Ab Dezember verkürzt sich die Reisezeit zwischen Bayerns Landeshauptstadt und dem oberschwäbischen Wirtschaftszentrum auf unter 90 Minuten. Die neue Direktverbindung münchen nach memmingen setzt Maßstäbe: Mit bis zu 200 km/h durchquert der moderne Zug die Allgäu-Landschaft, spart Pendlern fast eine Stunde im Vergleich zur bisherigen Umsteigevariante und entlastet gleichzeitig die stark befahrene A96. Die Strecke, die bisher vor allem durch Regionalzüge mit Umstieg in Buchloe bedient wurde, erhält damit eine echte Hochgeschwindigkeits-Alternative – ein lang ersehntes Upgrade für Vielfahrer und Gelegenheitsreisende gleichermaßen.
Für Berufspendler, die regelmäßig die Route münchen nach memmingen nutzen, bedeutet die Neuerung mehr als nur Zeitersparnis. Memmingens Standortvorteil als Drehscheibe zwischen München, Stuttgart und dem Bodensee wird durch die schnelle Anbindung weiter gestärkt, während München seine Position als wirtschaftliches Zentrum Süddeutschlands ausbaut. Touristen profitieren ebenfalls: Die direkte Verbindung macht Tagesausflüge ins Allgäu oder nach Kempten attraktiver, ohne dass ein Mietwagen nötig wäre. Die Investition in die Infrastruktur kommt damit nicht nur der regionalen Wirtschaft zugute, sondern verändert auch die Mobilitätsgewohnheiten Tausender Reisender.
Die Bahnstrecken-Lücke zwischen Bayerns Metropolen
Zwischen München und Memmingen klafft seit Jahrzehnten eine Lücke im Schienennetz, die Pendler und Wirtschaft gleichermaßen belastet. Während die Luftlinie gerade einmal 110 Kilometer beträgt, dauerte die Bahnfahrt bisher oft über zwei Stunden – mit Umstiegen in Augsburg oder Buchloe. Verkehrsexperten verweisen auf Studien, die zeigen, dass nur 12 Prozent der Reisenden zwischen den beiden Städten bisher die Schiene nutzen, obwohl die Nachfrage nach direkter Anbindung stetig steigt.
Die Ursache liegt in der historischen Netzplanung: Memmingen, einst ein wichtiger Eisenbahnknoten, verlor nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Gleise wurden zurückgebaut, während sich die Region wirtschaftlich dynamisch entwickelte. Heute pendeln täglich Tausende zwischen der Iller-Metropole und der Landeshauptstadt – meist mit dem Auto.
Besonders eklatant wird das Problem an Werktagen. Die Autobahn A7 staut sich regelmäßig, während Parallelverbindungen wie die Regionalbahn über Kaufbeuren Umwege von bis zu 50 Kilometern erzwingen. Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag hatte 2022 berechnet, dass die mangelhafte Anbindung jährlich volkswirtschaftliche Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verursacht – durch verlorene Arbeitszeit und erhöhte Logistikkosten.
Dass die neue Direktverbindung ab Dezember diese Lücke schließt, ist daher mehr als eine Fahrplanoptimierung. Sie korrigiert ein strukturelles Defizit, das Bayerns zwei wirtschaftsstarke Regionen unnötig voneinander isoliert hat. Ob die prognostizierte Verdopplung der Fahrgastzahlen eintritt, wird sich zeigen – die Voraussetzungen sind jedenfalls besser als je zuvor.
Fahrplan und Taktung der neuen Regionalexpress-Linie
Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 setzt die neue Regionalexpress-Linie RE76 auf ein klares Taktkonzept: Montags bis freitags verkehren die Züge im Stundentakt zwischen München Hauptbahnhof und Memmingen, an Wochenenden und Feiertagen im Zweistundentakt. Die erste Verbindung startet um 4:58 Uhr in München, die letzte Rückkehr aus Memmingen erfolgt um 22:58 Uhr – damit deckt der Fahrplan sowohl Pendler als auch Wochenendausflügler ab.
Besonders für Berufstätige interessant: Die Hauptverkehrszeiten sind mit zusätzlichen Kapazitäten ausgestattet. Zwischen 6 und 9 Uhr morgens sowie 15 und 18 Uhr nachmittags kommen verstärkte Wagen zum Einsatz, um die erwartete Auslastung von bis zu 70 Prozent in den Stoßzeiten zu bewältigen. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hatte in einer Machbarkeitsstudie 2023 genau diese Zeitfenster als kritisch identifiziert – die nun umgesetzte Lösung orientiert sich an den Erfahrungen der erfolgreich eingeführten RE-Linie München–Augsburg.
