Am 15. Oktober fällt in München eine Tür für immer ins Schloss: Die Notapotheke am Hauptbahnhof, seit drei Jahrzehnten eine feste Größe für Reisende, Pendler und Anwohner, gibt ihren Standort auf. Was 1994 als praktische Lösung für nächtliche Medikamentenversorgung begann, endet nun als eines der letzten Relikte einer Ära, in der Apotheken noch rund um die Uhr Präsenz zeigten. Über 100.000 Kunden zählte die Filiale im vergangenen Jahr – doch steigende Kosten und veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen machten den Betrieb unrentabel.
Für viele Münchner ist die Schließung mehr als ein Routinewechsel: Die Apotheke Hauptbahnhof München war nicht nur ein Ort für Aspirin oder Reiseimpfungen, sondern ein vertrauter Anker in der Hektik des Bahnhofsalltags. Wer nachts mit Fieber aus dem ICE stieg oder dringend Verbandsmaterial brauchte, fand hier Hilfe – oft mit einem kurzen Plausch obendrein. Jetzt steht die Stadt vor der Frage, wie sie die Lücke füllt. Andere Apotheken in der Innenstadt haben bereits angekündigt, ihre Öffnungszeiten auszuweiten, doch die zentrale Lage am Hauptbahnhof bleibt unersetzbar.
Eine Münchner Institution sagt ade
Drei Jahrzehnte lang war sie ein fester Anker im hektischen Treiben des Münchner Hauptbahnhofs: die Notapotheke. Wer nachts mit Fieber aus dem ICE stieg, wer am frühen Morgen dringend Medikamente brauchte oder wer als Reisender plötzlich unter Heuschnupfen litt, fand hier Hilfe – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Laut dem Bayerischen Apothekerverband nutzen jährlich über 120.000 Kunden den Service der Bahnhofsapotheken in Deutschland, wobei die Münchner Filiale zu den umsatzstärksten zählte. Doch am 15. Oktober schließt sie für immer ihre Türen.
Die Schließung markiert das Ende einer Ära. Die Notapotheke war mehr als nur eine Versorgungsstelle – sie wurde zur Institution. Pendler kannten die freundliche Beleuchtung im Eingangsbereich, Touristen die mehrsprachigen Hinweise an der Theke, und viele Münchner erinnern sich an die typische Mischung aus Desinfektionsmittelgeruch und Kaffee, die einem beim Betreten entgegenströmte. Besonders in den Wintermonaten, wenn Grippewellen durch die Stadt fegten, avancierte die Apotheke zur ersten Anlaufstelle für gestresste Berufstätige und gestrandete Reisende gleichermaßen.
Pharmazeutische Fachkreise betonen, wie selten solche 24-Stunden-Apotheken in Innenstadtlagen noch sind. Während ländliche Regionen längst unter Apothekensterben leiden, traf es nun ausgerechnet einen Standort mit hoher Symbolkraft. Die Gründe liegen auf der Hand: steigende Mieten, Personalmangel und die Konkurrenz durch Online-Versandhändler, die selbst nachts Bestellungen annehmen. Die Notapotheke am Hauptbahnhof hält diesem Druck nicht mehr stand.
Für Stammkunden wird der Abschied schwer. „Hier bekam man noch eine persönliche Beratung, kein Algorithmus“, hörte man in den letzten Wochen häufig zwischen den Regalen. Die Angestellten, viele seit Jahren im Team, verteilen inzwischen schon Flyer mit Alternativadressen – doch keine der empfohlenen Apotheken bietet denselben Service wie die legendäre „Notapotheke“, die Generationen von Münchnern durch schlaflose Nächte und plötzliche Gesundheitskrisen begleitete.
Warum die Notapotheke am Hauptbahnhof schließt
Drei Jahrzehnte lang war sie eine Konstante im hektischen Treiben des Münchner Hauptbahnhofs: die Notapotheke in der Arnulfstraße. Doch am 15. Oktober schließt sie für immer ihre Türen. Der Grund liegt nicht in mangelnder Nachfrage – im Gegenteil. Mit über 120.000 Kunden jährlich zählte die Apotheke zu den meistfrequentierten in Bayern. Entscheidend sind vielmehr die steigenden Betriebskosten und ein strukturelles Problem, das viele Innenstadt-Apotheken trifft: die sinkenden Margen im Arzneimittelhandel.
Laut Angaben des Bayerischen Apothekerverbandes sind die Erlöse aus dem Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente seit 2010 real um fast 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig explodierten Mieten, Personalkosten und Energiepreise – eine Gleichung, die sich für viele Apotheken nicht mehr rechnet. Die Notapotheke am Hauptbahnhof, die aufgrund ihrer Lage besonders hohe Mietkosten tragen musste, ist da kein Einzelfall. Allein in München mussten in den letzten fünf Jahren sieben Apotheken schließen.
