Mit einem 50-Meter-Becken, das olympischen Standards entspricht, setzt das Nordbad München nach zweijähriger Sanierung neue Maßstäbe für den Schwimmsport in der Stadt. Die aufwendige Modernisierung kostete rund 25 Millionen Euro und verwandelte das seit 1972 bestehende Bad in eine der modernsten Schwimmstätten Deutschlands. Neben dem Hauptbecken mit acht Bahnen und einer Tiefe von bis zu drei Metern entstanden barrierefreie Zugänge, eine neue Saunalandschaft und ein Energiekonzept, das den CO₂-Ausstoß um 40 Prozent reduziert.

Für Münchens Schwimmer:innen, Vereine und Schulen bedeutet die Wiedereröffnung des Nordbad München mehr als nur eine neue Sportstätte. Das Bad war jahrelang ein zentraler Treffpunkt für Training, Wettkämpfe und Freizeit – von den Münchner Schwimm-Meistern 1898 bis zu den lokalen Schulklassen. Jetzt bietet es nicht nur Profisportlern optimale Bedingungen, sondern auch Familien und Hobby-Schwimmern ein Erlebnis mit modernster Technik. Die Stadt rechnet mit über 300.000 Besuchern pro Jahr, was die Bedeutung des Bades für den öffentlichen Sport unterstreicht.

Ein historisches Bad mit über 100 Jahren Tradition

Das Nordbad München blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins frühe 20. Jahrhundert reicht. 1912 als eines der ersten öffentlichen Hallenbäder der Stadt eröffnet, verkörperte es von Anfang an den modernen Gedanken, Schwimmen als Volksport zugänglich zu machen. Damals noch mit separaten Abteilungen für Männer und Frauen, spiegelte die Architektur den Zeitgeist wider: funktional, aber mit jugendstilartigen Akzenten, die bis heute an manchen Wandfliesen erkennbar sind.

Über die Jahrzehnte entwickelte sich das Bad zu einem sozialen Treffpunkt. In den 1950er-Jahren nutzten es täglich bis zu 2.000 Münchner – eine Zahl, die selbst heutige Freizeitbäder kaum erreichen. Architekten heben besonders die originale Stahlbetonkonstruktion der Schwimmhalle hervor, die für ihre Zeit revolutionär war und den Bau ohne stützende Säulen ermöglichte. Diese technische Innovation prägt noch immer den lichten, offenen Charakter des Bades.

Kriegszerstörungen überstand das Nordbad weitgehend unbeschadet, doch die 1970er-Jahre brachten tiefgreifende Veränderungen. Der Einbau einer Saunalandschaft und die Umstellung auf gemischten Badebetrieb markierten den Übergang vom reinen Sportbad zum modernen Freizeitzentrum. Historische Fotos zeigen, wie sich die Nutzung wandelte: Wo einst Schulklassen im strengen Reihenschwimmen trainierten, planschen heute Familien in bunten Badeanzügen.

Mit der jüngsten Sanierung knüpft die Stadt an diese Tradition an – ohne die Spuren der Vergangenheit zu tilgen. So blieb etwa das originale Treppenhaus mit seinen Messinggeländern erhalten, während die Technik hinter den Kulissen auf Stand der Zeit gebracht wurde. Ein Balanceakt zwischen Denkmalschutz und modernen Anforderungen, der das Nordbad zu einem lebendigen Stück Münchner Badekultur macht.

Zweijährige Sanierung: Was sich im Nordbad verändert hat

Zwei Jahre lang blieb das Nordbad hinter Bauzäunen verborgen – jetzt präsentiert es sich mit grundlegenden Veränderungen. Die Sanierung umfasste nicht nur das neue 50-Meter-Becken, sondern auch eine komplette Modernisierung der Technik, der Umkleiden und der Energieversorgung. Besonders auffällig: Die Schwimmhalle wirkt durch großzügige Glasfronten und ein optimiertes Beleuchtungskonzept deutlich heller und einladender als zuvor.

Ein zentrales Anliegen der Planer war die Barrierefreiheit. Rampen, Aufzüge und behindertengerechte Sanitäranlagen entsprechen nun den aktuellen Standards. Laut Angaben der Stadt München wurden hierfür rund 1,2 Millionen Euro des Gesamtbudgets von 28 Millionen Euro investiert – ein Zeichen für die Priorität, die inklusiven Zugang zu bieten.

