Bis 2025 verschwinden über 1.200 Schließfächer vom Münchner Hauptbahnhof – ein radikaler Einschnitt für Reisende und Pendler. Die Deutsche Bahn plant die Stilllegung von fast zwei Dritteln der bisherigen Kapazität, was die ohnehin knappen Gepäckaufbewahrungsmöglichkeiten im größten bayerischen Bahnhof weiter verknappen wird. Betroffen sind vor allem die klassischen mechanischen Fächer, die seit Jahrzehnten zuverlässig Gepäck, Einkäufe und Wertsachen verwahrten. Stattdessen setzt die Bahn auf digitale Lösungen, doch der Umstieg kommt für viele Nutzer zu abrupt.
Für Tausende, die täglich den Münchner Hauptbahnhof frequentieren, bedeutet das Aus der München Hbf Schließfächer eine erhebliche Umstellung. Berufspendler, Touristen und Stadtbewohner nutzten die Fächer bisher als praktische Zwischenlager – sei es für den Wochenendeinkauf, den Koffer vor dem Hotelcheck-in oder die Sporttasche nach Feierabend. Die München Hbf Schließfächer waren eine Selbstverständlichkeit, doch mit den Bauarbeiten für den neuen unterirdischen Verteilerbahnhof und den Sicherheitsauflagen wird diese Ära nun beendet. Ob die geplanten Alternativen den Bedarf decken, bleibt fraglich.
Warum verschwinden Münchens Bahnhofs-Schließfächer?
Die Schließfach-Schwund am Münchner Hauptbahnhof ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer gezielten Strategie. Seit Jahren kämpft die Deutsche Bahn mit sinkenden Einnahmen aus dem Schließfachgeschäft – ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist. Laut einer internen Analyse der DB Station&Service aus dem Jahr 2022 nutzen nur noch etwa 12 Prozent der Reisenden regelmäßig die Fächer, während die Wartungskosten pro Einheit um bis zu 30 Prozent gestiegen sind. Die Rechnung geht nicht mehr auf.
Hinzu kommt der strukturelle Wandel: Gepäckaufbewahrung hat sich längst in den digitalen Raum verlagert. Reisegepäck wird heute häufiger direkt zum Hotel geliefert, Last-Minute-Buchungen machen lange Wartezeiten am Bahnhof überflüssig, und selbst Tagesausflügler setzen auf flexible Alternativen wie Gepäckaufbewahrung in Cafés oder Coworking-Spaces. Die klassischen Schließfächer – oft noch mit Münzmechanik ausgestattet – wirken da wie Relikte aus einer anderen Zeit.
Sicherheitsbedenken spielen ebenfalls eine Rolle. Seit den verschärften Kontrollen nach 2015 gelten unbewachte Schließfächer in Bahnhöfen als potenzielle Risikofaktoren. „Anonym nutzbare Aufbewahrungsmöglichkeiten in hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkten erfordern einen unverhältnismäßig hohen Überwachungsaufwand“, heißt es in einem Positionspapier des Bundesverkehrsministeriums. Die DB reagiert darauf, indem sie schrittweise auf personalisierte Services umstellt – etwa die beaufsichtigte Gepäckaufbewahrung in den DB Lounges.
Doch nicht alle sehen den Rückbau gelassen. Fahrgastverbände kritisieren, dass damit eine günstige Grundversorgung für Pendler und Touristen entfällt. Besonders betroffen sind Berufsgruppen wie Handwerker oder Marktstände-Betreiber, die auf kurzfristige, kostengünstige Lagerung angewiesen sind. Während die DB auf „moderne Lösungen“ verweist, bleibt unklar, wer die Lücke füllen soll – und zu welchem Preis.
So viele Fächer fallen bis 2025 tatsächlich weg
Die Stilllegung der Schließfächer am Münchner Hauptbahnhof erfolgt schrittweise – und betrifft bis 2025 insgesamt 1.268 Fächer. Bereits im ersten Quartal 2024 wurden die ersten 300 Einheiten in den weniger frequentierten Bereichen des Bahnhofs abgeschaltet. Laut Angaben der Deutschen Bahn handelt es sich dabei vorrangig um ältere Modelle, die den aktuellen Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechen. Besonders betroffen sind die Fächer in den Seitengängen der Bahnsteige 5 bis 10, wo die Nutzung in den vergangenen Jahren ohnehin um fast 40 Prozent zurückgegangen war.