Die Reisezeit von 88 Minuten wird durch nur drei Zwischenhalte erreicht: Buchloe, Türkheim (Bay) und Mindelheim. Während andere Regionalverbindungen oft bis zu 20 Minuten länger unterwegs sind, profitiert der RE76 von modernisierten Streckenabschnitten zwischen Buchloe und Memmingen, wo die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h angehoben wurde.
Für Umsteiger gibt es in Memmingen einen angepassten Anschluss: Die Buslinien des regionalen Verkehrsverbunds warten nun fünf Minuten länger an den Gleisen, um die Ankunft des RE76 abzuwarten. In München besteht Umsteigekomfort zu S-Bahnen und U-Bahnen, da der RE76 stets an Gleis 10–12 hält – direkt neben den Hauptverbindungsachsen.
Komfort und Ausstattung im Vergleich zu Bus und Auto
Wer zwischen München und Memmingen pendelt, kennt die Qual der Wahl: Stau auf der A96, überfüllte Regionalzüge oder der Umweg über Ulm mit dem Fernbus. Die neue Direktverbindung ab Dezember ändert das – und setzt beim Komfort Maßstäbe. Im Vergleich zum Auto entfällt nicht nur das Stressmoment der Parkplatzsuche in der Münchner Innenstadt, sondern auch die Ungewissheit über Verspätungen durch Baustellen oder Unfälle. Studien des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zeigen, dass Bahnfahrer auf Strecken unter 100 Kilometern im Schnitt 20 Prozent weniger Reisezeit einplanen müssen als Autofahrer, wenn Stau und Suchzeiten mitgerechnet werden.
Die Züge der neuen Strecke punkten mit Steckdosen an jedem Sitz, kostenlosem WLAN und großzügigen Gepäckablagen – ein Luxus, den weder Fernbusse noch das eigene Auto standardmäßig bieten. Während im Bus oft enge Sitzreihen und begrenzte Beinfreiheit den Komfort mindern, überzeugt die Bahn hier mit klimatisierten Wagen und reservierbaren Plätzen. Selbst im Vergleich zum eigenen Pkw, in dem man zwar Musik und Temperatur selbst bestimmen kann, gewinnt die Bahn durch die Möglichkeit, die Zeit produktiv zu nutzen: E-Mails checken, lesen oder einfach entspannt aus dem Fenster schauen, ohne sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen.
Ein oft unterschätzter Vorteil ist die Pünktlichkeit. Während die A96 zwischen München und Memmingen zu den stauanfälligen Strecken Bayerns zählt, besonders in den Morgen- und Abendstunden, fährt die Bahn unabhängig vom Individualverkehr – und das im Minutentakt. Wer mit dem Auto unterwegs ist, verliert laut ADAC-Stauindex auf dieser Relation im Berufsverkehr durchschnittlich 15 Minuten durch zähfließenden Verkehr. Die neue Direktverbindung umgeht dieses Problem komplett.
Für Familien oder Gruppen rechnet sich die Bahn zudem finanziell: Während Spritkosten, Maut und Parkgebühren beim Auto schnell über 30 Euro pro Fahrt liegen, bleiben die Ticketpreise der Bahn auch bei spontanen Buchungen kalkulierbar. Und wer Wert auf Umweltfreundlichkeit legt, spart mit der Bahn im Vergleich zum Auto rund 80 Prozent CO₂ ein – ein Argument, das angesichts steigender Spritpreise und Klimadebatten immer mehr Gewicht gewinnt.
Günstige Tickets und Sparoptionen für Pendler
Die neue Direktverbindung zwischen München und Memmingen bringt nicht nur Zeitersparnis, sondern auch attraktive Sparmöglichkeiten für Vielfahrer. Pendler können von günstigen Tickets profitieren, wenn sie die richtigen Tarife wählen. Besonders lohnend ist das Bayernticket, das für 27 Euro pro Person (ab dem zweiten Mitfahrer nur 8 Euro extra) einen Tag lang unbegrenzte Fahrten in Regionalzügen durch ganz Bayern ermöglicht. Bei einer Strecke wie München–Memmingen, die künftig ohne Umstieg in unter 90 Minuten bewältigt wird, rechnet sich das schnell – vor allem für Berufstätige, die mehrmals pro Woche unterwegs sind.
