Ab Dezember 2025 wird die Strecke zwischen Ulm und der bayerischen Landeshauptstadt zur schnellsten ICE-Verbindung Deutschlands: Nur noch 54 Minuten soll die Fahrt von Ulm nach München dann dauern – eine Reduzierung um fast die Hälfte gegenüber der aktuellen Reisezeit. Möglich macht das die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke Wendlingen–Ulm, die mit bis zu 250 km/h befahren wird und die bestehende Route über Augsburg umgeht. Die Deutsche Bahn setzt damit einen neuen Maßstab für den Fernverkehr im Süden und reagiert auf die wachsende Nachfrage nach schnellen, klimafreundlichen Alternativen zum Individualverkehr.

Für Pendler, Geschäftsreisende und Touristen bedeutet die verkürzte Fahrzeit von Ulm nach München nicht nur einen deutlichen Komfortgewinn, sondern auch eine stärkere wirtschaftliche Verknüpfung der Regionen. Ulm, als aufstrebender Technologie- und Wissenschaftsstandort, rückt damit noch näher an das wirtschaftliche Zentrum München heran – eine Entwicklung, die sowohl den Arbeitsmarkt als auch den Austausch zwischen den Städten beleben dürfte. Die Investition in die Infrastruktur unterstreicht zudem die Bedeutung der Schiene für die Verkehrswende, besonders auf der stark frequentierten Achse zwischen Baden-Württemberg und Bayern.

Jahrzehnte der Planung: Warum die Strecke so lange brauchte

Die Idee einer Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Ulm und München reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Damals begann die Deutsche Bundesbahn erste Machbarkeitsstudien für eine schnelle Schienenanbindung, die die wachsenden Ballungsräume entlasten sollte. Doch aus den Plänen wurde zunächst nichts: Wirtschaftliche Unsicherheiten, politische Prioritätenverschiebungen und lange Genehmigungsverfahren bremsten das Projekt immer wieder aus. Selbst als 1992 die erste ICE-Strecke zwischen Hannover und Würzburg in Betrieb ging, blieb die Verbindung nach Schwaben ein Wunschtrauma für Pendler und Wirtschaft.

Erst 2010 kam mit dem Beschluss des Bundesverkehrswegeplans Bewegung in die Sache. Die Strecke wurde als vordringlicher Bedarf eingestuft – doch selbst dann dauerte es noch Jahre, bis die ersten Bagger rollten. Allein die Planfeststellungsverfahren zogen sich über fast ein Jahrzehnt hin. Umweltverbände klagten gegen Trassenführungen, Anwohner fürchteten Lärmbelastungen, und archäologische Funde wie ein 7.000 Jahre altes Gräberfeld bei Merklingen verzögerten die Bauarbeiten um Monate. Laut einer Studie des Verkehrsministeriums vergehen in Deutschland im Schnitt 20 Jahre von der ersten Planung bis zur Fertigstellung neuer Schienenprojekte – bei der Strecke Ulm–München waren es am Ende fast 50.

Ein weiterer Knackpunkt: die Finanzierung. Mit geschätzten 3,8 Milliarden Euro gehörte das Projekt zu den teuersten Infrastrukturvorhaben der letzten Jahrzehnte. Bund, Länder und die Deutsche Bahn stritten jahrelang über die Kostenverteilung. Erst als 2018 eine Einigung über die Federführung der Bahn stand, beschleunigten sich die Bauarbeiten spürbar. Brücken, Tunnel und Lärmschutzwälle entstanden im Akkord, während parallel die bestehenden Gleise für den zukünftigen ICE-Betrieb ertüchtigt wurden.

Dass die Strecke nun doch noch vor dem ursprünglichen Zieltermin 2030 fertig wird, verdankt sie auch einem technischen Kompromiss: Statt einer komplett neuen Trasse nutzt sie auf 60 Kilometern bestehende Streckenabschnitte, die für Tempi bis 250 km/h umgebaut wurden. So ließen sich Kosten sparen – und die Wartezeit für Fahrgäste um Jahre verkürzen.

Fahrzeit revolutioniert: 54 Minuten statt 1,5 Stunden

Die Reise zwischen Ulm und München wird ab Dezember 2025 nicht mehr wiederzuerkennen sein. Statt der bisherigen 90 Minuten schrumpft die Fahrzeit auf gerade einmal 54 Minuten – eine Reduzierung um fast 40 Prozent. Möglich macht das die neue ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke, die speziell für Tempi bis zu 265 km/h ausgelegt ist. Besonders Pendler und Geschäftsreisende profitieren von der drastischen Zeitersparnis, die eine Tagesreise zwischen den beiden Wirtschaftsstandorten erstmals wirklich praktikabel macht.

