Mit über 200 verspäteten Abflügen am Dienstag erreichte der Münchner Flughafen einen traurigen Rekord. Die Wartezeiten stiegen auf bis zu drei Stunden, während gestresste Passagiere vor überfüllten Terminals strandeten. Betroffen waren vor allem innerdeutsche Verbindungen und europäische Ziele wie London, Paris und Amsterdam, wo sich die Verzögerungen wie ein Dominoeffekt fortsetzten. Die Lage eskalierte so stark, dass selbst kurzstreckige München Flughafen Abflüge nach Frankfurt oder Berlin mit bis zu 180 Minuten Verspätung starteten – ein seltenes Ausmaß für den sonst so effizienten Drehkreuz.
Hinter den Chaos stecken nicht nur Personalengpässe, sondern auch eine Kombination aus technischen Problemen und überlasteter Infrastruktur. Für Vielflieger und Urlauber bedeutet das: Wer in den kommenden Tagen einen der München Flughafen Abflüge gebucht hat, sollte sich auf längere Wartezeiten einstellen. Die Flughafenleitung warnt bereits vor weiteren Einschränkungen, falls sich die Situation nicht kurzfristig stabilisiert. Die Frage bleibt, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen – oder ob Reisende sich auf einen Sommer der Verspätungen einrichten müssen.
Urlaubsbeginn und Streiks belasten den Flugbetrieb
Der Start in die bayerischen Sommerferien traf am Dienstag auf eine unglückliche Kombination: Rekordreiseverkehr und spontane Arbeitsniederlegungen brachten den Flugbetrieb am Münchner Flughafen durcheinander. Über 200 Abflüge verzeichneten Verspätungen, als Bodenpersonal in der Frühschicht kurzfristig die Arbeit niederlegte. Betroffen waren vor allem Verbindungen zu beliebten Urlaubszielen wie Mallorca, Antalya und Kreta, wo sich die Wartezeiten für Passagiere auf bis zu vier Stunden verlängerten.
Laut Angaben der Flughafen München GmbH fielen zwar nur acht Flüge komplett aus – doch die Kettenreaktion war spürbar. „Solche spontanen Streiks treffen uns besonders hart, weil die Personalplanung in der Hochsaison ohnehin schon an der Belastungsgrenze läuft“, erklärte ein Sprecher des Flughafens. Die Gepäckabfertigung stockte, Check-in-Schlangen bildeten sich bis in die Abflughallen zurück.
Besonders prekär wurde die Situation für Familien mit kleinen Kindern und ältere Reisende. Viele hatten ihre Flüge monatelang im Voraus gebucht, um in den Ferien günstige Tarife zu sichern – jetzt saßen sie fest, während die Airlines mit Ersatzcrews und Umbuchungen kämpften. Ein Ehemann, der mit seiner Frau und zwei Kindern nach Rhodos fliegen wollte, berichtete, wie sie stundenlang ohne klare Informationen im Terminal ausharren mussten: „Das Boarding sollte um 9 Uhr beginnen. Um 12:30 hieß es dann plötzlich, der Flug gehe erst um 15 Uhr.“
Experten der Luftfahrtbranche warnen, dass sich solche Szenen in den kommenden Wochen wiederholen könnten. Die Tarifkonflikte im Bodenverkehr sind noch nicht beigelegt, und der Andrang bleibt hoch: Allein am Münchner Flughafen werden in den Sommerferien rund 2,3 Millionen Passagiere erwartet – ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Airlines haben zwar zusätzliche Puffer in ihre Flugpläne eingebaut, doch bei weiteren Streiks drohen erneut massive Verzögerungen.
Mehr als 200 Verspätungen: Die schlimmsten Routen
Der Dienstag entwickelte sich für Reisende am Münchner Flughafen zu einem Geduldsspiel: Über 200 Abflüge verließen die Startbahnen mit teils erheblichen Verspätungen. Besonders betroffen waren die stark frequentierten Strecken innerhalb Europas, wo sich Wartezeiten von bis zu drei Stunden häufen. Laut Auswertung der Flugdatenbank Flightradar24 zählten die Verbindungen nach Frankfurt, Berlin und Amsterdam zu den Spitzenreitern – hier summierten sich die Verzögerungen auf durchschnittlich 120 Minuten pro Flug.