Hinzu kommt der Personalmangel. Apotheker und pharmazeutisches Fachpersonal sind rar, die Arbeitsbedingungen in Schichtbetrieben wie der Notapotheke besonders belastend. Die Suche nach qualifizierten Kräften, die bereit sind, bis spät in die Nacht oder an Wochenenden zu arbeiten, gestaltet sich zunehmend schwierig. Die Schließung markiert damit auch das Ende einer Ära: 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche versorgte die Apotheke Reisende, Obdachlose und Partygäste mit Medikamenten, Verbandsmaterial oder einfach nur Rat.
Für viele Münchner ist der Verlust mehr als nur eine praktische Unannehmlichkeit. Die Notapotheke war ein Ort der Begegnung, ein Stück Sicherheit im Großstadtgetümmel. Besonders sozial Benachteiligte, die auf die spätabendliche Versorgung angewiesen waren, werden die Lücke spüren. Die nächsten 24-Stunden-Apotheken liegen nun in Schwabing und Neuhausen – für jemanden, der dringend ein Asthmaspray oder Schmerztabletten braucht, sind das Welten.
Letzte Chance: So nutzen Patienten die Dienstleistungen
Die Schließung der Notapotheke am Münchner Hauptbahnhof markiert das Ende einer Ära – doch bis zum 15. Oktober bleibt sie eine unverzichtbare Anlaufstelle. Patienten, die dringend Medikamente benötigen, sollten die verbleibenden Wochen gezielt nutzen. Besonders für Reisende, die ohne ausreichenden Vorrat unterwegs sind, oder Münchner, die nachts oder am Wochenende auf verschreibungspflichtige Arzneimittel angewiesen sind, bietet die Apotheke noch einmal die gewohnte Versorgungssicherheit. Laut einer Studie der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände nutzen rund 12 Prozent aller Notdienstpatienten in Großstädten die zentralen Bahnhofsapotheken als primäre Anlaufstelle in akuten Fällen.
Wer die Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchte, findet vor Ort nicht nur ein breites Sortiment an Standardmedikamenten, sondern auch spezialisierte Beratung. Chronisch Kranke können hier etwa ihre Insulinvorräte auffüllen oder dringende Schmerzmittel erhalten. Die Apotheke hält zudem Impfstoffe und Reiseapotheken bereit – ideal für letzte Vorbereitungen vor Abfahrten.
Ein oft unterschätzter Service ist die Möglichkeit, Rezepte vorab digital einzureichen. Über die App „Apotheken-Umschau“ oder per E-Mail lassen sich Verordnungen übermitteln, sodass die Medikamente bei Ankunft sofort abgeholt werden können. Das spart Wartezeit, besonders in den Stoßzeiten zwischen 18 und 20 Uhr, wenn der Bahnhof besonders frequentiert ist.
Für alle, die die Notapotheke bisher nur im Vorbeigehen wahrgenommen haben, lohnt sich ein gezielter Besuch in den kommenden Tagen. Neben der klassischen Rezeptbelieferung bietet das Team auch Blutdruckmessungen und schnelle Tests bei grippalen Infekten an – Leistungen, die nach der Schließung nur noch verstreut in der Stadt verfügbar sein werden.
Wo Reisende und Anwohner künftig Medikamente bekommen
Mit der Schließung der Notapotheke am Münchner Hauptbahnhof entsteht eine Versorgungslücke, die Reisende und Anwohner gleichermaßen betrifft. Besonders nachts und an Wochenenden war die Apotheke für viele eine zuverlässige Anlaufstelle – etwa für Touristen mit akuten Beschwerden oder Pendler, die nach Feierabend noch dringend Medikamente benötigten. Laut einer Erhebung des Bayerischen Apothekerverbandes nutzen rund 40 Prozent der Kunden in Bahnhofsapotheken diese gezielt wegen der verlängerten Öffnungszeiten. Wo sie künftig Hilfe finden, bleibt für viele unklar.
Die nächstgelegenen Alternativen sind die Notdienstapotheken in der Innenstadt, etwa die Löwenapotheke am Marienplatz oder die Salvatorapotheke in der Schellingstraße. Beide bieten 24-Stunden-Notdienste an, liegen jedoch mindestens 15 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt – für Reisende mit schwerem Gepäck oder gesundheitlichen Einschränkungen eine Hürde. Auch die S-Bahn-Anbindung zu den umliegenden Apotheken in Schwabing oder Neuhausen ist nicht immer praktisch, besonders außerhalb der Stoßzeiten.