Auch unter der Oberfläche hat sich viel getan. Die gesamte Haustechnik wurde erneuert, darunter eine moderne Filteranlage für das Beckenwasser und eine Wärmepumpe, die künftig bis zu 60 Prozent des Energiebedarfs decken soll. Fachleute betonen, dass solche Maßnahmen nicht nur die Betriebskosten senken, sondern auch die CO₂-Bilanz des Bads deutlich verbessern.

Für die Besucher ändert sich zudem die Raumaufteilung: Die Saunalandschaft wurde erweitert, während die Tribünenfläche für Wettkämpfe flexibler gestaltet wurde. Wer das Nordbad aus früheren Zeiten kennt, wird die neuen Sitzbereiche mit Blick auf das Becken und die überarbeitete Cafeteria besonders schätzen.

Technische Highlights des neuen 50-Meter-Beckens

Das Herzstück der Sanierung im Nordbad München bildet das neue 50-Meter-Becken – ein technisches Meisterwerk, das Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz und Schwimmerkomfort setzt. Die Beckenwanne besteht aus hochwertigem Edelstahl der Güteklasse 1.4404, der nicht nur korrosionsbeständig ist, sondern durch seine glatte Oberfläche auch den Reinigungsaufwand um bis zu 30 Prozent reduziert. Besonders innovativ: Die integrierte Gegenstromanlage mit sechs individuell regulierbaren Düsen ermöglicht Trainingsbedingungen, die sonst nur in Wettkampfbecken zu finden sind. Die Wassertemperatur wird präzise auf 26,5°C gehalten – ideal für sowohl ambitionierte Sportler als auch Freizeitschwimmer.

Hinter den Kulissen sorgt eine moderne Wärmepumpenanlage dafür, dass das Beckenwasser ganzjährig energieeffizient beheizt wird. Laut Angaben des Bayerischen Schwimmverbandes gehört das System zu den fortschrittlichsten in öffentlichen Bädern: Es nutzt die Abwärme der Lüftungsanlage und reduziert so den Energieverbrauch um etwa 40 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Heizmethoden. Auch die Wasseraufbereitung setzt neue Standards: Ein mehrstufiges Filtersystem mit UV-Entkeimung garantiert kristallklares Wasser – ganz ohne den Einsatz von Chlorüberdosen.

Für Barrierefreiheit wurde das Becken mit einem speziellen Einstiegssystem ausgestattet. Zwei breite, rutschfeste Treppen mit beidseitigen Handläufen führen ins Wasser, ergänzt durch einen elektrisch betätigten Hebelift für Rollstuhlfahrer. Die Beckenumrandung ist zudem mit taktilen Leitstreifen versehen, die sehbehinderten Besuchern die Orientierung erleichtern.

Technisch besonders herausragend ist die akustische Optimierung des Beckenbereichs. Durch schallabsorbierende Paneele an Decke und Wänden wurde die Nachhallzeit auf unter 1,2 Sekunden gesenkt – ein Wert, der selbst in Konzerthallen selten erreicht wird. Das Ergebnis: Eine angenehme Geräuschkulisse, die selbst bei vollem Betrieb entspanntes Schwimmen ermöglicht.

Öffnungszeiten, Preise und Angebote für Besucher

Das frisch sanierte Nordbad München empfängt Besucher mit erweiterter Kapazität und modernisierten Öffnungszeiten. Montags bis freitags öffnet das Bad bereits um 6:30 Uhr für Frühschwimmer, während der reguläre Betrieb um 8:00 Uhr beginnt. Am Wochenende startet der Badespaß um 9:00 Uhr, wobei sonntags eine Stunde früher Schluss ist als an anderen Tagen. Die längsten Öffnungszeiten gelten dienstags und donnerstags bis 22:00 Uhr – ideal für Berufstätige, die nach Feierabend noch Bahnen ziehen möchten.

Bei den Preisen setzt die Stadt München auf ein gestaffeltes System. Erwachsene zahlen für eine Tageskarte 6,50 Euro, ermäßigt sind es 4,50 Euro. Familienkarten (bis zu 5 Personen) gibt es für 15 Euro. Besonders attraktiv: Das 10er-Karten-Abo reduziert den Eintritt auf 5,20 Euro pro Besuch. Laut einer aktuellen Erhebung des Deutschen Städtetags liegt München damit im Mittelfeld der Großstadt-Bäder, bietet aber mit dem neuen 50-Meter-Becken deutlich mehr Fläche pro Besucher.