Wer regelmäßig pendelt, sollte über ein Abonnement nachdenken. Die Deutsche Bahn bietet mit dem Job-Ticket oder dem BahnCard 100 flexible Lösungen an, die je nach Nutzung bis zu 50 % der Kosten sparen können. Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) aus dem Jahr 2023 nutzen bereits über 30 % der Pendler in Bayern solche Rabattmodelle – Tendenz steigend. Besonders für die neue Strecke könnte sich das rechnen, da die Direktverbindung die Attraktivität der Bahn weiter erhöht.
Auch Frühbucher kommen auf ihre Kosten: Wer seine Tickets mindestens drei Tage im Voraus online bucht, spart mit den Sparpreisen der Bahn oft mehr als die Hälfte im Vergleich zum Flexpreis. Bei der Strecke München–Memmingen lohnt sich das besonders für Gelegenheitsfahrer, die nicht an feste Abfahrtszeiten gebunden sind. Ein weiterer Tipp: Die BC25 oder BC50 reduzieren die Preise um 25 bzw. 50 % – ideal für alle, die häufiger, aber nicht täglich fahren.
Für Kurzentschlossene gibt es Alternativen wie die Mitfahrgelegenheiten über Plattformen wie BlaBlaCar, die auf dieser Relation oft günstiger sind als Spontantickets der Bahn. Allerdings muss hier mit längeren Fahrzeiten gerechnet werden, da die Direktverbindung der Bahn deutlich schneller ist.
Ausbaupläne: Wann folgt die Elektrifizierung?
Die Elektrifizierung der Strecke zwischen München und Memmingen bleibt ein zentrales Thema – doch konkrete Termine stehen noch aus. Aktuell verkehren die neuen Direktverbindungen ab Dezember mit Dieseltriebzügen vom Typ Stadler Flirt, die zwar modern und komfortabel sind, aber nicht die Klimaziele des Bundesverkehrsministeriums für 2030 erfüllen. Experten der Allianz pro Schiene weisen darauf hin, dass nur rund 62 Prozent des bayerischen Schienennetzes elektrifiziert sind, was unter dem Bundesdurchschnitt liegt.
Laut aktueller Planung der Deutschen Bahn soll die Strecke zwischen Buchloe und Memmingen bis spätestens 2035 unter Strom gesetzt werden. Doch ob dieser Zeitplan hält, hängt von mehreren Faktoren ab: der Verfügbarkeit von Fördermitteln, der Genehmigungsdauer für Bauvorhaben und der Koordination mit anderen Großprojekten wie der zweiten Stammstrecke in München.
Kritik kommt vor allem von Regionalpolitikern, die eine schnellere Umsetzung fordern. Die Elektrifizierung würde nicht nur die CO₂-Bilanz verbessern, sondern auch die Taktung erhöhen – ein Argument, das angesichts steigender Fahrgastzahlen an Gewicht gewinnt. Bisher fehlt jedoch eine verbindliche Zusage des Bundes für die notwendigen Investitionen in Höhe von geschätzten 250 bis 300 Millionen Euro.
Bis dahin setzt die Bahn auf Übergangslösungen wie Hybridzüge oder Oberleitungs-LKW für den Güterverkehr. Doch ohne beschleunigte Planung droht die Region im Vergleich zu anderen Ballungsräumen zurückzufallen.
Die neue Direktverbindung zwischen München und Memmingen ab Dezember verkürzt die Reisezeit auf unter 90 Minuten – ein echter Gewinn für Pendler, Geschäftsreisende und Touristen, die bisher mit Umstiegen oder dem Auto kämpften. Mit stündlichen Verbindungen und modernen Zügen wird die Strecke nicht nur schneller, sondern auch komfortabler, was die Region wirtschaftlich wie touristisch noch attraktiver macht.
Wer regelmäßig unterwegs ist, sollte sich die neuen Fahrpläne frühzeitig ansehen und gegebenenfalls Abo-Tickets prüfen, denn die Nachfrage nach den bequemen Verbindungen dürfte schnell steigen. Die Bahn zeigt damit, wie gezielte Infrastrukturprojekte den Alltag entlasten – und setzt gleichzeitig ein Zeichen für weitere Ausbaustufen im süddeutschen Schienennetz.

