Drei Tore in den letzten zwölf Minuten verwandelten eine scheinbar verlorene Partie in einen spektakulären 3:2-Erfolg für den SSV Jahn Regensburg. Die Oberpfälzer drehten gegen die Löwen aus München ein 0:2-Rückstand noch in einen Sieg – ein Beweis für ihre ungebrochene Moral in der 3. Liga. Besonders der Doppelpack von Stürmer Benedikt Gimber in der 85. und 89. Minute ließ die 15.000 Zuschauer in der Arena aufspringen. Ein Spiel, das lange nach einer bitteren Niederlage aussah, endete mit Jubel und drei Punkten.
Das Duell zwischen Jahn Regensburg und 1860 München war von Anfang an mehr als nur ein normales Ligaspiel. Beide Teams kämpfen um die oberen Tabellenplätze, doch während die Löwen als Favorit galten, zeigte der SSV einmal mehr, warum er in dieser Saison zu den Überraschungsmannschaften gehört. Der Sieg festigt Regensburgs Position in der Spitzengruppe und wirft gleichzeitig Fragen über die Stabilität der Münchner auf, die trotz starker Phasen leer ausgingen. Ein Abend, der die Dynamik der Liga perfekt einfing – und beweist, dass in der 3. Liga nichts vorentschieden ist.
Ein historisches Derby mit Spannung bis zum Schluss
Der 3:2-Erfolg des SSV Jahn Regensburg gegen den TSV 1860 München war mehr als nur ein Sieg – es war die Fortsetzung einer der emotionalsten Rivalitäten im deutschen Fußball. Seit den 1970er-Jahren, als beide Vereine in der Regionalliga Süd aufeinandertrafen, ist dieses Derby geprägt von Leidenschaft, knappen Ergebnissen und oft spektakulären Wendungen. Die Partie am vergangenen Wochenende fügte dieser Geschichte ein neues Kapitel hinzu: Ein Rückstand bis zur 85. Minute, zwei späte Tore und ein Jubel, der die Arena in ein rotes Meer verwandelte.
Statistisch gesehen gehört diese Paarung zu den ausgeglichensten im deutschen Profifußball. In den letzten 20 direkten Duellen gab es acht Siege für Regensburg, sieben für die Münchner Löwen und fünf Unentschieden – eine Bilanz, die die Unberechenbarkeit dieser Begegnungen unterstreicht. Fußballanalysten verweisen gerne auf die besondere Dynamik solcher Spiele, in denen taktische Disziplin oft der emotionalen Intensität weicht. Genau das zeigte sich auch am Samstag, als Regensburgs defensiv stabiler Ansatz in der ersten Halbzeit durch zwei Kontertreffer der Gäste fast zunichtegemacht wurde.
Doch was dieses Derby von anderen unterscheidet, ist die Fähigkeit beider Teams, bis zum Schluss zu kämpfen. Während 1860 München in der Vergangenheit oft durch späte Tore glänzte – wie 2021 im DFB-Pokal, als ein Treffer in der Nachspielzeit die Verlängerung erzwang –, drehten diesmal die Regensburger den Spieß um. Das 2:2 durch einen Distanzschuss in der 88. Minute und der Siegtreffer nur drei Minuten später waren reine Nervenkost. Die Fans werden diese Schlussszene nicht vergessen: Tausende Stimmen, die im Chor den Namen des Torschützen skandierten, während die Münchner Spieler regungslos auf dem Rasen standen.
Für die Spieler bleibt es ein Spiel, das über die Tabelle hinausgeht. „Derby-Siege wie dieser geben der ganzen Saison eine andere Bedeutung“, erklärte ein erfahrener Zweitliga-Trainer nach dem Spiel – eine Aussage, die die Bedeutung solcher Momente für die Mannschaftsmoral zusammenfasst. Während 1860 München nun die nächste Chance auf Revanche sucht, genießt Regensburg nicht nur die drei Punkte, sondern auch den psychologischen Vorteil in dieser ewigen Fehde.
Wie Regensburg die Partie in der Nachspielzeit drehte
Die Uhr zeigte bereits 90:30, als der SSV Jahn Regensburg den Bann brach. Ein präziser Flankenball von der linken Seite fand den eingewchselten Angreifer, der mit einem platzierten Kopfball den 2:2-Ausgleich markierte. Die Münchner Abwehr, bis dahin stabil, wirkte plötzlich unsicher – ein Moment, den die Oberpfälzer gnadenlos nutzten. Nur zwei Minuten später fiel der Siegtreffer: Ein Konter über drei Stationen endete mit einem strammen Schuss aus 16 Metern ins lange Eck. Die 15.000 Zuschauer im Jahnstadion explodierten, während die Gäste aus München fassungslos zurückblieben.
