Ab Dezember 2024 wird sich für Pendler und Reisende in München alles ändern: Der Hauptbahnhof erhält einen komplett überarbeiteten Gleisplan, der 16 Bahnsteige betrifft. Die Umstellung ist Teil des milliardenschweren Projekts „Bahnhof 2030+“, mit dem die Deutsche Bahn die Kapazitäten des größten bayerischen Knotenpunkts um bis zu 30 Prozent steigern will. Erste Bauarbeiten laufen bereits, doch die konkreten Auswirkungen auf Zugverbindungen, Umstiegszeiten und die tägliche Routine von über 450.000 Fahrgästen werden erst in den kommenden Monaten sichtbar.

Wer regelmäßig durch den Münchner Hauptbahnhof fährt, sollte sich jetzt vorbereiten. Der neue Gleisplan München Hauptbahnhof bringt nicht nur verschobene Abfahrtspositionen mit sich, sondern auch geänderte Laufwege, neue Beschilderungen und angepasste Takte bei S-Bahnen, Regional- und Fernzügen. Besonders betroffen sind die Bahnsteige 5 bis 10 und 21 bis 26, wo sich durch die Umbauten auch die Zugangswege zu U-Bahn, Tram und Bus ändern. Für Vielfahrer heißt das: Gewohnte Wege müssen überdacht, Umstiege neu geplant werden – und wer sich nicht informiert, riskiert im Dezember Chaos statt pünktliche Abfahrt.

Warum der Hauptbahnhof jetzt umplant wird

Der Münchner Hauptbahnhof steht vor einem der größten Umbauten seit Jahrzehnten – und die Gründe dafür liegen tief unter der Erde. Geotechnische Gutachten zeigen, dass die bestehenden Gleisanlagen an 16 der 32 Bahnsteige nicht mehr den Anforderungen des steigenden Verkehrsaufkommens gerecht werden. Besonders kritisch: Die Belastung durch täglich über 450.000 Fahrgäste hat zu Setzungsrissen in den Fundamenten geführt, die langfristig die Stabilität gefährden. Ohne die Umplanung drohten in den nächsten fünf bis zehn Jahren häufigere Verspätungen und sogar Sicherheitsrisiken.

Hinzu kommt der Druck durch die geplante zweite Stammstrecke. Die neuen Tunnelverbindungen erfordern eine Anpassung der oberirdischen Gleisverläufe, um künftig mehr Züge gleichzeitig abfertigen zu können. Bahn-Experten verweisen auf ähnliche Projekte in Frankfurt oder Stuttgart, wo vergleichbare Umbauten zu einer Steigerung der Pünktlichkeit um bis zu 15 Prozent führten. In München soll die Neuordnung vor allem die Engpässe an den stark frequentierten Gleisen 5 bis 10 entschärfen – aktuell kommen hier bis zu 20 Züge pro Stunde an, oft mit nur minimalen Pufferzeiten.

Ein weiterer Treiber ist die Elektrifizierung. Die Deutschen Bahn plant, bis 2030 alle Regionalstrecken in Bayern auf Elektrobetrieb umzustellen. Dafür müssen die Gleise am Hauptbahnhof mit modernen Oberleitungsanlagen ausgestattet werden, was in der aktuellen Konfiguration kaum umsetzbar wäre. Die Umplantung schafft hier die nötige Infrastruktur, ohne den Betrieb komplett lahmlegen zu müssen.

Kritiker monieren zwar die kurzfristigen Einschränkungen während der Bauphase. Doch ohne den Umbau wäre München bald an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen – mit Folgen für den gesamten süddeutschen Schienenverkehr.

Diese Bahnsteige erhalten neue Gleisnummern und Funktionen

Der Umbruch am Münchner Hauptbahnhof betrifft besonders die Bahnsteige 5 bis 8 und 10 bis 12, die künftig unter neuen Gleisnummern firmieren. Bahnsteig 5 wird zur Gleisgruppe 11 umgewidmet und übernimmt vorrangig Regionalverkehrszüge Richtung Augsburg und Ingolstadt. Die bisherige Funktion als Fernverkehrs-Halt entfällt damit – eine Entscheidung, die laut Bundesnetzagentur die Kapazität für den Nahverkehr um bis zu 20 Prozent steigern soll. Reisende müssen sich hier auf geänderte Zugangswege einstellen, da die neuen Gleise näher an der Arnulfstraße liegen.

