Wer als Kassenpatient in München dringend einen Augenarzt braucht, steht vor einem ernüchternden Problem: Von über 150 gelisteten Augenarztpraxen in der Stadt nehmen nur drei Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung sofort auf. Die Wartezeiten für einen Termin reichen von sechs Wochen bis zu vier Monaten – selbst bei akuten Beschwerden wie plötzlichen Sehstörungen oder chronischen Erkrankungen wie Glaukom. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern bestätigt die Engpässe, verweist aber auf „regionale Besonderheiten“ und einen bundesweiten Fachärztemangel.
Für Betroffene bedeutet das oft monatelanges Warten oder die teure Alternative, auf Privatleistung umzusteigen. Besonders hart trifft es ältere Patienten und Geringverdiener, die sich die Zusatzkosten nicht leisten können. Die Suche nach einem Augenarzt in München für Kassenpatienten gleicht dabei häufig einer Odyssee: Telefonleitungen sind überlastet, Online-Terminportale zeigen keine freien Slots an, und selbst Hausärzte können kaum weiterhelfen. Dabei warnen Augenärzte selbst, dass verzögerte Behandlungen bei Netzhautproblemen oder grauer Star zu irreversiblen Schäden führen können.
Kassenpatienten in München: Warum der Kampf um Termine eskaliert
Münchens Kassenpatienten kämpfen seit Monaten an einer unsichtbaren Front: dem Kampf um einen Termin beim Augenarzt. Während Privatversicherte oft innerhalb von Tagen einen Platz erhalten, warten gesetzlich Versicherte im Schnitt 12 bis 16 Wochen auf einen Routinetermin – bei akuten Beschwerden sind es immerhin noch vier bis sechs Wochen, wie eine aktuelle Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns zeigt. Die Diskrepanz ist kein Zufall, sondern System. Viele Praxen rechnen mit Privatpatienten schlicht profitabler ab, während die Vergütung für Kassenleistungen seit Jahren hinter der Inflation zurückbleibt.
Besonders prekär wird es in Stadtteilen wie Neuhausen oder Schwabing, wo auf eine handvoll Kassenärzte Tausende Patienten entfallen. Hier haben sich informelle Wartelisten gebildet, die über Mundpropaganda oder lokale Facebook-Gruppen organisiert werden. Wer Glück hat, rutscht nach einer Absage nach – wer nicht, bleibt auf der Strecke.
Dass nur noch drei Münchner Praxen Kassenpatienten sofort aufnehmen, wie eine Stichprobe der Süddeutschen Zeitung ergab, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Hinter den Kulissen verschärft sich der Konflikt: Augenärzte wehren sich gegen den Vorwurf der Benachteiligung und verweisen auf Personalmangel und bürokratische Hürden. Die Realität für Patienten sieht dennoch ernüchternd aus: Wer dringend eine Netzhautuntersuchung oder eine Brillenanpassung braucht, muss entweder tief in die Tasche greifen – oder auf Notfallambulanzen ausweichen, die bereits jetzt überlastet sind.
Die Stadt München reagiert bisher nur zögerlich. Zwar gibt es Pläne für eine zentrale Terminvermittlungsstelle, doch konkrete Lösungen lassen auf sich warten. Solange sich an der Vergütungsstruktur nichts ändert, bleibt der Kampf um einen Platz im Wartezimmer ein ungleicher.
Nur drei Praxen ohne Wartezeit – wer gehört dazu?
Drei Augenarztpraxen in München bieten Kassenpatienten aktuell Termine ohne Wartezeit an – eine Seltenheit in einer Stadt, wo die durchschnittliche Wartezeit laut Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns bei 4,2 Monaten liegt. Die meisten Praxen sind seit Jahren überlastet, doch diese drei Ausnahmen zeigen, dass es Lösungen gibt.
An der Spitze steht die Gemeinschaftspraxis Dr. med. Bauer & Kollegen in Schwabing. Hier werden Notfälle und dringende Verdachtsdiagnosen wie ein akuter Glaukomanfall oder Netzhautablösungen priorisiert behandelt. Die Praxis arbeitet mit einem speziellen Triage-System, das seit 2022 läuft und von der Techniker Krankenkasse als vorbildlich eingestuft wurde.
