Nach einem Vierteljahrhundert zieht sich Pro Aurum München aus einem weiteren Standbein in der Innenstadt zurück. Die Schließung der dritten Filiale markiert das Ende einer Ära für den traditionsreichen Schmuck- und Uhrenhändler, der einst zu den prägenden Adressen der Maximilianstraße zählte. Mit dem Rückzug aus der prominenten Lage folgt das Unternehmen einem Trend, der seit Jahren den Einzelhandel in deutschen Metropolen umkrempelt: steigende Mieten, verändertes Kaufverhalten und der ungebremste Vormarsch des Onlinehandels zwingen selbst etablierte Marken zum Umdenken.
Für Münchner Kunden und Schmuckliebhaber bedeutet der Abschied von Pro Aurum München in der Innenstadt mehr als nur den Verlust einer Einkaufsoption. Die Filiale war über Jahrzehnte ein fester Anlaufpunkt für hochwertige Uhren, individuelle Schmuckstücke und kompetente Beratung – Werte, die in Zeiten von Fast Fashion und Discount-Angeboten zunehmend zur Seltenheit werden. Während das Unternehmen seine Präsenz in der Stadt neu ausrichtet, stellt sich die Frage, wie sich der Charakter der Münchner Einkaufsstraßen verändert, wenn weitere langjährige Mieter ihre Türen schließen.
Ein Vierteljahrhundert Münchner Juweliergeschichte endet
Mit dem Schließen der Filiale in der Kaufingerstraße geht eine Ära zu Ende: 25 Jahre lang prägte Pro Aurum das Münchner Juwelierbild wie kaum ein anderes Unternehmen. Die 1999 eröffnete Niederlassung war nicht nur eine von drei Standorten in der Innenstadt, sondern entwickelte sich schnell zum Anlaufpunkt für Schmuckliebhaber und Investoren gleichermaßen. Besonders die Beratungskompetenz in Sachen Edelmetalle machte den Standort aus – eine Expertise, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewann.
Laut Branchenanalysen des Deutschen Juweliere- und Goldschmiedeverbandes sank die Zahl der stationären Juweliergeschäfte in Deutschland seit 2010 um fast 30 %. Pro Aurum widerstand diesem Trend länger als viele Mitbewerber, doch die Kombination aus steigenden Mieten, veränderten Kaufgewohnheiten und dem Druck durch Onlinehändler wurde auch für den etablierten Namen zum Problem.
Die Kaufingerstraße 12 war mehr als ein Ladenlokal. Hier wurden Generationen von Münchnern bei besonderen Anlässen beraten, von Verlobungsringen bis zu Erbschaftsregelungen. Besonders die persönliche Kundenbindung zählte – etwas, das in Zeiten von Algorithmen und Klick-Käufen zunehmend zur Seltenheit wird.
Dass ausgerechnet die älteste der drei Münchner Filialen als erste schließt, überrascht Insider kaum. Während die Standorte am Marienplatz und in der Sendlinger Straße stärker vom Tourismus profitierten, litt die Kaufingerstraße in den letzten Jahren unter sinkender Laufkundschaft. Die Schließung markiert damit nicht nur das Ende eines Kapitels für Pro Aurum, sondern spiegelt auch den Wandel der gesamten Innenstadt wider.
Warum die Filiale am Marienplatz nun dichtmacht
Der Standort am Marienplatz galt lange als Flaggschiff von Pro Aurum in München – doch jetzt fällt die Entscheidung: Die Filiale schließt nach einem Vierteljahrhundert ihre Türen. Der Grund liegt nicht allein in den sinkenden Kundenfrequenzen, die seit der Pandemie viele Innenstadtgeschäfte plagen. Vielmehr zeigt sich hier ein strukturelles Problem des Edelmetallhandels. Laut einer aktuellen Studie des Handelsforschungsinstituts Köln haben stationäre Juweliere und Edelmetallhändler in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 18 % weniger Umsatz mit Barren und Münzen erzielt – ein Trend, der durch Online-Händler und Banken als neue Konkurrenten beschleunigt wird.
Besonders hart trifft es Standorte mit hohen Mietkosten. Am Marienplatz zahlen Händler bis zu 120 Euro pro Quadratmeter – eine Belastung, die sich bei schrumpfenden Margen kaum noch tragen lässt. Pro Aurum hatte hier über Jahre hinweg versucht, mit Sonderaktionen und Beratungsangeboten gegenzusteuern, doch die Zahlen blieben ernüchternd.
