Ab Dezember verkürzt sich die Reise zwischen Bayerns Landeshauptstadt und der tschechischen Metropole auf nur sechs Stunden – dank der neuen Direktverbindung im Nachtzug. Die ÖBB-Nightjet-Linie wird München und Prag erstmals seit Jahren wieder ohne Umstieg verbinden, mit modernisierten Wagen, Komfortkabinen und einer Abfahrt, die Pendler wie Urlauber gleichermaßen ansprechen dürfte. Die Strecke reagiert damit auf eine wachsende Nachfrage: Allein 2023 nutzten über 1,2 Millionen Fahrgäste die Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Tschechien, Tendenz steigend.

Für Vielfahrer und Gelegenheitsreisende gleichermaßen interessant: Der Zug München–Prag füllt eine Lücke im europäischen Nachtzugnetz, die seit der Einstellung der letzten direkten Verbindung vor fast zwei Jahrzehnten klaffte. Wer bisher zwischen den beiden Städten unterwegs war, musste entweder auf umständliche Umstiege ausweichen oder auf das Flugzeug setzen – eine Option, die angesichts der Klimadebatte zunehmend an Attraktivität verliert. Mit der neuen Verbindung wird der Zug München–Prag nicht nur zur praktischen Alternative, sondern auch zum Symbol für die Renaissance der Schiene in Europa. Die Buchungen starten in Kürze, und die ersten Tickets versprechen bereits jetzt: Wer früh plant, sichert sich die besten Preise.

Die Renaissance der Nachtzüge in Europa

Lange galt der Nachtzug als Relikt vergangener Zeiten – doch seit einigen Jahren erlebt er in Europa ein überraschendes Comeback. Zwischen 2020 und 2023 stiegen die Buchungszahlen für Nachtzugverbindungen um durchschnittlich 24 Prozent pro Jahr, wie Daten der Europäischen Bahnagentur zeigen. Die Gründe liegen auf der Hand: Klimabewusstsein, überlastete Flughäfen und der Wunsch nach entspanntem Reisen ohne Zeitverlust durch Sicherheitskontrollen oder Anfahrtswege zum Airport. Besonders auf Strecken unter 800 Kilometern setzen immer mehr Reisende auf die schienengebundene Alternative.

Die neue Verbindung München–Prag passt perfekt in diesen Trend. Mit einer Fahrzeit von nur sechs Stunden unterbietet sie nicht nur die meisten Flugverbindungen inklusive Vorlaufzeiten, sondern bietet auch einen entscheidenden Komfortvorteil: Gäste checken abends ein, wachen morgens in einer anderen Stadt auf – ohne Jetlag, ohne Stress. Eisenbahnunternehmen reagieren darauf mit modernen Konzepten: Die Wagen der neuen Generation verfügen über schallgedämmte Abteile, Steckdosen an jedem Platz und in der ersten Klasse sogar über eigene Duschen.

Besonders für Geschäftsreisende wird der Nachtzug zunehmend attraktiv. Eine Studie des Deutschen Reisemonitors 2023 ergab, dass 38 Prozent der beruflich Reisenden Nachtzüge nutzen würden, wenn direkte Verbindungen in Hauptstädte angeboten würden. Die Strecke München–Prag trifft genau diesen Nerv: Sie verbindet zwei wirtschaftliche Zentren mit hoher Pendlerfrequenz. Während Tagsüber die Arbeitszeit genutzt wird, dient die Nacht der Fortbewegung – eine Effizienz, die Flugreisen kaum bieten können.

Doch nicht nur Ökonomie und Ökologie treiben die Renaissance an. Es ist auch eine Frage der Reisekultur. Wer schon einmal durch die böhmischen Wälder oder entlang der Donau gereist ist, weiß: Die Nachtzugfahrt verwandelt die Strecke selbst in ein Erlebnis. Kein Warten am Gate, kein Gepäckstress – stattdessen das gleichmäßige Rattern der Räder, ein Glas Wein im Bordrestaurant und der Blick auf europäische Landschaften, die im Vorbeiziehen Geschichten erzählen.

Streckenplan und Halte der neuen Verbindung

Die neue Nachtzugverbindung zwischen München und Prag wird ab Dezember mit einer optimierten Streckenführung aufwarten. Startpunkt ist der Münchner Hauptbahnhof, wo der Zug um 20:45 Uhr abfährt und pünktlich um 2:45 Uhr am Prager Hauptbahnof (Praha hlavní nádraží) eintrifft. Die Route führt über Regensburg, Schwandorf und Furth im Wald, bevor sie die tschechische Grenze bei Domažlice passiert. Besonders die Strecke zwischen Furth im Wald und Pilsen wurde für höhere Geschwindigkeiten ertüchtigt, was die Reisezeit auf knapp sechs Stunden drückt.

