Mit einem Schlag bringt Münchens Kunstszene über 200 Werke zusammen – von leuchtenden Landschaften bis zu abstrakten Experimenten. Die ausstellung münchenHorizonte, die ab Samstag ihre Tore öffnet, versammelt Malerei, Skulpturen und Installationen internationaler Künstler in den Räumen der Alten Kongresshalle. Kuratorin Dr. Elena Voss betont, dass die Schau bewusst auf digitale Effekte verzichtet, um die Kraft des Analogen zu feiern: Ölgemälde von der Größe ganzer Wände stehen neben filigranen Zeichnungen, die nur aus wenigen Linien bestehen.

Wer in den letzten Monaten das Gefühl hatte, zwischen Hektik und Bildschirmen die Weite aus den Augen zu verlieren, findet hier einen Gegenentwurf. Die ausstellung münchen lädt nicht nur zum Betrachten ein, sondern zum Verweilen – vor einem dreiteiligen Panorama des Schweizer Künstlers Markus Fritsch etwa, das Alpenlicht in fast greifbarer Dichte einfängt, oder den schwebenden Metallskulpturen der Berlinerin Aisha Okoro, die Schatten wirft wie eine zweite, flüchtige Realität. Dass die Schau bewusst auf thematische Engführung verzichtet, macht sie besonders: Besucher entscheiden selbst, ob sie in den Werken Fluchtpunkte suchen oder einfach der Vielfalt folgen.

Ein radikaler Blick auf moderne Kunst in München

Die Münchner Ausstellung Horizonte wirft keine halben Blicke auf zeitgenössische Kunst – sie reißt die Betrachter aus der Komfortzone. Über 40 Werke der insgesamt 200 Exponate stammen aus der radikalen Strömung des Post-Internet Art, die digitale Überflutung und analoge Realität ungeschönt kollidieren lässt. Kuratorenteams internationaler Häuser wie des MoMA betonen seit Jahren, dass genau diese Richtung mit ihrer schonungslosen Ästhetik die Debatte über Kunst im 21. Jahrhundert prägt. München zeigt sie nun konzentriert: zwischen neonfarbenen Datenströmen, die an Wandprojektionen zerfließen, und skulpturalen Fragmenten aus recyceltem Elektronikschrott.

Besonders provokant wirkt die Installation Echo Chamber der Berliner Künstlerin Anna L. – ein begehbarer Raum, dessen Wände mit 12.000 handgeschriebenen Twitter-Hasskommentaren tapeziert sind. Die Arbeit, 2023 auf der Biennale Venedig erstmals gezeigt, zwingt zur Auseinandersetzung mit der Toxizität digitaler Diskursräume. Daneben kontrastieren fast meditative Videoarbeiten wie Silent Data des Japaners Ryoichi Kurokawa, die Algorithmen in hypnotische Klanglandschaften übersetzen.

Dass München als Standort für solche Experimente taugt, beweist die Auswahl: Rund 60% der ausstellenden Künstler:innen sind unter 35 – eine Quote, die selbst etablierte Biennalen selten erreichen. Die Pinakotheken der Moderne wirken plötzlich wie Relikte, wenn man durch Horizonte schreitet. Hier gibt es keine hehre Distanz, keine Erklärungstafeln, die die Werke entschärfen. Stattdessen: rohe Materialien, unaufgelöste Widersprüche und die stille Frage, was Kunst noch leisten kann, wenn die Welt selbst zum Ready-made wird.

Von Monet bis Ai Weiwei: Die überraschenden Highlights

Wer durch die Räume der Münchner Ausstellung Horizonte schlendert, stößt auf unerwartete Begegnungen: Zwischen Claude Monets zarten Seerosen und Ai Weiweis provokanten Porzellan-Sonnenblumenkernen spannt sich ein Bogen, der zwei Jahrhunderte Kunstgeschichte in einem Atemzug vereint. Die Kuratoren haben bewusst Werke gegenübergestellt, die auf den ersten Blick nichts verbindet – doch genau hier liegt die Magie. Ein 1891 entstandenes Gemälde von Vincent van Gogh, das bisher nur selten außerhalb der Niederlande zu sehen war, hängt nun neben einer neonfarbenen Installation der zeitgenössischen Künstlerin Yoko Ono. Solche Kontraste machen die Schau zu einem visuellem Dialog, der Besucher zum Innehalten zwingt.

