Mit über 10.000 angemeldeten Teilnehmern wird die heutige Friedensdemo München am Marienplatz zu einer der größten Kundgebungen der Stadt in diesem Jahr. Ab 14 Uhr versammeln sich Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Hintergründe, um ein gemeinsames Zeichen gegen Krieg und für eine diplomatische Lösung internationaler Konflikte zu setzen. Die Münchner Polizei hat bereits erhöhte Sicherheitsvorkehrungen angekündigt, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten – ein Indiz für die erwartete Größe und Emotionalität der Veranstaltung.

Die Friedensdemo München heute trifft auf eine Stadtgesellschaft, die seit Monaten von globalen Spannungen und der Frage nach Deutschlands Rolle in der internationalen Sicherheitspolitik geprägt ist. Organisiert von einem breiten Bündnis aus Friedensinitiativen, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Gruppen, richtet sich die Demonstration bewusst an alle, die sich jenseits politischer Lager für Deeskalation und Dialog einsetzen. Besonders im Fokus stehen diesmal die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten sowie die Forderung nach einer konsequenteren Abrüstungspolitik – Themen, die auch in München zunehmend die öffentliche Debatte bestimmen.

Warum München heute für den Frieden auf die Straße geht*

Die Münchner Friedensbewegung zeigt heute wieder Flagge – und das mit gutem Grund. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben sich die Rüstungsausgaben Deutschlands mehr als verdoppelt, auf über 50 Milliarden Euro im Jahr 2023. Eine Entwicklung, die viele Bürger:innen mit Sorge betrachten. Die Demonstration am Marienplatz ist daher nicht nur ein Aufruf zum Dialog, sondern eine klare Positionierung gegen die zunehmende Militarisierung der Außenpolitik.

Dass der Protest gerade jetzt stattfindet, ist kein Zufall. Aktuelle Umfragen des Instituts für Friedensforschung zeigen: Fast zwei Drittel der Münchner Bevölkerung lehnen Waffenlieferungen in Konfliktgebiete ab, wenn diplomatische Lösungen möglich wären. Die Organisatoren der Demo verweisen auf die historische Verantwortung Deutschlands, Brückenbauer zu sein – statt die Spirale der Gewalt weiter anzuheizen.

Besonders die junge Generation geht heute auf die Straße. Studierende der LMU und TUM haben in den vergangenen Wochen eigene Initiativen gestartet, um auf die humanitären Folgen von Kriegen aufmerksam zu machen. Ihr Motto: „Frieden ist kein Luxus, sondern eine Überlebensfrage.“ Die Forderung nach einer konsequenten Entspannungspolitik steht dabei im Vordergrund.

Auch die Wahl des Marienplatzes als Versammlungsort ist symbolträchtig. Hier, im Herzen der Stadt, wo sonst Touristen und Einheimische das bunte Treiben genießen, wird heute an die Grundwerte erinnert, die Europa nach zwei Weltkriegen geprägt haben. Die Redner:innen werden nicht nur gegen Waffenexporte protestieren, sondern konkrete Alternativen vorstellen – von ziviler Konfliktlösung bis hin zu einer Reform der EU-Sicherheitspolitik.

Dass die Demo auf einen Samstagnachmittag gelegt wurde, unterstreicht den Willen der Veranstalter, möglichst viele Menschen zu erreichen. Familien, Rentner:innen und Gewerkschafter:innen werden Seite an Seite marschieren. Ein Zeichen, das über Parteigrenzen hinweg wirkt.

Route, Redner und Sicherheitskonzept der Großdemo*

Die Demonstration beginnt um 14 Uhr am Marienplatz und zieht sich über eine rund drei Kilometer lange Strecke durch die Innenstadt. Vom Startpunkt aus führt die Route über die Kaufingerstraße Richtung Karlsplatz, bevor sie über die Sonnenstraße und die Rosenstraße zurück zum Marienplatz geleitet wird. Die Polizei hat die Strecke gemeinsam mit den Veranstaltern abgestimmt, um Engpässe zu vermeiden und den öffentlichen Nahverkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Laut Angaben der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sind kurzfristige Umleitungen im Bus- und Straßenbahnnetz während der Demo möglich.

Zu den Rednern zählen Vertreter lokaler Friedensinitiativen sowie bundesweit bekannte Aktivisten aus der Friedensbewegung. Ein Schwerpunkt liegt auf der aktuellen Lage in Osteuropa, wobei auch die Rolle Deutschlands in der internationalen Rüstungspolitik thematisiert wird. Experten der Bundeszentrale für politische Bildung verweisen darauf, dass seit Beginn des Ukraine-Kriegs die Zahl der Friedensdemonstrationen in Deutschland um über 40 Prozent gestiegen ist – ein Indiz für die wachsende gesellschaftliche Debatte.

