Bis 2040 will München seine Fernwärme komplett klimaneutral gestalten – ein ehrgeiziges Ziel, das die Stadtwerke München mit einer Investitionssumme von 1,5 Milliarden Euro vorantreiben. Damit setzt das kommunale Unternehmen Maßstäbe: Geplant sind der massive Ausbau erneuerbarer Energien, die Nutzung von Tiefengeothermie und die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen. Allein in den nächsten fünf Jahren sollen erste große Meilensteine erreicht werden, darunter der Bau neuer Wärmepumpen und die Modernisierung veralteter Heizkraftwerke.

Für die Münchner Bevölkerung bedeutet das Projekt mehr als nur eine technische Umstellung. Die Stadtwerke München reagieren damit auf wachsenden Druck: Steigende Energiepreise, gesetzliche Klimavorgaben und die Forderung nach unabhängiger Wärmeversorgung machen schnelles Handeln nötig. Gleichzeitig könnte die Umstellung langfristig die Kosten stabilisieren und die Abhängigkeit von Gasimporten verringern. Doch der Weg ist komplex – technologische Hürden und die Notwendigkeit, bestehende Infrastruktur umzurüsten, erfordern präzise Planung und öffentliche Akzeptanz.

Münchens ehrgeiziger Plan: Warum die Fernwärme grüner werden muss

München setzt auf Tempo – und das aus gutem Grund. Die Fernwärme der Stadtwerke deckt derzeit rund 40 Prozent des Münchner Wärmebedarfs, doch noch immer stammen 60 Prozent der Energie aus fossilen Quellen. Besonders die Kohle- und Gaskraftwerke im Norden der Stadt blasen Jahr für Jahr mehrere Millionen Tonnen CO₂ in die Atmosphäre. Klimaziele lassen sich mit dieser Bilanz nicht erreichen.

Der Druck wächst, nicht nur vonseiten der Politik, sondern auch durch die eigene Strategie: Bis 2035 will München klimaneutral sein. Experten des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik betonen, dass Fernwärmenetze in Großstädten eine Schlüsselrolle spielen – wenn sie konsequent auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Doch der Umbau ist komplex. Geothermie, Abwärme aus Industrie und Müllverbrennung sowie Großwärmepumpen müssen nahtlos ineinandergreifen, um die Versorgungssicherheit zu garantieren.

Besonders knifflig wird es im Winter. Während Solar- und Windenergie schwanken, braucht München eine stabile Grundlast. Die Stadtwerke setzen hier auf Tiefengeothermie, doch die Bohrungen in der Region sind riskant und teuer. Ein einziges erfolgreiches Projekt wie in Unterhaching kostete über 100 Millionen Euro – und selbst dort liefert die Anlage nur einen Bruchteil des Bedarfs. Ohne massive Investitionen in Speichertechnologien und redundante Systeme drohen Engpässe.

Dass der Plan dennoch realistisch ist, zeigt ein Blick nach Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt hat ihre Fernwärme bereits zu 99 Prozent dekarbonisiert – vor allem durch Abwärmenutzung und Biomasse. München hat ähnliche Potenziale, etwa durch die Müllverbrennungsanlage Nord oder Abwärme aus dem Siemens-Werk. Doch während Kopenhagen Jahrzehnte für den Umbau hatte, will München das Tempo verdoppeln. Ob das gelingt, hängt nicht nur von der Technik ab, sondern auch davon, ob Bürger und Industrie die höheren Kosten mittragen.

1,5 Milliarden für die Wärmewende – wo das Geld fließt

Die Stadtwerke München (SWM) setzen mit ihrem 1,5-Milliarden-Euro-Plan für die Wärmewende klare Prioritäten: Rund 60 Prozent der Investitionen fließen in den Ausbau erneuerbarer Energien und Abwärmenutzung. Geothermie spielt dabei eine zentrale Rolle – bis 2040 sollen mindestens 20 neue Tiefenbohrungen entstehen, die zusammen eine Leistung von 250 Megawatt liefern. Das entspricht dem jährlichen Wärmebedarf von etwa 100.000 Haushalten. Parallel dazu wird die bestehende Fernwärme-Infrastruktur modernisiert, um Effizienzverluste zu minimieren und die Einspeisung klimaneutraler Quellen zu ermöglichen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung industrieller Abwärme. Kooperationen mit lokalen Unternehmen, etwa aus der chemischen Industrie oder der Müllverbrennung, sollen die Fernwärme zu einem Kreislaufsystem machen. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik könnte allein die Abwärme aus Münchner Industrieanlagen bis zu 15 Prozent des städtischen Wärmebedarfs decken – ein Potenzial, das die SWM systematisch erschließen will.

