Der Münchner Flughafen kämpfte gestern mit den Folgen eines heftigen Unwetters: 15 Flüge mussten mit Verspätungen abgefertigt werden, während Passagiere stundenlang in Warteschlangen standen. Starkregen und Windböen bis zu 70 km/h zwangen die Bodencrews zu improvisierten Lösungen, nachdem mehrere Flugzeuge wegen der Wetterbedingungen nicht pünktlich starten oder landen konnten. Besonders betroffen waren innerdeutsche Verbindungen nach Berlin und Hamburg, wo sich die Verzögerungen bis in die späten Abendstunden zogen.
Das extreme Wetter am Flughafen München wirft erneut Fragen nach der Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur auf. Während Meteorologen vor weiteren Schauern in den kommenden Tagen warnen, zeigt sich, wie anfällig selbst moderne Verkehrsdrehscheiben für plötzliche Wetterumschwünge sind. Für Vielflieger und Urlauber wird das Wetter am Flughafen München damit zum entscheidenden Faktor – nicht nur bei der Reiseplanung, sondern auch bei der Wahl der Airline, denn nicht alle Unternehmen reagieren gleich schnell auf solche Störungen.
Heftige Schauer legen Münchner Flugbetrieb lahm
Der Münchner Flughafen kam am Dienstagnachmittag nahezu zum Stillstand, als heftige Schauer und Sturmböen über die Region zogen. Zwischen 15:30 und 17:00 Uhr mussten die Start- und Landebahnen zeitweise gesperrt werden, nachdem die Wetterstation am Flughafen Windgeschwindigkeiten von bis zu 85 km/h und Sichtweiten unter 400 Meter gemeldet hatte. Die Folge: Flugzeuge kreisten über Oberbayern oder wurden auf Ausweichflughäfen wie Stuttgart und Nürnberg umgeleitet.
Besonders betroffen war der Terminal 2, wo sich hunderte Passagiere vor den Schaltern der Airlines stauten. Laut Angaben der Flughafen München GmbH wurden allein in diesem Zeitraum 15 Abflüge mit Verspätungen von durchschnittlich 2,5 Stunden abgefertigt. Ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes bestätigte, dass solche lokal begrenzten, aber intensiven Gewitterzellen in den Sommermonaten zwar nicht ungewöhnlich seien – ihre Vorhersage bleibe jedoch eine Herausforderung, da sie sich oft innerhalb weniger Stunden entwickelten.
Die technischen Auswirkungen zeigten sich vor allem bei der Bodenabfertigung. Nasse Landebahnen erforderten zusätzliche Bremsmessungen, was die Umschlagzeiten zwischen Landung und neuem Start verlängerte. Gleichzeitig behinderten Blitzeinschläge in der Nähe des Vorfelds zeitweise die Betankungsarbeiten. Während einige Fluggesellschaften wie Lufthansa und Eurowings zusätzliche Servicekräfte einsetzten, um die Verspätungen abzufedern, mussten andere Airlines wie Ryanair und EasyJet mehrere Inlandsflüge komplett streichen.
Gegen Abend normalisierte sich der Betrieb langsam, doch die Nachwirkungen des Unwetters werden noch Tage spürbar sein. So müssen verschobene Frachtlieferungen neu koordiniert und Passagiere mit Übernachtungen in Hotels untergebracht werden. Die Flughafenleitung betonte, dass solche Wetterextreme in den operativen Notfallplänen berücksichtigt seien – die aktuelle Situation zeige jedoch, wie schnell selbst moderne Infrastruktur an ihre Grenzen stoße.
Wie 15 Maschinen trotz Unwetter noch starteten
Der heftige Regen über München ließ am Dienstagabend die Startbahn 08L/26R zeitweise unter Wasser laufen. Doch während andere Flugzeuge warteten, hoben 15 Maschinen trotz der widrigen Bedingungen ab. Möglich machte das ein präzises Zusammenspiel von Technik und Erfahrung: Die Fluglotsen nutzten die noch freigegebenen Rollwege, um die Maschinen über alternative Routen zur Startbahn 08R/26L zu leiten. Dort war die Wasserablaufkapazität höher, da die Bahn erst 2021 modernisiert worden war.