Das Sicherheitskonzept sieht einen massiven Polizeieinsatz vor: Rund 500 Beamte werden im Einsatz sein, darunter auch Spezialkräfte für Deeskalation. Absperrungen und Kontrollpunkte sind entlang der Route eingerichtet, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten. Die Veranstalter haben zudem eigene Ordner engagiert, die mit gelben Westen gekennzeichnet sind. Im Vorfeld gab es Absprachen mit der Stadt, um mögliche Störungen durch Gegendemonstranten frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden.

Für den Fall von medizinischen Notfällen stehen Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes bereit, die entlang der Strecke stationiert sind. Die Polizei bittet Teilnehmer, auf Taschenkontrollen vorbereitet zu sein und keine gefährlichen Gegenstände mitzuführen. Die Demonstration soll gegen 17 Uhr mit einer Abschlusskundgebung am Marienplatz enden.

Verkehrseinschränkungen und Alternativen für Pendler*

Ab 14 Uhr werden im Münchner Innenstadtbereich erhebliche Verkehrseinschränkungen erwartet. Die Friedensdemonstration startet am Marienplatz und zieht über die Kaufingerstraße Richtung Odeonsplatz, bevor sie gegen 17 Uhr am Max-Joseph-Platz endet. Die Stadtwerke München (SWM) und die Polizei raten Autofahrern dringend, das Gebiet weiträumig zu umfahren. Besonders betroffen sind die Haltestellen der Tramlinien 16, 18, 19 sowie der Buslinien 100 und 132, die während der Demo umgeleitet oder vorübergehend ausgesetzt werden.

Für Pendler, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, empfiehlt der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) alternative Routen über die U-Bahn-Linien U3, U4, U5 und U6. Laut MVV-Sprecher nutzen täglich rund 900.000 Menschen den ÖPNV in der Innenstadt – an Tagen mit Großveranstaltungen steigt die Auslastung um bis zu 30 Prozent. Wer Flexibilität hat, sollte die Stoßzeiten zwischen 15 und 18 Uhr meiden oder auf S-Bahn-Verbindungen ausweichen, die den Hauptbahnhof umfahren.

Radfahrer müssen mit Sperrungen auf der Ludwigstraße und der Residenzstraße rechnen. Die Polizei wird kontrollierte Umleitungen einrichten, doch Engpässe sind unvermeidbar. Fußgänger sollten ebenfalls mehr Zeit einplanen, da mit Menschenansammlungen von bis zu 15.000 Teilnehmern gerechnet wird. Besonders kritisch könnte es an den Zugängen zur U-Bahn-Station Marienplatz werden, wo die Polizei mit verstärkten Kontrollen präsent sein wird.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte Parkhäuser am Stadtrand wie das Parkhaus Arabellapark oder Olympia-Einkaufszentrum ansteuern und von dort mit der U-Bahn weiterfahren. Die Innenstadtparkhäuser werden voraussichtlich frühzeitig belegt sein. Taxiunternehmen wie IsarFunk und Taxi München 3535 haben bereits angekündigt, Fahrten in den Sperrbereich nur eingeschränkt anzubieten.

Prominente Unterstützer von der CSU bis zu Klimagruppen*

Die heutige Friedensdemonstration in München zieht nicht nur Tausende Bürger an, sondern vereint auch ein breites Spektrum an Unterstützern – von der Politik bis zur Zivilgesellschaft. Die CSU-Landesgruppe im Bundestag hat sich explizit hinter die Kundgebung gestellt, wie aus einer offiziellen Stellungnahme hervorgeht. Besonders auffällig: Mit Markus Blume, dem bayerischen Wissenschaftsminister, und Florian Hahn, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, beteiligen sich zwei prominente CSU-Politiker persönlich an der Veranstaltung. Auch die Münchner Stadtratsfraktion der Grünen signalisierte Solidarität, was auf eine seltene parteiübergreifende Einigkeit in der Friedensfrage hindeutet.

Klimagruppen wie Fridays for Future München oder Extinction Rebellion Bayern haben ebenfalls zur Teilnahme aufgerufen. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung engagieren sich mittlerweile 68 Prozent der unter 30-Jährigen in Deutschland gleichzeitig in Klima- und Friedensinitiativen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022. Die Vernetzung beider Themen zeigt sich auch in der Demonstration selbst: Transparente mit Aufschriften wie „Klimagerechtigkeit braucht Frieden“ oder „Rüstung killt unser Budget – und das Klima“ werden erwartet.