Nicht alle Mittel fließen in Großprojekte. Ein Teil der Gelder ist für dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen in Neubauvierteln oder die Sanierung alter Heizkraftwerke reserviert. Besonders im Fokus: die Umrüstung der Kohlekraftwerke in München Nord, wo bis 2035 schrittweise Biomasse und grüner Wasserstoff die Steinkohle ersetzen sollen. Die SWM rechnet hier mit Übergangskosten von rund 300 Millionen Euro, die jedoch langfristig durch niedrigere CO₂-Preise und staatliche Förderungen ausgeglichen werden dürften.

Kritische Stimmen monieren, dass die Zeitplanung ambitioniert sei – doch die SWM verweist auf erste Erfolge: Seit 2020 sank der CO₂-Ausstoß der Münchner Fernwärme bereits um 22 Prozent, vor allem durch den Ausbau der Geothermie in Freiham und Riem.

Wie Geothermie und Abwärme die Heizungen der Zukunft speisen

Tief unter Münchens Straßen schlummern Energiequellen, die künftig Tausende Haushalte beheizen könnten – ohne CO₂-Ausstoß. Die Stadtwerke München (SWM) setzen auf Geothermie und industrielle Abwärme als Säulen ihrer Fernwärmestrategie. Bis 2040 sollen diese Technologien gemeinsam mit Großwärmepumpen rund 60 Prozent des Bedarfs decken. Besonders vielversprechend ist die tiefe Geothermie: Allein das Projekt in der Schäftlarnstraße fördert seit 2021 bis zu 50 Megawatt Wärmeleistung aus 2.500 Metern Tiefe – genug für etwa 80.000 Menschen.

Abwärme aus Industrieanlagen und Müllverbrennung spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle. Die SWM nutzen bereits die überschüssige Energie der Müllverwertung Nordwest, um jährlich 130.000 Megawattstunden Wärme ins Netz einzuspeisen. Klimaforscher betonen, dass solche Synergien entscheidend sind: Studien des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass bis zu 30 Prozent des deutschen Wärmebedarfs durch Abwärmenutzung gedeckt werden könnten – ein Potenzial, das München konsequent ausschöpft.

Technisch wird die Wärmegewinnung durch innovative Großwärmepumpen ergänzt. Diese Systeme heben Niedertemperaturwärme aus Flüssen, Abwasser oder Geothermie auf nutzbare Vorlauftemperaturen – ein Prozess, der zwar Strom benötigt, aber pro Kilowattstunde Wärme nur ein Viertel der Emissionen freisetzt, die Gasheizungen verursachen. Die SWM testen derzeit eine 5-Megawatt-Pumpe am Heizkraftwerk Süd, die ab 2025 Abwärme aus der Isar nutzen soll.

Kritisch bleibt die Skalierung: Während Geothermie standortunabhängig planbar ist, hängt Abwärmenutzung von industriellen Partnern ab. Doch München hat hier einen Vorteil – als Wirtschaftsstandort mit dichter Infrastruktur und engagierten Stadtwerken, die seit Jahren in Pilotprojekte investieren.

Was Mieter und Hausbesitzer jetzt über Anschlüsse wissen sollten

Die Umstellung auf klimaneutrale Fernwärme betrifft Mieter und Eigentümer gleichermaßen – doch viele wissen nicht, was das konkret für ihre Gebäudeanschlüsse bedeutet. Bis 2040 will die Stadtwerke München (SWM) das gesamte Netz auf erneuerbare Energien umstellen, darunter Geothermie, Abwärme und Großwärmepumpen. Für Bestandsgebäude könnte das Anpassungen an der Hausstation erfordern, etwa neue Wärmetauscher oder Regelungstechnik. Laut einer Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind rund 30 Prozent der Münchner Mehrfamilienhäuser älter als 50 Jahre – bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit für Nachrüstbedarf am höchsten.