Entscheidend war die schnelle Reaktion der Bodencrews. Innerhalb von 20 Minuten koordinierten sie mit den Piloten die Umleitung, während gleichzeitig die Entwässerungspumpen auf Hochtouren liefen. Laut Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) können moderne Verkehrsflugzeuge wie der Airbus A320 oder Boeing 737 auch bei Aquaplaning-Gefahr starten, sofern die Geschwindigkeit kontrolliert wird und die Triebwerke nicht mit stehendem Wasser in Berührung kommen. Die 15 gestarteten Flüge gehörten allesamt zu diesen Typen.
Ein Risiko blieb dennoch: Die Sichtweite sank auf unter 800 Meter. Hier griffen die Instrumente der Flugzeuge ein. Die Piloten schalteten auf die ILS-Kategorie IIIb um, die Landungen und Starts bei nur 75 Metern Sicht erlaubt. Dass dies reibungslos funktionierte, lag auch an den regelmäßigen Schulungen der Crews für Extremwetterlagen – eine Maßnahme, die seit dem Chaos nach dem Unwetter 2016 verschärft wurde.
Die restlichen Flüge mussten warten, bis die Wasserstände sanken. Doch die 15 gestarteten Maschinen zeigten, wie kritische Infrastruktur und Training im Ernstfall greifen. Ohne die Modernisierungen der letzten Jahre wäre selbst diese reduzierte Abfertigung kaum möglich gewesen.
Stundenlange Wartezeiten: Betroffene Passagiere berichten
Die Bilder von überfüllten Wartebereichen und gestressten Reisenden prägten am Dienstag den Münchner Flughafen. Nach den heftigen Regenfällen am Vormittag häuften sich die Berichte von Passagieren, die stundenlang auf ihre Gepäckausgabe warteten oder in überhitzten Terminals festsaßen. Eine Familie aus Hamburg beschrieb gegen 17 Uhr, wie ihr Flug nach Mallorca mit dreieinhalb Stunden Verspätung startete – nur um dann weitere 90 Minuten im Flugzeug auf die Freigabe der Startbahn zu warten. „Die Kinder waren völlig übermüdet, und die Klimaanlage lief nur sporadisch“, berichtete die Mutter in einem Social-Media-Post, der innerhalb weniger Stunden über 2.000 Mal geteilt wurde.
Laut Angaben der Flughafen München GmbH waren besonders die Gepäckförderbänder in Terminal 2 betroffen. Durch die Wetterkapriolen fiel zeitweise die Hälfte der automatisierten Sortieranlagen aus, was zu manuellen Nachbearbeitungen führte. Experten der Luftfahrtbranche bestätigen, dass solche Störungen bei Extremwetter häufiger auftreten: Studien des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass bereits ab 30 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde die Infrastruktur an großen Flughäfen an ihre Grenzen stößt. Am Dienstag wurden in München lokal bis zu 45 Liter gemessen.
Ein Geschäftsreisender, der seinen Anschlussflug nach Tokio verpasste, kritisierte vor allem die mangelnde Kommunikation. „Es gab keine Durchsagen, keine Updates – nur eine Schlange von 200 Menschen vor dem Service-Schalter“, schrieb er in einer Bewertung auf einer Reiseplattform. Die Flughafenleitung räumte später ein, dass die Personalkapazitäten für solche Ausnahmesituationen „nicht immer ausreichend skalierbar“ seien. Als Notlösung wurden mobile Informationsstände eingerichtet, doch viele Passagiere hatten zu diesem Zeitpunkt bereits eigene Lösungen organisiert: Hotels in der Nähe buchten innerhalb weniger Stunden komplett aus.
Besonders hart traf es diejenigen mit Zeitdruck. Eine Gruppe von 12 Austauschschülern verpasste ihren Busanschluss nach Nürnberg, nachdem ihr Flug aus London mit fünf Stunden Verspätung landete. Die Betreuerin arrangierte spontan einen Ersatztransport – Kostenpunkt: 850 Euro. „Das ist ärgerlich, aber im Vergleich zu anderen hier noch glimpflich abgelaufen“, kommentierte sie gegenüber lokalen Medien.
Was Reisende bei Wetterchaos am Flughafen tun können
Wenn Unwetter wie der aktuelle Starkregen in München den Flugbetrieb lahmlegen, geraten Reisende schnell unter Druck. Laut einer Studie der EU-Kommission aus dem Jahr 2023 waren Wetterextreme für fast 40 Prozent aller größeren Verspätungen an europäischen Flughäfen verantwortlich. Wer am Flughafen feststeckt, sollte zunächst die offizielle App der Flughafen München GmbH oder die Website der Fluggesellschaft checken – hier gibt es oft Echtzeit-Updates zu Gates, Umbuchungen oder Stornierungen, noch bevor die Anzeigetafeln aktualisiert werden.