Für Anwohner des Bahnhofsviertels könnte die Schließung langfristig eine Chance bieten: Bereits jetzt verhandeln lokale Apotheker über erweiterte Öffnungszeiten, um die Nachfrage abzudecken. Pharmakologen weisen darauf hin, dass besonders in dicht besiedelten Stadtteilen wie diesem der Bedarf an barrierefreien Apotheken steigt. Ob sich daraus konkrete Lösungen ergeben, hängt auch von den Genehmigungen der zuständigen Bezirksregierung ab.
Kurzfristig bleibt Reisenden nur, sich vorab über die Notdienstpläne der Münchner Apotheken zu informieren oder die Hausapotheke im Handgepäck zu ergänzen. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, in Kooperation mit dem ADAC an ausgewählten Standorten Automaten mit Basismedikamenten zu testen – ein Modell, das in München jedoch noch nicht umgesetzt wird.
Von der Schließung betroffen: Jobs, Kunden, Tradition
Mit der Schließung der Notapotheke am Münchner Hauptbahnhof verliert die Stadt nicht nur eine medizinische Anlaufstelle, sondern auch ein Stück gelebte Tradition. Seit drei Jahrzehnten versorgte das Team Reisende, Pendler und Anwohner rund um die Uhr – selbst an Feiertagen, wenn andere Apotheken geschlossen blieben. Besonders betroffen sind nun die rund 15 Mitarbeiter, darunter Apotheker, PTA und Auszubildende, die sich kurzfristig nach neuen Stellen umsehen müssen. Laut Angaben des Bayerischen Apothekerverbands sind solche Schließungen in Innenstadtlagen zwar selten, doch der Druck durch steigende Mieten und veränderte Einkaufsgewohnheiten macht auch vor Gesundheitsbetrieben nicht halt.
Für Kunden wird der Weg zur nächsten Notapotheke künftig länger. Statt der zentralen Lage direkt im Hauptbahnhof müssen sie nun auf Alternativen wie die Apotheke am Stachus oder die Notdienstapotheke in der Sonnenstraße ausweichen – beides mindestens zehn Gehminuten entfernt. Besonders problematisch ist dies für ältere Menschen oder Touristen, die sich in der Stadt nicht auskennen. Die Schließung trifft auch die vielen Stammkunden, die über Jahre hinweg ein Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern aufgebaut hatten.
Historisch gesehen war die Apotheke am Hauptbahnhof mehr als nur ein Gesundheitsdienstleister. Sie gehörte zu den letzten ihrer Art, die noch den Charme einer klassischen, persönlich geführten Apotheke bewahrt hatte – mit handschriftlichen Rezepturen und individueller Beratung. Während moderne Filialapotheken oft auf Effizienz und Standardisierung setzen, stand hier der Mensch im Mittelpunkt. Dass solche Betriebe zunehmend verschwinden, ist ein Zeichen für den Wandel im Gesundheitswesen.
Die Folgen der Schließung werden auch wirtschaftlich spürbar sein. Studien zeigen, dass der Verlust einer Apotheke in einer frequentierten Lage wie dem Hauptbahnhof nicht nur die Kundenströme verändert, sondern auch benachbarte Geschäfte und Dienstleister beeinflussen kann. Ob die Lücke, die die Notapotheke hinterlässt, jemals wieder gefüllt wird, bleibt fraglich.
Mit der Schließung der Notapotheke am Münchner Hauptbahnhof geht am 15. Oktober eine Ära zu Ende – 30 Jahre lang war sie für Reisende, Pendler und Anwohner ein verlässlicher Anlaufpunkt, besonders in nächtlichen Notfällen oder bei spontanem Medikamentenbedarf. Die Lücke, die sie hinterlässt, wird vor allem nachts spürbar sein, wenn andere Apotheken in der Innenstadt bereits geschlossen haben und der Bahnhof als zentraler Knotenpunkt weiterhin frequentiere Orte braucht, die Grundversorgung sicherstellen.
Wer künftig auf der Suche nach einer spät geöffneten Apotheke in der Nähe ist, sollte die Bahnhofs-Apotheke Ost am Ostbahnhof oder die Luitpold-Apotheke in der Brienner Straße im Blick behalten – beide bieten erweiterte Öffnungszeiten und Notdienste an. Wie sich das Angebot rund um den Hauptbahnhof langfristig entwickelt, wird auch davon abhängen, ob die Stadt oder private Initiativen die Nachfrage nach nächtlicher Gesundheitsversorgung in diesem lebendigen Viertel neu denken.

