Am Marienplatz 24 wird bald ein Stück Münchner Einzelhandelsgeschichte verschwinden. Nach fast drei Jahrzehnten schließt Peek & Cloppenburg seine Filiale in der Innenstadt – ein Schritt, der nicht nur die Ladenlandschaft verändert, sondern auch das Einkaufserlebnis tausender Kunden. Die 5.000 Quadratmeter große Modeabteilung in zentraler Lage war einst ein Magnet für Shoppingbegeisterte, doch jetzt zieht der Textilriese die Reißleine. Die Schließung markiert das Ende einer Ära, in der das Kaufhaus als fester Bestandteil des Münchner Stadtbilds galt.

Für viele Münchner ist Peek & Cloppenburg am Marienplatz mehr als nur ein Laden – es war ein Ort der Inspiration, der schnellen Business-Outfits oder der besonderen Anlässe. Doch die Zeichen der Zeit lassen sich nicht ignorieren: Steigende Mieten, verändertes Kaufverhalten und die Konkurrenz durch Onlinehändler setzen traditionelle Kaufhäuser unter Druck. Während andere Standorte des Unternehmens weiterlaufen, wird die Schließung in München besonders spürbar. Sie wirkt wie ein Symbol für den Wandel im Handel, der selbst etablierte Namen wie Peek & Cloppenburg vor harte Entscheidungen stellt.

Ein Münchner Kaufhaus geht in Rente

Nach drei Jahrzehnten zieht ein Stück Münchner Einkaufsgeschichte ab. Die Peek & Cloppenburg-Filiale am Marienplatz, seit 1994 eine feste Größe in der Innenstadt, schließt Ende Juli ihre Türen. Das siebenstöckige Kaufhaus mit seiner markanten Glasfassade prägte nicht nur das Stadtbild, sondern auch die Shoppingkultur der Landeshauptstadt – in Spitzenzeiten frequentierten bis zu 1,2 Millionen Kunden jährlich die Verkaufsflächen.

Die Schließung markiert das Ende einer Ära, in der das Haus als Ankerpunkt für Modebegeisterte galt. Branchenkenner verweisen auf den strukturellen Wandel im Einzelhandel: Laut einer Studie des IFH Köln sank die Zahl der Kaufhausstandorte in deutschen Innenstädten seit 2010 um fast 30 Prozent. Online-Handel, veränderte Konsumgewohnheiten und steigende Mieten setzen traditionelle Warenhäuser unter Druck – ein Schicksal, das nun auch den Münchner Standort ereilt.

Besonders die Lage machte die Filiale über Jahre hinweg zum Magneten. Direkt am Marienplatz, zwischen Rathaus und Touristenströmen, profitierte sie von der zentralen Position. Doch genau diese wurde zum Problem: Die Mietkosten in der Premium-Lage stiegen kontinuierlich, während die Umsätze mit der Konkurrenz durch Online-Shops und Outlet-Center sanken. Ein Teufelskreis, den selbst etablierte Marken wie Peek & Cloppenburg nicht durchbrechen konnten.

Für viele Münchner bleibt die Schließung ein Symbol für den Verlust urbaner Einkaufserlebnisse. Wo einst Verkäufer persönlich berieten und Kunden durch thematisierte Modewelten schlenderten, dominieren heute Leerstände oder kurzlebige Pop-up-Stores. Die Frage, was mit den rund 6.000 Quadratmetern Verkaufsfläche passiert, bleibt vorerst offen – doch ein Comeback des klassischen Kaufhauses an dieser Stelle gilt als unwahrscheinlich.

Warum der Standort Marienplatz nicht mehr trägt

Der Marienplatz war einst das unangefochtene Zentrum des Münchner Einzelhandels – doch diese Zeiten sind längst vorbei. Während die Filiale von Peek & Cloppenburg 1994 hier noch als Flaggschiff des Modehauses galt, hat sich das Kaufverhalten der Kunden grundlegend gewandelt. Studien des Handelsforschungsinstituts Köln zeigen: Seit 2010 ist die Frequenz in Innenstadtlagen wie dem Marienplatz um fast 30 Prozent gesunken, während Online-Händler und peripher gelegene Einkaufszentren mit kostenlosem Parkplatz massiv zulegten. Für ein traditionelles Kaufhaus, das auf große Verkaufsflächen und persönliche Beratung setzt, wird der Standort damit zum Kostenfaktor.

