftfahrtindustrie wirtschaftlich. Jeder Tag ohne Erweiterung kostet den Flughafen München nach Schätzungen von Verkehrsanalysten bis zu 50.000 Euro an entgangenen Einnahmen durch reduzierte Shop- und Gastronomienutzung. Langfristig droht ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen europäischen Drehkreuzen wie Frankfurt oder Amsterdam, die bereits ihre Kapazitäten ausbauen.
Kostenexplosion: Wer trägt die zusätzlichen Millionen?
Die Verzögerung beim Neubau des Terminal 1 am Münchner Flughafen kommt nicht ohne Preis: Aktuelle Schätzungen gehen von Mehrkosten in Höhe von mindestens 150 Millionen Euro aus – eine Summe, die selbst erfahrene Branchenkenner überrascht. Ursprünglich mit 1,2 Milliarden Euro veranschlagt, droht das Projekt nun deutlich teurer zu werden. Bauverzögerungen, gestiegene Materialpreise und komplexere Sicherheitsauflagen treiben die Rechnung in die Höhe.
Wer diese zusätzlichen Millionen tragen wird, ist noch unklar. Die Flughafen München GmbH verweist auf laufende Verhandlungen mit den beteiligten Parteien, darunter Bauunternehmen, öffentliche Fördergeber und Airlines. Letztere zeigen sich bereits jetzt unzufrieden: Lufthansa und andere Fluggesellschaften fürchten, dass die Kosten über höhere Gebühren auf sie abgewälzt werden könnten – und damit letztlich auf die Passagiere.
Experten der Bauwirtschaft bestätigen den Trend: Allein die Preise für Stahl und Beton sind seit Projektbeginn um bis zu 30 Prozent gestiegen. Hinzu kommen Engpässe bei Fachkräften und Lieferkettenprobleme, die zusätzliche Puffer im Budget erfordern. „Solche Großprojekte sind immer ein Balanceakt zwischen Planungssicherheit und externen Risiken“, heißt es aus Kreisen der Bauindustrie.
Die Stadt München und der Freistaat Bayern, die als Gesellschafter der Flughafen GmbH fungieren, stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Während die einen auf eine schnelle Lösung drängen, um weitere Kostenexplosionen zu vermeiden, pochen andere auf eine gründliche Prüfung aller Optionen – auch wenn das weitere Verzögerungen bedeutet.
Alternative Lösungen bis zur Fertigstellung des Neubaus
Die Verzögerung beim Neubau des Terminals 1 am Münchner Flughafen zwingt zu kurzfristigen Lösungen, um die wachsende Passagierzahl zu bewältigen. Aktuell nutzen über 46 Millionen Reisende jährlich den Flughafen – eine Zahl, die laut Prognosen der Luftverkehrsbranche bis 2026 auf über 50 Millionen steigen wird. Ohne Erweiterungen drohen Engpässe, besonders in den Stoßzeiten während der Ferienmonate und Großveranstaltungen wie der Oktoberfest-Saison.
Als erste Maßnahme setzt die Flughafen München GmbH auf eine optimierte Raumnutzung im bestehenden Terminal. Durch Umstrukturierung der Check-in-Bereiche und die temporäre Umwidmung von Büroflächen in Wartezonen sollen bis zu 1.200 zusätzliche Quadratmeter für Passagiere gewonnen werden. Zudem werden mobile Gepäckbänder und zusätzliche Security-Schleusen in den Abfertigungsbereichen A und B getestet, um die Abfertigungszeiten zu verkürzen.
Parallel dazu verhandelt der Flughafen mit Fluggesellschaften über eine stärkere Verteilung der Abflüge auf die weniger ausgelasteten frühen Morgen- und späten Abendstunden. Lufthansa und Eurowings haben bereits signalisiert, ausgewählte Inlands- und Europaflüge um bis zu zwei Stunden vorzuziehen oder zu verschieben. Diese Anpassungen könnten die Spitzenbelastung um mittags um bis zu 15 Prozent reduzieren, wie interne Berechnungen zeigen.
Für Langstreckenpassagiere plant der Flughafen den Ausbau der Lounges im Terminal 2 als Ausweichmöglichkeit. Durch eine Kooperation mit externen Anbietern wie Primeclass Lounge Services sollen dort temporär zusätzliche Sitzplätze und Arbeitsbereiche entstehen. Die Kosten für diese Übergangslösungen werden auf etwa 12 Millionen Euro veranschlagt – ein Bruchteil der ursprünglich für den Neubau vorgesehenen 1,3 Milliarden.
Kritisch bleibt die Situation bei den Parkkapazitäten. Da der geplante Parkhausneubau ebenfalls verschoben wurde, prüft der Flughafen aktuell die Einrichtung eines Pendelshuttles von externen Parkflächen in der Nähe des Besucherparks. Eine Entscheidung soll bis Ende des Jahres fallen.
Die Verzögerung beim Neubau des Terminals 1 in München wirft nicht nur logistische Herausforderungen auf, sondern zeigt auch, wie anfällig große Infrastrukturprojekte für Planungsengpässe und politische Hürden bleiben. Mit mindestens zwei Jahren zusätzlicher Wartezeit müssen Passagiere und Airlines sich auf anhaltende Kapazitätsprobleme einstellen – besonders in den Stoßzeiten, wenn das bestehende Terminal bereits jetzt an seine Grenzen stößt.
Reisende sollten sich frühzeitig über Alternativen informieren, etwa die Nutzung des Terminals 2 oder regionaler Flughäfen wie Memmingen, um Stress durch Überlastung zu vermeiden. Unternehmen der Luftfahrtbranche müssen ihre Wachstumspläne für München kritisch prüfen und Puffer für weitere mögliche Verzögerungen einplanen.
Langfristig wird sich erst zeigen, ob die geplanten Erweiterungen den steigenden Passagierzahlen gerecht werden können – oder ob München riskiert, im Wettbewerb mit anderen europäischen Drehkreuzen wie Frankfurt oder Wien weiter zurückzufallen.

