Ab Dezember wird die S-Bahn München wöchentlich 150 Verbindungen streichen – eine Maßnahme, die Pendler und Fahrgastverbände in Aufruhr versetzt. Betroffen sind vor allem die Linien S1, S2 und S8, wo Züge in den Stoßzeiten entfallen oder durch Busse ersetzt werden sollen. Die Deutsche Bahn begründet die Kürzungen mit Personalmangel und notwendigen Wartungsarbeiten, doch Kritiker sehen darin einen weiteren Beleg für die chronische Überlastung des Münchner Nahverkehrs.
Für Hunderttausende, die täglich auf die S-Bahn München angewiesen sind, kommt die Ankündigung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Kurz vor Weihnachten und inmitten der kalten Jahreszeit. Proteste formieren sich bereits, Fahrgastinitiativen kündigen Demonstrationen an. Die Frage, wie die Stadt den Wegfall von Kapazitäten kompensieren will, bleibt vorerst unbeantwortet – während die Frustration wächst.
Massive Fahrplanänderungen ab Dezember 2024
Ab Dezember 2024 wird der Fahrplan der Münchner S-Bahn radikal umgestellt – mit drastischen Kürzungen und Verschiebungen. Rund 150 Züge fallen pro Woche weg, was einer Reduzierung von etwa 12 Prozent des bisherigen Angebots entspricht. Besonders betroffen sind die Linien S1, S3 und S8, wo während der Hauptverkehrszeiten Lücken von bis zu 20 Minuten entstehen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) begründet die Änderungen mit Personalmangel und notwendigen Wartungsarbeiten an der Infrastruktur.
Fahrgastverbände kritisieren die Kürzungen als unzumutbar. Laut einer aktuellen Umfrage des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) rechnen über 60 Prozent der Pendler mit erheblichen Verspätungen im Berufsalltag. Die S-Bahn München hatte bereits im Vorjahr mit Pünktlichkeitsquoten unter 90 Prozent zu kämpfen – die neuen Streichungen könnten diese Werte weiter verschlechtern.
Nicht alle Änderungen sind negativ: Auf der S4 wird der Takt zwischen Donnersbergerbrücke und Ostbahnhof verdichtet, um Engpässe auszugleichen. Doch diese Anpassungen reichen aus Sicht von Experten nicht aus, um die massiven Ausfälle auf anderen Strecken zu kompensieren. Besonders problematisch ist die Situation für Berufspendler aus dem Umland, die auf zuverlässige Verbindungen angewiesen sind.
Die MVG kündigte an, bis Frühling 2025 zusätzliche Busse als Ersatz einzusetzen. Ob dies die Kapazitätslücken schließt, bleibt jedoch fraglich.
Warum 150 Züge pro Woche gestrichen werden
Die Münchner S-Bahn wird ab Dezember wöchentlich 150 Züge streichen – ein drastischer Schritt, der auf mehrere strukturelle Probleme zurückzuführen ist. Hauptgrund ist der anhaltende Fachkräftemangel bei Lokführern und technischem Personal. Laut einem aktuellen Bericht des Bayerischen Verkehrsverbunds (MVV) fehlen aktuell rund 120 qualifizierte Triebwagenführer, was etwa 15 Prozent des benötigten Personals entspricht. Die Lücke lässt sich kurzfristig nicht schließen, da die Ausbildung neuer Kräfte bis zu 18 Monate dauert.
Hinzu kommen verzögerte Wartungsarbeiten und Lieferengpässe bei Ersatzteilen, die die Verfügbarkeit der Züge weiter einschränken. Besonders betroffen sind ältere Baureihen, deren Instandhaltung aufgrund von Materialknappheit immer wieder verschoben werden muss. Verkehrsexperten weisen darauf hin, dass diese Kombination aus Personal- und Materialmangel seit Monaten absehbar war – konkrete Gegenmaßnahmen blieben jedoch aus.
