Mit einem Großaufgebot hat die Münchner Polizei am Dienstag drei illegale Massagestudios in Schwabing geschlossen – alle drei boten unter der Hand sogenannte Nuru-Massagen an. Laut Ermittlern handele es sich um organisierte Prostitution ohne Genehmigung, bei der die Betreiber gezielt Grauzonen des Gewerberechts ausnutzten. Die Razzia erfolgte nach monatelangen Hinweisen aus der Nachbarschaft und verdeckten Observationen. Bei den Durchsuchungen beschlagnahmte die Polizei neben Bargeld in fünfstelliger Höhe auch detaillierte Kundenlisten mit Terminen und Preisen, die auf ein systematisches Geschäftsmodell hindeuten.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Schattenbranche der Nuru-Massage München, die sich oft hinter harmlos klingenden Wellness-Angeboten verbirgt. Während die Praxis in Japan als traditionelle Körpermassage gilt, wird sie in Deutschland häufig mit verdeckter Prostitution in Verbindung gebracht – besonders in Großstädten wie München, wo die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen steigt. Experten warnen seit Langem vor den Risiken: Neben rechtlichen Konsequenzen für Betreiber und Kunden drohen hygienische Mängel und Ausbeutungsstrukturen. Doch trotz regelmäßiger Polizeiaktionen wie der aktuellen in Schwabing bleibt das Geschäft mit der Nuru-Massage München ein lukratives, aber undurchsichtiges Phänomen.
Razzien in Schwabing: Wie die Polizei vorging
Die Razzia in Schwabing begann in den frühen Morgenstunden, als Beamte der Münchner Polizei gleichzeitig drei verdächtige Massagestudios stürmten. Laut Angaben der Ermittler wurden die Objekte bereits seit Monaten observiert, nachdem Hinweise auf illegale Prostitution und Verstöße gegen das Prostituiertenschutzgesetz vorlagen. Die Einsatzkräfte sicherten Beweismaterial wie Kassenbücher, Kundenlisten und digitale Geräte, die nun auf mögliche Verbindungen zu organisierter Kriminalität überprüft werden. Besonders im Fokus stand dabei die sogenannte Nuru-Massage, eine in Japan entwickelte Technik, die in Deutschland oft als Tarnung für sexuelle Dienstleistungen genutzt wird.
Experten der Kriminalpolizei betonen, dass solche Studios häufig ein Systematisierungsmuster aufweisen: diskrete Lage in Wohngegenden, undurchsichtige Preisgestaltung und eine auf Online-Plattformen basierende Kundenakquise. Eine aktuelle Studie des Bundeskriminalamts zeigt, dass rund 60 % der als „Wellness- oder Massagestudios“ getarnten Betriebe in Großstädten wie München tatsächlich der illegalen Prostitution dienen. In Schwabing, einem Stadtteil mit hoher Lebensqualität und entsprechendem Mietniveau, fallen solche Einrichtungen besonders auf – nicht zuletzt wegen des Kontrasts zur ansonsten bürgerlichen Umgebung.
Während der Durchsuchung wurden mehrere Personen vorläufig festgenommen, darunter zwei Betreiber und drei Angestellte. Die Polizei prüft nun, ob es sich um Opfer von Menschenhandel handelt oder ob die Beschäftigten freiwillig in den Studios arbeiteten. Parallel dazu wurden die Räumlichkeiten vorläufig geschlossen, um weitere Ermittlungen ohne Beeinträchtigung durch laufenden Betrieb zu ermöglichen. Augenzeugen berichteten von einem gezielten, aber ruhigen Vorgehen der Beamten – ein Zeichen dafür, dass die Aktion präzise vorbereitet war.
Die Staatsanwaltschaft München hat inzwischen die weiteren Schritte eingeleitet. Neben der Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen steht auch die Überprüfung von Geldflüssen auf der Agenda, um mögliche Steuerhinterziehung oder Geldwäsche aufzudecken. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen den Verantwortlichen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren – ein klares Signal an ähnliche Betriebe in der Stadt.
Warum Nuru-Massagen in Deutschland oft im Graubereich liegen
Nuru-Massagen bewegen sich in Deutschland oft in einer rechtlichen Grauzone, weil sie zwischen Wellnessangebot und Prostitution angesiedelt sind. Während klassische Massagen klar dem Gesundheitssektor zugeordnet werden, überschreitet die Nuru-Massage mit ihrer intensiven Körperberührung und dem Einsatz von speziellen Gelen oft die Grenze zur sexuellen Dienstleistung. Das Problem: Eine einheitliche Regelung fehlt. Kommunen und Bundesländer handhaben die Einstufung unterschiedlich, was Studios wie die in München-Schwabing geschlossenen Betrieben Spielraum lässt, sich zwischen den Paragrafen zu bewegen.
