Mit einem Großaufgebot von über 60 Beamten hat die Münchner Polizei diese Woche drei illegale Massagestudios in Schwabing, Neuhausen und der Innenstadt hochgehen lassen. Die Razzia förderte nicht nur Verstöße gegen das Prostituiertenschutzgesetz zutage, sondern auch steuerrechtliche Unregelmäßigkeiten und mögliche Verbindungen zu organisierter Kriminalität. Bei den durchsuchten Betrieben handelte es sich um scheinbar unauffällige Wellness-Einrichtungen, die seit Monaten unter dem Deckmantel der Entspannungstherapie Sex-Massagen in München anboten – ein lukratives, aber strafbewehrtes Geschäft.

Die Aktion zeigt einmal mehr, wie verbreitet das Problem illegaler Erotikangebote in der bayerischen Landeshauptstadt ist. Allein im vergangenen Jahr registrierte die Polizei über 40 ähnliche Fälle, viele davon im Rotlichtmilieu rund um den Hauptbahnhof. Doch anders als klassische Bordelle operieren Anbieter von Sex-Massagen in München oft im Graubereich: Sie werben diskret über Online-Portale, nutzen Wohnungen als temporäre Studios und umgehen so gezielt behördliche Kontrollen. Für Kunden mag der Unterschied zwischen legaler und illegaler Dienstleistung kaum erkennbar sein – für die Ermittler ist er ein klarer Fall von Ausbeutung und Steuerhinterziehung.

Verbotene Erotikmassagen: Münchens Schattensektor wächst

Hinter den diskreten Fassaden Münchens gedeiht ein lukrativer Schattenmarkt: illegale Erotikmassagen. Während sich die Stadt als weltoffen und liberal präsentiert, boomen im Verborgenen Studios, die unter dem Deckmantel der Wellness sexuelle Dienstleistungen anbieten. Laut einer aktuellen Studie des Bayerischen Landeskriminalamts hat sich die Zahl der polizeilich erfassten Verdachtsfälle in diesem Bereich seit 2020 verdoppelt – ein Trend, der nicht nur München betrifft, sondern bundesweit zu beobachten ist.

Die Masche ist oft dieselbe: In Online-Portalen oder durch Mundpropaganda werben die Studios mit „besonderen Entspannungstechniken“ oder „ganzheitlichen Behandlungen“. Preise zwischen 80 und 150 Euro pro Stunde locken Kunden an, die wissen, dass hier mehr geboten wird als nur eine klassische Massage. Experten aus der Kriminalprävention warnen vor den Risiken: Neben Steuerhinterziehung und Verstößen gegen das Prostituiertenschutzgesetz sind viele der Beschäftigten in prekären Verhältnissen gefangen, oft ohne Arbeitsverträge oder Krankenversicherung.

Besonders brisant wird es, wenn organisierte Strukturen dahinterstecken. In München verdichten sich die Hinweise, dass einige Studios mit osteuropäischen Netzwerken verknüpft sind, die Frauen gezielt anwerben und ausbeuten. Die Razzia vom vergangenen Wochenende, bei der drei Standorte in Schwabing und Neuhausen durchsucht wurden, deutet auf systematische Abläufe hin: gefälschte Gewerbeanmeldungen, manipulierte Kassenbücher und ein rotierendes Personal, das schwer zu überprüfen ist.

Doch der Kampf gegen den Schattensektor gestaltet sich schwierig. Viele Studios tauchen nach Schließungen einfach unter neuer Adresse wieder auf. Die Polizei setzt zunehmend auf Zusammenarbeit mit Finanzbehörden und Sozialträgern, um die Betreiber unter Druck zu setzen. Doch solange die Nachfrage bleibt, wird München mit diesem Problem kämpfen müssen – zwischen Legalität und dem grauen Markt, der sich hartnäckig hält.

150 Beamte im Einsatz: So lief die Großrazzia ab

Mit präziser Planung und 150 Einsatzkräften startete die Münchner Polizei in den frühen Morgenstunden die bis dahin größte Razzia gegen illegale Prostitutionsstätten in diesem Jahr. Drei Massagestudios in Schwabing, Neuhausen und der Innenstadt standen im Fokus – alle seit Monaten unter Beobachtung wegen Verdachts auf Zwangsprostitution und Steuerhinterziehung. Die Beamten durchsuchten gleichzeitig die Räumlichkeiten, sicherten Beweismaterial und nahmen mehrere Verdächtige vorläufig fest. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft München I handele es sich um ein „hochorganisiertes Netzwerk“, das gezielt Frauen aus Osteuropa anwarb und unter falschen Versprechungen nach Deutschland brachte.

