Fünfzig Jahre prägte das OCM München die Sportlandschaft der Stadt vom historischen Olympiagelände aus – doch nun fällt der Startschuss für ein neues Kapitel. Mit dem Umzug in moderne Räumlichkeiten beendet die Organisation eine Ära, die 1972 mit den Olympischen Spielen begann und Generationen von Athlet:innen, Trainer:innen und Funktionär:innen verband. Der Wechsel markiert nicht nur einen logistischen Schritt, sondern spiegelt auch den Wandel des Sports selbst wider: von analogen Trainingsplänen zu digitalen Leistungsanalysen, von lokalen Wettkämpfen zu globalen Vernetzungen.

Für München bedeutet der Abschied des OCM München vom Olympiagelände mehr als nur einen Standortwechsel. Die Institution, die seit Jahrzehnten als Bindeglied zwischen Spitzen- und Breitensport fungiert, zieht in eine Zukunft, die neue Möglichkeiten für Kooperationen, Events und Förderprogramme verspricht. Wer hier trainiert, organisiert oder einfach nur sportbegeistert ist, wird die Veränderungen spüren – ob in der Infrastruktur, der Technologie oder der Art, wie Sport in der Stadt gelebt wird. Der Umzug ist damit auch ein Signal: Tradition bleibt wichtig, doch Fortschritt gestaltet sie neu.

Ein halbes Jahrhundert am Olympiapark

Seit 1974 prägt das Olympische Zentrum München (OCM) das Gesicht des Olympiaparks – ein halbes Jahrhundert, in dem hier nicht nur Sportgeschichte geschrieben, sondern auch die Verbindung zwischen Leistungssport und urbanem Leben neu definiert wurde. Die Wahl des Standorts war damals kein Zufall: Mit der Nähe zu den Wettkampfstätten der Olympischen Spiele 1972 und der zentralen Lage in der Stadt bot das Gelände ideale Voraussetzungen. Über die Jahrzehnte entwickelte sich das OCM zu einem Knotenpunkt für rund 50 Sportverbände und -organisationen, die hier unter einem Dach administrative Arbeit, Athletenförderung und Großveranstaltungsplanung verbanden.

Die Zahlen sprechen für sich. Allein in den letzten 20 Jahren koordinierte das OCM über 1.200 nationale und internationale Sportereignisse – von Weltmeisterschaften bis zu inklusiven Breitensportprojekten. Sportwissenschaftler verweisen darauf, wie selten eine solche Konzentration von Fachwissen und Infrastruktur an einem Ort gelingt. Der Olympiapark wurde so zum Synonym für Münchens Rolle als Sportmetropole, während das OCM im Hintergrund die Fäden zog.

Doch der Standort war mehr als nur ein Bürokomplex. Die Architektur der 1970er Jahre, mit ihren offenen Flächen und Sichtbeton-Elementen, spiegelte den Geist der Zeit wider: funktional, aber mit einem Hauch von Utopie. Generationen von Mitarbeitenden erlebten hier den Wandel des Sports – von der Analog- zur Digitalära, von der reinen Leistungsorientierung hin zu Themen wie Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung. Selbst die Kaffeeküche wurde zur Legende, als informeller Treffpunkt für Entscheidungen, die weit über München hinauswirkten.

Mit dem Umzug in die neuen Räume an der Spiridon-Louis-Ring endet nun eine Ära. Die leeren Flure im Olympiapark erzählen noch immer Geschichten von Rekordjagden, nächtlichen Planungsmarathons und dem leise summenden Alltag einer Institution, die den Sport in dieser Stadt seit einem halben Jahrhundert unauffällig, aber unersetzlich mitgestaltet hat.

Warum der Umzug jetzt unausweichlich wurde

Der Umzug des OCM München markiert das Ende einer Ära – und den Beginn einer Notwendigkeit. Seit den 1970er-Jahren prägte der Standort am Olympiagelände die Arbeit des Olympischen Komitees, doch die Realität holte die Symbolkraft ein. Die Räumlichkeiten, einst modern und funktional, entsprachen längst nicht mehr den Anforderungen einer Organisation, die heute digitale Infrastruktur, barrierefreie Zugänge und flexible Arbeitswelten braucht. Eine Studie des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) aus dem Jahr 2022 zeigte: Über 60 Prozent der Sportverbände in Deutschland hatten in den letzten fünf Jahren ihre Büros modernisiert – oder standen kurz davor. Das OCM blieb zurück, gefangen in einer Immobilie, die sanierungsbedürftig war und deren Betriebskosten stetig stiegen.