Hinzu kommt ein genereller Wandel im Kaufverhalten. Während ältere Kundengruppen Edelmetalle traditionell vor Ort erwerben, setzen jüngere Investoren zunehmend auf digitale Plattformen oder ETFs. Die Filiale am Marienplatz, einst ein Anlaufpunkt für Sammler und Anleger, verlor so nach und nach ihre Kernklientel. Branchenkenner sehen darin ein Muster: Wer heute physisches Gold kauft, informiert sich zuvor online – und bestellt oft direkt beim Hersteller.
Die Schließung ist damit kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Entwicklung. Andere Edelmetallhändler in der Maximilianstraße oder der Kaufingerstraße haben ebenfalls Flächen reduziert oder ihr Sortiment umgestellt. Für Pro Aurum bleibt die Frage, wie sich das Geschäft in Zeiten veränderter Nachfrage neu aufstellen lässt – ohne die Präsenz in der Innenstadt komplett aufzugeben.
Kundenreaktionen zwischen Wehmut und Verständnis
Die Nachricht vom bevorstehenden Ende der dritten Pro Aurum-Filiale in Münchens Innenstadt löste unter Stammkunden eine Welle gemischter Gefühle aus. Viele erinnern sich noch an die 90er-Jahre, als das Juweliergeschäft an der Theatinerstraße zum festen Bestandteil des Einkaufsbummels wurde – ein Ort, an dem Generationen ihre ersten Goldmünzen kauften oder Erbstücke schätzen ließen. Besonders ältere Kunden äußern Wehmut: „Hier hat mein Vater mir zum 18. Geburtstag meine erste Kette geschenkt“, erzählt eine 52-jährige Münchnerin, während sie ein letztes Mal die Vitrinen betrachtet. Solche emotionalen Bindungen sind kein Einzelfall; Studien des Handelsforschungsinstituts Köln zeigen, dass traditionelle Fachgeschäfte mit lokaler Geschichte eine Kundentreue erzeugen, die selbst Online-Händler kaum erreichen.
Doch neben der Trauer über den Verlust eines vertrauten Ladens überwiegt bei vielen das Verständnis für die wirtschaftliche Logik. „Die Mieten hier sind einfach nicht mehr tragbar“, meint ein 40-jähriger Anleger, der seit Jahren regelmäßig Edelmetalle bei Pro Aurum erwirbt. Tatsächlich liegen die Gewerbemieten in der Münchner Innenstadt mit durchschnittlich 120 Euro pro Quadratmeter unter den höchsten in Deutschland – eine Belastung, die selbst etablierte Händler zunehmend an ihre Grenzen bringt.
Jüngere Kunden, die Gold und Silber eher als Kapitalanlage denn als emotionales Gut sehen, reagieren pragmatischer. „Ich kaufe eh meist online oder in der Filiale am Hauptbahnhof“, sagt ein 28-jähriger IT-Berater. Für sie steht die Schließung weniger für einen Verlust als für einen notwendigen Wandel. Dennoch: Selbst in dieser Gruppe gibt es Stimmen, die bedauern, dass mit der Filiale ein Stück Münchner Einzelhandelsgeschichte verschwindet – und mit ihr die Möglichkeit, Edelmetalle vor Ort zu prüfen, bevor man sie erwirbt.
Besonders auffällig ist die Reaktion der Sammlercommunity. In Foren und sozialen Medien tauschen sich Enthusiasten über die Zukunft der Münchner Edelmetall-Szene aus, wobei viele die Sorge äußern, dass mit Pro Aurum ein kompetenter Ansprechpartner für seltene Prägungen und historische Stücke wegfällt. Ein Nutzer bringt es auf den Punkt: „Online kann ich Preise vergleichen, aber keine Fachberatung bekommen.“
Wo Münchner künftig Gold und Schmuck kaufen können
Mit dem Rückzug von Pro Aurum aus der Münchner Innenstadt stellt sich die Frage: Wo finden Kunden künftig seriöse Anlaufstellen für Gold- und Schmuckkäufe? Die Auswahl bleibt trotz der Schließung groß – allerdings mit deutlichen Verschiebungen im Stadtbild. Während traditionelle Juweliere wie Wempe in der Maximilianstraße oder Koch am Marienplatz weiterhin Flaggschiffe für Luxusuhren und hochwertigen Schmuck setzen, rücken spezialisierte Edelmetallhändler stärker in den Fokus.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Über 60 Prozent der Münchner Goldkäufer bevorzugen laut einer aktuellen Branchenstudie des Bundesverbands des Deutschen Gold- und Silberscheidegewerbes weiterhin physische Geschäfte – trotz wachsender Online-Alternativen. Wer auf Beratung und Prüfung vor Ort Wert legt, findet in der Schellingstraße mit der Bayerischen Edelmetallbörse einen etablierten Anbieter mit eigenem Tresor und Zertifizierungsdienst. Auch die Goldhandlung München in der Rumfordstraße punktet mit transparenten Ankaufspreisen und einem Sortiment, das von Barren bis zu historischen Münzen reicht.
