Mit einem Spatenstich Ende Mai startete die Internationale Schule München ihr bisher größtes Bauprojekt: Eine 6.500 Quadratmeter große Campus-Erweiterung, die Platz für 300 zusätzliche Schüler:innen schaffen wird. Die Investition von 42 Millionen Euro unterstreicht den wachsenden Bedarf an hochwertiger internationaler Bildung in der bayerischen Landeshauptstadt – besonders in einem Umfeld, wo globale Mobilität und mehrsprachige Ausbildung längst keine Nische mehr sind.
Die Erweiterung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage nach Plätzen an der Internationalen Schule München seit Jahren steigt. Familien aus der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Diplomatie schätzen das IB-Curriculum und die multilinguale Ausrichtung der Schule, die seit 1966 als eine der führenden internationalen Bildungseinrichtungen Deutschlands gilt. Doch nicht nur Expats profitieren: Immer mehr lokale Familien entscheiden sich bewusst für diesen Bildungsweg – ein Trend, den die neue Infrastruktur jetzt konkret unterstützt.
Wachsende Nachfrage: Warum München eine größere Schule braucht
Die Internationale Schule München (ISM) stößt seit Jahren an ihre Kapazitätsgrenzen – und die Zahlen belegen den Handlungsbedarf. Allein in den letzten fünf Jahren stieg die Anzahl der Anmeldungen um über 40 %, während die verfügbaren Plätze kaum mitwuchsen. Familien aus dem In- und Ausland stehen teilweise auf Wartelisten von mehr als zwölf Monaten, besonders in den unteren Jahrgangsstufen. Die Nachfrage spiegelt nicht nur Münchens wachsende Attraktivität als Wirtschaftsstandort wider, sondern auch den Trend zu internationaler Bildung: Laut einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen entscheiden sich immer mehr Eltern für bilinguale oder englischsprachige Schulkonzepte, selbst wenn sie selbst keine Expatriates sind.
Besonders deutlich wird der Druck in den Ballungszentren. Während ländliche Regionen mit sinkenden Schülerzahlen kämpfen, verzeichnen internationale Schulen in Großstädten wie München, Frankfurt oder Berlin zweistellige Zuwachsraten. Die ISM verzeichnete 2023 mit 1.200 Bewerbungen für 80 freie Plätze in der Grundschule einen neuen Rekord. Nicht nur Expats, sondern auch deutsche Familien suchen zunehmend nach Alternativen zum staatlichen Schulsystem – sei es wegen kleinerer Klassen, individuellerer Förderung oder der globalen Ausrichtung.
Die Stadt selbst trägt zur Dynamik bei. Münchens Bevölkerung wächst seit 2010 kontinuierlich, getrieben von Zuzügen aus dem Ausland und hochqualifizierten Arbeitskräften. International agierende Unternehmen wie BMW, Siemens oder Allianz ziehen Fachkräfte an, für die eine nahtlose schulische Integration ihrer Kinder Priorität hat. Gleichzeitig steigt der Anteil an Rückkehrern: Deutsche Familien, die jahrelang im Ausland lebten, bevorzugen oft internationale Schulen, um ihren Kindern den Übergang zu erleichtern.
Doch es geht nicht nur um Quantität. Bildungsforscher betonen, dass die Qualität des Angebots mit der Nachfrage Schritt halten muss. Die ISM, die bereits mit dem International Baccalaureate (IB) und dem deutschen Abitur zwei Abschlüsse anbietet, sieht sich gezwungen, ihre Infrastruktur zu erweitern – nicht nur, um mehr Schüler aufzunehmen, sondern auch, um moderne Lehrkonzepte wie projektbasiertes Lernen oder digitale Kompetenzen räumlich abzubilden.
15 Millionen Euro für moderne Klassenzimmer und Labore
Mit 15 Millionen Euro fließt fast ein Drittel des Gesamtbudgets in die Ausstattung der neuen Räume. Der Fokus liegt auf flexiblen Klassenzimmern, die kollaboratives Lernen fördern: bewegliche Möbel, interaktive Whiteboards und schalldämmende Zonen für Gruppenarbeiten. Studien der Kultusministerkonferenz zeigen, dass solche Konzepte die Konzentrationsfähigkeit von Schüler:innen um bis zu 25 Prozent steigern können – ein Argument, das bei der Planung Priorität hatte.