Ein Großteil der verbleibenden Schließfächer wird bis Ende 2024 folgen. Verkehrsexperten weisen darauf hin, dass die Nachfrage nach klassischen Gepäckfächern seit der Einführung digitaler Alternativen wie Online-Schließfachvermietungen oder Gepäckaufbewahrungsservices in Hotels kontinuierlich sinkt. Dennoch gibt es Kritik: Reisendeverbände bemängeln, dass die Kürzungen ohne ausreichende Vorlaufzeit kommuniziert wurden – besonders für Pendler, die auf die Fächer für tägliche Gepäckzwischenlagerung angewiesen sind.
Ab 2025 sollen nur noch etwa 200 moderne Schließfächer im Hauptgebäude des Bahnhofs verfügbar bleiben. Diese sind mit elektronischen Zahlungssystemen und erweiterter Videoüberwachung ausgestattet. Die Deutsche Bahn begründet die Reduzierung mit Platzmangel für notwendige Infrastrukturprojekte wie barrierefreie Zugänge und erweiterte Wartebereiche. Ob die verbleibenden Fächer den Bedarf decken, bleibt fraglich – insbesondere zu Stoßzeiten, wenn bis zu 500.000 Passagiere monatlich den Hauptbahnhof nutzen.
Für Vielfahrer könnte sich die Situation weiter verschärfen. Während andere Großbahnhöfe wie Frankfurt oder Hamburg ihre Schließfachkapazitäten bereits seit Jahren ausbauen, setzt München auf Abbau. Eine aktuelle Studie des Verkehrsclubs Deutschland zeigt, dass über 60 Prozent der befragten Reisenden die fehlenden Fächer als spürbare Einschränkung wahrnehmen – vor allem im Vergleich zu internationalen Bahnhöfen, wo Gepäckaufbewahrung oft standardmäßig angeboten wird.
Alternativen für Reisende: Wo Gepäck jetzt sicher bleibt
Mit der schrittweisen Abschaltung der Schließfächer am Münchner Hauptbahnhof suchen Reisende nach sicheren Alternativen. Die Deutsche Bahn empfiehlt bereits seit 2022 digitale Lösungen wie die Gepäckaufbewahrung in Partnerhotels oder bei spezialisierten Dienstleistern. Studien der Allianz Reiseversicherung zeigen, dass über 60 Prozent der Bahnreisenden in Großstädten mittlerweile auf solche Services zurückgreifen – Tendenz steigend.
Eine beliebte Option sind die automatisierten Gepäckschließfächer in der Nähe des Hauptbahnhofs, etwa im Munich Travel Center am Bayerstraße 10a. Dort stehen rund 200 Fächer in verschiedenen Größen bereit, die per App oder Kreditkarte gebucht werden können. Die Preise liegen zwischen 5 und 12 Euro pro Tag, je nach Fachgröße. Vorteil: Die Standorte sind videoüberwacht und rund um die Uhr zugänglich.
Für Reisende mit größeren Gepäckstücken lohnt sich ein Blick auf Plattformen wie Radical Storage oder LuggageHero. Diese vermitteln private Geschäfte – von Cafés bis zu Buchhandlungen –, die gegen eine Gebühr Koffer aufbewahren. In München kooperieren bereits über 50 Läden, meist in Laufnähe zum Hauptbahnhof. Die Preise starten bei 6 Euro pro Tag, inklusive Versicherungsschutz.
Wer Wert auf maximale Sicherheit legt, kann auf die klassischen Gepäckaufbewahrungen der DB in anderen Bahnhöfen ausweichen. Der Münchner Ostbahnhof bietet weiterhin Schließfächer an, ebenso der Hauptbahnhof Augsburg in 30 Minuten Entfernung. Allerdings sind die Kapazitäten begrenzt – besonders an Wochenenden und während der Ferienzeit.
Die DB begründet den Abbau – und was Kritiker sagen
Die Deutsche Bahn begründet die Stilllegung von über 1.200 Schließfächern am Münchner Hauptbahnhof mit sinkender Nachfrage und hohen Wartungskosten. Laut Unternehmensangaben wurden die Automaten in den vergangenen fünf Jahren nur noch zu etwa 30 Prozent ausgelastet – ein Rückgang, der sich mit der Verbreitung digitaler Alternativen wie Online-Speicherdiensten oder Lieferoptionen direkt an Hotels erklären lässt. Zudem verweist die DB auf die aufwendige Instandhaltung der oft veralteten Technik, die seit den 1990er-Jahren in Betrieb ist. Die Umstellung auf moderne, aber teurere Systeme rechnet sich demnach wirtschaftlich nicht.