Hinzu kam der Platzmangel. Wo einst Aktenordner und analoge Archivsysteme ausreichten, drängten sich heute Server, Videokonferenz-Technik und ein wachsendes Team. Die Büros am Olympiagelände waren für etwa 30 Mitarbeiter ausgelegt, doch zwischen Projektarbeit, Ehrenamtlichen und Gästen nutzten oft doppelt so viele Menschen die Räume – auf engstem Raum. Meetings fanden in Fluren statt, Dokumentenstapel blockierten Durchgänge. Die Pandemie verschärfte die Situation: Homeoffice-Lösungen ließen sich nur behelfsmäßig umsetzen, weil die technische Ausstattung veraltet war.

Auch die Lage selbst wurde zum Problem. Das Olympiagelände ist ein Denkmal, geschützt und starr in seinen Nutzungsmöglichkeiten. Erweiterungen oder Umbauten scheiterten an Auflagen, selbst kleine Anpassungen zogen jahrelange Genehmigungsverfahren nach sich. Während andere Sportinstitutionen in München längst in moderne Quartiere wie die Werksviertel-Mitte oder die Messestadt zogen, blieb das OCM in einer Zeitkapsel stecken – mit allen Folgekosten.

Der letzte Auslöser war schlicht die Wirtschaftlichkeit. Die Mietkosten für die maroden Räume stiegen um 12 Prozent in den letzten drei Jahren, während gleichzeitig die Fördergelder des Freistaats Bayern an strenge Effizienzkriterien geknüpft wurden. Ein externes Gutachten kam 2023 zu dem Schluss, dass eine Sanierung des Bestandsgebäudes mindestens 8,5 Millionen Euro verschlingen würde – bei ungewissem Ausgang. Der Neuanfang in den geplanten Räumen im Münchner Norden ist da eine Investition in die Zukunft, nicht in die Nostalgie.

Die neuen Räumlichkeiten im Münchner Norden

Nach einem halben Jahrhundert am historischen Standort des Olympiageländes bezieht die OCM München nun moderne Büroräume im aufstrebenden Stadtviertel Schwabing-Freimann. Das neue Domizil in der Dom-Pedro-Straße 15 bietet auf rund 1.200 Quadratmetern nicht nur deutlich mehr Platz, sondern setzt mit seiner nachhaltigen Bauweise auch architektonische Akzente. Große Glasfronten sorgen für natürliche Lichtverhältnisse, während die Innenraumgestaltung auf Flexibilität und Teamarbeit ausgelegt ist.

Besonders auffällig: Die Räumlichkeiten erfüllen den KfW-55-Standard, was eine Reduzierung des Energieverbrauchs um bis zu 45 Prozent gegenüber herkömmlichen Bürogebäuden ermöglicht. Experten aus der Immobilienbranche betonen, dass solche zertifizierten Gebäude nicht nur ökologische Vorteile bieten, sondern auch die Produktivität der Mitarbeiter durch optimale Raumklimabedingungen steigern.

Die Lage im Münchner Norden wurde strategisch gewählt. Mit der U-Bahn-Linie U6 in unmittelbarer Nähe und direkter Anbindung an die A9 sind die neuen Räume sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden aus dem gesamten Großraum München optimal erreichbar. Zudem profitiert die OCM von der dynamischen Entwicklung des Viertels, das sich zunehmend zum Hotspot für Technologie- und Dienstleistungsunternehmen etabliert.

Ein Highlight des Umzugs ist der eigens gestaltete Kund:innenbereich mit interaktiven Präsentationsflächen. Hier können Projekte nicht nur besprochen, sondern dank modernster Medientechnik direkt visualisiert und angepasst werden – ein Novum für die bisherige Arbeitsweise der OCM.

Was sich für Mitglieder und Besucher ändert

Der Umzug des Olympiazentrums München (OCM) markiert nicht nur einen historischen Einschnitt nach fünf Jahrzehnten am alten Standort, sondern bringt auch konkrete Veränderungen für die rund 12.000 Mitglieder und täglichen Besucher mit sich. Die neuen Räumlichkeiten in der Dom-Pedro-Straße bieten mit 4.200 Quadratmetern fast doppelt so viel Fläche wie bisher – ein entscheidender Vorteil für die wachsende Nachfrage. Laut einer aktuellen Erhebung des Bayerischen Landes-Sportverbands nutzen über 60 Prozent der aktiven Mitglieder die Einrichtungen mindestens dreimal pro Woche, was die Notwendigkeit moderner Infrastruktur unterstreicht.

Besonders spürbar wird der Wechsel für die Sportler: Die Trainingsbereiche sind nun nach Disziplinen klar getrennt, mit speziellen Zonen für Krafttraining, Kampfsport und Rehabilitation. Wo früher Engpässe an den Geräten während der Stoßzeiten an der Tagesordnung waren, sorgen jetzt erweiterte Kapazitäten und ein optimiertes Buchungssystem für reibungslosere Abläufe. Auch die Umkleiden und Sanitäranlagen entsprechen nun aktuellen Standards – ein häufiger Kritikpunkt der Vergangenheit.