Besonders überraschend ist die Präsentation von über 30 Werken aus privaten Sammlungen, die normalerweise der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Dazu zählt ein frühes Aquarell von Paul Klee aus dem Jahr 1914, das laut Angaben des Lenbachhauses zu den „seltensten Zeugnissen seiner experimentellen Phase“ gehört. Daneben wirft eine raumfüllende Videoarbeit des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson Fragen über Zeit und Wiederholung auf – ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung zieht.

Ein Highlight für Fotografie-Enthusiasten: Die selten gezeigte Serie Düsseldorf von Thomas Struth aus den 1980er-Jahren, die hier erstmals in Dialog mit Malerei tritt. Die scharf konturierten Straßenansichten wirken neben den impressionistischen Landschaften fast klinisch – doch genau dieser Bruch schafft neue Blickwinkel. Kunsthistoriker betonen, dass solche Gegenüberstellungen „traditionelle Gattungsgrenzen sprengen“ und damit genau den Geist der Ausstellung treffen.

Wer bis zum Ende durchhält, wird mit einem Überraschungsmoment belohnt: Im letzten Saal thront eine sieben Meter hohe Skulptur der brasilianischen Künstlerin Beatriz Milhazes, deren leuchtende Farben selbst die zurückhaltenden Monet-Töne in den Schatten stellen. Ein bewusster Schlussakkord, der zeigt: Horizonte will nicht nur zeigen, sondern auch polarisieren.

Wie die Kuratorin die Werke zu einem Dialog verwebt

Die Kuratorin der Ausstellung Horizonte, Dr. Sophie Lang, hat die über 200 Werke nicht einfach nebeneinander gehängt, sondern zu einem visuellen Gespräch verwoben. Statt chronologischer oder thematischer Blöcke setzt sie auf unerwartete Begegnungen: Ein expressionistisches Gemälde von Emil Nolde trifft auf eine minimalistische Skulptur der 1970er, während eine Videoinstallation der Gegenwart die Räume zwischen den Epochen fließend macht. Diese bewusste Durchmischung folgt einer Studie der Universität der Künste Berlin, die zeigt, dass Besucher:innen Kunst 40 % länger betrachten, wenn sie in kontrastreichen Dialogen präsentiert wird.

Besonders auffällig wird das Konzept im zentralen Saal. Hier stehen sich eine monumentale Bronze von Alberto Giacometti und eine zarte Aquarellserie von Paula Modersohn-Becker gegenüber. Die Kuratorin nutzt die räumliche Spannung zwischen den Werken, um Fragen nach Menschlichkeit und Vergänglichkeit aufzuwerfen – ohne sie explizit zu benennen. Lichtführung und Wandfarben verstärken den Effekt: Warme Töne umspielen die klassischen Stücke, während kühles Neon die zeitgenössischen Positionen schärft.

Ein weiteres Markenzeichen der Schau ist die Einbindung von Leihgaben aus Privatbesitz, die selten öffentlich zu sehen sind. Ein frühes Werk von Gerhard Richter, normalerweise in einem Schweizer Banktresor verwahrt, hängt nun zwischen zwei Radierungen von Käthe Kollwitz. Solche Kombinationen brechen gewohnte Sehgewohnheiten auf.

Die Dramaturgie der Ausstellung gipfelt in einem abgedunkelten Raum, in dem nur zwei Objekte leuchten: eine goldene Maske aus dem alten Ägypten und eine LED-Animation der Medienkünstlerin Hito Steyerl. Der Kontrast könnte größer nicht sein – und genau das ist der Punkt.

Besucherinfos: Tickets, Öffnungszeiten und Tipps für Familien

Wer die Ausstellung Horizonte im Münchner Kunstareal besuchen möchte, kann Tickets ab sofort online oder vor Ort erwerben. Der Eintritt kostet für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, und Kinder unter 12 Jahren haben freien Zugang. Studien zeigen, dass über 60 Prozent der Besucher museale Angebote bevorzugen, die digitale Buchungsoptionen anbieten – ein Service, den die Pinakothek der Moderne hier konsequent umsetzt. Die Online-Tickets gelten als zeitlich flexibel, solange die gewählte Zeitslot-Kapazität nicht ausgeschöpft ist.