Ein weiterer Faktor ist die gestiegene Auslastung des Netzes. Seit der Pandemie hat sich das Fahrgastaufkommen um fast 30 Prozent erhöht, während die Kapazitäten nicht im gleichen Maße angepasst wurden. Die Folge: Verspätungen häufen sich, Zugfolgen können nicht eingehalten werden, und Streichungen werden zur letzten Option, um den Restbetrieb stabil zu halten.
Kritiker monieren, dass die S-Bahn München zu spät auf die Warnsignale reagiert hat. Statt präventiv Personal aufzustocken oder Wartungsverträge anzupassen, werde nun im Krisenmodus agiert – auf Kosten der Pendler.
Betroffene Linien und Alternativen für Pendler
Die Kürzungen bei der Münchner S-Bahn treffen besonders die Linien S1, S2, S3, S4 und S8. Auf der stark frequentierten S1 zwischen Freising und dem Flughafen entfallen ab Dezember täglich bis zu 12 Verbindungen – ein Minus von rund 15 Prozent im Vergleich zum aktuellen Fahrplan. Pendler, die auf diese Strecke angewiesen sind, müssen mit längeren Wartezeiten rechnen, besonders in den Stoßzeiten zwischen 6 und 9 Uhr sowie am späten Nachmittag.
Für Fahrgäste der S2 (Erding–Altomünster) und S3 (Mammendorf–Holzkirchen) verschärft sich die Situation durch den Wegfall von Verstärkerzügen. Laut einer Analyse des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) steigt die Auslastung auf diesen Linien bereits jetzt auf über 120 Prozent in den Hauptverkehrszeiten. Als Ausweichmöglichkeiten empfiehlt die MVG den Umstieg auf Regionalexpress-Züge der Deutschen Bahn, etwa die RB 69 zwischen München-Pasing und Geltendorf, die jedoch nicht alle Haltestellen bedienen.
Die S4 (Geltendorf–Ebersberg) und S8 (Herrsching–Flughafen) verlieren vor allem abends und am Wochenende Verbindungen. Betroffen sind hier besonders Schichtarbeiter und Auszubildende, die auf spätere Züge angewiesen sind. Als Alternative schlägt die MVG die Nutzung der Tram-Linie 19 zwischen St. Veit Straße und Hauptbahnhof vor – eine Lösung, die für viele Pendler aus dem Umland jedoch kaum praktikabel ist.
Kritik kommt auch von kommunaler Seite: Mehrere Landkreise haben bereits angekündigt, die Reduzierung des Angebots nicht hinnehmen zu wollen. Besonders im Speckgürtel Münchens, wo viele Berufstätige auf die S-Bahn angewiesen sind, wächst der Druck auf den Verkehrsverbund, nach Alternativen zu suchen. Ob Bus-Ersatzverkehr oder flexiblere Taktungen – konkrete Lösungen stehen jedoch noch aus.
Fahrgastproteste: Forderungen an die S-Bahn
Die Ankündigung der Münchner S-Bahn, ab Dezember täglich bis zu 22 Züge zu streichen, hat eine Welle des Protests ausgelöst. Fahrgastverbände wie der Bayerische Fahrgastverband Pro Bahn kritisieren die Kürzungen als „inakzeptabel“ – besonders vor dem Hintergrund steigender Ticketpreise und einer ohnehin angespannten Verkehrssituation in der Landeshauptstadt. An Hauptverkehrszeiten drohen nun noch längere Wartezeiten, was Pendler:innen, die auf zuverlässige Verbindungen angewiesen sind, vor erhebliche Probleme stellt.
Konkret fordern die Protestierenden eine sofortige Rücknahme der Streichungen sowie transparente Aufklärung über die Gründe. Laut einer aktuellen Umfrage des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) unter 1.200 Münchner Pendler:innen sehen 78 Prozent die S-Bahn bereits jetzt als unzuverlässig an – die geplante Reduzierung des Angebots verschärft die Skepsis. Besonders betroffen sind Berufstätige aus dem Umland, für die Alternativen wie Busse oder Individualverkehr oft keine praktikable Lösung darstellen.