Für Besucher, die das OCM für Physiotherapie oder Präventionskurse aufsuchen, ändert sich die Anfahrt grundlegend. Die neue Lage in Schwabing ist zwar zentraler, aber weniger direkt an den Öffentlichen Nahverkehr angebunden als das Olympiagelände. Als Ausgleich wurden Kooperationen mit nahegelegenen Parkhäusern vereinbart, und ein Shuttle-Service für Mobilitätseingeschränkte wird aktuell getestet. Die Öffnungszeiten bleiben zunächst unverändert, doch die Leitung prüft eine Ausweitung der Abendstunden aufgrund der höheren Frequenz.

Ein Novum stellt das digitale Mitgliedermanagement dar. Ab September 2024 erfolgt die gesamte Verwaltung – von der Kursbuchung bis zur Beitragszahlung – über eine neu entwickelte App, die auch den Zugang zu den Räumlichkeiten per Smartphone ermöglicht. Traditionelle Schlüsselkarten werden damit schrittweise abgelöst, was laut ersten Rückmeldungen aus Pilotprojekten ähnlicher Einrichtungen die Zufriedenheit deutlich steigert.

Visionen für die nächsten 50 Jahre

Der Umzug des OCM München markiert nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch den Auftakt für ambitionierte Pläne. Studien der Sportentwicklungskommission prognostizieren, dass bis 2074 über 60 Prozent der olympischen Trainingsprozesse durch KI-gestützte Analysetools optimiert werden. Die neuen Räumlichkeiten in Schwabing sind darauf ausgelegt, diese technologische Wende aktiv mitzugestalten – mit hochmodernen Simulationszentren und einer Infrastruktur, die E-Sport, klassische Disziplinen und hybride Wettkampfformate unter einem Dach vereint.

Architektonisch setzt das Konzept auf Flexibilität. Wo früher starre Trainingshallen den Rhythmus vorgaben, entstehen nun modular nutzbare Flächen, die sich innerhalb von Stunden umwidmen lassen. Ein Novum ist die geplante „Open-Arena“: Ein öffentlich zugänglicher Bereich, in dem Nachwuchsathleten direkt mit Spitzenkräften trainieren können – eine Reaktion auf den wachsenden Bedarf an niedrigschwelligen Förderangeboten.

Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle. Das neue Gebäude wird zu 80 Prozent mit Solarenergie betrieben, die Dachflächen tragen begrünte Terrassen zur Regenwasserspeicherung. Besonders bemerkenswert ist die Kooperation mit der TU München, die hier ein Pilotprojekt für CO₂-neutrale Sportstätten begleitet. Die Vision geht über ökologische Standards hinaus: Bis 2030 soll der Standort komplett plastikfrei wirtschaften.

Internationaler Austausch rückt stärker in den Fokus. Durch Partnerschaften mit afrikanischen und asiatischen Verbänden wird München zum Knotenpunkt für globales Talent-Scouting. Ein eigens eingerichtetes „Olympic Diplomacy Center“ soll zudem die politische Dimension des Sports stärken – etwa durch Mediationsprogramme für Konfliktregionen.

Kritische Stimmen monieren zwar die hohen Investitionskosten von voraussichtlich 120 Millionen Euro. Doch die Verantwortlichen verweisen auf die langfristige Wirkung: Eine Studie des Deutschen Instituts für Sportforschung zeigt, dass moderne Trainingszentren die Erfolgsquote von Athleten um bis zu 23 Prozent steigern. Für das OCM ist der Umzug damit weniger ein Standortwechsel als ein strategischer Sprung in die nächste Generation des Spitzensports.

Fünf Jahrzehnte am Olympiagelände haben das OCM München zu einer festen Größe in der Stadt gemacht – doch mit dem Umzug in die neuen Räume beginnt jetzt ein Kapitel, das Tradition und Moderne verbindet. Die zentrale Lage und die zeitgemäße Ausstattung bieten nicht nur mehr Platz für Veranstaltungen, sondern auch bessere Bedingungen für die wachsende Community, von Sportlern bis zu Kulturbegeisterten.

Wer das OCM künftig besuchen möchte, sollte sich früh über die neuen Öffnungszeiten und das erweiterte Angebot informieren, denn einige Dienstleistungen werden nun an anderen Standorten gebündelt. Mit dem Umzug zeigt das Zentrum einmal mehr, wie es sich stetig weiterentwickelt – und bleibt damit ein lebendiger Teil Münchens, der auch die nächsten 50 Jahre prägen wird.