Mit schillernden Drachen, die sich durch die Luft schlängelten, und dem Rhythmus traditioneller Trommeln verwandelte sich der Münchner Olympiapark am Wochenende in ein lebendiges Stück Vietnam. Über 500 Menschen aus der vietnamesischen Gemeinschaft feierten dort das Tet-Fest – das wichtigste Fest des Landes – und zogen mit farbenfrohen Kostümen und akrobatischen Tänzen die Blicke Tausender Besucher auf sich. Die Veranstaltung markierte nicht nur den Beginn des Jahres des Drachen nach dem vietnamesischen Kalender, sondern auch einen neuen Höhepunkt der kulturellen Vielfalt in der bayerischen Metropole.
Für die vietnamesische München-Gemeinde war das Fest mehr als nur ein Fest: Es wurde zu einer Brücke zwischen Heimat und neuer Lebenswelt. Seit Jahrzehnten prägt die Community mit ihren Restaurants, Märkten und Vereinen das Stadtbild, doch selten trat sie so sichtbar und selbstbewusst in Erscheinung wie an diesem Tag. Die Organisatoren betonten, wie sehr solche Events das Verständnis für die vietnamesische Kultur fördern – nicht nur unter Deutschen, sondern auch bei jüngeren Generationen der vietnamesischen München-Gemeinde, die oft zwischen zwei Kulturen aufwachsen. Die Resonanz zeigt: Traditionen wie Tet finden hier längst einen festen Platz.
Tet-Fest in München: Warum der vietnamesische Neujahrsfest hier gefeiert wird
München ist seit Jahrzehnten ein Zentrum vietnamesischer Kultur in Deutschland – und das Tet-Fest, das vietnamesische Neujahrsfest, spiegelt diese lebendige Gemeinschaft wider. Mit über 10.000 Menschen vietnamesischer Herkunft in der Stadt (Stand 2023, Bayerisches Landesamt für Statistik) hat sich das Fest längst zu einem festen Bestandteil des Münchner Kulturkalenders entwickelt. Es ist mehr als nur ein traditionelles Ereignis: Es verbindet Generationen, die teils seit den 1970er- und 80er-Jahren als Vertragsarbeiter oder Boatpeople nach Deutschland kamen, mit jüngeren Zuwanderern und Studierenden.
Die Wahl des Olympiaparks als Veranstaltungsort ist kein Zufall. Der offene, zentrale Platz bietet Raum für die farbenfrohen Drachentänze, die typischen Bánh chưng-Reisgerichte und die lauten Trommelklänge – alles Elemente, die in den engen Wohnungen der ersten vietnamesischen Migranten kaum Platz fanden. Hier wird Tet nicht nur gefeiert, sondern sichtbar gemacht.
Besonders auffällig ist die Mischung aus Tradition und Anpassung. Während in Vietnam das Fest drei Tage dauert, konzentrieren sich die Feierlichkeiten in München oft auf ein Wochenende. Doch der Kern bleibt: der Respekt vor den Ahnen, das Zusammenkommen der Familien und das Hoffnungssymbol des Pfirsichblütenzweigs, der auch in Münchner Wohnzimmern zu finden ist. Lokale Vereine wie der Vietnamesische Kulturverein Bayern organisieren das Fest seit Jahren – mit wachsender Unterstützung der Stadt, die in der multikulturellen Vielfalt einen Gewinn sieht.
Für viele der über 500 Besucher, die in diesem Jahr den Drachentanz im Olympiapark verfolgten, ist Tet eine Brücke zwischen zwei Welten. Die ältere Generation erinnert sich an die Feiern in Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt, während Jugendliche das Fest als Teil ihrer Münchner Identität begreifen. Dass dabei auch deutsche Nachbarn oder neugierige Touristen teilnehmen, unterstreicht, wie selbstverständlich vietnamesische Traditionen hier längst geworden sind.
Drachen, Trommeln und bunte Kostüme: So lebendig war das Fest im Olympiapark
Der Olympiapark verwandelte sich am Wochenende in ein farbenfrohes Spektakel: Über 500 Besucher der vietnamesischen Gemeinschaft Münchens feierten das Tet-Fest mit traditionellen Drachentänzen, die sich schlängelnd durch die Menge bewegten. Die bis zu 20 Meter langen Drachen aus Seide und Bambus, gesteuert von geübten Tänzern in synchronisierten Bewegungen, zogen besonders die jüngeren Gäste in ihren Bann. Begleitet von den rhythmischen Klängen der Trống Đôi-Trommeln, die laut Volksmusikexperten seit Jahrhunderten zu Festen in Vietnam gehören, entstand eine Atmosphäre zwischen Heimatgefühl und Münchner Weltoffenheit.
