Seit Montagmorgen kämpfen Reisende am Münchner Flughafen Terminal 2 mit massiven Verzögerungen: Bis zu 90 Minuten Wartezeit an den neuen Sicherheitskontrollen sorgen für Chaos in der Abfertigung. Betroffen sind vor allem Passagiere auf Langstreckenflügen, deren Boarding-Prozesse durch die überlasteten Kontrollstellen ins Stocken geraten. Die ersten Meldungen über kilometerlange Schlangen und verärgerte Fluggäste erreichten die Flughafenleitung bereits vor Sonnenaufgang – doch eine schnelle Entspannung der Lage ist nicht in Sicht.

Der Münchner Flughafen Terminal 2, eines der wichtigsten Drehkreuze für internationale Verbindungen in Deutschland, steht damit vor einer unerwarteten Belastungsprobe. Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen, die ohne Vorwarnung eingeführt wurden, treffen auf die sommerliche Reisehochsaison – mit Folgen für Zehntausende Urlauber und Geschäftsreisende. Während der Flughafen von einer „temporären Anpassungsphase“ spricht, häufen sich Berichte über verpasste Anschlüsse und gestresste Familien, die ihre Flüge nur mit Glück erreichen. Die Frage, wie lange die Wartezeiten anhalten werden, bleibt vorerst unbeantwortet.

Warum Terminal 2 plötzlich zum Flaschenhals wird

Der Münchner Flughafen galt lange als Vorzeigeprojekt für effiziente Abfertigung – doch seit Einführung der neuen Sicherheitsvorkehrungen in Terminal 2 zeigt sich, wie schnell selbst gut geplante Systeme an ihre Grenzen stoßen. Die Wartezeiten von bis zu 90 Minuten sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Kombination aus gestiegenem Passagieraufkommen und veränderten Kontrollabläufen. Während Terminal 1 weitgehend reibungslos läuft, wird Terminal 2 zum Nadelöhr: Hier konzentrieren sich seit Wochen die meisten Verspätungen, besonders zu Stoßzeiten zwischen 5 und 9 Uhr morgens.

Ein zentrales Problem liegt in der Umstellung auf strengere Handgepäckkontrollen, die seit dem 1. Juni schrittweise eingeführt wurden. Laut Angaben der Bundespolizei dauert die individuelle Kontrolle nun im Schnitt 20–30 Sekunden länger pro Passagier. Bei einem Aufkommen von über 20.000 Reisenden täglich in Terminal 2 summiert sich das zu massiven Verzögerungen. Hinzu kommt, dass die neuen Scanner zwar präziser arbeiten, aber auch häufiger manuelle Nachkontrollen erfordern – ein Faktor, den die ursprüngliche Kapazitätsplanung nicht ausreichend berücksichtigte.

Experten für Flughafenlogistik verweisen darauf, dass Terminal 2 ursprünglich für ein anderes Reisendenverhalten konzipiert wurde. Die steigende Zahl an Billigflügen und die Zunahme von Vielfliegern mit nur Handgepäck überlasten die bestehenden Kontrollstellen. Während andere große europäische Flughäfen wie Amsterdam oder Frankfurt bereits seit Jahren mit dynamischen Personaleinsätzen arbeiten, hängt München hier noch hinterher. Die Folge: Selbst kleine Störungen – ein ausgefallener Scanner, ein unvorhergesehener Personalengpass – wirken sich jetzt unverhältnismäßig stark aus.

Kritisch wird es besonders an den Wochenenden, wenn Urlaubsreisende und Geschäftsleute aufeinandertreffen. Daten der Flughafen München GmbH zeigen, dass die Wartezeiten freitags und sonntags um bis zu 40 % höher liegen als an Wochentagen. Die Engpässe betreffen nicht nur die Sicherheitskontrolle, sondern ziehen weitere Probleme nach sich: Verspätete Passagiere verpassen ihre Flüge, Gepäckabfertigung und Boarding geraten ins Stocken – ein Dominoeffekt, der den gesamten Terminalbetrieb aus dem Takt bringt.

Stundenlange Warteschlangen: Was Reisende jetzt erwartet

Wer in den kommenden Wochen vom Münchner Flughafen Terminal 2 abfliegt, sollte sich auf erhebliche Wartezeiten einstellen. Seit Einführung der verschärften Sicherheitskontrollen am 12. Juni berichten Reisende von Schlangen bis zu 180 Minuten – besonders in den Stoßzeiten zwischen 5 und 9 Uhr morgens. Betroffen sind vor allem Passagiere auf Strecken außerhalb des Schengen-Raums, wo die neuen Scannervorrichtungen und manuellen Nachkontrollen den Ablauf verlangsamen. Fluggesellschaften wie Lufthansa und Eurowings haben bereits begonnen, Check-in-Zeiten vorzuverlegen, um die Verspätungskaskaden einzudämmen.