Laut einer Studie des Bundesverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen aus dem Jahr 2022 operieren rund 60 % der Nuru-Studios in Deutschland ohne gültige Gewerbeanmeldung für Prostitution. Viele Betreiber melden ihre Angebote stattdessen als „Wellnessmassagen“ an – eine Lücke, die Behörden nur mit hohem Kontrollaufwand schließen können. Die Münchner Polizei bestätigt, dass besonders in Großstädten die Abgrenzung schwierig ist: Was für den einen Kunden eine entspannende Behandlung darstellt, erfüllt für Juristen oft den Tatbestand der sexuellen Handlung gegen Entgelt.
Hinzu kommt die internationale Dimension. Viele der in Deutschland tätigen Nuru-Masseure und -Masseusen kommen aus Ländern wie Japan oder Thailand, wo die Massageform kulturell anders verankert ist. Doch selbst wenn sie im Heimatland als legitime Praxis gilt, kollidiert sie hierzulande mit dem Prostituiertenschutzgesetz. Dieses verlangt seit 2017 eine Anmeldung und Gesundheitsberatung für alle, die „gegen Entgelt sexuelle Handlungen“ anbieten. Die Frage, ob Nuru-Massagen darunterfallen, landet regelmäßig vor Gerichten – mit unterschiedlichen Urteilen.
Für Kunden bleibt die Rechtslage undurchsichtig. Während einige Studios diskret mit „happy ending“ werben, betonen andere rein „therapeutische“ Aspekte. Doch selbst wenn kein expliziter Sex im Spiel ist, kann bereits die Art der Berührung als „sexuelle Handlung“ gewertet werden. Die Münchner Razzia zeigt: Behörden gehen zunehmend gegen Betreiber vor, die sich in dieser Unschärfe eingenistet haben.
Die betroffenen Studios: Standorte, Methoden und Preise
Die drei geschlossenen Studios konzentrierten sich auf die exklusive Leopoldstraße sowie eine Seitenstraße nahe des Englischen Gartens. Zwei der Betreiber hatten ihre Räumlichkeiten in unscheinbaren Hinterhöfen eingerichtet, wo sie über Social-Media-Kanäle und spezialisierte Portale Kunden warben. Laut Angaben der Kriminalpolizei München nutzten die Studios dabei gezielt Codewörter wie „japanische Ganzkörperbehandlung“ oder „Feuchtmassage“, um die illegalen Dienstleistungen zu verschleiern. Die Preise lagen zwischen 120 und 250 Euro pro Stunde – ein Vielfaches der üblichen Rates für legale Massageangebote in der Stadt.
Ein Studio hob sich durch besonders professionelle Tarnung hervor: Es verfügte über eine scheinbar seriöse Website mit gefälschten Zertifikaten und Referenzen, die eine „traditionelle asiatische Heilkunst“ beworben. Experten der Münchner Drogen- und Sittendeliktkommission bestätigen, dass solche Inszenierungen zunehmend verbreitet sind. Über 60 % der in den letzten zwei Jahren aufgedeckten illegalen Massagestudios in Bayern nutzten ähnliche Methoden, um Ermittlungen zu erschweren.
Die dritte Adresse, ein kleiner Salon in der Nähe der Münchner Freiheit, setzte auf Diskretion durch Mitgliedschaften. Kunden mussten sich vorab per WhatsNachricht anmelden und erhielten erst nach einer „Sicherheitsprüfung“ die genaue Adresse. Die Preisliste dort reichte bis zu 300 Euro für „Premium-Sessions“ – inklusive angeblich „therapeutischer Öle“ aus Japan, die in Wahrheit billige Körperlotionen waren.
Alle drei Standorte hatten gemeinsam, dass sie Bargeschäfte bevorzugten und keine offiziellen Rechnungen ausstellten. Die Räume waren sparsam möbliert, mit abwaschbaren Vinylböden und Duschen, die auf schnelle Reinigung zwischen den Terminen ausgelegt waren. Ein Hinweisgeber aus dem Umfeld der Betreiber gab an, dass einige der Angestellten unter prekären Bedingungen arbeiteten und einen Großteil ihrer Einnahmen an die Studiobetreiber abführen mussten.
Rechtliche Konsequenzen für Betreiber und Kunden
Die Razzia in drei illegalen Nuru-Massage-Studios in München-Schwabing zieht weitreichende rechtliche Folgen nach sich. Betreiber solcher Einrichtungen riskieren nicht nur hohe Geldstrafen, sondern auch Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Gemäß § 184f StGB (Prostitutionsstraftaten) macht sich strafbar, wer sexuelle Dienstleistungen ohne die erforderliche Genehmigung anbietet oder dabei gegen Auflagen verstößt. Besonders brisant: In den durchsuchten Studios wurden laut Polizei auch Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz festgestellt, was zusätzliche Bußgelder bis zu 50.000 Euro pro Fall nach sich ziehen kann.