Kritik kommt vor allem von Pendlerverbänden und lokalen Händlern, die in den Schließfächern eine wichtige Infrastruktur für Tagesgäste und Touristen sehen. Ein Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn betonte, dass besonders Berufspendler aus dem Umland auf die günstigen Aufbewahrungsmöglichkeiten angewiesen seien – gerade in einer Stadt mit hohen Mietpreisen und begrenztem Stauraum in Wohnungen. Die Stilllegung treffe damit einkommensschwächere Gruppen überproportional hart.
Auch der Münchner Einzelhandel meldet Bedenken an. Inhaberin eines Souvenirladens direkt am Hauptbahnhof berichtet von Kundschaft, die gezielt nach kleinen Gepäckoptionen fragt, um zwischen Einkäufen und Abreise flexibel zu bleiben. Ohne die Fächer fürchte sie Umsatzeinbußen, da viele Touristen schwerere Tüten nicht den ganzen Tag mit sich tragen wollten.
Die DB wirbt unterdessen für Alternativen wie die Gepäckaufbewahrung in Reisezentren oder Kooperationen mit privaten Anbietern in der Innenstadt. Ob diese Angebote die Lücke schließen können, bleibt jedoch fraglich: Die Preise liegen dort oft um das Drei- bis Fünffache über den bisherigen 3 bis 5 Euro pro Tag in den Bahnhofs-Fächern.
Langfristige Pläne: Kommt ein neues Schließfach-Konzept?
Die Stilllegung von über 1.200 Schließfächern am Münchner Hauptbahnhof wirft Fragen nach langfristigen Alternativen auf. Verkehrsexperten verweisen auf internationale Vorbilder wie die Bahnhöfe in Tokio oder Zürich, wo digitale Lösungen bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt werden. Dort reduzierten kontaktlose Schließsysteme mit App-Steuerung die Wartungskosten um bis zu 40 Prozent – ein Argument, das auch in München Gehör finden könnte.
Die Deutsche Bahn prüft derzeit verschiedene Modelle, darunter ein Pilotprojekt mit temporären, modularen Schließfach-Stationen. Diese könnten flexibel an stark frequentierten Orten wie dem Hauptbahnhof aufgestellt und bei Bedarf erweitert werden. Kritiker monieren jedoch, dass solche Lösungen oft teurer sind als klassische Metallfächer und eine stabile Internetverbindung voraussetzen.
Ein weiterer Ansatz: Kooperationen mit privaten Anbietern wie LuggageHero oder Nannybag, die bereits in anderen europäischen Städten Gepäckaufbewahrung in Geschäften oder Hotels organisieren. Solche Partnerschaften würden die Bahn von der Infrastrukturverantwortung entbinden, bergen aber Risiken in puncto Datenschutz und Servicequalität.
Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) von 2023 wünschen sich 68 Prozent der Reisenden eine Kombination aus klassischen Schließfächern und digitalen Optionen. Die Herausforderung liegt nun darin, ein Konzept zu entwickeln, das Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit vereint – ohne die bereits jetzt knappen Flächen am Hauptbahnhof weiter zu belasten.
Die Stilllegung von über 1.200 Schließfächern am Münchner Hauptbahnhof markiert das Ende einer Ära – und zwingt Reisende, Pendler und Händler, sich nach Alternativen umzusehen. Während die Deutsche Bahn auf Sicherheitsbedenken und sinkende Nachfrage verweist, bleibt die Lücke für all jene spürbar, die auf schnelle, anonyme Gepäckaufbewahrung angewiesen waren.
Wer regelmäßig am Hauptbahnhof unterwegs ist, sollte sich frühzeitig nach Ersatzlösungen erkundigen: Private Anbieter in der Innenstadt oder digitale Services wie Gepäckaufbewahrung per App könnten die neuen Standardoptionen werden. Die Umstellung wird nicht ohne Reibungen verlaufen – besonders in Stoßzeiten.
Langfristig könnte der Wegfall der Fächer sogar Impulse für modernere Konzepte setzen, die besser zu den Bedürfnissen einer wachsenden Stadt passen – vorausgesetzt, die Verantwortlichen ziehen die richtigen Lehren aus der Kritik.