Besonders die naturwissenschaftlichen Bereiche profitieren. Drei moderne Labore für Biologie, Chemie und Physik entstehen, ausgestattet mit hochwertigen Abzügen, digitalen Messgeräten und einer direkten Anbindung an die schuleigene Cloud. So lassen sich Experimente nicht nur durchführen, sondern auch in Echtzeit dokumentieren und auswerten. Die Schule setzt damit Maßstäbe, die über den bayerischen Lehrplan hinausgehen.
Auch die Sprachlabore erhalten ein Upgrade. Akustisch optimierte Kabinen mit Sprachanalyse-Software ermöglichen gezieltes Feedback – besonders wertvoll für eine Schule mit über 60 Nationalitäten. Die Technik stammt von einem Münchner Bildungstechnologie-Unternehmen, das bereits mehrere Preise für innovative Lernlösungen erhalten hat.
Nicht zuletzt fließt ein Teil der Mittel in barrierefreie Ausstattungen: höhenverstellbare Tische, induktive Höranlagen und taktile Leitstreifen. Ein Detail, das oft übersehen wird, hier aber bewusst mitgedacht ist.
Wie die Erweiterung den Schulalltag verändert
Die neue Campus-Erweiterung der Internationalen Schule München wird den Schulalltag spürbar entlasten – besonders in den Pausen. Bisher mussten sich 1.200 Schüler auf begrenzte Aufenthaltsflächen verteilen, was zu Engpässen in der Mensa und auf den Spielplätzen führte. Mit den zusätzlichen 300 Plätzen entstehen nun separate Bereiche für Grundschüler und ältere Jahrgänge, die nach pädagogischen Konzepten moderner Schulen gestaltet wurden. Laut einer Studie des Deutschen Schulbau-Instituts verbessern solche räumlichen Trennungen nicht nur die Aufsicht, sondern reduzieren auch Konflikte zwischen Altersgruppen um bis zu 40 Prozent.
Der Unterricht selbst profitiert von zwölf neuen, technisch voll ausgestatteten Klassenzimmern. Jeder Raum verfügt über interaktive Whiteboards und flexible Möbel, die kollaboratives Lernen fördern. Besonders die Naturwissenschaften erhalten mit drei zusätzlichen Laboren mehr Raum für Experimente – ein entscheidender Vorteil für eine Schule mit internationalem Lehrplan, der praktische Anwendungen stark gewichtet.
Auch der Schulweg ändert sich. Die Erweiterung umfasst eine neue Fahrradabstellanlage mit 150 Plätzen und eine optimierte Buswendeschleife, die Staus zur Stoßzeit verringern soll. Eltern, die bisher bis zu 20 Minuten auf die Abholung warteten, können künftig von einem flüssigeren Verkehrsfluss profitieren.
Kritische Stimmen gibt es dennoch: Einige Lehrer befürchten, dass die größeren Distanzen zwischen den Gebäuden mehr Zeit für Raumwechsel kosten. Die Schulleitung entgegnet mit einem angepassten Stundenplan, der Pufferzeiten einplant – eine Lösung, die an anderen wachsenden Schulen wie der Berlin Brandenburg International School bereits erfolgreich umgesetzt wurde.
Neue Sportanlagen und Grünflächen für die Gemeinschaft
Die Erweiterung des Campus der Internationalen Schule München bringt nicht nur zusätzliche Klassenzimmer, sondern auch moderne Sportanlagen und großzügige Grünflächen, die künftig der gesamten Schulgemeinschaft zugutekommen. Auf einer Fläche von über 5.000 Quadratmetern entstehen ein multifunktionales Sportfeld mit Kunstrasen, zwei Basketballplätze sowie eine Laufstrecke, die auch für den Sportunterricht der Oberstufe genutzt wird. Besonders hervorzuheben ist die geplante Sporthalle mit energieeffizienter Bauweise, die nach den Richtlinien des Deutschen Nachhaltigkeitsrats zertifiziert wird.
Laut einer Studie des Bayerischen Landesamts für Umwelt fördern gut gestaltete Außenanlagen nicht nur die körperliche Aktivität von Schülern, sondern verbessern auch Konzentration und Lernleistung um bis zu 15 Prozent. Die Schule setzt hier auf ein durchdachtes Konzept: Zwischen den Sportflächen entstehen ruhige Grünzonen mit einheimischen Pflanzen, die als Rückzugsorte und Lernorte im Freien dienen. Ein neu angelegter Schulgarten soll zudem Projekte im Bereich Umweltbildung ermöglichen.