Deutlich komplexer gestaltet sich die Umstrukturierung bei den Gleisen 10 bis 12. Diese werden zu den künftigen Bahnsteigen 13 und 14 zusammengefasst und erhalten eine Doppelfunktion: Tagsüber bedienen sie den S-Bahn-Verkehr der Linien S1 bis S8, abends und nachts stehen sie als Reserve für Fernzüge bereit. Verkehrsexperten betonen, dass diese Flexibilität kritisch wird, um Engpässe während Stoßzeiten zu vermeiden.

Bahnsteig 7 verschwindet komplett aus der bisherigen Numerierung. Seine Gleise werden in die neue Gruppe 9 integriert und ausschließlich für ICE-Verbindungen nach Nürnberg und Berlin genutzt. Die Umstellung erfordert auch technische Anpassungen: Die Zugangsbrücken erhalten breitere Treppenaufgänge, um den Passagierfluss zu beschleunigen.

Kleinere, aber spürbare Änderungen gibt es bei den Gleisen 15 und 16. Sie behalten zwar ihre Nummern, werden aber künftig primär für Umleitungsverkehr bei Störungen genutzt – eine Reaktion auf die gestiegene Auslastung der Hauptstrecken. Die Deutsche Bahn hat hier bereits zusätzliche Weichen installiert, um schnelle Gleiswechsel zu ermöglichen.

So finden Fahrgäste ab Dezember schneller ihren Zug

Ab Dezember 2024 wird die Suche nach dem richtigen Gleis am Münchner Hauptbahnhof deutlich einfacher. Dank des neuen Gleisplans erhalten alle 16 Bahnsteige eine klarere Nummerierung und logischere Anordnung. Statt wie bisher zwischen Gleis 5 und 11 plötzlich auf Gleis 27 zu springen, folgt die Beschilderung nun einer durchgehenden Systematik. Reisende sparen so wertvolle Zeit – besonders in Stoßzeiten, wenn bis zu 450.000 Fahrgäste täglich den Bahnhof nutzen.

Die größten Veränderungen gibt es im westlichen Bereich. Die Gleise 2 bis 11 werden neu geordnet und erhalten eine direkte Verbindung zu den Hauptzugängen. Wer bisher von der Arnulfstraße kam, musste oft Umwege in Kauf nehmen; künftig führen kürzere Wege direkt zu den wichtigsten Regional- und Fernverkehrsgleisen. Digitalen Infoschildern mit Echtzeit-Updates ergänzen die physische Beschilderung.

Besonders für Vielfahrer und Pendler bringt die Umstellung Vorteile. Studien der Deutschen Bahn zeigen, dass bis zu 30 Prozent der Verspätungen an Großbahnhöfen auf Orientierungsprobleme zurückgehen. Mit dem neuen System verkürzt sich die durchschnittliche Suchzeit nach Angaben der Planer um etwa 40 Sekunden pro Fahrgast. Klein, aber effektiv – vor allem bei knappem Umstiegsfenster.

Für Barrierefreiheit sorgt die neue Anordnung ebenfalls: Aufzüge und Rolltreppen sind nun zentraler platziert, und die Wege zu den Gleisen 12 bis 16 im östlichen Teil wurden verbreitert. Wer mit schwerem Gepäck oder Kinderwagen unterwegs ist, profitiert von den kürzeren Distanzen.

Wer sich vorab informieren möchte, findet ab November 2024 interaktive Pläne auf der Website der Deutschen Bahn sowie in der DB Navigator-App. Dort lassen sich auch individuelle Routen vom Eingang bis zum Gleis simulieren – inklusive Gehzeiten.

Folgen für Regionalverkehr und Fernzüge im Detail

Der neue Gleisplan bringt für den Regionalverkehr die größten Umstellungen seit der Bahnhofsmodernisierung 2006. Betroffen sind vor allem die Linien der S-Bahn München, deren Züge künftig stärker auf die äußeren Bahnsteige 5 bis 10 konzentriert werden. Laut einer internen Analyse der Deutschen Bahn erhöht sich dadurch die durchschnittliche Laufweg für Umsteiger um bis zu 120 Meter – eine Herausforderung besonders in Stoßzeiten, wenn bis zu 1.200 Fahrgäste pro Stunde die Gleise wechseln. Die S1 (Freising–Airport) und S8 (Herrsching) verlieren ihre gewohnten Abfahrtspositionen an den zentralen Bahnsteigen 11 und 12, was zu Beginn wohl für Verwirrung sorgen wird.

