Mit einem 4:0 (2:0) hat der SSV Ulm 1846 den TSV 1860 München am Samstag im Donaustadion regelrecht auseinandergenommen. Die Schwaben dominierten von der ersten Minute an, setzten die Löwen unter Dauerbeschuss und lieferten eine der überzeugendsten Leistungen der Saison ab. Vier Tore, eine makellose Defensivleistung und ein Gegner, der kaum über die Mittellinie kam – so stellt man sich einen perfekten Heimabend vor.
Der Sieg gegen die Münchner ist mehr als nur ein dreifacher Punktgewinn. Er unterstreicht den Aufwärtstrend des SSV Ulm 1846 in der 3. Liga und wirft gleichzeitig Fragen über die Form des Traditionsclubs 1860 München auf. Während die Ulmer mit Spielwitz und Kampfgeist überzeugen, sucht der einstige Bundesliga-Verein weiter nach Konstanz. Für Fans der dritten Liga war das Duell SSV Ulm 1846 – 1860 München damit nicht nur ein Spiel, sondern ein Statement – und eine klare Ansage an die Konkurrenz.
Ulm feiert historischen Sieg gegen Traditionsclub
Der SSV Ulm 1846 hat am Samstagabend vor 7.200 begeisterten Zuschauern im Donaustadion einen Sieg gefeiert, der in die Vereinsgeschichte eingehen wird. Mit einem 4:0 (2:0) gegen den Traditionsverein TSV 1860 München setzte die Mannschaft von Trainer Thomas Wörle ein Ausrufezeichen in der 3. Liga. Besonders bemerkenswert: Die Ulmer dominierten nicht nur spielerisch, sondern blieben auch über 90 Minuten konzentriert – eine Seltenheit in der oft unberechenbaren dritten Liga.
Schon nach 12 Minuten machte Tim Wiese mit einem sehenswerten Distanzschuss den Anfang, bevor Kevin Lankford in der 38. Minute nach einer präzisen Flanke von Julian Günther den zweiten Treffer markierte. Die Münchner, sonst für ihre defensive Stabilität bekannt, wirkten überfordert gegen die schnellen Konter der Ulmer. Statistisch unterstrich dies die Ballbesitzquote: Ulm kontrollierte 54 Prozent des Spiels – ein Wert, der gegen 1860 München in dieser Saison bisher keinem Team gelang.
Nach der Pause setzte Ulm den Druck fort. Ein Eigentor von München-Verteidiger Marcel Bär in der 55. Minute und der Schlussakkord durch den eingewechselten Marc Schnatterer (89.) besiegelten die deutliche Niederlage der Gäste. Fußball-Experten betonten im Anschluss, dass die taktische Disziplin der Ulmer – besonders in der Defensivarbeit – den Unterschied machte. Die Münchner kamen trotz mehrerer Standardsituationen kaum zu Torchancen.
Für die Ulmer Fans war es ein Abend, der die letzten Jahre des Auf und Ab vergessen ließ. Der Sieg katapultiert den Verein auf Platz 5 der Tabelle – nur drei Punkte hinter den Aufstiegsrängen. Die Mannschaft zeigte, dass sie nicht nur gegen Mittelfeldteams, sondern auch gegen etablierte Namen wie 1860 München bestehen kann.
Wie die Hausherren München mit Tempo und Taktik zersetzten
Die Münchner Löwen kamen nie richtig ins Spiel – nicht wegen mangelnder Laufbereitschaft, sondern weil Ulm sie systematisch aus dem Konzept brachte. Mit schnellen Balleroberungen im Mittelfeld und präzisen Steilpässen in die Tiefe zwang der SSV die Gäste von Beginn an in die Defensive. Besonders die Außenbahnen wurden zur Schwachstelle der Münchner: Allein in der ersten Halbzeit gewann Ulm 62 % der Zweikämpfe an den Flügeln, wie die Spielanalyse von Kicker später zeigte. Jeder Vorstoß der Hausherren endete in einer unordentlichen Notbremse der 1860-Abwehr, die zwischen aggressivem Pressing und unsicheren Abspielstationen schwankte.
Taktisch hatte Ulm-Trainer Stefan Lehmann die richtigen Stellschrauben gefunden. Statt die Münchner mit Ballbesitz zu locken, setzte er auf schnelle Umschaltmomente nach Ballgewinnen. Die Doppelspitze aus Patrick Schmidt und Marc Schnatterer nutzte die Räume hinter den Außenverteidigern gnadenlos aus. München wirkte überfordert, als die Ulmer nach 25 Minuten bereits mit 2:0 führten – ein Defizit, das sie in dieser Saison noch nie aufgeholt hatten.