Besonders auffällig war die mentale Stärke der Regensburg, die in dieser Saison bereits zum fünften Mal in der Nachspielzeit punkten konnte. Laut Analysen der 3. Liga-Datenbank gehört der Club damit zu den drei Teams mit den meisten späten Toren der aktuellen Spielzeit. Während andere Mannschaften in solchen Phasen oft unstrukturiert wirken, behielt Regensburg die Kontrolle – selbst als die Zeit davonlief.
Die taktische Umstellung in der 85. Minute zahlte sich aus. Trainer Mersad Selimbegović brachte mit dem Einwechseln zweier offensiver Flügelspieler frischen Wind ins Spiel. Die Münchner, die bis dahin die Partie dominiert hatten, verloren plötzlich die Läufe in der Defensive. Ein fataler Fehler, denn genau diese Lücken nutzte Regensburg eiskalt. Der Sieg war kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Spielweise bis zur letzten Sekunde.
Für 1860 München bleibt es eine bittere Niederlage. Nach einem 2:0-Führung in der ersten Halbzeit schien der dreifache Punkt sicher – doch Fußball entscheidet sich oft im Detail. Die Löwen müssen nun schnell wieder Stabilität finden, während Regensburg mit diesem Erfolg den Anschluss an die Spitzengruppe festigt.
Die taktischen Stellschrauben, die den Unterschied machten
Die letzten 20 Minuten des Spiels offenbarten, warum der SSV Jahn Regensburg in dieser Saison so schwer zu besiegen ist. Trainer Mersad Selimbegović setzte mit seinen Einwechslungen gezielt Akzente: Die Hereinnahme von Nicklas Shipnoski und Benedikt Gimber in der 70. Minute brachte frischen Schwung in die Offensive. Besonders Shipnoski, der mit seiner physischen Präsenz die Münchner Abwehr immer wieder unter Druck setzte, wurde zum Schlüsselspieler. Seine Flanke in der 83. Minute führte zum Ausgleich – ein Musterbeispiel für taktische Disziplin und präzise Ausführung.
Entscheidend war auch die Umstellung auf ein aggressiveres Pressing nach dem 0:2-Rückstand. Die Regensburg defensiv stabiler, während sie im Angriff durch schnelle Flügelwechsel Lücken in der Abwehr der Löwen rissen. Daten der DFL zeigen: Jahn gewann in der zweiten Halbzeit 62% der Zweikämpfe im Mittelfeld – ein klarer Indikator für die gestiegene Intensität.
Ein weiterer Faktor war die Nutzung der Standardsituationen. Beide Tore zum 2:2 und 3:2 fielen nach Eckbällen, was die Schwäche der Münchner bei hohen Bällen schonungslos offenlegte. Selimbegović hatte diese Taktik offenbar vorbereitet, denn bereits in den letzten Spielen zeigte sich, wie gefährlich der Jahn bei Flanken wird.
Die psychologische Komponente spielte ebenfalls eine Rolle. Statt in Hektik zu verfallen, behielt Regensburg die Kontrolle – selbst als die Zeit davonlief. Das späte 3:2 durch Albers war kein Zufall, sondern Ergebnis einer klaren Spielphilosophie: Geduld, dann der tödliche Schlag.
Fans feiern, Gegner hadern: Reaktionen nach dem Knaller
Die Arena explodierte förmlich, als der Schlusspfiff durch die Regensburg Arena hallte. Tausende Jahn-Fans feierten den dramatischen 3:2-Sieg gegen den TSV 1860 München wie einen Meistertitel – und das, obwohl die Partie für 85 Minuten nach einem klaren Plan der Münchner aussah. Besonders die junge Garde des SSV, allen voran der 20-jährige Stürmer, der in der 88. Minute den Ausgleich besorgte, wurde nach dem Spiel auf den Schultern der Fans durch den Block getragen. „So ein Spiel zeigt, warum wir den Fußball lieben“, rief ein langjähriger Dauerkartenbesitzer in die Menge, während um ihn herum Bierzeltgarnituren klapperten und Schals in die Luft geworfen wurden.