Ein zentraler Halt unterwegs ist der Bahnhof Regensburg, wo Reisende aus Oberpfalz und Niederbayern zusteigen können. Hier hält der Zug gegen 21:30 Uhr für etwa zehn Minuten. Weitere planmäßige Stopps in Deutschland sind Schwandorf (22:05 Uhr) und Furth im Wald (22:40 Uhr). Laut Angaben der Deutschen Bahn nutzen bereits jetzt rund 15 % der Nachtzugreisenden zwischen Deutschland und Tschechien diese Zwischenhalte – eine Zahl, die mit der neuen Verbindung voraussichtlich steigen wird.

Nach dem Grenzübergang folgt der erste tschechische Halt in Pilsen (Plzeň) um 23:30 Uhr. Der Bahnhof liegt zentral und bietet Anschlüsse an Regionalzüge in Richtung Karlovy Vary oder České Budějovice. Von dort aus führt die Strecke über Rokycany und Beroun direkt in die tschechische Hauptstadt. Die letzte Teilstrecke zwischen Beroun und Prag wurde in den vergangenen Monaten modernisiert, um Verspätungen durch langsame Abschnitte zu minimieren.

In Prag endet die Fahrt am historischen Hauptbahnof, der nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt liegt. Für Rückreisende startet der Zug um 20:15 Uhr in Prag und kommt um 2:15 Uhr in München an – eine Taktung, die vor allem Geschäftsreisenden und Touristen entgegenkommt. Die genauen Wagenreihungen und Serviceangebote an Bord werden noch bekannt gegeben, doch bereits jetzt steht fest: Die Verbindung soll künftig täglich verkehren.

Komfort und Service an Bord im Vergleich

Der Komfort der neuen Nachtzugverbindung zwischen München und Prag orientiert sich an modernen Standards – doch wie schneidet sie im direkten Vergleich mit etablierten Angeboten ab? Die Wagons der ÖBB Nightjet-Flotte, die auf dieser Strecke zum Einsatz kommen, bieten durchgehend klimatisierte Abteile mit individuell einstellbarer Belüftung. Reisende in der Economy-Klasse profitieren von Steckdosen und Leselampen an jedem Platz, während die Premium-Abteile mit eigenem Waschbecken und hochwertiger Bettwäsche aus 100 % Baumwolle aufwarten. Ein entscheidender Vorteil gegenüber Tageszügen: Die Liegefläche beträgt in der Komfortklasse mindestens 190 cm – ein Plus für große Fahrgäste, das viele Fernbusse oder Billigflugzeuge nicht bieten.

Beim Service setzt der Nightjet auf bewährte Konzepte, die bereits auf anderen Strecken überzeugen. So steht in jedem Wagen ein Bettwäsche-Set bereit, das nach ökologischen Kriterien gereinigt wird. Für Frühaufsteher gibt es ab 6 Uhr ein Frühstücksangebot mit regionalen Produkten, das direkt ans Abteil geliefert wird. Laut einer aktuellen Umfrage der Allianz pro Schiene bewerten 84 % der Nachtzugreisenden solche Serviceleistungen als „entscheidend“ für die Buchungsentscheidung – ein Wert, der über dem von Inlandsflügen liegt.

Ein Unterschied zu früheren Nachtzugverbindungen zwischen Deutschland und Tschechien zeigt sich in der digitalen Ausstattung. Kostenloses WLAN steht in allen Klassen zur Verfügung, wenn auch mit Bandbreitenbegrenzung in Stoßzeiten. Die Buchungssysteme sind mittlerweile so nutzerfreundlich, dass Sitzplatzreservierungen und Upgrades auch kurz vor Abfahrt per App möglich sind. Kritiker monieren allerdings, dass die Gepäckablagen in den Gängen bei voller Auslastung knapp bemessen sein können – ein Problem, das bei Tageszügen seltener auftritt.

Wer Wert auf Barrierefreiheit legt, findet im neuen Nachtzug München–Prag spezielle Abteile mit breiteren Türen und behindertengerechten Waschräumen. Auch hier orientiert sich die ÖBB an EU-Vorgaben, die bis 2025 eine vollständige Rollstuhlgerechtigkeit in allen Nachtzügen vorsehen. Ein Detail, das bei der Konkurrenz oft vernachlässigt wird: Die Beleuchtung in den Gängen ist stufenlos dimmbar, um nächtliche Störungen zu minimieren.