Die Kostüme der Teilnehmer spiegelten die Vielfalt der Regionen Vietnams wider. Während einige Frauen die schlichten, aber eleganten Áo Bà Ba aus dem Süden trugen, glänzten andere in den aufwendig bestickten Áo Dài des Nordens – ein Detail, das selbst Kenner der vietnamesischen Kultur überraschte. Kinder liefen mit Laternen in Form von Karpfen umher, ein Symbol für Glück im neuen Jahr, und teilten süße Bánh Chưng-Kuchen an die Zuschauer.
Besonders beeindruckend: Die Organisation des Fests lag vollständig in den Händen lokaler Vereine wie dem Verein der Vietnamesen in Bayern e.V., der seit 15 Jahren solche Veranstaltungen ausrichtet. Laut einer Umfrage unter den Besuchern kamen 60 Prozent speziell aus dem Großraum München, der Rest reiste aus Nürnberg, Stuttgart und sogar Berlin an – ein Beweis für die wachsende Vernetzung der Community.
Gegen Abend verwoben sich moderne Elemente in das Programm. Eine Gruppe junger Münchner Vietnamesen präsentierte eine Fusion aus traditionellem Đờn Ca Tài Tử-Gesang und elektronischen Beats, die selbst die älteren Generationen zum Mittanzen brachte. Der Höhepunkt: Ein gemeinsames Laternenfliegen über dem Olympiasee, bei dem Wünsche für das neue Jahr in den Himmel stiegen.
Von Phở bis Bánh chưng: Kulinarische Highlights für die Besucher
Wer das Tet-Fest im Münchner Olympiapark besuchte, fand sich nicht nur zwischen farbenfrohen Drachen und traditioneller Musik wieder – die kulinarische Reise durch Vietnam war mindestens ebenso beeindruckend. Über 20 Stände boten von nordvietnamesischen Klassikern bis zu südländischen Spezialitäten eine Vielfalt, die selbst in Münchens asiatischer Restaurant-Szene selten zu finden ist. Besonders die Phở-Variationen zogen Besucher in ihren Bann: Die klare Rindfleischbrühe mit frischen Kräutern und Zitronenscheiben wurde nach Originalrezepten aus Hanoi zubereitet, während eine vegetarische Version mit Pilzen und Tofu zeigt, wie modern sich die Küche weiterentwickelt.
Ein Highlight für viele: die handgefertigten Bánh chưng, die traditionellen Klebreiskuchen mit Schweinefleisch und Mungobohnen, in Bananenblätter gewickelt. Laut einer Studie der Vietnamesischen Handwerkskammer in Deutschland werden diese während Tet in über 90 % der vietnamesischen Haushalte serviert – und auch in München wurden sie mit derselben Sorgfalt zubereitet. Die aufwendige Herstellung, bei der die Kuchen stundenlang gedämpft werden, machte sie zu einem der begehrtesten Leckerbissen des Festes.
Wer es knusprig liebte, kam an den frittierten Nem rán nicht vorbei. Die goldbraunen Frühlingsrollen, gefüllt mit Glasnudeln, Karotten und Hackfleisch, wurden frisch vor den Augen der Gäste ausgebacken. Dazu gab es die scharfe Nước chấm-Sauce, deren Balance aus Fischsauce, Limette, Chili und Zucker selbst eingefleischte Vietnam-Reisende zum Schwärmen brachte. Ein Stand bot sogar eine Fusion-Variante mit bayerischem Sauerkraut an – ein kulinarisches Experiment, das überraschend gut ankam.
Für Naschkatzen gab es Bánh cam, die süßen, mit grüner Bohnenpaste gefüllten Klebreisbällchen, die in heißem Öl knusperig gebacken wurden. Dazu gesellte sich Chè, ein Dessert aus Kokosmilch, Bohnen und Fruchtstücken, das in München oft mit lokalen Zutaten wie Aprikosen oder Rhabarber verfeinert wurde. Die Kombination aus vertrauten Aromen und neuen Einflüssen zeigte, wie lebendig die vietnamesische Küche in der Diaspora bleibt.
Wie Münchner:innen selbst Teil der Feierlichkeiten werden können
Wer das bunte Treiben des Tet-Fests nicht nur als Zuschauer erleben möchte, findet in München zahlreiche Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Die vietnamesische Gemeinschaft lädt explizit alle Interessierten ein, sich an den Vorbereitungen zu beteiligen – sei es beim Basteln traditioneller Laternen oder beim Mitwirken in den Tanzgruppen. Besonders gefragt sind Helfer für die aufwendigen Drachenkostüme, die bis zu 20 Meter lang sein können und von Teams aus mindestens acht Personen getragen werden. Laut Angaben des Münchner Integrationsbeirats haben sich in den vergangenen Jahren regelmäßig über 100 Freiwillige aus der nicht-vietnamesischen Bevölkerung an den Feierlichkeiten beteiligt, Tendenz steigend.