Für Stammgäste lohnt sich das Jahresabo. Für 360 Euro (ermäßigt 240 Euro) ist der Eintritt an 365 Tagen möglich – inklusive Saunabereich, der ab September wieder zugänglich sein wird. Kurse wie Aquagymnastik oder Schwimmtechnik-Training werden separat abgerechnet, wobei Paketpreise zwischen 60 und 120 Euro für 10 Einheiten liegen. Die Buchung erfolgt online über das neue Kundensystem der Münchner Bäder, das seit der Sanierung deutlich nutzerfreundlicher gestaltet wurde.

Sonderangebote gibt es für Schulen und Vereine. Schwimmkurse für Kinder kosten ab 80 Euro pro Block (10 Termine), wobei die Stadt Sozialermäßigungen bis zu 50 % gewährt. Firmen können den neuen Seminarraum mieten – inklusive exklusiver Beckennutzung in den frühen Morgenstunden. Die Preise hierfür beginnen bei 200 Euro pro Stunde.

Pläne für die Zukunft des Münchner Nordbads

Das frisch sanierte Nordbad München startet mit mehr als nur einem neuen 50-Meter-Becken in die Zukunft. Laut dem aktuellen Entwicklungsplan der Stadt soll das Bad bis 2027 zu einem modernen Sport- und Freizeitzentrum ausgebaut werden – mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit. Geplant sind unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die voraussichtlich 30 Prozent des Strombedarfs decken wird, sowie eine optimierte Wärmepumpen-Technologie zur Effizienzsteigerung der Beckenbeheizung.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Erweiterung des Angebots für Schulen und Vereine. Da das Nordbad bereits jetzt von über 120.000 Besuchern jährlich frequentiert wird, sollen zusätzliche Kursräume und ein erweitertes Physiotherapie-Zentrum entstehen. Experten aus dem Bereich Sportstättenplanung betonen, dass solche Maßnahmen nicht nur die Attraktivität steigern, sondern auch die langfristige Auslastung sichern – ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit kommunaler Bäder.

Ein weiterer Schwerpunkt: die digitale Aufrüstung. Künftig sollen Online-Buchungssysteme für Bahnen und Kurse eingeführt werden, um Wartezeiten zu reduzieren. Zudem ist eine App in Planung, die Echtzeit-Daten zu Besucheraufkommen und Wasserqualität liefert. Die Stadt setzt damit auf Transparenz und Servicequalität, ohne die bewährte persönliche Betreuung vor Ort zu vernachlässigen.

Langfristig könnte das Nordbad sogar zum Vorbild für andere Münchner Bäder werden. Aktuell prüft die Verwaltung, ob das erfolgreiche Sanierungskonzept – besonders die Kombination aus energetischer Modernisierung und nutzerorientierten Verbesserungen – auf Standorte wie das Michaelibad oder das Dantebad übertragbar ist.

Mit dem neu eröffneten 50-Meter-Becken setzt das Nordbad München nach zweijähriger Sanierung Maßstäbe für modernen Schwimmsport und Freizeitvergnügen – ein Projekt, das nicht nur die Infrastruktur aufwertet, sondern auch das Angebot für Vereine, Schulen und Besucher deutlich erweitert. Die Kombination aus Wettkampfbecken, Sprungturm und barrierefreien Zugängen macht die Anlage zu einem Vorzeigeprojekt, das Sportbegeisterte und Familien gleichermaßen anspricht.

Wer die neuen Möglichkeiten nutzen möchte, sollte sich früh über die Öffnungszeiten und Kursangebote informieren, denn die Nachfrage nach den erweiterten Kapazitäten wird voraussichtlich hoch sein. Besonders für Schwimmvereine und Schulklassen lohnt sich eine frühzeitige Buchung der Trainingszeiten.

Mit der Fertigstellung dieser Sanierung steht München nun eine Schwimmstätte zur Verfügung, die nicht nur aktuelle Standards erfüllt, sondern auch zukünftige Anforderungen an Flexibilität und Nachhaltigkeit im Blick behält.