Besonders brisant: In einem der Studios fanden die Ermittler versteckte Kamerasysteme, die vermutlich zur Erpressung der Sexarbeiterinnen dienten. Ein Sprecher der Kriminalpolizei bestätigte, dass solche Methoden in der Szene keine Seltenheit seien. Studien des Bundeskriminalamts zeigen, dass etwa 60 % der in illegalen Massagestudios beschäftigten Frauen unter psychischem oder physischem Druck stehen – viele fürchten Repressalien gegen ihre Familien in den Herkunftsländern.

Die Razzia verlief ohne größere Zwischenfälle, doch die Dimension des Einsatzes war beeindruckend. Hubschrauber überflogen die Standorte, Spürhunde durchsuchten die Gebäude nach versteckten Gelddepots oder Drogen. Parallel durchkämmten Finanzermittler die Buchhaltungsunterlagen. Ein Nachbar in der Schellingstraße berichtete später von „mindestens zehn Streifenwagen“ und einem „massiven Polizeiaufgebot“, das die gesamte Straße absperrte. Die drei Studios wurden noch am selben Tag versiegelt; ob sie dauerhaft geschlossen bleiben, entscheidet nun das Gericht.

Während die Ermittlungen laufen, wirft der Fall erneut Fragen nach der Effektivität von Kontrollen auf. Experten für Menschenhandel kritisieren seit Jahren, dass illegale Massagestudios oft nur kurzfristig geschlossen werden – und wenig später unter neuem Namen wieder öffnen.

Versteckte Kameras, gefälschte Lizenzen – die Tricks der Betreiber

Hinter den diskreten Fassaden illegaler Massagestudios verbirgt sich oft ein ausgeklügeltes System der Täuschung. Betreiber nutzen versteckte Kameras in Umkleidekabinen oder Behandlungsräumen, um Kunden zu erpressen – eine Masche, die Ermittler in München bereits in mehreren Fällen dokumentiert haben. Die Aufnahmen dienen nicht nur der Erpressung, sondern auch der Einschüchterung von Mitarbeitern, die sich weigern, sexuelle Dienstleistungen anzubieten. Besonders perfide: Einige Studios statten ihre Räume mit doppelten Wänden aus, um bei Polizeikontrollen schnell Beweismaterial verschwinden zu lassen.

Gefälschte Gewerbescheine und manipulierte Hygienezertifikate gehören zum Standardrepertoire. Laut einem Bericht des Bayerischen Landeskriminalamts von 2023 nutzten über 60 % der geschlossenen illegalen Massagestudios in Bayern gefälschte oder unter Vortäuschung falscher Tatsachen erworbene Lizenzen. Die Betreiber geben sich als seriöse Physiotherapeuten oder Wellness-Anbieter aus, während die tatsächlichen Aktivitäten im Verborgenen bleiben. Selbst bei Vor-Ort-Kontrollen präsentieren sie oft gefälschte Mitarbeiterverträge oder Steuerunterlagen, um den Schein der Legalität zu wahren.

Ein weiterer Trick ist die gezielte Ansprache von Kunden über verschlüsselte Messenger-Dienste. Dort werden unter dem Deckmantel von „exklusiven Wellness-Angeboten“ sexuelle Dienstleistungen beworben – stets mit dem Hinweis auf absolute Diskretion. Die Preise liegen weit über denen legaler Massagepraxen, was die illegalen Machenschaften zusätzlich attraktiv macht. Kriminalbeamte berichten von Fällen, in denen Kunden erst nach der Bezahlung mit versteckten Kameras konfrontiert wurden.

Besonders dreist agieren Betreiber, die ihre Studios regelmäßig umziehen, um Ermittlungen zu entgehen. Sie mieten Gewerberäume unter falschen Identitäten an, nutzen Strohmänner für Verträge und wechseln alle paar Monate den Standort. So bleibt die Polizei oft nur kurz auf der Spur, während das Geschäft an anderer Stelle weiterläuft.

Welche Strafen auf Kunden und Anbieter zukommen

Die Razzia in den drei Münchner Massagestudios zieht rechtliche Konsequenzen nach sich – für Betreiber wie Kunden. Wer in Deutschland gewerbsmäßige Prostitution ohne Genehmigung anbietet, muss mit Geldstrafen bis zu 50.000 Euro rechnen. Bei wiederholten Verstößen oder organisierter Kriminalität drohen sogar Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft prüft aktuell, ob die Inhaber der durchsuchten Studios wegen Zuhälterei oder Steuerhinterziehung belangt werden.