Für Sammler und Investoren lohnt sich der Blick über die Innenstadtgrenzen hinaus. Im Schwanthalerhöhe-Viertel hat sich die Edelmetallgalerie als Geheimtipp etabliert, während im Arabellapark die Filiale von Degussa Goldhandel mit internationalem Renommee lockt. Beide setzen auf persönliche Termine und bieten regelmäßig Vorträge zu Marktentwicklungen an – ein Service, den viele Online-Händler nicht leisten können.
Wer es lokal und handwerklich mag, wird in den Außenbezirken fündig: In Schwabing kombiniert das Familienunternehmen Goldschmiede Meier seit drei Generationen eigenen Schmuckentwurf mit dem Handel von Anlagegold. Hier zählt nicht der schnelle Verkauf, sondern die langfristige Kundenbindung – ein Konzept, das in Zeiten flüchtiger Online-Transaktionen wieder an Bedeutung gewinnt.
Pro Aurum setzt auf Online-Handel und weniger Standorte
Der Münchner Edelmetallhändler Pro Aurum passt seine Strategie an die veränderten Einkaufsgewohnheiten an. Während das Unternehmen vor 25 Jahren noch auf eine starke Präsenz in der Innenstadt mit mehreren Filialen setzte, konzentriert es sich nun zunehmend auf den Online-Handel. Branchenanalysen zeigen, dass über 60 Prozent der Edelmetallkäufe in Deutschland mittlerweile digital abgewickelt werden – eine Entwicklung, die Pro Aurum mit der Schließung der dritten Filiale in der Maximiliansstraße nachvollzieht.
Die Entscheidung fällt nicht leicht. Die betroffene Filiale am Promenadeplatz gehörte seit Jahrzehnten zum Stadtbild und zog sowohl Anleger als auch Touristen an. Doch die Mietkosten in der Münchner Innenstadt steigen kontinuierlich, während die Kundenfrequenz in stationären Geschäften rückläufig ist. Statt in teure Standorte zu investieren, setzt das Unternehmen auf eine optimierte digitale Plattform, die rund um die Uhr verfügbar ist und niedrigere Betriebskosten verursacht.
Experten aus dem Edelmetallsektor bestätigen den Trend: Der Online-Handel bietet nicht nur mehr Flexibilität, sondern auch transparente Preisvergleiche und schnelle Abwicklungsmöglichkeiten. Pro Aurum reagiert damit auf eine Nachfrage, die sich längst von klassischen Ladengeschäften hin zu mobilen Lösungen verlagert hat. Die verbleibenden Filialen in München werden jedoch weiterbetrieben – allerdings mit einem stärkeren Fokus auf Beratungsleistungen für Großkunden und Sammler.
Langfristig könnte diese Neuausrichtung sogar Vorteile bringen. Durch die Reduzierung physischer Standorte lassen sich Ressourcen bündeln, um Servicequalität und Produktangebot im Online-Bereich auszubauen. Ob sich der Schritt für Pro Aurum auszahlt, wird sich zeigen – fest steht, dass der Edelmetallmarkt sich wandelt, und wer nicht mitzieht, riskiert den Anschluss zu verlieren.
Mit dem Schließen der dritten Innenstadt-Filiale nach einem Vierteljahrhundert markiert Pro Aurum München das Ende einer Ära – und zeigt zugleich, wie sehr sich der Schmuckhandel zwischen digitalem Wandel, veränderten Konsumgewohnheiten und steigenden Mieten neu erfinden muss. Die Entscheidung unterstreicht, dass selbst etablierte Marken mit traditionellem Kundenstamm nicht mehr automatisch auf Standorte in Premium-Lagen setzen können, wenn die Wirtschaftlichkeit fehlt.
Wer in München weiterhin auf persönliche Beratung und hochwertigen Schmuck Wert legt, findet die verbliebenen Standorte in der Kaufingerstraße und am Marienplatz – doch ein Blick in den Online-Shop oder zu lokalen Juwelieren mit flexibleren Kostenstrukturen könnte sich langfristig lohnen. Die Entwicklung bei Pro Aurum ist kein Einzelfall, sondern ein klares Signal dafür, dass der stationäre Einzelhandel in den kommenden Jahren noch radikaler zwischen Erlebnisorientierung und Effizienz abwägen muss.