Die Route München–Frankfurt, normalerweise eine der pünktlichsten Innenlandverbindungen, litt unter einer Kombination aus hohem Passagieraufkommen und begrenzten Slot-Kapazitäten. Experten der Deutschen Flugsicherung führen die Probleme auf die anhaltende Personalknappheit in der Bodenabfertigung zurück, die seit dem Sommer 2023 trotz Rekrutierungsoffensiven nicht vollständig behoben werden konnte.
Auch internationale Ziele wie London-Heathrow oder Paris-Charles de Gaulle waren von den Ausfällen betroffen, wenn auch in geringerem Maße. Hier sorgten vor allem verspätete Zubringerflüge aus anderen europäischen Drehkreuzen für Dominoeffekte. Besonders kritisch: Die Abendflüge nach Übersee, bei denen sich Verspätungen aufgrund von Anschlussverbindungen oft auf vier Stunden oder mehr ausdehnten.
Ein Lichtblick bleibt die vergleichsweise stabile Performance der Langstreckenrouten nach Asien und Nordamerika. Dank priorisierter Abfertigung und optimierter Crew-Planung hielten sich die Verzögerungen hier meist im Rahmen von unter 60 Minuten – ein Beweis dafür, dass gezielte Maßnahmen auch in Stoßzeiten greifen können.
Warten auf Gepäck und Ersatzflüge: Chaos in den Terminals
Die Gepäckbänder blieben stundenlang leer, während sich vor den Schaltern der Fluggesellschaften lange Schlangen bildeten. Reisende standen gedrängt in den Terminals, manche mit Kindern auf dem Arm oder schwerem Handgepäck, während die Anzeigetafeln immer neue Verspätungen anzeigten. Besonders betroffen war Terminal 2, wo sich die Wartezeiten für Ersatzflüge auf bis zu fünf Stunden ausdehnten. Fluggesellschaften wie Lufthansa und Eurowings hatten zusätzliche Servicekräfte eingesetzt, doch die Überlastung war spürbar: Nach Angaben des Flughafens mussten über 12.000 Passagiere umgebucht oder auf spätere Flüge verlegt werden.
Die Stimmung kippte, als erste Flüge ohne Gepäck starteten. Familien, die auf ihren Urlaub warteten, diskutierten hitzig mit dem Personal, während Geschäftsreisende verzweifelt nach Alternativen suchten. Ein Sprecher des Flughafens bestätigte, dass die Gepäckabfertigung aufgrund des Personalmangels und der hohen Auslastung zusammengebrochen war. „Solche Engpässe sind bei einer Auslastung von über 95 Prozent kaum zu vermeiden“, hieß es vonseiten der Flughafenleitung.
Besonders kritisch wurde es für Umsteigepassagiere. Viele verpassten ihre Anschlussflüge, weil die Wartezeiten für die Sicherheitskontrollen und die Gepäckrückgabe nicht einkalkuliert waren. Einige Airlines boten Hotelgutscheine an, doch die Kapazitäten in den nahegelegenen Unterkünften waren schnell erschöpft. Wer keine Übernachtungsmöglichkeit fand, musste sich mit Campingmatten in den Wartebereichen begnügen.
Erst gegen Mitternacht normalisierte sich die Lage langsam. Die letzten Verspätungen wurden abgearbeitet, und die ersten Gepäckstücke rollten über die Bänder. Doch für viele Reisende kam die Entwarnung zu spät – ihre Pläne für den nächsten Tag waren bereits zunichtegemacht.
Wie Passagiere jetzt noch umbuchen oder entschädigt werden
Reisende, deren Flüge am Dienstag vom Münchner Flughafen mit Verspätungen betroffen waren, haben je nach Airline und Buchungsklasse unterschiedliche Optionen. Bei EU-Flügen greift die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 – sie garantiert Passagieren bei Verspätungen von über drei Stunden oder Annullierungen Anspruch auf Entschädigungen zwischen 250 und 600 Euro. Voraussetzung ist, dass die Airline die Störung zu verantworten hat, etwa durch Personalmangel oder technische Probleme. Wetterbedingungen oder Streiks Dritter zählen hingegen als „außergewöhnliche Umstände“ und schließen Entschädigungen aus.
Wer kurzfristig umbuchen muss, sollte direkt die Airline kontaktieren – viele bieten bei massiven Verspätungen kostenlose Alternativflüge oder Erstattungen an. Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften ermöglichen etwa online über das Service-Portal eine unkomplizierte Umbuchung, sofern der Flug innerhalb der nächsten 72 Stunden liegt. Bei Buchungen über Drittanbieter wie Expedia oder Kayak gilt es, zunächst den Kundenservice des Vermittlers zu kontaktieren, da dieser die Ticketbedingungen verwaltet.