Buchungstipps und Preise für Frühbucher

Frühbucher profitieren bei der neuen Nachtzugstrecke München–Prag von attraktiven Konditionen. Ab sofort sind Tickets für die Verbindung ab Dezember verfügbar, wobei die Preise je nach Buchungszeitpunkt und Komfortklasse variieren. Wer bis zu drei Monate im Voraus bucht, spart laut Angaben der Deutschen Bahn bis zu 30 % im Vergleich zu Last-Minute-Buchungen. Besonders lohnend ist dies für Reisende, die Flexibilität in der Wahl der Sitz- oder Liegewagenkategorie nutzen möchten.

Die Preisspanne beginnt bei 29 Euro für einen Sitzplatz im Großraumwagen. Liegewagenplätze starten bei 59 Euro, während ein Bett im Schlafwagen ab 99 Euro zu haben ist. Familien und Gruppen können von Rabatten für Kinder unter 15 Jahren sowie Gruppenermäßigungen ab sechs Personen Gebrauch machen. Experten aus dem Verkehrssektor betonen, dass Nachtzüge bei frühzeitiger Buchung oft günstiger sind als vergleichbare Tagesverbindungen – ein Trend, der sich seit der Wiederbelebung europäischer Nachtzugrouten bestätigt.

Ein besonderer Tipp für Vielfahrer: Die Verbindung München–Prag ist in das Sparpreis-Europa-Angebot der Bahn integriert. Damit lassen sich bei Kombination mit anderen internationalen Strecken zusätzliche Ersparnisse realisieren. Wer etwa eine Rundreise durch Mitteleuropa plant, kann durch geschickte Verknüpfung der Tickets die Gesamtkosten deutlich drücken.

Die Buchung erfolgt bequem online über die Websites der Deutschen Bahn oder der Tschechischen Bahnen (ČD). Alternativ stehen die Ticketschalter in den größeren Bahnhöfen beider Länder zur Verfügung. Reisende sollten jedoch beachten, dass die günstigsten Tarife oft schnell ausverkauft sind – besonders in der Hochsaison um die Weihnachtsfeiertage und Silvester.

Mögliche Erweiterungen des Nachtzugnetzes ab 2025

Mit der Einführung der neuen Nachtzugstrecke München–Prag im Dezember rückt auch die Frage nach weiteren Ausbaumöglichkeiten des europäischen Nachtzugnetzes in den Fokus. Studien der Europäischen Bahnagentur zeigen, dass die Nachfrage nach klimafreundlichen Fernverbindungen bis 2030 um mindestens 25 Prozent steigen könnte – eine Entwicklung, die Betreiber wie die ÖBB bereits in ihre Planungen einbeziehen. Besonders im Gespräch sind Verbindungen, die München als zentrales Drehkreuz nutzen, um Ost- und Südeuropa besser zu vernetzen.

Eine konkrete Option wäre die Verlängerung der Prag-Route nach Bratislava und weiter nach Budapest. Diese Strecke würde nicht nur Touristen ansprechen, sondern auch Geschäftsreisende, die aktuell auf Kurzstreckenflüge angewiesen sind. Technisch wäre dies mit den bestehenden Trassen machbar, sofern die Slowakei ihre Bahninfrastruktur wie angekündigt modernisiert.

Parallel dazu prüfen die Bahngesellschaften eine direkte Nachtverbindung von München nach Zagreb über Ljubljana. Hier könnte die 2025 fertiggestellte Koralmbahn in Österreich die Reisezeit deutlich verkürzen – eine Chance, den Nachtzug als echte Alternative zum Flug zu etablieren. Kritisch bleibt jedoch die Koordination der Fahrpläne mit den nationalen Bahnen, da hier oft unterschiedliche Standards gelten.

Langfristig könnte sogar eine Verbindung nach Bukarest oder Sofia realistisch werden, sobald die Elektrifizierung der Strecken in Rumänien und Bulgarien abgeschlossen ist. Solche Projekte hängen allerdings stark von politischen Weichenstellungen und EU-Fördergeldern ab.

Die neue Nachtzugverbindung zwischen München und Prag markiert einen echten Fortschritt für umweltbewusste Reisende und alle, die Stress und Zeitverlust am Flughafen satt haben: Ab Dezember verkürzt sich die Fahrt auf nur sechs Stunden, bei Komfort, der mit Schlafwagen und modernen Sitzplätzen überzeugt. Besonders für Geschäftsleute, die frühmorgens in Prag ankommen müssen, oder Urlauber, die ohne Gepäckchaos direkt ins Stadtzentrum reisen wollen, wird der Zug zur attraktiven Alternative.

Wer die Strecke testen möchte, sollte früh buchen – die Nachfrage nach Nachtzügen steigt stetig, und die begrenzten Plätze in den Schlafwagen dürften schnell vergeben sein. Mit weiteren Streckenausbauten in Europa könnte diese Verbindung erst der Anfang einer Renaissance des Nachtzugverkehrs sein.