Bis Ende 2024 verschwindet Rossmann aus drei Münchner Stadtteilen. Die Drogeriekette zieht sich aus Schwabing-West, Neuhausen und der Maxvorstadt zurück – Standorte, die teilweise seit Jahrzehnten zum Straßenbild gehörten. Die Schließungen betreffen nicht nur die rund 40 Beschäftigten vor Ort, sondern markieren auch einen sichtbaren Rückzug des Unternehmens aus der bayerischen Landeshauptstadt. Während andere Filialen in München vorerst weiterlaufen, wirft die Entscheidung Fragen nach der Zukunft der innerstädtischen Einzelhandelsflächen auf.
Für Kunden in München bedeutet das: Weniger Optionen für den schnellen Einkauf von Drogerieartikeln, besonders in Wohnvierteln mit ohnehin knapper Ladeninfrastruktur. Rossmann München hatte sich lange als zuverlässiger Anbieter für Kosmetik, Haushaltswaren und Apothekenbedarf etabliert – doch die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie sehr sich das Filialnetz auch in Großstädten unter Druck verändert. Betroffene Anwohner müssen sich nun nach Alternativen umsehen oder längere Wege in Kauf nehmen, während die Konkurrenz um die verbleibenden Standorte wahrscheinlich zunehmen wird.
Standorte in München vor dem Aus
Drei Rossmann-Filialen in München müssen bis Ende 2024 ihre Türen schließen – ein herber Verlust für die betroffenen Stadtteile. Besonders hart trifft es die Standorte in der Landsberger Straße 389 (Nymphenburger Vorstadt), der Rosenheimer Straße 145 (Haidhausen) und der Dom-Pedro-Straße 18 (Schwabing-West). Alle drei Läden liegen in dicht besiedelten Vierteln, wo sie seit Jahren als Nahversorger für Drogerieartikel, Kosmetik und Apothekenbedarf fungierten. Die Schließungen folgen einer internen Standortanalyse, die laut Unternehmensangaben „wirtschaftliche Gesichtspunkte“ und „veränderte Kundenströme“ als Hauptgründe nennt.
Die Filiale in der Dom-Pedro-Straße zählt zu den überraschendsten Fällen. Obwohl der Standort in den letzten fünf Jahren noch Umsatzsteigerungen verzeichnete, reicht die Rentabilität offenkundig nicht mehr aus. Branchenkenner verweisen auf den zunehmenden Druck durch Online-Händler wie DM oder Shop-Apotheken, die mit aggressiven Preisen und Lieferdiensten stationäre Läden in Ballungsräumen verdrängen. Eine Studie des Handelsforschungsinstituts Köln (HFK) aus dem Jahr 2023 zeigt: Fast 40 % der Drogerieumsätze in Großstädten werden mittlerweile digital abgewickelt – Tendenz steigend.
Für die Mitarbeiter der betroffenen Filialen bedeutet die Schließung Unsicherheit. Rossmann versicherte zwar, „soziale Verantwortung“ zu übernehmen und Versetzungsmöglichkeiten in andere Münchner Standorte zu prüfen. Doch mit über 15 Angestellten pro Filiale wird die Umverteilung keine einfache Aufgabe. Gewerkschaften wie ver.di kritisieren bereits, dass solche Entscheidungen oft zu kurzfristig kommuniziert würden, um faire Lösungen zu ermöglichen.
Kunden reagieren verärgert – besonders in der Rosenheimer Straße, wo die Filiale als einer der letzten Drogeriemärkte im Umkreis von 500 Metern galt. Anwohner befürchten nun längere Wege oder den kompletten Wegfall der Versorgung, sollte kein Nachmieter gefunden werden. Die Stadt München hat bisher keine Stellung genommen, ob sie leerstehende Ladenflächen gezielt für Nahversorger fördern wird.
Betroffene Stadtteile und Schließungstermine
Die Schließungswelle bei Rossmann trifft München besonders hart in drei Stadtteilen, die bisher als stabil galten. Betroffen sind die Filialen in Neuhausen (Nymphenburger Straße 156), Schwabing (Leopoldstraße 130) und Ramersdorf (Rosenheimer Straße 144). Während die Standorte in Neuhausen und Schwabing bereits zum 30. September 2024 ihre Türen schließen, hält die Filiale in Ramersdorf noch bis 15. Dezember 2024 durch. Die Unterschiede bei den Schließungsterminen deuten auf vertragliche Laufzeiten hin, die Rossmann laut Branchenkenner nicht vorzeitig kündigen konnte.
