Ab Oktober fällt bei der S-Bahn München jede zehnte Verbindung aus. 12 Strecken werden gestrichen, weil das Unternehmen händeringend nach Lokführern sucht. Betroffen sind vor allem die Linien S1, S2, S3 und S4 – genau die, auf denen täglich Zehntausende Pendler zwischen Stadt und Umland unterwegs sind. Die Kürzungen treffen nicht nur Berufstätige, sondern auch Schüler, Auszubildende und alle, die auf den Taktverkehr angewiesen sind.
Die S-Bahn München rechtfertigt die Maßnahme mit einem chronischen Personalmangel, der sich trotz Rekrutierungskampagnen nicht kurzfristig beheben lässt. Für Fahrgäste bedeutet das: längere Wartezeiten, überfüllte Züge und mehr Stress im Alltag. Besonders ärgerlich für alle, die seit Jahren auf Versprechungen zur Verbesserung des S-Bahn-Netzes vertrauen. Statt Expansion gibt es nun Einschränkungen – und die Frage, wie lange die verbleibenden Verbindungen zuverlässig rollen.
Warum die S-Bahn München jetzt kürzt
Der Fahrplan der Münchner S-Bahn wird ab Oktober spürbar ausgedünnt – zwölf Verbindungen fallen komplett weg. Grund ist ein akuter Personalmangel, der die Deutsche Bahn seit Monaten in die Enge treibt. Besonders betroffen sind die Linien S2 und S4, wo während der Stoßzeiten nun längere Wartezeiten drohen. Die Bahn begründet die Kürzungen mit fehlenden Lokführern: Allein im bayerischen Netz fehlen aktuell über 100 qualifizierte Kräfte, Tendenz steigend.
Experten der Verkehrsverbünde warnen vor Dominoeffekten. Weniger Züge bedeuten nicht nur Unannehmlichkeiten für Pendler, sondern könnten auch das gesamte Nahverkehrssystem destabilisieren. Studien des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zeigen, dass bereits eine Reduzierung von 5 % der Verbindungen zu einer Überlastung der verbleibenden Züge um bis zu 20 % führt – mit entsprechenden Folgen für Pünktlichkeit und Komfort.
Die S-Bahn München versucht, die Lücken durch Umdisponierung zu füllen. Doch selbst mit Überstunden und Leihkräften aus anderen Regionen lässt sich der Engpass nicht vollständig ausgleichen. Kritiker bemängeln, dass die Bahn zu spät auf die demografische Entwicklung reagiert hat: Viele Lokführer gehen in Rente, während die Ausbildung neuer Kräfte Jahre dauert.
Für Fahrgäste heißt das vorerst: Umsteigen, Geduld oder Alternativen suchen. Die MVG hat bereits angekündigt, ihr Bus- und Tramangebot in den betroffenen Korridoren zu verstärken. Ob das reicht, bleibt abzuwarten.
Diese 12 Strecken fallen ab Oktober weg
Ab Oktober wird das S-Bahn-Netz in München spürbar ausgedünnt. Zwölf Verbindungen fallen komplett weg, darunter die S20 zwischen Höllriegelskreuth und Deisenhofen sowie die S27 von Deisenhofen nach Altomünster. Betroffen sind vor allem Pendler in den Außenbezirken, die künftig auf Ersatzverkehr oder Umstiege angewiesen sein werden. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) begründet die Streichungen mit einem akuten Personalmangel – aktuell fehlen rund 150 Triebwagenführer, um den regulären Fahrplan aufrechtzuerhalten.
Besonders hart trifft es die Strecke S4 zwischen Ebersberg und Geltendorf. Hier entfallen nicht nur einzelne Fahrten, sondern die gesamte Linie wird zwischen 9 und 15 Uhr eingestellt. Fahrgastverbände kritisieren, dass damit ganze Regionen von der Anbindung an die Landeshauptstadt abgeschnitten werden. Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) nutzen täglich über 8.000 Pendler diese Verbindung – sie müssen sich nun nach Alternativen umsehen.
Auch die S6 zwischen Tutzing und Wolfratshausen verliert ab Oktober ihre Direktverbindungen. Stattdessen müssen Reisende in Starnberg umsteigen, was die Fahrzeit um bis zu 20 Minuten verlängert. Die MVG wirbt für den Ausbau des Regionalbusnetzes als Ausweichmöglichkeit, doch Experten zweifeln an der Kapazität: Busse seien kein gleichwertiger Ersatz für die S-Bahn, besonders nicht zu Stoßzeiten.