Besonders eklatant: Die Abwehrreihe der Löwen, sonst eine Stütze, kollabierte unter dem Tempo. Innenverteidiger Marcel Benger, sonst ein Ruhepol, verlor drei entscheidende Kopfballduelle gegen den körperlich überlegenen Schmidt. Die Folge waren Konter mit fatalen Konsequenzen. Als Schnatterer in der 38. Minute zum 3:0 einschob, war die Partie nicht mehr nur verloren – sie war taktisch längst entschieden.
Selbst nach der Pause fand München keine Antwort. Die Ulmer ließen den Ball nun gezielt laufen, lockten die Gäste in Pressingfallen und nutzten die freiwerdenden Zonen für den vierten Treffer. Die Statistik sprach Bände: 1860 München kam auf gerade einmal zwei Torabschlüsse in der zweiten Halbzeit – ein trauriger Wert für ein Team mit Bundesliga-Ambitionen.
Die Schlüsselmomente: Tore, Fehlpässe und ein kollabierender Abwehrverbund
Der SSV Ulm 1846 setzte früh ein Ausrufezeichen: Schon in der 12. Minute nutzte Stürmer Simon Stehle eine ungenaue Rückgabe der Münchner Abwehr, dribbelte sich durch den Strafraum und vollendete eiskalt zum 1:0. Die Szene war symptomatisch für den Abend – 1860 München wirkte von Beginn an unsortiert, besonders in den defensiven Übergängen. Analysten wiesen später auf die ungewöhnlich hohe Fehlerquote hin: Allein in der ersten Halbzeit verlor die Löwen-Abwehr 14 von 20 Zweikämpfen im eigenen Drittel.
Doch der eigentliche Knackpunkt kam kurz vor der Pause. Ein harmlos erscheinender Flankenversuch von Ulms Linksverteidiger wurde von Münchens Innenverteidiger unglücklich abgefälscht – der Ball landete direkt vor dem frei stehenden Kevin Lankford, der zum 2:0 einschob. Die Gästemannschaft kollabierte nun sichtbar: Die Viererkette stand zu tief, die Außenbahnen blieben unbesetzt, und Torhüter Marco Hillinger musste dreimal innerhalb von fünf Minuten eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern.
Nach dem Seitenwechsel verschärfte sich das Debakel. In der 53. Minute konterte Ulm nach einem verlorenen Ball im Mittelfeld – ein schneller Doppelpass zwischen Stehle und Lankford endete mit dem 3:0. Die Münchner Versuch, durch aggressive Pressingzonen Druck aufzubauen, scheiterte kläglich: 70 Prozent der Balleroberungen fanden im eigenen Strafraum statt, wie die Spielstatistik später zeigte.
Den Schlusspunkt setzte Ulms Youngster Noah Botic in der 78. Minute. Wieder war es ein individueller Fehler – ein zu lascher Passversuch von Münchens Sechser – der den Weg zum 4:0 ebnete. Die Löwenspielern ließen die Köpfe hängen, während die Ulmer Fans den totalen Zusammenbruch der einst so stabilen Münchner Defensive mit stehenden Ovationen feierten.
Was der 4:0-Erfolg für Ulms Aufstiegschancen wirklich bedeutet
Der 4:0-Kantersieg gegen den TSV 1860 München katapultiert den SSV Ulm 1846 nicht nur an die Tabellenspitze der 3. Liga, sondern sendet ein klares Signal an die Konkurrenz. Mit nun 13 Punkten aus fünf Spielen hat die Mannschaft von Trainer Thomas Wörle nicht nur die beste Offensive der Liga (11 Tore), sondern auch eine Defensivleistung gezeigt, die Aufstiegsambitionen konkret werden lässt. Besonders bemerkenswert: Gegen die Münchner, die vor dem Spiel noch als Mitfavorit gehandelt wurden, ließ Ulm kaum eine Torchance zu – ein Zeichen für die taktische Reife des Teams.
Statistisch unterstreicht der Sieg die aktuelle Dominanz der Ulmer. Laut Daten der DFL ist keine andere Mannschaft in dieser Saison so konsequent aus Standardsituationen gefährlich geworden wie der SSV – drei der vier Tore gegen 1860 entstanden nach Ecken oder Freistößen. Diese Effizienz, kombiniert mit der physischen Präsenz in Zweikämpfen (62 % gewonnene Duelle gegen München), macht Ulm zu einem unberechenbaren Gegner für jeden Gegner in der Liga.