Neuhausen verliert damit eine der letzten Drogeriemärkte in der direkten Nachbarschaft der Stiglmaierplatz-Siedlung. Besonders betroffen: ältere Kunden, für die der Standort aufgrund der barrierearmen Zugangsmöglichkeiten und der Nähe zu Arztpraxen eine wichtige Anlaufstelle war. In Schwabing fällt die Filiale an der Leopoldstraße weg – ein Standort, der seit über 15 Jahren Bestand hatte und durch seine Lage zwischen Studentenwohnheimen und Familienhaushalten frequentiert wurde.
Ramersdorf steht vor einer anderen Herausforderung. Hier schließt Rossmann in einem Gebiet, das ohnehin unter Leerständen leidet: Laut Einzelhandelsbericht 2023 der Stadt München lag die Leerstandsquote in Teilen des Bezirks zuletzt bei knapp 8 % – über dem Münchner Durchschnitt. Die Schließung könnte weitere Kettenreaktionen auslösen, warnen lokale Händlerverbände. Anders als in den anderen Stadtteilen gibt es hier jedoch mit dm und Budnikowsky noch Alternativen in fußläufiger Entfernung.
Kunden der betroffenen Filialen erhalten seit Anfang Juli schriftliche Hinweise auf die nächstgelegenen Rossmann-Standorte. Für Neuhausen wird die Filiale in der Landsberger Straße 380 empfohlen, Schwabinger müssen künftig in die Schellingstraße 3 ausweichen. Ob die Empfehlungen die Lücken schließen können, bleibt fraglich – besonders für diejenigen, die auf kurze Wege angewiesen sind.
Alternativen für Kunden der geschlossenen Filialen
Mit der Schließung der drei Rossmann-Filialen in München—Neuhausen, Moosach und Schwabing—müssen sich rund 12.000 Stammkunden nach Alternativen umsehen. Besonders betroffen sind ältere Bewohner und Familien, die auf die kurze Wege zu den Drogerieartikeln angewiesen waren. Eine aktuelle Studie des Handelsforschungsinstituts Köln zeigt, dass 68 Prozent der Drogeriekunden in Großstädten eine Filiale innerhalb von 500 Metern bevorzugen. Für viele Münchner bedeutet das nun längere Anfahrtswege oder den Wechsel zu anderen Anbietern.
Die nächstgelegenen Rossmann-Standorte bleiben die Filialen an der Landsberger Straße (Nähe Hauptbahnhof) und in der Leopoldstraße (Schwabing-Nord). Beide sind jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln mindestens 15 Minuten entfernt—für Fußgänger oder Radfahrer kann sich die Distanz auf über drei Kilometer summieren. Wer nicht auf die Marke Rossmann verzichten will, kann stattdessen die Online-Bestellung mit Lieferung am selben Tag nutzen. Der Service ist in München seit 2023 ausgebaut worden und deckt mittlerweile 90 Prozent der Stadtteile ab.
Konkurrenten wie dm oder Müller profitieren bereits von der Situation. Allein im Umkreis der geschlossenen Filialen haben dm-Standorte in den letzten Wochen vermehrt Neukunden verzeichnet. Besonders die Filiale am Rotkreuzplatz in Neuhausen meldet ein Plus von 20 Prozent bei den wöchentlichen Kundenfrequenzen. Auch Discounter wie Aldi oder Lidl erweitern ihr Sortiment an Drogerieartikeln und könnten für preisbewusste Käufer eine Option sein.
Für diejenigen, die Wert auf Beratung legen, bieten Apotheken mit erweiterten Drogerieabteilungen eine Alternative—wenn auch zu höheren Preisen. In Moosach kooperiert die St. Martin-Apotheke bereits mit lokalen Initiativen, um ältere Kunden durch kostenlose Lieferdienste zu unterstützen. Langfristig könnte die Schließung der Rossmann-Filialen sogar neue, kleinere Drogeriekonzepte in den Stadtteilen fördern, so die Einschätzung von Branchenexperten.
Stellungnahme der Rossmann-Geschäftsführung
Die Rossmann-Geschäftsführung begründet die Schließung von drei Münchner Filialen bis Ende 2024 mit einer „strategischen Neuausrichtung“ des Standortnetzes. Laut Unternehmensangaben flossen in die Entscheidung umfassende Analysen zu Kundenfrequenzen, Umsatzentwicklungen und Mietkosten ein. Besonders betroffen sind Standorte in Randbezirken, deren Wirtschaftlichkeit seit Jahren unter dem Branchendurchschnitt liegt. Eine interne Studie des Handelsforschungsinstituts Köln (IFH) aus dem Vorjahr bestätigt diesen Trend: Rund 15 Prozent der Drogeriemärkte in deutschen Großstädten erzielen seit 2020 rückläufige Umsätze pro Quadratmeter – München bildet hier keine Ausnahme.
Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass die Maßnahmen nicht pauschal auf Kostensenkung abzielen. Vielmehr solle die Konzentration auf „leistungsstarke Kernstandorte“ die Wettbewerbsfähigkeit in der Region langfristig sichern. Als Beispiel nennt die Geschäftsführung die Filiale am Marienplatz, deren Modernisierung 2023 zu einem Umsatzplus von 22 Prozent führte.
Kritik an der sozialen Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden und Kunden weist Rossmann zurück. Alle betroffenen Beschäftigten erhielten Angebote für Versetzungen in nahegelegene Filialen oder Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung. Für Stammkunden in den betroffenen Stadtteilen plant das Unternehmen Kooperationen mit lokalen Partnern, um die Versorgung mit Apotheken- und Pflegeprodukten sicherzustellen – Details sollen bis Herbst 2024 bekannt gegeben werden.
Die Entscheidung fällt in eine Phase zunehmender Konsolidierung im deutschen Drogerieeinzelhandel. Während Discounter wie dm und Müller ihre Filialnetze ausbauen, setzen andere Ketten auf Selektion. Rossmann selbst hatte 2023 bundesweit 12 Standorte geschlossen, gleichzeitig aber 18 neue eröffnet – ein Indiz für die umsichtige Balance zwischen Wachstum und Effizienz.
Drohnen weitere Filialschließungen in Bayern?
Die Schließungswelle bei Rossmann in München wirft Fragen auf, ob weitere Standorte in Bayern folgen könnten. Branchenkenner verweisen auf einen anhaltenden Konsolidierungsdruck im Drogeriemarkt, der besonders kleinere Filialen mit geringen Umsätzen trifft. Laut einer aktuellen Studie des Handelsforschungsinstituts EHI könnten bis 2026 bundesweit bis zu 1.200 Drogeriefilialen schließen – davon wäre Bayern als flächenmäßig größtes Bundesland überproportional betroffen.
Besonders betroffen sind Innenstadtlagen mit hohen Mietkosten und sinkender Kundenfrequenz. In München etwa lag die Fußgängerzahl in einigen Einkaufsstraßen 2023 um bis zu 15 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Rossmann reagiert damit auf veränderte Einkaufsgewohnheiten: Immer mehr Kunden bestellen Basics wie Shampoo oder Windeln online, während stationäre Läden zunehmend als „Erlebnisorte“ für Beratung oder Sofortbedarf genutzt werden.
Ob weitere bayerische Städte wie Nürnberg, Augsburg oder Regensburg von Filialschließungen betroffen sein werden, hängt auch von den lokalen Mietverträgen ab. Viele Verträge laufen in den nächsten zwei Jahren aus – eine Gelegenheit für Händler, unwirtschaftliche Standorte aufzugeben. Die Stadt München selbst zeigt sich gelassen: Ein Sprecher des Wirtschaftsreferats betonte, dass Leerstände meist schnell durch andere Einzelhändler oder Gastronomiebetriebe nachgenutzt würden.
Für Verbraucher könnte das schrumpfende Filialnetz jedoch spürbare Folgen haben. In ländlichen Regionen Bayerns, wo Rossmann oft einer der wenigen Drogerieanbieter ist, sind die nächsten Alternativen mitunter 20 Kilometer entfernt. Hier setzt der Händler zunehmend auf größere „Flagship-Stores“ in zentraleren Lagen – eine Strategie, die langfristig die Filialdichte weiter verringern dürfte.
Die Schließung von drei Rossmann-Filialen in München bis Ende 2024 markiert einen spürbaren Rückzug der Drogeriekette aus der bayerischen Landeshauptstadt – ein Schritt, der vor allem Stammkunden in den betroffenen Vierteln Schwabing, Neuhausen und Moosach vor neue Herausforderungen stellt. Während das Unternehmen auf veränderte Marktbedingungen und sinkende Frequenzen verweist, zeigt sich einmal mehr, wie stark sich das Einzelhandelsgefüge in Großstädten unter Druck wandelt, besonders in Zeiten steigender Mieten und veränderter Kaufgewohnheiten.
Wer bisher auf die betroffenen Standorte angewiesen war, sollte frühzeitig Alternativen prüfen: Neben anderen Rossmann- oder DM-Filialen in der Nähe lohnt sich ein Blick auf Online-Bestellungen mit Lieferoptionen oder Abholung in Partnergeschäften, um Engpässe bei Medikamenten, Kosmetik oder Haushaltsartikeln zu vermeiden.
Langfristig bleibt abzuwarten, ob die Lücken durch neue Konzepte gefüllt werden – oder ob München hier ein weiteres Beispiel für den schleichenden Rückzug klassischer Ladengeschäfte wird.