Überraschend ist zudem die Unterstützung aus der Wirtschaft. Der Münchner Unternehmerverband Die Familienunternehmer erklärte in einer Pressemitteilung, man stehe hinter „allen friedlichen Initiativen, die zur Deeskalation in Europa beitragen“. Selbst der DGB Bayern, sonst eher zurückhaltend bei politischen Kundgebungen, hat seine Mitglieder zur Teilnahme aufgefordert. Gewerkschaftsvertreter betonen, dass Rüstungsetats langfristig Sozialhaushalte und Arbeitsplätze gefährdeten – ein Argument, das auf der Demo heute zentral sein dürfte.

Kirchliche Vertreter wie der Münchner Erzbischof Reinhard Marx oder die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern haben ebenfalls ihre Teilnahme angekündigt. Besonders die ökumenische Friedensarbeit der letzten Monate, etwa die gemeinsamen Gebetsaktionen von Katholiken und Protestanten, findet nun ihren Höhepunkt in der heutigen Demonstration. Selbst die jüdische Gemeinde München hat über den Rat der Religionen eine Solidaritätserklärung abgegeben – ein Zeichen für die breite gesellschaftliche Verankerung der Initiative.

Dass sich selbst traditionell distanzierte Gruppen wie die Bayerische Polizei-Gewerkschaft positiv äußerten, unterstreicht den Ausnahmecharakter der Veranstaltung. Ihr Sprecher verwies auf die „professionelle Vorbereitung“ der Organisatoren und die „friedliche Grundstimmung“ der angemeldeten Teilnehmer. Ob diese Einheit über den heutigen Tag hinaus Bestand hat, wird sich zeigen. Fest steht: Selten war eine Münchner Demo so vielfältig unterstützt.

Was nach der Demo bleibt: Forderungen an die Politik*

Die Kundgebung auf dem Marienplatz endet, doch die Forderungen der Friedensbewegung bleiben. Klimaschutz, Abrüstung und eine gerechtere Außenpolitik stehen im Mittelpunkt der heute vorgetragenen Appelle. Besonders die Rüstungsausgaben Deutschlands – 2023 auf Rekordniveau von über 50 Milliarden Euro – gerieten in die Kritik. Teilnehmer forderten eine Umverteilung dieser Mittel hin zu sozialer Sicherheit und ziviler Konfliktlösung.

Konkrete politische Schritte müssen folgen, wenn die Demo mehr als ein Symbol sein soll. Die Organisatoren verweisen auf das Beispiel der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1980er, deren anhaltender Druck schließlich zum Atomausstieg führte. Ähnliches Engagement sei jetzt nötig, um die Bundesregierung zu einer aktiven Friedenspolitik zu bewegen – etwa durch die Unterstützung internationaler Vermittlungsinitiativen statt Waffenlieferungen.

Ein zentraler Punkt: die Forderung nach einem verbindlichen Friedensplan für die Ukraine. Während die Bundesregierung bisher auf militärische Unterstützung setzt, plädieren Demonstranten für diplomatische Lösungen. Studien des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI zeigen, dass langfristige Stabilität selten durch Waffen, sondern durch Verhandlungen erreicht wird.

Ob die Politik reagiert, bleibt abzuwarten. Doch der Druck wächst – nicht nur in München, sondern bundesweit.

Die Friedensdemo am Münchner Marienplatz zeigt heute einmal mehr, wie lebendig die zivilgesellschaftliche Stimme in der Stadt ist—trotz politischer Spannungen und globaler Krisen. Dass Tausende trotz Regenwahrscheinlichkeit und kurzer Vorbereitungszeit zusammenkommen, unterstreicht den dringenden Wunsch nach Dialog und einer friedlichen Zukunft, besonders in Zeiten eskalierender Konflikte.

Wer selbst teilnehmen möchte, sollte frühzeitig anreisen: Die Kundgebung beginnt um 15 Uhr, doch mit den erwarteten Menschenmassen könnte der Platz bereits vorher gut gefüllt sein. Aktuelle Routenempfehlungen und mögliche Verkehrseinschränkungen lassen sich über die sozialen Kanäle der Veranstalter abrufen.

Wie sich diese Bewegung langfristig auf die lokale und bundesweite Friedenspolitik auswirkt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen—doch heute steht erstmal das gemeinsame Zeichen im Vordergrund.