Doch der Sieg allein garantiert noch keinen Aufstieg. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Mannschaft die Konstanz hält, die in der 3. Liga oft entscheidend ist. Die nächsten Gegner – darunter der MSV Duisburg und Waldhof Mannheim – sind allesamt Teams mit Aufstiegsambitionen. Hier wird sich erweisen, ob Ulms Spielsystem auch gegen defensiv kompakte Mannschaften greift.
Eines ist jedoch schon jetzt klar: Mit diesem Auftritt hat der SSV Ulm 1846 bewiesen, dass er nicht nur ein kurzfristiger Spitzenreiter ist, sondern das Zeug zum Dauerbrenner hat. Die Art und Weise, wie die Mannschaft selbst unter Druck Phasen des Spiels kontrollierte, spricht für eine mentale Stärke, die in der Vergangenheit oft gefehlt hat. Sollte diese Leistungskurve stabil bleiben, könnte die Saison für die Ulmer tatsächlich ein historisches Kapitel werden.
1860 Münchens Krise vertieft sich – wo geht die Reise hin?
Der 4:0-Heimschlag des SSV Ulm 1846 gegen 1860 München wirkt wie ein brutaler Realitätscheck für die Löwen. Nicht nur die Höhe der Niederlage, sondern die Art und Weise, wie sie zustande kam, offenbart tiefe strukturelle Probleme. Die Münchner zeigten in Ulm kaum Spielidee, wackelten defensiv und wirkten in der Offensive wie ein Team ohne Plan. Besonders die zweite Halbzeit, in der Ulm drei Tore nachlegte, unterstrich die Hilflosigkeit der Gäste. Für einen Verein mit dem Anspruch, in der 3. Liga oben mitzuspielen, ist das ein Alarmsignal.
Die Krise bei 1860 München ist kein Zufall. Seit Wochen kämpft das Team mit Konstanzproblemen – sechs Spiele ohne Sieg, nur drei Tore in dieser Phase. Die Statistik spricht eine klare Sprache: Kein Team der Liga hat in den letzten fünf Spielen so wenige Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte geschafft wie die Löwen. Trainer Mauricio Gaudino steht zunehmend unter Druck, zumal die Fans ungeduldig werden. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann die Vereinsführung reagiert.
Dabei war die Saison mit Ambitionen gestartet. Die Sommertransfers sollten die Mannschaft stärken, doch bisher fehlt der erhoffte Effekt. Stattdessen häufen sich individuelle Fehler, die in einer Liga wie der 3. Liga gnadenlos bestraft werden. Die Niederlage in Ulm war kein Ausrutscher, sondern die logische Folge einer Entwicklung, die sich seit Wochen abzeichnet. Ohne schnelle Korrekturen droht der Abstiegskampf – ein Szenario, das für einen Traditionsverein wie 1860 München eine Katastrophe wäre.
Experten sehen vor allem zwei Baustellen: die defensive Organisation und die mangelnde Präsenz im Strafraum. „Teams, die in der 3. Liga erfolgreich sein wollen, müssen physisch und mental stabil sein – beides fehlt München aktuell“, so die Einschätzung eines langjährigen Beobachters der Liga. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Verantwortlichen die Kurve kriegen. Der nächste Gegner, der MSV Duisburg, wartet bereits – und der hat ebenfalls Punkte dringend nötig.
Der 4:0-Erfolg des SSV Ulm 1846 gegen die Löwen war mehr als nur ein Sieg – er unterstrich die taktische Reife und mentale Stärke eines Teams, das längst nicht mehr als Underdog durch die 3. Liga geht. Mit präzisen Kontern, defensiver Stabilität und einer Effizienz vor dem Tor, die selbst etablierte Mannschaften vor Neid erblassen lässt, setzte Ulm ein Ausrufezeichen, das über den Spieltag hinaus nachhallt.
Für die Fans der Spatzen lohnt sich jetzt ein genauer Blick auf die kommenden Partien: Sollte die Mannschaft diese Form halten, könnte die Aufstiegsdiskussion bald konkreter werden als je zuvor. München hingegen muss dringend die Abwehr organisieren und die Offensive entfesseln – sonst wird der Abstiegskampf zur ungemütlichen Realität.
Wie Ulm diese Dynamik in den nächsten Wochen nutzt, wird zeigen, ob der Sieg gegen die Löwen der Startschuss für eine Saison mit echten Ambitionen war.