Laut Angaben der Flughafen München GmbH wurden die Maßnahmen in Abstimmung mit dem Bundespolizeipräsidium und der Europäischen Union umgesetzt. Hintergrund ist die EU-weite Vorgabe, bis 2025 alle Sicherheitsgeräte auf den neuesten Standard zu bringen. Aktuell arbeiten im Terminal 2 jedoch nur 60 Prozent der geplanten Kontrollspuren mit der neuen Technologie – ein Umstand, der die Engpässe verschärft. SicherheitsExperten gehen davon aus, dass sich die Situation erst im Herbst stabilisieren wird, wenn zusätzliche PersonalSchulungen abgeschlossen sind.

Besonders hart trifft es Familien und Gruppen: Während Vielflieger die Wartezeit mit Lounge-Zugang überbrücken können, fehlen im öffentlichen Bereich ausreichend Sitzgelegenheiten oder Verpflegungsmöglichkeiten vor den Kontrollen. Einige Passagiere berichten, sie hätten ihre Flüge knapp verpasst, obwohl sie drei Stunden vor Abflug am Flughafen waren. Die Flughafenleitung rät daher dringend, frühzeitig online einzuchecken und nur mit Handgepäck zu reisen, um Zeit an den Gepäckschaltern zu sparen.

Wer die Wartezeit verkürzen möchte, kann auf die kostenpflichtige Fast Lane ausweichen – sofern der Flug diese Option anbietet. Die Prioritätskontrolle reduziert die Wartezeit auf etwa 20 Minuten, kostet aber zwischen 8 und 15 Euro pro Person. Alternativ empfiehlt sich die Nutzung des Terminals 1 für Inlands- und Schengen-Flüge, wo die Wartezeiten derzeit bei unter 30 Minuten liegen.

Diese neuen Kontrollen verursachen die größten Verzögerungen

Die längsten Wartezeiten entstehen derzeit an den neu installierten Gepäckscannern der nächsten Generation. Diese hochauflösenden Röntgengeräte analysieren jeden Koffer in Echtzeit mit künstlicher Intelligenz – ein Prozess, der pro Passagier durchschnittlich 45 Sekunden länger dauert als bei den alten Anlagen. Sicherheitsfachleute bestätigen, dass die Technologie zwar 30 % mehr verbotene Gegenstände erkennt, aber die manuelle Nachkontrolle bei unklaren Scans die Abläufe verlangsamt.

Besonders betroffen sind Reisende mit Handgepäck, das elektronische Geräte enthält. Die neuen Richtlinien verlangen, dass Laptops und Tablets separat und in speziellen Behältern gescannt werden. Bei Stoßzeiten um 6:30 Uhr und 15:00 Uhr kommt es dadurch regelmäßig zu Staus, da viele Passagiere die geänderten Vorschriften noch nicht kennen.

Ein weiterer Flaschenhals bildet die zusätzliche Personalkontrolle am Gate. Seit Einführung der biometrischen Gesichtserkennung müssen alle Fluggäste – auch solche mit digitalen Boardkarten – einen zweiten Identitätscheck durchlaufen. Laut internen Daten der Flughafen München GmbH verlängert dieser Schritt die Boardingzeit um bis zu 20 Minuten pro Flug.

Die größten Verzögerungen treten jedoch auf, wenn die Systeme überlastet sind. An Tagen mit über 85 % Auslastung des Terminals, wie vergangene Woche mit 22.000 Passagieren, können sich die Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen auf mehr als 90 Minuten summieren. Betroffen sind vor allem Langstreckenflüge, deren Check-in-Schalter oft weiter von den Kontrollbereichen entfernt liegen.

So umgehen Passagiere die längsten Wartezeiten

Wer im Münchner Terminal 2 in den nächsten Wochen abfliegt, sollte sich auf längere Wartezeiten einstellen – doch mit der richtigen Strategie lässt sich das Schlimmste vermeiden. Laut Angaben der Flughafenbetreiber sind die Stoßzeiten zwischen 5 und 8 Uhr morgens sowie zwischen 16 und 19 Uhr abends besonders kritisch. In diesen Phasen verdoppelt sich die durchschnittliche Wartezeit an den Sicherheitskontrollen auf bis zu 75 Minuten, wie eine aktuelle Auswertung der Passagierströme zeigt.