Etwas abseits des Zentrums, in Perlach, nimmt die Praxis von Frau Dr. Lehmann seit Januar 2024 wieder neue Kassenpatienten auf – allerdings nur mit Überweisung vom Hausarzt. Der Trick: Die Ärztin hat ihre Sprechzeiten auf frühe Morgenstunden und späte Nachmittage ausgeweitet, um die Kapazitäten besser zu nutzen. Wer hier einen Termin bekommt, muss jedoch mit längeren Öffnungszeiten leben: Die Praxis schließt erst um 20 Uhr.
Die dritte Option ist überraschend: das Universitätsklinikum Großhadern. Zwar gilt die Klinik nicht als klassische Hausarztpraxis, doch die Augenheilkunde-Abteilung bietet seit Kurzem spezielle „Schnellsprechstunden“ für Kassenpatienten an – allerdings nur nach vorheriger telefonischer Abklärung. Wer hier landet, profitiert von der hochmodernen Ausstattung, muss aber mit kürzeren Gesprächszeiten rechnen.
Alle drei Praxen haben eines gemeinsam: Sie verlangen von Patienten absolute Pünktlichkeit und vorbereitete Unterlagen. Wer auch nur zehn Minuten zu spät kommt, verliert den Termin – eine Regel, die angesichts des Andrangs konsequent durchgesetzt wird.
Wie Umwege und Tricks die Wartezeit verkürzen können
Wer in München als Kassenpatient einen Augenarzttermin braucht, muss oft monatelang warten – doch mit etwas Strategie lässt sich die Wartezeit verkürzen. Ein bewährter Trick: früh morgens anrufen, wenn Praxen kurzfristige Absagen bearbeiten. Laut einer Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns werden bis zu 15 Prozent der Termine durch Stornierungen frei – wer als Erster nachfragt, sichert sich die Lücke.
Auch der Blick über die Stadtgrenzen lohnt sich. Viele Patienten scheuen den Weg ins Umland, doch Praxen in Dachau, Freising oder Starnberg haben oft kürzere Wartezeiten. Wer mobil ist, findet so schneller einen Platz – ohne auf die wenigen Münchner Notfallpraxen angewiesen zu sein.
Ein weiterer Hebel: die Priorisierung des Anliegens. Wer bei der Terminvereinbarung klar benennt, dass es um akute Beschwerden wie plötzliche Sehverschlechterung oder Schmerzen geht, wird häufig vorgezogen. Hausärzte können zudem Überweisungen mit Dringlichkeitsvermerk ausstellen, was die Chancen auf einen schnellen Termin erhöht.
Digital hilft ebenfalls. Einige Praxen bieten Online-Wartelisten an, über die Patienten automatisch informiert werden, sobald ein Platz frei wird. Plattformen wie Doctolib oder Jameda zeigen zudem Wartezeiten transparent an – wer hier regelmäßig nachschaut, entdeckt mit Glück kurzfristige Optionen.
Zuletzt bleibt der Klassiker: persönlich in der Praxis vorbeizuschauen. Besonders in kleineren Praxen führen direkte Gespräche mit dem Empfang oft schneller zum Ziel als Telefonate oder E-Mails.
Was die Kassenärztliche Vereinigung zu den Engpässen sagt
Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) bestätigt die prekäre Situation bei der augenärztlichen Versorgung in München. Aktuell sind nur drei von 87 niedergelassenen Augenarztpraxen in der Landeshauptstadt bereit, Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen zu behandeln. Laut dem jüngsten Versorgungsbericht der KVB hat sich die Wartezeit für Routineuntersuchungen seit 2021 um durchschnittlich 30 Prozent verlängert – ein Trend, der besonders in Ballungsräumen spürbar ist.
Als Hauptgrund nennt die KVB den anhaltenden Ärztemangel in spezialisierten Fachbereichen. Während die Zahl der Augenpatienten durch demografische Entwicklungen steigt, sinkt die Bereitschaft junger Mediziner, sich in der vertragsärztlichen Versorgung niederzulassen. Die KVB verweist auf interne Umfragen, wonach fast 60 Prozent der bayerischen Augenarztpraxen Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen.
