Mehr als 200 Hunde sitzen derzeit im Tierheim München fest – eingepfercht in viel zu engen Boxen, während die Warteliste für neue Tiere immer länger wird. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Jahresbeginn hat sich die Belegung fast verdoppelt, und die Kapazitäten sind am Anschlag. Besonders betroffen sind ältere Hunde und sogenannte „Problemtiere“, die oft monatelang auf ein Zuhause warten. Die Situation ist so angespannt, dass das Personal bereits Notlösungen wie provisorische Zwinger auf dem Außenareal einrichten musste.
Für Tierfreunde in und um München ist die Lage alarmierend. Das Tierheim München, sonst bekannt für seine gut organisierten Vermittlungen, kämpft nun mit Platzmangel und steigenden Kosten. Wer einen Hund adoptieren möchte, findet aktuell eine große Auswahl – von verspielt bis ruhig, von klein bis groß. Doch die Zeit drängt: Ohne baldige Entlastung drohen weitere Einschränkungen, die am Ende die Tiere am härtesten treffen würden.
Warum das Münchner Tierheim an seine Grenzen stößt
Das Münchner Tierheim kämpft seit Monaten mit einer beispiellosen Überlastung. Über 200 Hunde warten aktuell auf ein neues Zuhause – eine Zahl, die weit über dem üblichen Durchschnitt liegt. Normalerweise beherbergt die Einrichtung etwa 120 bis 150 Hunde gleichzeitig. Doch die Kombination aus gestiegenen Abgaben und rückläufigen Adoptionen hat die Kapazitäten an ihre Grenzen gebracht.
Ein zentrales Problem: Immer mehr Tiere werden abgegeben, weil Halter die Kosten für Futter, Tierarzt oder Versicherung nicht mehr tragen können. Laut dem Deutschen Tierschutzbund haben sich die Fallzahlen bei finanziell bedingten Abgaben in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt. Besonders betroffen sind ältere oder kranke Hunde, die oft als „Problemfälle“ eingestuft werden.
Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, Tiere aus dem Tierheim zu adoptieren. Viele potenzielle Halter bevorzugen Welpen aus Züchtungen oder den Kauf über Online-Plattformen. Die Folge: Langzeitbewohner wie der achtjährige Mischling Bruno, der seit über einem Jahr auf ein Zuhause wartet, bleiben auf der Strecke. Die begrenzten Platzverhältnisse zwingen das Tierheim dazu, Notlösungen wie Zwischenunterkünfte in Pflegestellen zu organisieren.
Auch strukturelle Herausforderungen verschärfen die Lage. Das Münchner Tierheim verfügt über eine feste Belegungsgrenze, die aus tierschutzrechtlichen Gründen nicht überschritten werden darf. Jeder zusätzliche Hund bedeutet weniger Bewegungsfreiheit und mehr Stress für alle Tiere. Ohne schnelle Entlastung durch Adoptionen oder zusätzliche Fördermittel droht eine weitere Zuspitzung der Situation.
Diese Hunderassen suchen besonders dringend ein Zuhause
Während im Münchner Tierheim fast alle Boxen belegt sind, gibt es bestimmte Rassen, die besonders lange auf ein neues Zuhause warten. Laut aktuellen Zahlen der Tierschutzorganisationen bleiben vor allem ältere Windhunde, große Mischlinge mit dunklem Fell und sogenannte „Listenhunde“ wie Staffordshire Bullterrier oder American Staffordshire Terrier oft monatelang unadoptiert. Die Gründe sind vielfältig: Vorurteile gegenüber bestimmten Rassen, der Irrglaube, ältere Hunde seien schwer erziehbar, oder schlicht die Scheu vor großen, kräftigen Tieren.
Besonders betroffen sind derzeit die sogenannten „Schwarzen Hunde“ – eine informelle Bezeichnung für Tiere mit dunkelbraunem oder schwarzem Fell. Studien zeigen, dass diese Hunde bis zu 30 % länger im Tierheim bleiben als ihre helleren Artgenossen. Ein Grund dafür ist der „Black Dog Syndrome“, ein Phänomen, das Tierheimmitarbeiter seit Jahren beobachten: Auf Fotos und in den Gehegen wirken dunkle Hunde oft weniger freundlich oder ausdrucksstark als helle, obwohl ihr Charakter keinen Unterschied macht.