Ein einfacher Einstieg bietet der Besuch der offenen Workshops im Vorfeld des Festes. Im Kulturzentrum Gasteig HP8 finden beispielsweise Anleitungen zum Kochen typischer Tet-Gerichte wie Bánh Chưng (Klebreiskuchen) oder zum Falten von Glücksbriefe (Lì Xì) statt. Die Termine werden über die Social-Media-Kanäle der vietnamesischen Vereine bekanntgegeben. Wer handwerklich begabt ist, kann auch beim Bau der Altäre helfen, die mit Pfirsichblüten und Kumquat-Bäumchen geschmückt werden – Symbole für Wohlstand und ein langes Leben.
Für Musikbegeisterte gibt es die Chance, in den Chor oder die traditionelle Instrumentengruppe einzusteigen. Besonders gesucht sind Spieler für die Đàn Tranh, eine 16-saitige Zither, deren klare Töne den Festumzug begleiten. Keine Vorkenntnisse nötig: Viele Vietnames:innen der zweiten Generation bieten unentgeltlich Crashkurse an, um die Grundlagen zu vermitteln. Wer lieber im Hintergrund unterstützt, kann sich beim Auf- und Abbau der Bühne engagieren oder als Ordner während der Parade mitwirken.
Ein Highlight für Familien ist der gemeinsame Laternenumzug am Vorabend des Festes. Hier dürfen Kinder und Erwachsene ihre selbstgebastelten Leuchtobjekte durch den Olympiapark tragen – begleitet von Trommelklängen und Feuerwerk. Die Organisatoren stellen Materialien wie Reisepapier und Bambusrahmen kostenlos zur Verfügung. Wer mag, kann seine Laterne im Anschluss an den Umzug spenden: Die schönsten Stücke werden im Vietnam-Haus ausgestellt und später versteigert, um Spenden für Bildungsprojekte in Vietnam zu sammeln.
Pläne für 2025: Wird das Tet-Fest noch größer?
Das Tet-Fest in München könnte 2025 noch mehr Besucher anziehen – nicht nur aus der vietnamesischen Community. Nach Angaben des Münchner Integrationsbeirats haben sich die Teilnehmerzahlen bei ähnlichen kulturellen Veranstaltungen in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 20 Prozent erhöht. Ein klares Zeichen, dass das Interesse an asiatischen Traditionen in der Stadt wächst.
Organisatoren denken bereits über Erweiterungen nach. Im Gespräch sind zusätzliche Bühnen für Musik- und Tanzdarbietungen sowie ein größerer Marktbereich mit traditionellem vietnamesischem Handwerk. Besonders der Drachentanz, der 2024 über 500 Zuschauer begeisterte, soll noch spektakulärer werden – eventuell mit einer längeren Choreografie und mehr Tänzern.
Auch die kulinarische Komponente könnte ausgebaut werden. Statt nur weniger Stände könnten 2025 ganze Kochstationen entstehen, an denen Besucher vietnamesische Gerichte wie Bánh Tét oder Phở live zubereitet sehen. Solche interaktiven Elemente ziehen laut Studien des Bayerischen Landesamts für Statistik besonders junge Familien an.
Die Stadt München unterstützt die Pläne. Bereits jetzt gibt es Gespräche über eine bessere Verkehrsanbindung zum Olympiapark während des Festes, um Staus zu vermeiden. Sollte alles klappen, könnte das Tet-Fest 2025 nicht nur größer, sondern auch reibungsloser ablaufen.
Das Tet-Fest im Münchner Olympiapark hat einmal mehr bewiesen, wie lebendig die vietnamesische Gemeinschaft in der Stadt ist – nicht als stille Minderheit, sondern als farbenfroher Teil des Münchner Kulturgefüges, der mit Drachentänzen, Duft nach Bánh chưng und dem Lärm der Trommeln selbst an grauen Februartagen Wärme verbreitet. Dass über 500 Menschen trotz Kälte zusammenkamen, zeigt, wie sehr solche Feste Brücken bauen: zwischen Generationen, zwischen Kulturen und zwischen denen, die Vietnam im Herzen tragen, und denen, die es erst noch entdecken wollen.
Wer selbst Teil dieser Energie werden möchte, sollte die Veranstaltungen des Verein der Vietnamesen in München e.V. im Auge behalten – ob zum nächsten Mondneujahr oder den sommerlichen Boat-People-Gedenkfeiern, bei denen Geschichte und Gegenwart gleichermaßen Raum finden. 2025 könnte das Fest noch größer werden, wenn die Stadt die Chance nutzt, solche interkulturellen Leuchtturmprojekte aktiv zu fördern.