Kleinere Strecken wie die S3 zwischen Mammendorf und Maisach oder die S8 nach Herrsching werden ebenfalls reduziert. Hier fallen vor allem die späten Abends- und frühen Morgenverbindungen weg, was Schichtarbeiter und Nachtpendler besonders belastet. Die Stadt München prüft derzeit, ob zusätzliche Nachtbusse eingerichtet werden können – eine Lösung, die aber frühestens 2025 greifen würde.
So betrifft der Fahrplanwechsel Pendler im Alltag
Für Tausende Münchner Pendler wird der Alltag ab Oktober umständlicher. Die Streichung von zwölf S-Bahn-Verbindungen zwingt viele, ihre täglichen Routinen umzustellen – besonders in den Stoßzeiten. Wer bisher pünktlich zur Arbeit kam, muss nun mit längeren Wartezeiten oder Umstiegen rechnen. Betroffen sind vor allem die Linien S1, S2, S3 und S4, die zu den meistgenutzten Strecken im Netz gehören. Verkehrsexperten warnen bereits vor überfüllten Zügen in den Hauptverkehrszeiten, da die verbleibenden Verbindungen die wegfallenden Kapazitäten kaum auffangen können.
Besonders hart trifft es Berufstätige aus dem Umland. Wer etwa aus Freising oder Dachau anreist, verliert direkte Anbindungen an den Hauptbahnhof und muss stattdessen auf Regionalzüge oder Busse ausweichen. Laut einer aktuellen Erhebung des Verkehrsverbunds München nutzen rund 60 Prozent der S-Bahn-Fahrgäste die gestrichenen Verbindungen regelmäßig. Für sie bedeutet der Fahrplanwechsel nicht nur mehr Stress, sondern auch höhere Kosten, falls sie auf teurere Alternativen wie Taxis oder Carsharing ausweichen müssen.
Auch Schüler und Studierende spüren die Auswirkungen. Viele Bildungseinrichtungen liegen an den betroffenen Strecken, sodass Verspätungen oder längere Fahrten an der Tagesordnung sein werden. Besonders kritisch wird es an Tagen mit schlechter Wetterlage, wenn sich Verzögerungen durch den ohnehin reduzierten Takt noch verschärfen.
Die MVG rät betroffenen Fahrgästen, sich frühzeitig über die neuen Fahrpläne zu informieren und gegebenenfalls flexible Arbeitszeiten mit dem Arbeitgeber abzusprechen. Doch selbst mit guter Planung bleibt ein bitterer Beigeschmack: Der Personalmangel bei der S-Bahn zeigt hier seine direkten Konsequenzen – nicht in abstrakten Zahlen, sondern im täglichen Ärger der Pendler.
Alternativen: Busse, U-Bahnen und Fahrgemeinschaften
Wer ab Oktober auf gestrichene S-Bahn-Verbindungen in München angewiesen ist, findet im Nahverkehrsnetz noch Alternativen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) betreibt ein dichtes Netz aus U-Bahnen, das viele der betroffenen Strecken parallel bedient. So ersetzen etwa die Linien U1 und U2 auf Teilen der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Ostbahnhof die entfallenden S-Bahn-Verbindungen. Auch die U3 und U6 bieten Umsteigeverbindungen zu Zielen wie Pasing oder Neuperlach, wo Reisende auf Regionalzüge ausweichen können.
Für Pendler aus dem Umland könnten Fahrgemeinschaften eine praktische Lösung sein. Plattformen wie BlaBlaCar oder lokale Initiativen verzeichnen seit Bekanntgabe der Streichungen erhöhte Nachfrage. Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) aus dem Jahr 2023 nutzen bereits 18 Prozent der Berufspendler in Bayern regelmäßig Mitfahrgelegenheiten – Tendenz steigend. Besonders auf stark frequentierten Strecken wie München–Freising oder München–Dachau lassen sich so Leerfahrten reduzieren und Kosten teilen.