Hinzu kommt der strukturelle Wandel der Maximilianstraße und ihrer Umgebung. Luxusmarken wie Louis Vuitton oder Prada dominieren mittlerweile das Bild, während klassische Kaufhäuser mit breitem Sortiment kaum noch Platz finden. Die Mietpreise in der Zone zählen zu den höchsten Deutschlands – laut Gutachterausschuss München liegen sie bei bis zu 400 Euro pro Quadratmeter im Jahr. Für Peek & Cloppenburg, das seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen kämpft, wurde die Rechnung einfach zu teuer.

Auch die veränderte Mobilität spielt eine Rolle. Noch in den 2000er-Jahren war der Marienplatz ein zentraler Knotenpunkt für Pendler und Touristen, die spontan einkauften. Doch mit der Ausweitung der Fußgängerzone, steigenden Parkgebühren und der Verlagerung von Bürostandorten in das Werksviertel oder die Peripherie sank die spontane Kundschaft. Selbst die U-Bahn-Frequenz am Marienplatz stagniert seit Jahren – ein weiteres Indiz dafür, dass der Standort an Strahlkraft verloren hat.

Die Schließung ist damit weniger ein Einzelphänomen als vielmehr ein Symptom: Der Marienplatz bleibt zwar ein Postkartenmotiv, aber als Handelsstandort trägt er große Formate nicht mehr. Andere traditionsreiche Häuser wie das Oberpollinger hatten bereits ähnliche Konflikte – und lösten sie durch Umpositionierung oder Verkleinerung. Peek & Cloppenburg zieht nun die Konsequenz.

Was aus den 120 Mitarbeitern wird

Die Schließung der Peek & Cloppenburg-Filiale am Marienplatz trifft nicht nur Kunden, sondern vor allem die rund 120 Beschäftigten. Nach drei Jahrzehnten am Standort müssen sich Verkäufer, Lagerkräfte und Verwaltungsteams neu orientieren. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) finden rund 60 Prozent der Einzelhandelsmitarbeiter nach einer Filialschließung innerhalb von sechs Monaten eine neue Anstellung – allerdings oft zu schlechteren Konditionen.

Das Unternehmen selbst hat angekündigt, betroffene Mitarbeiter bei der Vermittlung zu unterstützen. Ob durch interne Versetzungen in andere Filialen oder durch Kooperationen mit anderen Einzelhändlern: Die Optionen bleiben begrenzt. Besonders ältere Angestellte oder Teilzeitkräfte sehen sich mit größeren Herausforderungen konfrontiert, da der Arbeitsmarkt im Münchner Einzelhandel zunehmend von prekären Beschäftigungsverhältnissen geprägt ist.

Gewerkschaften wie ver.di kritisieren seit Jahren die mangelnde Absicherung von Einzelhandelsbeschäftigten in solchen Fällen. Während Großkonzerne oft Sozialpläne aushandeln, fehlt kleinen und mittleren Betrieben häufig das finanzielle Polster, um Übergangsregelungen zu finanzieren. Für die P&C-Mitarbeiter könnte das bedeuten: Wer nicht schnell eine neue Stelle findet, rutscht in die Arbeitslosigkeit – oder muss sich mit Minijobs über Wasser halten.

Ein Lichtblick bleibt die starke Nachfrage nach Fachkräften in anderen Branchen, etwa der Gastronomie oder dem Gesundheitssektor. Doch der Wechsel erfordert oft Umschulungen, die nicht alle leisten können oder wollen.

Alternativen für Modefans in der Innenstadt

Mit dem Abschied von Peek & Cloppenburg am Marienplatz verliert die Münchner Innenstadt einen langjährigen Anker für Modebegeisterte. Doch wer nach Alternativen sucht, findet sie in unmittelbarer Nähe. Die Ludwig Beck am Marienplatz hat ihr Sortiment in den letzten Jahren deutlich ausgebaut und bietet neben Kosmetik und Accessoires nun auch eine kuratierte Auswahl an Damen- und Herrenmode – ideal für alle, die Wert auf Qualität und exklusive Marken legen. Nur wenige Gehminuten entfernt lockt das Oberpollinger mit Luxuslabels wie Gucci oder Saint Laurent, während das Kaufhaus Oberpollinger im selben Gebäude mit Marken wie Hugo Boss oder Tommy Hilfiger eine Brücke zwischen High-End und Alltagsmode schlägt.