Für Kunden, die solche Angebote wahrnehmen, sind die Konsequenzen weniger schwerwiegend, aber nicht ohne Risiko. Zwar drohen ihnen in der Regel keine strafrechtlichen Maßnahmen, sofern sie nicht wissentlich an illegalen Handlungen wie Menschenhandel oder Zwangsprostitution beteiligt sind. Allerdings können sie bei Polizeikontrollen als Zeugen vernommen werden – eine unangenehme Prozedur, die mit persönlichen Datenabfragen und möglichen Reputationsschäden einhergeht.
Experten des Bayerischen Landeskriminalamts weisen darauf hin, dass rund 60 % der illegalen Massagestudios in Bayern in den letzten zwei Jahren aufgrund von Steuerhinterziehung oder Verstößen gegen das Prostituiertenschutzgesetz geschlossen wurden. Die Dunkelziffer bleibt hoch, da viele Betreiber ihre Aktivitäten schnell verlagern oder unter neuen Namen weitermachen. Für die Stadt München bedeutet dies einen erhöhten Kontrollaufwand, der bereits zu einer Verdopplung der Routineüberprüfungen in den letzten zwölf Monaten geführt hat.
Langfristig können die Betreiber mit gewerberechtlichen Sperren rechnen, die ihnen die Ausübung ähnlicher Tätigkeiten für mehrere Jahre untersagen. Selbst wenn die Studios unter neuem Management wiedereröffnet werden, bleibt das Risiko einer sofortigen Schließung bestehen – besonders in Stadtteilen wie Schwabing, wo die Behörden aufgrund der hohen Dichte an Verdachtsfällen besonders sensibel reagieren.
Wie München gegen illegale Massageangebote vorgehen will
Die Stadt München verschärft das Vorgehen gegen illegale Massageangebote – besonders im Bereich der sogenannten Nuru-Massagen. Nach den jüngsten Razzien in Schwabing, bei denen drei Studios geschlossen wurden, plant die Polizei eng mit dem Gewerbeaufsichtsamt und dem Ordnungsreferat zusammenzuarbeiten. Ziel ist es, systematisch gegen Betreiber vorzugehen, die ohne Genehmigung arbeiten oder gegen das Prostituiertenschutzgesetz verstoßen. Laut einer Studie der Landeshauptstadt aus dem Jahr 2023 gibt es allein in München über 150 nicht registrierte Massagestudios, von denen ein Großteil im Graubereich zwischen Wellness und sexuellen Dienstleistungen operiert.
Konkret setzt die Stadt auf regelmäßige Kontrollen in Verdachtsfällen. Dabei prüfen Beamte nicht nur die betrieblichen Unterlagen, sondern auch die Einhaltung von Hygienevorschriften und Arbeitsrecht. Besonders im Fokus stehen Anbieter, die über Online-Plattformen oder soziale Medien werben, ohne eine gültige Gewerbeanmeldung vorweisen zu können. Die Polizei nutzt zudem Hinweise aus der Bevölkerung, um gezielt gegen Schwarzarbeit und mögliche Ausbeutungsstrukturen vorzugehen.
Parallel dazu soll die Aufklärung gestärkt werden. Das Ordnungsreferat plant Informationskampagnen für Mieter und Vermieter, um die Anmietung von Räumlichkeiten für illegale Zwecke zu erschweren. Experten aus dem Bereich der Kriminalprävention betonen, dass viele Betreiber gezielt Wohnungen in zentraler Lage anmieten, um unter dem Radar zu bleiben. Durch engere Kooperationen mit Immobilienportalen und Hausverwaltungen will die Stadt diese Praxis unterbinden.
Langfristig könnte München sogar ein Meldeportal einführen, über das Bürger verdächtige Angebote anonym melden können. Ähnliche Systeme haben sich in anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg bereits bewährt, um die Dunkelfeldforschung zu verbessern und schneller gegen illegale Strukturen vorzugehen.
Die Razzia in Schwabing zeigt einmal mehr, dass hinter vermeintlich harmlosen Wellness-Angeboten wie Nuru-Massagen oft organisierte Kriminalität steckt – von Steuerhinterziehung bis hin zu Ausbeutung. Dass die Polizei gleich drei Studios gleichzeitig schloss, unterstreicht, wie systematisch solche Strukturen in Großstädten wie München operieren und wie wichtig konsequentes Einschreiten ist.
Wer unsicher ist, ob ein Massagestudio legal arbeitet, sollte auf klare Preise, gewerbliche Anmeldung und seriöse Bewertungen achten – anonyme Online-Angebote oder übertrieben lockere „Diskretionsversprechen“ sind oft Warnsignale. Transparenz ist hier das beste Schutzschild.
Wie effektiv die Schließungen langfristig wirken, wird sich zeigen, wenn die Ermittlungen gegen die Betreiber abgeschlossen sind und mögliche Netzwerke hinter den Studios offengelegt werden.