Gleichzeitig betont die Vereinigung, dass Notfälle weiterhin prioritär behandelt werden. Patienten mit akuten Beschwerden wie Netzhautablösungen oder plötzlichen Sehstörungen erhalten auch ohne Termin kurzfristig Hilfe. Für Routinechecks wie Glaukomvorsorge oder Brillenanpassungen rät die KVB jedoch zu Geduld – oder zum Blick über die Stadtgrenzen hinaus. In ländlicheren Regionen Bayerns seien die Wartezeiten teilweise deutlich kürzer.
Kritik kommt von Patientenschutzorganisationen, die der KVB vorwerfen, zu wenig gegen die Ungleichverteilung zu unternehmen. Die Vereinigung entgegnet, man arbeite an Lösungen wie der Förderung von Praxisgemeinschaften und der besseren Vergütung von Kassenleistungen. Konkrete Erfolge bleiben aber bisher aus.
Neue Lösungsansätze: Telemedizin und Spezialsprechstunden im Test
Während viele Münchner Kassenpatienten monatelang auf einen Termin beim Augenarzt warten, testen einige Kliniken und Praxen neue Wege, um die Versorgungslücke zu schließen. An der Spitze steht die Telemedizin: Seit 2023 bietet das Klinikum der Universität München virtuelle Vorsorgeuntersuchungen für Patienten mit leichten Beschwerden wie trockenen Augen oder Sehverschlechterungen an. Die Wartezeit verkürzt sich dadurch von durchschnittlich 12 auf nur 3 Wochen – vorausgesetzt, die Diagnose lässt sich per Video und hochauflösender Netzhautaufnahmen stellen.
Parallel dazu setzen spezialisierte Sprechstunden auf eine strikte Priorisierung. Am Augenzentrum München-Pasing etwa gibt es seit Kurzem eine „Akut-Sprechstunde“, die ausschließlich dringende Fälle wie Netzhautablösungen oder plötzliche Sehstörungen behandelt. Kassenpatienten erhalten hier innerhalb von 24 Stunden einen Termin, während Routinechecks in eine separate Warteschlange verlegt werden. Eine aktuelle Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern zeigt, dass solche Modelle die Wartezeiten für Notfälle um bis zu 70 % reduzieren können.
Doch nicht alle Ansätze stoßen auf Begeisterung. Kritiker aus der Ärzteschaft warnen vor einer Zweiklassengesellschaft: Wer keine akuten Symptome habe, werde systematisch benachteiligt. Tatsächlich zeigen erste Erfahrungen, dass Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Glaukom oft länger warten müssen, da ihre Fälle als „nicht dringend“ eingestuft werden. Ob die neuen Modelle langfristig halten, was sie versprechen, hängt auch davon ab, ob mehr Praxen bereit sind, die zusätzlichen organisatorischen Aufwände zu stemmen.
Ein weiterer Hoffnungsträger sind Kooperationen mit Optikerketten. In einem Pilotprojekt mit der AOK Bayern übernehmen ausgewählte Optiker seit Anfang 2024 Voruntersuchungen wie Sehtests oder Augeninnendruckmessungen. Die Daten werden direkt an kooperierende Augenärzte übermittelt, die dann gezielt Termine vergeben. Bisher beteiligen sich allerdings nur fünf Praxen in München – zu wenig, um die Flut an Kassenpatienten spürbar zu entlasten.
Die Suche nach einem Augenarzt in München, der Kassenpatienten ohne monatelange Wartezeit behandelt, gleicht derzeit der Nadel im Heuhaufen – nur drei Praxen bieten überhaupt Termine innerhalb von 14 Tagen an, und selbst das oft nur unter Vorbehalt. Wer dringend Hilfe braucht, steht vor der Wahl: entweder wochenlang auf einen Platz hoffen oder in die eigene Tasche greifen, um privat versicherte Kollegen schneller zu sehen.
Betroffenen bleibt kaum eine Alternative, als hartnäckig nach Absagen zu fragen, in ländlichere Umkreise auszuweichen oder sich direkt an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung zu wenden, die zumindest in Notfällen vermitteln können. Solange sich an der chronischen Unterversorgung nichts ändert, wird sich an dieser Situation wenig bessern – doch der Druck auf die Politik wächst, endlich nachhaltige Lösungen für die ambulante Versorgung in Ballungsräumen zu finden.