Busse springen ebenfalls in die Lücke. Die MVG hat angekündigt, auf ausgewählten Achsen wie der Linie 50 zwischen Laim und Moosach die Taktdichte zu erhöhen. Zudem bieten Regionalbusse der DB und privater Anbieter direkte Verbindungen in Gebiete, die von den S-Bahn-Ausfällen betroffen sind. Allerdings warnen Verkehrsexperten vor Engpässen zur Stoßzeit: Ohne zusätzliche Kapazitäten könnten sich Verspätungen häufen.
Langfristig bleibt die Situation für viele Fahrgäste unkomfortabel. Während U-Bahnen und Busse innerstädtische Ziele oft abdecken, fehlen für Vororte wie Tutzing oder Wolfratshausen attraktive Alternativen. Hier könnte der Ausbau von Radschnellwegen – etwa entlang der Isar – eine Ergänzung bieten, sofern die Infrastruktur schnell genug nachzieht.
Langfristige Lösungen gegen den Personalnotstand
Der chronische Personalmangel bei der S-Bahn München erfordert mehr als kurzfristige Fahrplananpassungen. Verkehrsexperten betonen seit Jahren, dass strukturelle Reformen nötig sind, um den Betrieb langfristig zu stabilisieren. Ein zentraler Hebel liegt in der Attraktivitätssteigerung des Berufsbilds „Triebwagenführer:in“. Aktuell scheitert die Nachwuchsgewinnung oft an den Arbeitsbedingungen: Schichtdienste, hohe Verantwortung bei gleichzeitig moderater Bezahlung im Vergleich zu anderen technischen Berufen schrecken Bewerber ab. Eine Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) aus dem Jahr 2023 zeigt, dass über 60 Prozent der Verkehrsbetriebe in Deutschland Probleme haben, qualifiziertes Personal zu halten – bei der S-Bahn München verschärft sich dies durch den wettbewerbsintensiven Münchner Arbeitsmarkt.
Konkrete Lösungsansätze liegen auf dem Tisch. Die Einführung flexiblerer Arbeitszeitmodelle, etwa durch selbstbestimmte Schichtplanung oder Teilzeitoptionen für Eltern, könnte die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern. Zudem fordern Gewerkschaften seit Langem eine deutliche Gehaltsanpassung, die die spezifischen Belastungen des Jobs widerspiegelt. Parallel dazu müsste die Ausbildungskapazität erhöht werden: Aktuell dauert die Qualifizierung zum Triebwagenführer bis zu 18 Monate – eine Verkürzung durch modularisierte Lehrgänge und digitale Schulungselemente wäre ein entscheidender Schritt.
Langfristig könnte auch die Automatisierung Teil der Lösung sein. Während ein vollständiger Verzicht auf menschliches Personal unrealistisch bleibt, könnten assistive Systeme wie ETCS (European Train Control System) die Arbeitsbelastung reduzieren und gleichzeitig die Pünktlichkeit erhöhen. In anderen europäischen Metropolen wie Kopenhagen oder Paris werden solche Technologien bereits erfolgreich eingesetzt, um Personalengpässe abzufedern. Für München wäre dies jedoch mit hohen Investitionen verbunden – und einer politischen Bereitschaft, die Digitalisierung der Infrastruktur voranzutreiben.
Ohne diese Maßnahmen droht der Personalnotstand zur Dauererscheinung zu werden. Die jüngsten Streichungen sind nur die Spitze eines Problems, das sich seit Jahren aufbaut.
Die Streichung von zwölf S-Bahn-Verbindungen in München ab Oktober macht deutlich, wie schwer der Personalmangel den Nahverkehr trifft – nicht nur als theoretisches Problem, sondern mit spürbaren Folgen für Pendler, Schüler und Berufstätige. Wer täglich auf die betroffenen Linien angewiesen ist, muss sich jetzt auf längere Wartezeiten, Umstiege oder alternative Routen einstellen, was den Alltag vieler Münchner unnötig komplizierter macht.
Betroffene sollten sich frühzeitig über Ersatzverbindungen informieren, etwa über die MVG-App oder die Website der Deutschen Bahn, und gegebenenfalls Flexibilität in ihre Tagesplanung einbauen, um Verspätungen oder Ausfälle abzufedern. Ob die S-Bahn München das Problem kurzfristig lösen kann, hängt davon ab, wie schnell neue Fahrpersonal gewonnen und ausgebildet wird – bis dahin bleibt Geduld gefragt.