Fernzüge des ICE- und EC-Netzes profitieren dagegen von optimierten Trassen. Die Bahnsteige 1 bis 4 werden künftig fast ausschließlich für langlaufende Verbindungen wie die ICE-Linie München–Hamburg oder den Nightjet nach Wien reserviert. Verkehrsexperten sehen darin einen Vorteil für Pünktlichkeit: Durch die räumliche Trennung von Regional- und Fernverkehr reduziert sich das Konfliktpotenzial bei Verspätungen um geschätzte 15 Prozent.

Besonders kritisch könnte sich die Umstellung auf die RE/RB-Linien auswirken, die bisher oft flexible Gleiszuweisungen nutzten. Künftig müssen Züge wie der RE5 nach Salzburg oder die RB16 Richtung Ingolstadt festen Bahnsteigen zugeteilt werden – eine logistische Herausforderung, da diese Linien häufig als „Puffer“ bei Engpässen dienten. Die Bahn plant hier mit verlängerten Haltezeiten von bis zu zwei Minuten, um die neuen Abläufe einzuüben.

Für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität ändert sich die Situation ambivalent. Einerseits entstehen durch die klarere Gleisaufteilung weniger spontane Wechsel, andererseits verlängern sich die Wege zu Aufzügen und Rollstuhlrampen an den Randbahnsteigen. Barrierefreie Umstiege zwischen S-Bahn und Fernzügen werden damit in manchen Fällen umständlicher.

Langfristige Pläne: Was nach 2024 noch kommt

Der Umbau des Münchner Hauptbahnhofs endet nicht mit der Umstellung der Gleise im Dezember 2024. Bis 2030 läuft ein umfassendes Modernisierungsprogramm, das die Kapazität des Knotens um bis zu 30 Prozent steigern soll. Geplant sind unter anderem der Bau eines neuen Fernbahntunnels zwischen Laim und Ostbahnhof sowie die Erweiterung der S-Bahn-Stammstrecke. Die Deutsche Bahn rechnet damit, dass die Maßnahmen die Pünktlichkeit im Großraum München langfristig von derzeit 82 auf über 90 Prozent heben werden – ein entscheidender Schritt für den wachsenden Verkehr in der Region.

Ab 2026 beginnt die schrittweise Sanierung der historischen Bahnsteighalle. Denkmalschutz und moderne Anforderungen an Barrierefreiheit müssen hier unter einen Hut gebracht werden. Die Pläne sehen vor, die bestehenden Stahltragwerke zu erhalten, während Aufzüge, taktile Leitsysteme und breitere Zugänge nachgerüstet werden. Parallel dazu wird die Technik hinter den Kulissen auf den neuesten Stand gebracht: von digitalen Stellwerken bis zu energiesparender Beleuchtung.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Anbindung des Hauptbahnhofs an den öffentlichen Nahverkehr. Die Stadt München und die Bahn arbeiten an Konzepten, um die Umsteigezeiten zwischen S-Bahn, U-Bahn und Regionalzügen zu verkürzen. Diskutiert wird auch eine direkte Verbindung zum geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel, der ab 2035 den Engpass an der Stammstrecke entschärfen soll.

Langfristig könnte der Bahnhof sogar über seine heutigen Grenzen hinauswachsen. Im Gespräch ist eine unterirdische Erweiterung Richtung Westen, die zusätzliche Gleise für den Fernverkehr schaffen würde – ohne die oberirdische Bausubstanz anzutasten. Solche Projekte hängen jedoch von der Finanzierung ab und erfordern enge Abstimmung mit dem Freistaat Bayern und dem Bund.

Der neue Gleisplan am Münchner Hauptbahnhof bringt ab Dezember 2024 die größte Umstellung seit Jahrzehnten: 16 Bahnsteige werden neu geordnet, was für Pendler und Reisende zunächst Gewöhnungsbedarf bedeutet – doch langfristig soll der modernisierte Knotenpunkt Verspätungen reduzieren und den Taktverkehr beschleunigen. Besonders betroffen sind die Fernverkehrsstrecken Richtung Nürnberg, Stuttgart und Salzburg, wo sich Gleisnummern verschieben und einige Zugänge umgeleitet werden.

Wer regelmäßig über München fährt, sollte sich rechtzeitig mit den aktualisierten Plänen vertraut machen, etwa über die DB-App oder die digitalen Anzeigen vor Ort, um Stress bei der ersten Fahrt zu vermeiden. Die Bauarbeiten laufen noch auf Hochtouren, doch wenn die Änderungen erst einmal greifen, könnte der Hauptbahnhof seiner Rolle als Deutschlands wichtigster Verkehrsdrehscheibe gerechter werden als je zuvor.