Technisch setzt die Strecke auf modernste European Train Control System (ETCS)-Technologie, die nicht nur höhere Geschwindigkeiten ermöglicht, sondern auch die Zugfolgen verdichtet. Laut Angaben der Deutschen Bahn werden auf der neuen Trasse bis zu 12 ICE-Züge pro Stunde und Richtung verkehren können – fast doppelt so viele wie auf der alten Strecke. Die Streckenführung vermeidet enge Kurvenradien und Steigungen, was zusätzliche Minuten spart.

Für Vielfahrer zwischen Baden-Württemberg und Bayern ändert sich damit die Planung grundlegend. Wer bisher für einen Termin in München frühmorgens losfahren musste, kann künftig spontaner agieren. Selbst ein Mittagessen in der Landeshauptstadt und die Rückkehr am Nachmittag werden ohne Stress machbar. Die Bahn rechnet mit einem Passagieranstieg von mindestens 30 Prozent auf dieser Relation.

Besonders bemerkenswert: Die neue Strecke reduziert nicht nur die Fahrzeit, sondern entlastet auch die stark frequentierte Bestandsstrecke über Augsburg. Durch die direkte Verbindung über Mertingen entfallen mehrere Langsamfahrstellen, die bisher für Verzögerungen sorgten. Umweltverbände betonen zudem, dass die Elektrifizierung und der effizientere Betrieb den CO₂-Ausstoß pro Passagier um etwa 20 Prozent senken werden.

Halte, Taktung, Preise – was Reisende 2025 erwartet

Ab Dezember 2025 wird die neue ICE-Strecke zwischen Ulm und München nicht nur die Reisezeit auf unter 55 Minuten verkürzen, sondern auch das Taktangebot deutlich ausbauen. Statt wie bisher stündlich verkehren dann bis zu vier Züge pro Stunde in beide Richtungen – besonders zur Hauptverkehrszeit. Das entspricht einer Verdopplung des Angebots und soll Pendler wie Geschäftsreisende gleichermaßen entlasten. Studien des Bundesverkehrsministeriums zeigen, dass bei vergleichbaren Strecken eine Taktverdichtung um 50 Prozent die Auslastung um bis zu 30 Prozent steigert.

Die Preise bleiben trotz des modernen Streckennetzes stabil: Ein Flexpreis für die Strecke Ulm–München wird voraussichtlich bei 39,90 Euro liegen, Sparpreise starten bereits ab 17,90 Euro. Damit bleibt die Tarifstruktur im Rahmen des bestehenden Deutschlandtarifs, obwohl die neue Strecke mit ETCS-Technologie (European Train Control System) und höheren Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h aufwartet.

Neu sind auch die Halte: Während bisher fast alle ICEs in Augsburg und Ingolstadt hielten, entfallen 2025 einige Zwischenstopps zugunsten einer direkten Verbindung. Nur ausgewählte Züge werden dann in Augsburg halten, um die Fahrzeit weiter zu optimieren. Reisende aus kleineren Städten wie Günzburg oder Dasing profitieren stattdessen von verbesserten Regionalanschlüssen, die nahtlos an den ICE-Takt angebunden werden.

Für Vielfahrer lohnt sich ein Blick auf die geplanten Abo-Modelle. Die Bahn prüft aktuell ein „Metropol-Ticket“ für Pendler zwischen Ulm und München, das monatlich etwa 200 Euro kosten und unbegrenzte Fahrten auf der Strecke ermöglichen soll – inklusive Regionalverkehr. Ob das Angebot kommt, hängt jedoch von den finalen Verhandlungen mit den Ländern Bayern und Baden-Württemberg ab.

Wie Ulm und München von der schnellen Verbindung profitieren

Die neue ICE-Strecke zwischen Ulm und München verkürzt nicht nur die Reisezeit auf unter 55 Minuten – sie bringt beiden Städten handfeste wirtschaftliche und strukturelle Vorteile. Für Ulm bedeutet die bessere Anbindung an die bayerische Landeshauptstadt einen deutlichen Schub für den Wirtschaftsstandort. Unternehmen aus der Wissenschaftsstadt profitieren von schnelleren Verbindungen zu Münchner Konzernen, Investoren und Fachkräften. Besonders die ansässigen Hochtechnologiebranchen wie Luftfahrt, Medizin- und Umwelttechnik erwarten engere Kooperationen mit Partnern in der Metropolregion München.