Reisende mit Handgepäck können Zeit sparen, indem sie die neuen Richtlinien genau beachten: Elektronikgeräte über 100 Milliliter Fassungsvermögen müssen separat in durchsichtigen Beuteln verstaut werden, Flüssigkeiten dürfen maximal 100 Milliliter pro Behälter betragen. Wer diese Vorbereitung bereits zu Hause erledigt, umgeht die häufigsten Verzögerungen an der Kontrolle. Auch das Tragen von leicht ablegbarer Kleidung – etwa Schuhe ohne Schnürsenkel oder Jacken mit Reißverschluss – beschleunigt den Prozess.

Ein oft unterschätzter Tipp: die Nutzung der automatischen Gepäckaufgabe vor dem Security-Check. Studien der Luftfahrtbranche belegen, dass Passagiere, die ihr aufgegebenes Gepäck frühzeitig abgeben, im Schnitt 20 Prozent schneller durch die Kontrollen kommen. Am Münchner Flughafen stehen diese Stationen in Terminal 2 direkt nach dem Check-in-Bereich zur Verfügung.

Für Vielflieger lohnt sich zudem ein Blick auf die digitalen Wartezeit-Anzeigen der Flughafen-App. Diese werden alle 15 Minuten aktualisiert und zeigen die aktuellen Wartenzeiten an den einzelnen Kontrollstellen an. Wer flexibel ist, kann so gezielt weniger frequentierte Bereiche ansteuern – besonders in den Nebenzeiten zwischen 10 und 14 Uhr, wenn die Wartezeiten oft unter 30 Minuten liegen.

Flughafen München plant schnelle Lösungen – doch wann?

Der Münchner Flughafen reagiert auf die aktuellen Engpässe im Terminal 2 mit konkreten Maßnahmen. Laut Angaben der Flughafenbetreiber sollen zusätzliche Sicherheitskontrollspuren bis Ende September in Betrieb genommen werden. Die Planung sieht vor, die Kapazität um bis zu 30 Prozent zu erhöhen – ein Schritt, der angesichts der aktuellen Wartezeiten von bis zu 90 Minuten dringend nötig ist. Doch ob diese Lösung die akuten Probleme rechtzeitig vor dem Herbstreiseverkehr entschärft, bleibt abzuwarten.

Experten aus der Luftfahrtbranche warnen, dass strukturelle Anpassungen allein nicht ausreichen. Eine Studie des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zeigt, dass 60 Prozent der Verzögerungen an deutschen Flughäfen auf Personalmangel in der Sicherheitskontrolle zurückzuführen sind. Der Münchner Flughafen hat zwar bereits zusätzliche Kräfte rekrutiert, doch die Einarbeitung dauert. Bis die neuen Mitarbeiter voll einsatzfähig sind, könnte es Wochen geben, in denen Reisende weiterhin mit langen Wartezeiten rechnen müssen.

Kurzfristig setzt der Flughafen auf technische Optimierungen. So werden in Terminal 2 bereits moderne Körperscanner eingesetzt, die den Kontrollprozess beschleunigen sollen. Dennoch bleibt die Frage: Warum wurden diese Maßnahmen nicht früher ergriffen? Die Antwort liegt in der komplexen Genehmigungsprozedur für Sicherheitsinfrastruktur, die oft monatelange Vorlaufzeiten erfordert.

Für Vielflieger und Geschäftsreisende bedeutet das vorerst: Puffer einplanen. Die Flughafenleitung rät, mindestens drei Stunden vor Abflug am Terminal zu sein – eine Empfehlung, die für viele Pendler kaum umsetzbar ist.

Die verschärften Sicherheitskontrollen im Terminal 2 des Münchner Flughafens haben nicht nur für längere Wartezeiten gesorgt, sondern zeigen auch, wie schnell neue Vorschriften den Reiseablauf durcheinanderbringen können—selbst an einem der modernsten Drehkreuze Europas. Mit Verzögerungen von bis zu 90 Minuten wird klar: Wer in den kommenden Wochen von München aus startet, sollte Puffer einplanen, als wäre es ein Großstadtverkehr zur Rushhour.

Reisende tun gut daran, sich vorab über aktuelle Wartezeiten in der Flughafen-App zu informieren oder direkt mit der Airline zu klären, ob frühere Check-in-Zeiten empfohlen werden—besonders bei Umstiegen, wo jede Minute zählt. Die Flughafenbetreiber arbeiten zwar an Lösungen wie zusätzlichem Personal und optimierten Kontrollabläufen, doch bis die neuen Maßnahmen greifen, bleibt Geduld das beste Handgepäck. Bis dahin wird sich zeigen, ob die Sicherheitsupdates auf Dauer für mehr Effizienz sorgen oder nur eine weitere Hürde im Reisealltag bleiben.