Direkt nach Bekanntgabe der Verspätung lohnt es sich, die Airline-Kundenservice-Hotline zu kontaktieren oder den Schalter aufzusuchen. Bei längeren Wartezeiten haben Passagiere nach EU-Verordnung 261/2004 Anspruch auf Verpflegung wie Gutscheine für Restaurants am Flughafen. Wer über sechs Stunden wartet, kann sogar eine Hotelübernachtung einfordern – sofern der Flug am nächsten Tag stattfindet. Dokumentation ist hier entscheidend: Boardkarten, Verspätungsbestätigungen und Quittungen für zusätzliche Ausgaben sollten gesammelt werden.
Reisende mit Anschlussflügen müssen besonders schnell handeln. Viele Airlines bieten bei wetterbedingten Problemen kostenlose Umbuchungen auf alternative Routen an, selbst wenn der nächste Flug erst am Folgetag geht. Wer flexibel ist, kann nach Verfügbarkeiten auf anderen Flughäfen wie Stuttgart oder Nürnberg fragen – manche Fluggesellschaften organisieren in solchen Fällen sogar Transfer-Shuttles.
Falls die Verspätung mehr als drei Stunden beträgt, steht Passagieren unter Umständen eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro zu. Ausnahmen gelten nur bei „außergewöhnlichen Umständen“, zu denen auch extremes Wetter zählt. Trotzdem empfiehlt die Verbraucherzentrale, immer einen Antrag zu stellen – selbst wenn die Airline zunächst ablehnt, lohnt sich oft eine Beschwerde bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr.
Klimawandel verschärft Extremwetter – Flughafen rüstet sich
Der Münchner Flughafen steht vor einer wachsenden Herausforderung: Klimaforscher warnen seit Jahren, dass der Klimawandel Extremwetterereignisse wie Starkregen und Gewitter intensiviert. Prognosen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass sich die Häufigkeit heftiger Niederschläge in Bayern bis 2050 um bis zu 30 Prozent erhöhen könnte. Für einen der verkehrsreichsten Flughäfen Europas bedeutet das nicht nur kurzfristige Störungen, sondern eine langfristige Anpassung der Infrastruktur.
Betroffen sind vor allem die Entwässerungssysteme. Bei den jüngsten Unwettern mussten Techniker mehrmals eingreifen, nachdem Wasser auf Rollbahnen und Vorfeldern stand. Die Flughafengesellschaft hat bereits reagiert und investiert seit 2022 in den Ausbau der Kanäle sowie in mobile Pumpen, die bei akuten Überflutungen zum Einsatz kommen.
Doch nicht nur die Technik ist gefragt. Schulungen für das Bodenpersonal wurden ausgeweitet, um auf plötzliche Wetterumschwünge schneller reagieren zu können. Auch die Zusammenarbeit mit Meteorologen wurde intensiviert: Seit diesem Jahr erhält die Flugsicherung Echtzeit-Daten zu lokalen Wetterphänomenen, die über die Standardvorhersagen hinausgehen.
Kritisch bleibt die Frage, wie nachhaltig solche Maßnahmen sind. Während kurzfristige Lösungen wie Sandsäcke oder Notfallpläne helfen, braucht es langfristig klimaresiliente Bauweisen – etwa durch erhöhte Start- und Landebahnen oder wasserdurchlässige Beläge. Andere große Flughäfen wie Amsterdam oder Zürich zeigen bereits, wie solche Konzepte umgesetzt werden können.
Die heftigen Regenfälle am Münchner Flughafen zeigen einmal mehr, wie anfällig der Flugbetrieb bei extremen Wetterbedingungen bleibt – selbst an einem der modernsten Drehkreuze Europas. Zwar lief die Abfertigung der 15 verspäteten Maschinen letztlich geordnet ab, doch die Verzögerungen erinnern daran, dass Passagiere bei Unwetterwarnungen stets Puffer einplanen sollten, besonders in der Hauptreisezeit.
Wer in den kommenden Wochen über München fliegt, tut gut daran, die Wetterapps im Blick zu behalten und bei Gewitterankündigungen früher am Terminal einzutreffen, um Umbuchungen oder längere Wartezeiten zu vermeiden. Langfristig wird sich zeigen müssen, wie der Flughafen seine Infrastruktur weiter an die Zunahme solcher Wetterextreme anpasst.