Ein zentraler Kritikpunkt ist zudem die mangelnde Kommunikation der Deutschen Bahn. Während die offizielle Begründung auf „betriebliche Anpassungen“ verweist, fehlen detaillierte Erklärungen zu Personalengpässen oder technischen Problemen. Fahrgastinitiativen verlangen daher nicht nur die Beibehaltung des bisherigen Fahrplans, sondern auch verbindliche Zusagen für langfristige Verbesserungen – etwa durch den Ausbau der Infrastruktur oder die Einstellung zusätzlichen Personals.
Die Proteste beschränken sich nicht auf Social Media: Für den 15. November haben mehrere Gruppen eine Demonstration am Hauptbahnhof angekündigt. Unterstützt werden sie dabei von lokalen Politiker:innen, die die Kürzungen als „Rückschritt für die Verkehrswende“ brandmarken. Ob der Druck Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten – die S-Bahn München hat bisher lediglich „Dialogbereitschaft“ signalisiert, ohne konkrete Lösungen zu präsentieren.
Langfristige Lösungen oder weitere Kürzungen?
Die anhaltenden Streichungen im Münchner S-Bahn-Netz werfen grundsätzliche Fragen auf: Reicht es, kurzfristig Züge zu reduzieren – oder braucht es strukturelle Reformen? Seit Jahren kämpft der Verkehrsknoten mit Personalmangel, veralteter Infrastruktur und steigenden Fahrgastzahlen. Doch während die Deutsche Bahn auf „temporäre Anpassungen“ verweist, zeigen Zahlen des Bayerischen Verkehrsministeriums, dass die Ausfälle seit 2020 um 40 Prozent gestiegen sind. Ein Dauerzustand, der selbst bei Fachleuten Alarm auslöst.
Verkehrsexperten betonen, dass punktuelle Kürzungen kaum die Ursachen bekämpfen. Stattdessen fordern sie Investitionen in digitale Stellwerkstechnik, die nach Schätzungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Pünktlichkeit um bis zu 20 Prozent steigern könnte. Doch solche Modernisierungen brauchen Jahre – und Geld, das aktuell in anderen Bahnprojekten wie der zweiten Stammstrecke gebunden ist.
Kritik kommt auch von Gewerkschaften: Sie verweisen auf die seit 2018 um 12 Prozent gesunkene Zahl an Triebfahrzeugführern. Ohne attraktivere Arbeitsbedingungen und beschleunigte Ausbildungsprogramme werde sich die Lage weiter verschärfen, warnen sie. Die S-Bahn München kontert mit Verweis auf laufende Einstellungswellen – doch bis neue Kräfte einsatzbereit sind, dauert es.
Fahrgastverbände sehen in den aktuellen Kürzungen ein Symptom für ein tieferliegendes Problem: die chronische Unterfinanzierung des Regionalverkehrs. Während Metropolen wie Berlin oder Hamburg ihre Netze massiv ausbauen, hinkt München hinterher. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann die Politik handelt – bevor die Geduld der Pendler endgültig erschöpft ist.
Die massiven Streichungen von 150 S-Bahn-Verbindungen pro Woche ab Dezember treffen Münchens Pendler hart – besonders in Stoßzeiten, wenn jede Minute zählt und Ausweichmöglichkeiten oft fehlen. Dass die MVG die Kürzungen mit Personalmangel und Sanierungsarbeiten begründet, ändert nichts daran, dass tausende Fahrgäste nun länger warten, umsteigen müssen oder ganz auf das Auto ausweichen, was Staus und CO₂-Bilanz weiter verschärft.
Wer betroffen ist, sollte prüfen, ob Jobtickets mit alternativen Verkehrsmitteln wie Tram oder U-Bahn kombiniert werden können oder ob Homeoffice-Tage die Belastung mindern. Apps wie MVG Live oder DB Navigator helfen dabei, Echtzeit-Ausfälle zu umschiffen und Ersatzrouten zu finden.
Wie nachhaltig diese Einschnitte bleiben, hängt davon ab, ob Politik und Bahn ihre Versprechen einlösen – und ob der Druck der Fahrgastinitiativen, die bereits mit Klagen drohen, schließlich zu mehr Investitionen statt zu weiteren Kürzungen führt.