Hausbesitzer sollten prüfen, ob ihre Heizungsanlage mit den künftigen Vorlauftemperaturen der Fernwärme kompatibel ist. Klimaneutrale Systeme arbeiten oft mit niedrigeren Temperaturen als fossile Anlagen. Wer noch mit Öl oder Gas heizt, muss unter Umständen früher umsteigen, da die SWM schrittweise ganze Stadtteile vom fossilen Netz trennt. Die Kosten für Anpassungen können je nach Gebäude variieren, doch Förderprogramme wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) decken bis zu 40 Prozent der Investitionen ab.

Mieter sind zwar nicht direkt für die Technik verantwortlich, sollten aber ihre Rechte kennen: Vermieter dürfen Modernisierungskosten nur begrenzt auf die Miete umlegen. Bei größeren Umbauten müssen sie die Mieter frühzeitig informieren und alternative Lösungen prüfen, falls die Wärmeversorgung vorübergehend unterbrochen wird. Die SWM plant zwar einen stufenweisen Übergang, doch in einigen Stadtteilen wie Freiham oder Messestadt Riem beginnen die Arbeiten bereits 2025.

Ein Blick in den Mietvertrag lohnt sich. Viele ältere Verträge enthalten noch Klauseln zu fossilen Heizsystemen – diese könnten bei einer Umstellung auf Fernwärme anpassungsbedürftig sein. Energieberater raten Mietern, sich bei der Verbraucherzentrale über mögliche Einsparungen zu informieren, da klimaneutrale Fernwärme langfristig stabilere Preise verspricht als Gas oder Öl.

Bis 2040 klimaneutral: Kann München das Ziel wirklich erreichen?

Münchens ehrgeiziger Plan, bis 2040 klimaneutral zu werden, stößt auf Skepsis – und auf berechtigte Hoffnung. Die Stadtwerke München (SWM) setzen mit 1,5 Milliarden Euro für die Fernwärme auf eine der größten kommunalen Investitionen der letzten Jahrzehnte. Doch während die Technologie für CO₂-neutrale Wärmeversorgung prinzipiell existiert, bleibt die Frage: Lässt sich ein solch komplexes System in weniger als 17 Jahren umbauen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden?

Experten des Umweltbundesamts verweisen auf eine entscheidende Hürde: Aktuell stammen noch rund 60 % der Münchner Fernwärme aus fossilen Quellen, vor allem Erdgas. Der Ausbau erneuerbarer Alternativen wie Tiefengeothermie oder Großwärmepumpen erfordert nicht nur massive Investitionen, sondern auch Genehmigungsverfahren, die in Deutschland oft jahrelang dauern. Selbst optimistische Szenarien gehen davon aus, dass die Geothermie bis 2030 nur etwa 30 % des Bedarfs decken kann – zu wenig für das 2040-Ziel.

Die SWM setzen auf eine Mischstrategie: Parallel zum Ausbau der Geothermie sollen Müllverbrennungsanlagen mit CO₂-Abscheidung und Wasserstoff-Heizkraftwerke die Lücke schließen. Kritiker monieren jedoch, dass diese Technologien entweder noch nicht marktreif sind oder – wie im Fall von Wasserstoff – enorme Infrastrukturkosten verursachen. Ob die geplante Finanzierung von 1,5 Milliarden ausreicht, hängt auch davon ab, wie stark der Bund die Transformation subventioniert.

Ein Vorteil Münchens: Die Stadt verfügt bereits über ein gut ausgebautes Fernwärmenetz, das sich schrittweise umstellen lässt. Doch selbst wenn die Technik steht, bleibt die soziale Komponente. Mieter und Hausbesitzer müssen die Umstellung mittragen – und das in einer Zeit, in der Energiepreise ohnehin schon die Gemüter erhitzen.

Mit 1,5 Milliarden Euro für klimaneutrale Fernwärme bis 2040 setzt München ein klares Zeichen: Die Wärmewende ist kein ferneziel, sondern ein konkretes Bauprojekt mit Termindruck und Budget. Dass die Stadtwerke dabei auf Geothermie, Abwärmenutzung und den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energieträgern setzen, zeigt, wie technologische und wirtschaftliche Weichenstellungen heute die Lebensqualität von morgen sichern.

Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das jetzt schon, sich über Förderprogramme für Wärmepumpen oder Sanierungen zu informieren – wer früh umsteigt, profitiert von sinkenden Kosten und steigender Unabhängigkeit. Am Ende wird Münchens Vorstoß nicht nur die lokale CO₂-Bilanz verbessern, sondern auch andere Kommunen zwingen, ihre Pläne nachzuschärfen, wenn sie nicht den Anschluss verlieren wollen.