Laut einer aktuellen Auswertung der Verbraucherzentrale Bayern erhalten nur etwa 30 Prozent der berechtigten Passagiere ihre Entschädigung, ohne aktiv darauf zu bestehen. Viele Airlines zögern die Auszahlung hinaus oder verweisen auf Ausnahmetatbestände. Betroffene sollten daher ihre Ansprüche schriftlich geltend machen – per E-Mail mit Flugnummer, Buchungsbestätigung und Verspätungsnachweis. Bei Ablehnung hilft oft die Einschaltung der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp), die kostenlos vermittelt.
Für Vielflieger lohnt sich ein Blick in die AGB der frequent-traveller-Programme: Einige Airlines wie Miles & More gewähren bei verspätungsbedingten Umbuchungen Bonusmeilen als Goodwill-Geste. Wer seinen Flug mit Kreditkarte bezahlt hat, sollte zudem prüfen, ob die Versicherung des Kartenanbieters Reiseunterbrechungen abdeckt – hier variieren die Konditionen stark.
Flughafen München plant Notfallmaßnahmen für die Sommerferien
Der Münchner Flughafen bereitet sich mit gezielten Notfallplänen auf die bevorstehenden Sommerferien vor. Angesichts der aktuellen Engpässe – allein am Dienstag verzeichnete der Airport über 200 verspätete Abflüge – sollen zusätzliche Ressourcen mobilisiert werden, um ähnliche Szenarien in der Hochsaison zu vermeiden. Besonders kritisch wird die Zeit zwischen Ende Juli und Anfang September eingestuft, wenn Reiserückkehrer und Urlaubsstarter gleichzeitig die Terminals füllen.
Laut Angaben der Flughafenverwaltung werden unter anderem mehr Sicherheitskräfte eingesetzt und die Gepäckabfertigung durch temporäre Mitarbeiter verstärkt. Auch die Koordination mit Fluggesellschaften soll enger erfolgen, um Verspätungen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Branchenexperten warnen jedoch, dass selbst optimierte Abläufe bei extremen Passagierzahlen an ihre Grenzen stoßen könnten – wie im vergangenen Jahr, als an Spitzenlagen bis zu 180.000 Reisende pro Tag abgefertigt wurden.
Ein zentraler Punkt der Strategie ist die digitale Entlastung: Durch erweiterte Self-Service-Angebote wie automatisierte Check-in-Schalter und mobile Boarding-Pässe soll der Andrang an den klassischen Schaltern reduziert werden. Zudem prüft der Flughafen, ob zusätzliche Warteschlangenbereiche in den Terminals 1 und 2 eingerichtet werden müssen, um Staus zu vermeiden.
Ob die Maßnahmen ausreichen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Kritische Stimmen aus der Reisebranche fordern bereits jetzt eine bessere Vorabkommunikation mit den Passagieren, um Frustration an den Gates zu minimieren.
Der Dienstag am Münchner Flughafen hat schonungslos offenbart, was passiert, wenn Infrastruktur an ihre Grenzen stößt: Über 200 verspätete Abflüge, tausende gestresste Passagiere und ein System, das trotz Hochbetrieb nur begrenzt Puffer bietet. Die Zahlen sind kein Einzelfall, sondern ein Weckruf – besonders in der Hauptreisezeit, wenn jeder dritte Flug nicht pünktlich startet und sich Verspätungen wie ein Dominoeffekt durch den gesamten Flugplan fressen.
Wer in den kommenden Wochen über München fliegt, sollte sich jetzt vorbereiten: Check-in online erledigen, ausreichend Puffer zwischen Anschlussflügen einplanen und die App des Flughafens nutzen, um live über Gate-Änderungen oder Verzögerungen informiert zu bleiben. Selbst wer pünktlich am Terminal steht, ist nicht vor Kettenreaktionen gefeit – hier zählt jeder Zeitpuffer.
Die Debatte um Ausbaumaßnahmen und effizientere Abläufe wird nach diesem Tag an Schärfe gewinnen, doch kurzfristig bleibt Passagieren nur eines: Geduld und strategische Planung, bis die strukturellen Engpässe endlich gelöst sind.