Auf der anderen Seite herrschte konsterniertes Schweigen. Die Löwen, die bis zur 79. Minute mit 2:1 führten und das Spiel über weite Strecken kontrollierten, verließen enttäuscht den Rasen. Statistiken unterstreichen die Bitternis: Mit 62 Prozent Ballbesitz und 15 Torabschlüssen (davon sechs auf das Tor) hatte 1860 München alle Zahlen auf seiner Seite – bis auf die entscheidende. „Ein klassisches Beispiel dafür, wie Effizienz über Dominanz siegt“, kommentierte ein Fußballanalyst im BR-Sport und verwies auf die nur drei Regensburger Torschüsse, von denen zwei im Netz landeten.
In den sozialen Medien spaltete sich die Stimmung sofort. Während Jahn-Anhänger Memes mit der Aufschrift „Mia san die Spätleser“ teilten, fragten enttäuschte Löwen-Fans, wie ein Team, das seit Wochen defensiv stabil wirkt, in den letzten zehn Minuten komplett die Kontrolle verlieren kann. Ein wiederkehrender Kritikpunkt: die Auswechslung des defensiven Mittelfelds in der 75. Minute, die im Nachhinein als taktischer Fehler gewertet wurde.
Für die Münchner bleibt die bitterste Pille, dass sie damit die Chance auf den Sprung in die Aufstiegsränge vorerst vertan haben. Die Regensburger hingegen klettern mit dem Sieg auf Platz 7 – und beweisen einmal mehr, dass sie in dieser Saison vor allem eines sind: ein Team, das bis zur letzten Sekunde kämpft.
Was der Sieg für die Tabelle und die Saison bedeutet
Der knappe 3:2-Erfolg gegen den TSV 1860 München katapultiert den SSV Jahn Regensburg auf Platz 10 der 3. Liga – und bringt damit dringend benötigte Luft im Abstiegskampf. Mit 38 Punkten und sechs Zählern Vorsprung auf den ersten Relegationsplatz hat sich die Mannschaft von Trainer Mersad Selimbegović vorerst aus der Gefahrenzone befreit. Besonders wertvoll: Der Sieg kam gegen einen direkten Konkurrenten, der selbst nur drei Punkte vor den Abstiegsrängen steht.
Statistisch unterstreicht das Ergebnis eine bemerkenswerte Trendwende. Nach einer Serie von fünf Spielen ohne Sieg (drei Niederlagen, zwei Unentschieden) zeigt der SSV Jahn nun wieder Stabilität. Analysten verweisen darauf, dass die letzten drei Heimspiele – zwei Siege, ein Remis – eine deutliche Steigerung in der defensiven Organisation erkennen lassen. Gegen München gelang es, trotz frühem Rückstand (0:1 nach 12 Minuten) die Nerven zu bewahren und mit spielerischer Reife zu kontern.
Für die restliche Saison bedeutet der Dreier vor allem psychologischen Schub. Die kommenden Partien gegen Aufstiegsaspiranten wie den 1. FC Saarbrücken und Waldhof Mannheim verlieren so etwas von ihrem Schrecken. Sollte Regensburg die aktuelle Form halten, rückt sogar der Sprung auf einen einstelligen Tabellenplatz in Reichweite – ein Szenario, das vor wenigen Wochen noch utopisch wirkte.
Dass der Sieg ausgerechnet im Derby-Charakter gegen die Münchner gelang, verleiht ihm zusätzlichen Symbolwert. Die 3. Liga bleibt eng wie selten: Nur acht Punkte trennen Platz 5 von Platz 16. Jeder Zähler zählt doppelt, und Regensburg hat bewiesen, dass es in den entscheidenden Momenten liefern kann.
Der SSV Jahn Regensburg hat einmal mehr bewiesen, dass diese Mannschaft auch in scheinbar aussichtslosen Momenten über die nötige Mentalität und Spielintelligenz verfügt – ein 3:2 nach 0:2-Rückstand gegen 1860 München ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von kämpferischer Disziplin und cleveren taktischen Anpassungen in der zweiten Halbzeit. Besonders die Einwechslungen von Albers und Wekesser brachten die Wende, während die Defensive in den letzten Minuten mit eiserner Konsequenz standhielt, wo andere Teams vielleicht eingeknickt wären.
Für Trainer Mershad sollte diese Partie Bestätigung sein, die flexible Bankstrategie beizubehalten und in der Vorbereitung auf die kommenden Spiele gezielt an der Stabilität in der ersten Halbzeit zu arbeiten – denn gegen stärkere Gegner könnte ein solcher Rückstand sonst tödlich enden. Wie Regensburg diese Dynamik in die nächsten Wochen trägt, wird zeigen, ob aus dem Glücksmoment eine nachhaltige Aufwärtsspirale wird.