München wiederum gewinnt mit Ulm einen attraktiven Satellitenstandort, der Entlastung für den angespannten Wohnungs- und Gewerbemarkt bietet. Studien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigen, dass gut angebundene Mittelstädte wie Ulm bis zu 15 % der Pendlerströme aus Großstädten abfangen können – ohne dass diese auf Infrastruktur oder Lebensqualität verzichten müssen. Für Münchner Pendler wird Ulm damit zur realistischen Alternative: günstigere Mieten, kürzere Wege und trotzdem in unter einer Stunde im Büro.

Auch der Tourismus zieht Nutzen aus der schnellen Verbindung. Ulms mittelalterliches Flair mit dem höchsten Kirchturm der Welt und die lebendige Donaulandschaft werden für Münchner Tagesausflügler noch attraktiver. Gleichzeitig können Besucher aus dem Alpenraum leichter die Kulturangebote beider Städte kombinieren – etwa ein Konzert in der Münchner Philharmonie am Abend und am nächsten Tag einen Spaziergang durch Ulms Fischer- und Gerberviertel.

Langfristig stärkt die Strecke die gesamte Region. Gemeinsame Projekte in Forschung und Lehre, wie die Kooperation zwischen der Universität Ulm und der TU München, erhalten neuen Schwung. Und für den klimafreundlichen Verkehr ist die Verbindung ein Gewinn: Schätzungen zufolge könnten bis 2030 bis zu 20.000 Autofahrten täglich zwischen den Städten auf die Schiene verlagert werden.

Nächste Projekte: Wo die ICE-Netze weiter wachsen sollen

Mit der Inbetriebnahme der neuen ICE-Strecke zwischen Ulm und München im Dezember 2025 endet das Ausbauprogramm der Deutschen Bahn nicht. Bereits jetzt laufen die Planungen für weitere Hochgeschwindigkeitsverbindungen, die das Netz in Süddeutschland noch enger knüpfen sollen. Besonders im Fokus steht die Verbindung zwischen Stuttgart und Ulm, wo die Reisezeit durch eine optimierte Trassenführung von derzeit 54 auf unter 30 Minuten sinken könnte. Bahn-Experten gehen davon aus, dass solche Projekte die Attraktivität des Schienenverkehrs gegenüber dem Individualverkehr um bis zu 40 Prozent steigern – ein entscheidender Faktor für die Verkehrswende.

Ein weiteres zentrales Vorhaben ist die Elektrifizierung und der Ausbau der Strecke zwischen Ulm und Friedrichshafen am Bodensee. Hier soll nicht nur die Taktung verdichtet, sondern auch die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h erhöht werden. Das würde Pendler:innen aus der Region und Touristen gleichermaßen zugutekommen, da Anbindungen in die Schweiz und nach Österreich deutlich beschleunigt würden.

Langfristig plant die Bahn zudem eine direkte Hochgeschwindigkeitsverbindung von München nach Prag, die über Regensburg führen und die Reisezeit zwischen den beiden Metropolen halbieren würde. Aktuell dauert die Fahrt noch rund fünf Stunden – mit der neuen Strecke wären es weniger als zwei. Solche internationalen Verbindungen stärken nicht nur den Wirtschaftsstandort Bayern, sondern entlasten auch die stark frequentierten Autobahnen.

Parallel dazu werden Modernisierungsarbeiten an bestehenden Strecken wie der Linie Augsburg–Ulm vorangetrieben, um Verspätungen zu reduzieren und die Pünktlichkeit zu erhöhen. Die Deutsche Bahn setzt hier auf digitale Stellwerkstechnik und eine bessere Koordination mit dem Güterverkehr.

Die neue ICE-Strecke zwischen Ulm und München markiert einen echten Wendepunkt für Pendler, Geschäftsreisende und Touristen: Ab 2025 wird die Fahrtzeit auf unter 55 Minuten schrumpfen – ein Gewinn an Effizienz, der die Region wirtschaftlich wie kulturell enger zusammenrücken lässt. Wer bisher zögerte, den Umstieg vom Auto auf die Schiene zu wagen, findet dann kaum noch Argumente gegen den Komfort und die Pünktlichkeit des Hochgeschwindigkeitsnetzes, besonders wenn man bedenkt, dass Staus auf der A8 oder Parkplatzsuche in München damit der Vergangenheit angehören.

Für Vielfahrer lohnt es sich bereits jetzt, die Vorteile des Deutschlandtickets oder der BahnCard zu prüfen, um von den künftigen Taktverdichtungen und kürzeren Reisezeiten voll zu profitieren. Mit jedem neuen Streckenabschnitt wird klar: Die Bahn setzt Maßstäbe – und wer heute plant, spart morgen Zeit.