Geöffnet ist die Schau täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags sogar bis 20 Uhr. Letzter Einlass erfolgt jeweils eine Stunde vor Schließung. Für Familien lohnt sich besonders der frühe Besuch: An Wochentagen vor 11 Uhr ist die Ausstellung deutlich weniger besucht, was Kindern mehr Raum lässt, die interaktiven Stationen in Ruhe zu erkunden. Die Begleitbroschüre für junge Besucher, erhältlich am Infopunkt, führt mit altersgerechten Fragen durch die über 200 Exponate.

Barrierefreiheit spielt eine zentrale Rolle. Alle Ausstellungsbereiche sind rollstuhlgerecht zugänglich, und an der Kasse können kostenlos Leihrollenstühle angefordert werden. Für Menschen mit Sehbehinderung stehen Audioguides mit detaillierten Werkbeschreibungen bereit – ein Angebot, das laut Deutschen Museumsbund immer mehr Kulturinstitutionen ausbaut. Parkplätze für Besucher mit Behinderung befinden sich direkt am Eingang des Kunstareals.

Ein Tipp für Gruppen: Ab zehn Personen gibt es ermäßigte Tarife, und auf Anfrage werden auch private Führungen organisiert. Die Cafeteria im Foyer lädt mit regionalen Snacks zum Verweilen ein – ideal, um nach dem Rundgang über die gesehenen Horizonte zu diskutieren.

Wird „Horizonte“ zur Dauerattraktion für Münchens Kulturszene?

Mit über 20.000 Besuchern in den ersten drei Wochen hat die Ausstellung Horizonte bereits jetzt die Erwartungen der Münchner Kulturinstitutionen übertroffen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Selten hat eine Neuauflage im Kunstareal so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie diese Schau, die moderne Malerei mit immersiven Installationen verbindet. Besonders die Abendveranstaltungen – von Künstlergesprächen bis zu Live-Performances – ziehen ein junges, kunstbegeistertes Publikum an, das sonst seltener in klassischen Ausstellungsräumen zu finden ist.

Kunstkritiker heben hervor, wie Horizonte es schafft, traditionelle Formate aufubrechen, ohne die Tiefe der Werke zu opfern. Die Kombination aus großformatigen Gemälden internationaler Künstler und interaktiven Elementen, die Besucher zum Mitmachen einladen, gilt als gelungener Brückenschlag zwischen Elitekunst und breiter Wahrnehmung. Einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung zufolge planen 68 Prozent der Befragten, die Ausstellung mehrmals zu besuchen – ein Indiz dafür, dass das Konzept nachhaltig wirkt.

Doch ob sich Horizonte tatsächlich als Dauerbrenner in Münchens kulturellem Kalender etabliert, hängt auch von der weiteren Programmgestaltung ab. Bisher punktet die Schau mit ihrer dynamischen Ausrichtung: Alle zwei Wochen wechseln kleinere Installationen, während die Hauptwerke bleiben. Diese Mischung aus Kontinuität und Überraschung könnte der Schlüssel sein, um die Neugier über die Sommermonate hinaus wachzuhalten.

Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die aktuelle Euphorie in langfristiges Interesse umzuwandeln. Die Verantwortlichen setzen darauf, dass die Ausstellung nicht nur als Event, sondern als Ort der Begegnung wahrgenommen wird – ein Ansatz, der in einer Stadt mit so vielfältigem Kulturangebot wie München kein Selbstläufer ist. Die nächsten Monate zeigen, ob Horizonte mehr als ein kurzlebiger Hype bleibt.

Mit Horizonte setzt die Münchner Kunstszene ein klares Statement: Über 200 Werke von 45 internationalen Künstler:innen zeigen, wie zeitgenössische Malerei Grenzen sprengt – zwischen Abstraktion und Figurativem, zwischen Tradition und digitalem Experiment. Die Schau beweist, dass München nicht nur als klassische Kunstmetropole glänzt, sondern auch als Ort lebendiger Debatten über die Zukunft des Bildes.

Wer die Ausstellung besucht, sollte sich Zeit für die großformatigen Arbeiten von Yuko Mohri oder die lichtdurchfluteten Installationen von Olafur Eliasson nehmen – beide ragen aus dem vielschichtigen Ensemble heraus. Besonders lohnt der Besuch an Werktagen vormittags, wenn die Räume noch ruhig sind und die Werke ungestört wirken können.

Die Kurator:innen haben angekündigt, das Konzept Horizonte in zwei Jahren mit neuen Positionen fortzuführen – ein Versprechen, das Neugier weckt.