Für die jüngeren Jahrgänge wird ein separater Spielbereich mit Klettergerüsten und Sandflächen eingerichtet, der nach den Sicherheitsstandards des TÜV Rheinland geplant ist. Eltern und Lehrer begrüßen besonders die barrierefreie Gestaltung aller Außenbereiche, die Inklusion im Schulsport aktiv unterstützt.
Die neuen Flächen werden nicht nur während der Schulzeit genutzt. Geplant sind Kooperationen mit lokalen Vereinen, um die Anlagen auch am Wochenende für Jugendtrainings und Gemeinschaftsveranstaltungen zu öffnen – ein Schritt, der die Verbindung zwischen Schule und Münchner Stadtteilen stärken soll.
Langfristige Pläne: Nachhaltigkeit und digitale Bildung im Fokus
Die Erweiterung des Münchner Campus ist mehr als eine kurzfristige Lösung für Platzmangel – sie bildet das Fundament für langfristige Bildungsziele. Nachhaltigkeit steht dabei im Mittelpunkt: Das neue Gebäude wird nach dem KfW-55-Standard errichtet, was den Energieverbrauch um mindestens 45 Prozent gegenüber herkömmlichen Neubauten senkt. Geplant sind zudem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, Regenwassernutzungssysteme und eine Fassade mit natürlicher Belüftung. Solche Maßnahmen spiegeln einen Trend wider, den eine Studie der UNESCO 2023 bestätigt: Über 60 Prozent der internationalen Schulen in Europa integrieren mittlerweile ökologische Kriterien in ihre Infrastrukturplanung, um nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch Verantwortung zu übernehmen.
Digitalisierung bildet das zweite Standbein der strategischen Ausrichtung. Die zusätzlichen Räume beherbergen nicht nur Klassenzimmer, sondern auch ein neues Digital Learning Lab, ausgestattet mit Virtual-Reality-Stationen und kollaborativen Arbeitsplätzen. Hier sollen Schüler ab der Sekundarstufe I projektbasiert lernen – etwa durch die Entwicklung eigener Apps oder die Analyse von Big Data in Umweltprojekten. Der Ansatz zielt darauf ab, technische Kompetenzen mit kritischem Denken zu verknüpfen.
Besonders auffällig ist die Verknüpfung beider Schwerpunkte in einem fächerübergreifenden Lehrplan. So analysieren Neuntklässler im Geographieunterricht etwa lokale Klimadaten, die sie zuvor im Digital Lab mit Sensoren erhoben haben. Solche Projekte zeigen, wie die Schule Theorie und Praxis verbindet – und gleichzeitig die Anforderungen moderner Arbeitswelten antizipiert.
Langfristig soll der erweiterte Campus auch als Modell für andere Standorte der Schulgruppe dienen. Regelmäßige Evaluierungen und der Austausch mit Partnerschulen in Skandinavien, wo ähnliche Konzepte bereits etabliert sind, sichern die kontinuierliche Weiterentwicklung. Die Investition in nachhaltige Technologien und digitale Bildung ist damit nicht nur eine Reaktion auf aktuelle Bedarfe, sondern eine bewusste Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte.
Die Erweiterung des Campus der Internationalen Schule München markiert einen entscheidenden Schritt, um dem wachsenden Bedarf an hochwertiger, mehrsprachiger Bildung in der Region gerecht zu werden—ohne dabei Kompromisse bei den pädagogischen Standards oder der internationalen Ausrichtung einzugehen. Mit 300 zusätzlichen Plätzen wird nicht nur die Kapazität erhöht, sondern auch ein klares Signal an expat-Familien und lokale Eltern gesendet, die nach einer zukunftsorientierten Schulbildung suchen, die globale Perspektiven mit regionaler Verankerung verbindet.
Wer für sein Kind einen Platz anstrebt, sollte die Anmeldefristen frühzeitig prüfen und die neuen Räumlichkeiten beim nächsten Tag der offenen Tür besichtigen, um sich ein Bild von den modernisierten Lernumgebungen zu machen. Die Fertigstellung 2026 wird zeigen, wie die Schule ihre Rolle als Brückenbauer zwischen Kulturen und Bildungssystemen weiter ausbaut—und München damit noch attraktiver für internationale Familien macht.