Auch ältere Windhunde, die nach ihrer Rennkarriere im Tierheim landen, haben es schwer. Viele Interessenten suchen junge, aktive Hunde und übersehen, dass ehemalige Rennhunde oft besonders sanftmütig und anhänglich sind. Im Münchner Tierheim sitzen derzeit drei Greyhounds und ein Galgo Español, die alle älter als sieben Jahre sind – für diese Rassen ein Alter, in dem die Chancen auf Vermittlung rapide sinken.
Tierschützer betonen, dass gerade diese Hunde oft die dankbarsten Begleiter sind. Sie sind meist stubenrein, kennen Grundkommandos und brauchen keine aufwendige Erziehung mehr. Wer sich für einen dieser „Problemfälle“ entscheidet, bekommt nicht selten einen treuen, ruhigen Partner, der die zweite Chance zu schätzen weiß.
So läuft die Vermittlung im Tierheim München ab
Wer im Tierheim München einen Hund adoptieren möchte, durchläuft ein strukturiertes Verfahren – nicht zuletzt, um sicherzustellen, dass Tier und Halter zueinander passen. Der erste Schritt führt interessierte Besucher zur Online-Vorabfrage auf der Website des Tierheims. Hier werden grundlegende Informationen wie Wohnsituation, Erfahrung mit Hunden und tägliche verfügbare Zeit abgefragt. Ohne diese Vorabklärung ist ein Termin vor Ort nicht möglich. Laut Angaben des Tierschutzvereins scheitern rund 30 Prozent der Anfragen bereits in dieser Phase, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen.
Hat die Vorabfrage geklappt, folgt der Besuch im Tierheim. Doch einfach vorbeizuschauen, reicht nicht: Termine werden individuell vereinbart, um Überlastung zu vermeiden. Vor Ort führt ein Mitarbeiter durch die Hundehütten und stellt mögliche Kandidaten vor. Dabei wird genau beobachtet, wie der potenzielle Halter mit dem Tier interagiert. Nicht selten zeigt sich erst hier, ob die Chemie stimmt – oder ob ein anderer Hund besser passen würde. Die Auswahl erfolgt nie nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sondern nach Eignung.
Steht der Wunschhund fest, beginnt die bürokratische Phase. Ein ausführliches Gespräch mit den Tierheim-Mitarbeitern klärt letzte Fragen, etwa zu möglichen Vorerkrankungen oder Besonderheiten im Verhalten. Anschließend wird ein Schutzvertrag unterzeichnet, der unter anderem regelmäßige Tierarztbesuche und artgerechte Haltung vorschreibt. Die Adoptionsgebühr liegt zwischen 200 und 400 Euro – abhängig von Alter, Rasse und Vorbesitz des Hundes. Erst nach einer Schutzwoche, in der das Tier bei Problemen zurückgebracht werden kann, ist die Vermittlung offiziell abgeschlossen.
Wer glaubt, mit der Unterschrift sei alles erledigt, irrt. Das Tierheim München behält sich vor, auch nach der Vermittlung unangekündigte Kontrollen durchzuführen. Diese Praxis ist kein Misstrauen, sondern Standard: Studien zeigen, dass bis zu 15 Prozent der adoptierten Hunde innerhalb des ersten Jahres wieder abgegeben werden – oft, weil Halter die Verantwortung unterschätzen. Wer sich bewusst für ein Tierheimtier entscheidet, sollte also nicht nur Zeit, sondern auch Geduld mitbringen.
Was potenzielle Halter vor der Adoption wissen müssen
Ein Hund aus dem Tierheim ist kein Spielzeug, das man nach einer Weile wieder zurückgibt. Studien der Tierärztekammer zeigen, dass fast 15 % aller abgegebenen Hunde innerhalb des ersten Jahres erneut im Tierheim landen – oft wegen unrealistischer Erwartungen der Halter. Wer sich für einen Hund aus dem Münchner Tierheim entscheidet, sollte sich bewusst machen: Das Tier bringt nicht selten ein Gepäck aus Vernachlässigung oder Trauma mit. Geduld, Konsequenz und manchmal auch professionelle Unterstützung sind keine Option, sondern Pflicht.