Für jüngere Zielgruppen oder preisbewusste Käufer bleibt das H&M-Flagshipstore in der Kaufingerstraße eine feste Größe. Mit über 3.000 Quadratmetern Fläche und regelmäßig wechselnden Kollektionen zieht der schwedische Modegigant weiterhin große Besucherzahlen an. Laut einer Studie der IHK München von 2023 generieren Modeketten wie H&M oder Zara rund 40 Prozent des Umsatzes im innerstädtischen Einzelhandel – ein Beweis für ihre anhaltende Relevanz trotz wachsender Online-Konkurrenz.

Wer es individueller mag, wird in den Seitenstraßen fündig. Die Maximilianstraße beherbergt nicht nur internationale Toplabels, sondern auch kleinere Boutiquen wie Lala Berlin oder Closed, die mit nachhaltigen Materialien und zeitlosem Design punkten. Auch das Fünf Höfe-Quartier überrascht mit Nischenmarken, die abseits des Mainstreams liegen. Hier lohnt sich ein Blick in Konzeptstores wie „The Corner“, wo Mode, Kunst und Lifestyle verschmelzen.

Ein Geheimtipp bleibt das Glockenspielviertel. Zwischen traditionellen Geschäften haben sich in den letzten Jahren kleine Labels angesiedelt, die lokal produzierte Mode anbieten – von handgefertigten Ledergürteln bis zu nachhaltigen Business-Outfits. Wer bereit ist, die bekannten Pfade zu verlassen, entdeckt hier oft Unique Pieces, die es so kein zweites Mal gibt.

P&C setzt auf kleinere Läden – und Onlinehandel

Während die Schließung der Münchner Filiale am Marienplatz nach drei Jahrzehnten für Aufsehen sorgt, setzt Peek & Cloppenburg (P&C) längst auf ein neues Konzept: kleinere, flexiblere Läden in Innenstädten – kombiniert mit einem massiv ausgebauten Onlinehandel. Die Strategie ist keine Reaktion auf den aktuellen Standortverlust, sondern Teil eines seit Jahren laufenden Umbaus. Branchenanalysen zeigen, dass der Modehändler seinen Umsatzanteil im E-Commerce zwischen 2019 und 2023 von unter 10 auf über 25 Prozent gesteigert hat – ein Wachstum, das viele Mitbewerber übertrifft.

Die kleineren Filialen, oft auf 1.000 bis 1.500 Quadratmetern reduziert, sollen gezielt frequentierte Lagen bedienen, ohne die hohen Fixkosten großer Flagship-Stores. In München bleibt P&C etwa mit Standorten in der Kaufingerstraße oder im OEZ präsent, doch das Sortiment wird dort stärker kuratiert. Statt vollständiger Kollektionen setzt man auf ausgewählte Highlights und digitale Anproben via App.

Handelsexperten bewerten den Kurs als konsequent: „Stationärer Handel muss heute Erlebnis und Service bieten, während der Online-Kanal für Reichweite und Datenanalyse sorgt“, heißt es in einer aktuellen Studie der IFH Köln. P&C nutzt die Filialen zunehmend als Showrooms, wo Kunden Produkte ansehen und bestellen können – die Lieferung erfolgt dann bequem nach Hause. Diese Verknüpfung von offline und online hat während der Pandemie an Fahrt aufgenommen und prägt nun die langfristige Ausrichtung.

Dass dabei traditionsreiche Standorte wie der Marienplatz aufgegeben werden, ist kein Widerspruch, sondern Folge der neuen Prioritäten. Die Mietkosten in Top-Lagen stehen oft in keinem Verhältnis mehr zum Umsatz pro Quadratmeter – besonders, wenn der Online-Shop dieselben Produkte ohne Flächenbindungen anbietet.

Mit dem Schließen der P&C-Filiale am Marienplatz nach drei Jahrzehnten endet eine Ära für Münchens Einzelhandel—ein weiterer Beweis dafür, wie stark sich Konsumgewohnheiten und städtische Strukturen verändern. Die Entscheidung unterstreicht, dass selbst etablierte Marken sich neu erfinden müssen, wenn Mietkosten, Onlinehandel und veränderte Kundenströme traditionelle Standorte unwirtschaftlich machen.

Wer die Lücke im Sortiment spürt, findet Alternativen in den verbleibenden P&C-Standorten wie der Filiale am Stachus oder in den umliegenden Fachgeschäften der Innenstadt, die mit individueller Beratung und lokalem Bezug punkten. München wird sich weiterwandeln—und die nächste Generation von Händlern muss zeigen, ob sie den Spagat zwischen Tradition und digitalem Fortschritt besser meistert.