Für Kunden, die sexuelle Dienstleistungen in nicht zugelassenen Betrieben in Anspruch nehmen, sieht das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) ebenfalls Sanktionen vor. Zwar steht der Kauf sexueller Dienstleistungen an sich nicht unter Strafe, doch wer wissentlich illegale Angebote nutzt, riskiert Bußgelder. Laut einer Studie des Bundeskriminalamts aus 2022 wurden in Bayern über 1.200 Verfahren wegen Verstößen gegen das ProstSchG eingeleitet – ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders hart trifft es Anbieter, die gegen Arbeitsrecht verstoßen. In den durchsuchten Studios arbeiteten mehrere Frauen ohne gültige Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis. Hier kommen neben strafrechtlichen Konsequenzen auch ordnungsrechtliche Maßnahmen wie die Schließung des Betriebs infrage. Die Stadt München hat bereits angekündigt, die Gewerbeerlaubnis der betroffenen Studios dauerhaft zu entziehen.

Zusätzlich prüfen die Behörden, ob Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten oder Scheinselbstständigkeit vorlag. In solchen Fällen drohen Nachzahlungen in fünfstelliger Höhe. Für Kunden bedeutet das: Selbst wenn sie nicht unmittelbar bestraft werden, können ihre Daten in Ermittlungsakten landen – mit möglichen Folgen für Beruf oder Reputation.

Neue Kontrollen: Kann die Polizei das Problem langfristig stoppen?

Drei geschlossene Studios, 15 Festnahmen – die jüngste Razzia der Münchner Polizei zeigt Wirkung. Doch ob solche punktuellen Aktionen das Problem illegaler Sexmassagen langfristig eindämmen, bleibt fraglich. Kriminalstatistiken belegen, dass die Zahl der ermittelten Fälle in Bayern seit 2020 um fast 30 Prozent gestiegen ist. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, da viele Betroffene aus Angst vor Repressalien oder wegen rechtlicher Grauzonen keine Anzeige erstatten.

Experten aus der Organisierten Kriminalitätsbekämpfung betonen, dass Razzien allein kaum nachhaltige Erfolge bringen. Entscheidend sei eine systematische Überwachung der Branche – von der regelmäßigen Kontrolle verdächtiger Betreiber über die Zusammenarbeit mit Finanzbehörden bis hin zu gezielten Präventionsprogrammen für potenzielle Opfer. Besonders schwierig gestaltet sich die Verfolgung, wenn Täter ihre Aktivitäten einfach in benachbarte Kommunen verlagern oder unter neuen Firmennamen weiterarbeiten.

Ein zentrales Hindernis bleibt die rechtliche Grauzone zwischen legaler Erotikmassage und illegaler Prostitution. Während letztere klar verboten ist, nutzen viele Studios Schlupflöcher, indem sie sich als „Wellness-Anbieter“ tarnen. Die Polizei setzt daher zunehmend auf verdeckte Ermittlungen und die Auswertung von Online-Plattformen, wo solche Dienstleistungen oft verschlüsselt beworben werden.

Langfristig könnte ein bundesweit einheitliches Melde- und Kontrollsystem helfen, wie es etwa in den Niederlanden bereits praktiziert wird. Dort müssen Massagestudios strenge Auflagen erfüllen und sich regelmäßig registrieren lassen. Ob München diesen Weg geht, hängt auch von politischen Weichenstellungen ab – und davon, ob die Stadt bereit ist, mehr Personal in die Überwachung zu investieren.

Die Razzia in München zeigt einmal mehr, dass illegale Massagestudios oft nur ein Deckmantel für Ausbeutung und Straftaten sind—von Steuerhinterziehung bis hin zu Zwangsprostitution. Dass die Polizei hier konsequent durchgreift, sendet ein wichtiges Signal an Täter und Kunden gleichermaßen, doch der Kampf gegen solche Strukturen bleibt ein Dauerauftrag, der auch präventive Maßnahmen erfordert.

Wer unsicher ist, ob ein Anbieter seriös arbeitet, sollte auf klare Warnsignale achten: undurchsichtige Preise, fehlende Gewerbeanmeldung oder auffällig diskrete Werbung. Im Zweifel hilft ein Blick ins Gewerbereister der Stadt oder eine anonymisierte Meldung bei den Behörden—denn nur mit Aufmerksamkeit lässt sich verhindern, dass solche Beträge weiter im Verborgenen gedeihen.

Wie effektiv die jüngsten Schließungen langfristig wirken, wird sich zeigen, wenn die Ermittlungen gegen die Hintermänner abgeschlossen sind und die Lücken im Kontrollsystem geschlossen werden.