Die Kosten werden gerne unterschätzt. Neben Futter, Steuern und Tierarztbesuchen kommen oft unerwartete Ausgaben hinzu. Ein Welpe aus dem Tierheim benötigt Impfungen, Chip und Kastration – das summiert sich schnell auf mehrere hundert Euro. Ältere Hunde können Vorerkrankungen haben, die regelmäßige Medikamente oder spezielle Diäten erfordern. Das Münchner Tierheim rät dazu, vor der Adoption ein finanzielles Polster von mindestens 1.000 Euro einzuplanen, um nicht in eine Notlage zu geraten.
Nicht jeder Hund passt in jeden Haushalt. Ein hochaktiver Border Collie wird in einer kleinen Stadtwohnung ohne Auslauf unglücklich, genau wie ein ängstlicher Straßenhund mit unberechenbarem Verhalten nicht ideal für eine Familie mit Kleinkindern ist. Die Mitarbeiter des Tierheims kennen die Tiere und ihre Eigenheiten genau. Wer sich Zeit nimmt, gemeinsam mit ihnen den passenden Hund auszusuchen, spart sich und dem Tier später viel Leid.
Die ersten Wochen entscheiden oft über Erfolg oder Scheitern. Ein Tierheimhund braucht klare Regeln, aber keine Härte. Plötzliche Freiheit, neue Gerüche, unbekannte Menschen – das überfordert viele Tiere zunächst. Ein ruhiger Rückzugsort, feste Routinen und schrittweise Gewöhnung an die neue Umgebung helfen, Vertrauen aufzubauen. Wer hier zu schnell zu viel verlangt, riskiert Verhaltensprobleme, die später nur schwer zu korrigieren sind.
Neubau geplant: Wie die Stadt die Not lindern will
Der Platzmangel im Münchner Tierheim treibt die Verantwortlichen zum Handeln. Mit einem geplanten Neubau auf dem Gelände in der Riemer Straße soll die akute Not gelindert werden. Die Pläne sehen eine Erweiterung um 1.200 Quadratmeter vor – fast eine Verdopplung der aktuellen Kapazitäten. Besonders dringend ist die Situation bei den Hunden: Über 200 Tiere warten derzeit auf ein Zuhause, viele davon in engen Gemeinschaftsboxen.
Tierschutzexperten betonen, dass die aktuelle Auslastung nicht nur die Lebensqualität der Tiere beeinträchtigt, sondern auch die Arbeit der Mitarbeiter erschwert. Laut einer Studie der Tierärztekammer Bayern aus dem Jahr 2023 steigt die Zahl der abgegebenen Hunde in Großstädten jährlich um etwa 12 Prozent – eine Entwicklung, die München besonders hart trifft.
Der Neubau soll nicht nur mehr Platz bieten, sondern auch moderne Standards erfüllen: getrennte Bereiche für kranke und gesunde Tiere, bessere Belüftungssysteme und mehr Rückzugsmöglichkeiten für ängstliche Hunde. Die Stadt hat bereits 3,8 Millionen Euro für das Projekt bewilligt, doch bis zur Fertigstellung werden noch mindestens zwei Jahre vergehen.
Bis dahin setzt das Tierheim auf provisorische Lösungen wie Kooperationen mit Pflegestellen und die verstärkte Vermittlung über soziale Medien. Doch klar ist: Ohne den Ausbau wird die Situation auf Dauer nicht tragbar sein.
Die Überbelegung im Münchner Tierheim zeigt einmal mehr, wie dringend jeder einzelne Platz für herrenlose Hunde ist – und wie sehr die Stadt auf die Unterstützung ihrer Bürger angewiesen ist. Über 200 Tiere warten nicht nur auf ein Dach über dem Kopf, sondern auf die Chance, Teil einer Familie zu werden, die ihnen Sicherheit und Zuneigung schenkt.
Wer einen Hund adoptieren möchte, sollte sich direkt beim Tierheim München melden oder Spenden leisten, um die Versorgung der Tiere zu sichern; selbst kleine Beträge helfen, Futter und medizinische Versorgung zu finanzieren. Ohne gemeinsame Anstrengung wird die Situation für die Vierbeiner in den kommenden Monaten noch prekärer werden.

