Wer in München einen Termin bei der Ausländerbehörde braucht, muss sich auf monatelanges Warten einstellen. Aktuell betragen die Wartezeiten bis zu zwölf Monate – eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Betroffen sind vor allem Neuanträge für Aufenthaltstitel, Familienzusammenführungen oder Arbeitserlaubnisse. Selbst dringende Fälle wie Visumsverlängerungen ziehen sich oft über Wochen hin, während Antragsteller in rechtlicher Unsicherheit ausharren müssen.

Die überlastete Ausländerbehörde München kämpft seit Jahren mit Personalmangel und steigenden Fallzahlen, doch die aktuelle Situation spitzt sich weiter zu. Für Zuwanderer, internationale Fachkräfte und Studierende bedeutet das nicht nur bürokratischen Frust, sondern konkrete Nachteile: abgelaufene Papiere, blockierte Jobwechsel oder verzögerte Familiennachzüge. Besonders hart trifft es Geflüchtete mit subsidiärem Schutz, deren Anträge bei der Ausländerbehörde München oft am längsten liegen. Die Stadt verweist auf digitale Lösungen und zusätzliche Kapazitäten – doch für Tausende bleibt der Terminmarathon vorerst Realität.

Warum die Wartezeiten explodieren

Die Wartezeiten bei der Münchner Ausländerbehörde haben sich in den letzten zwei Jahren nahezu verdoppelt – ein Trend, der Fachleute alarmiert. Während Antragsteller 2022 noch mit durchschnittlich sechs Monaten rechnen mussten, liegen die aktuellen Fristen bei bis zu zwölf Monaten. Besonders betroffen sind Familienzusammenführungen und Arbeitserlaubnisse, wo Verzögerungen oft existenzbedrohende Folgen haben. Ein interner Bericht des Bayerischen Innenministeriums führt die Entwicklung auf eine Kombination aus Personalmangel und stark gestiegenen Antragszahlen zurück.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die Belegschaft der Ausländerbehörde ist seit 2019 kaum gewachsen, obwohl die Fallzahlen um über 40 Prozent stiegen. Laut Angaben der Stadt München wurden im vergangenen Jahr rund 120.000 Anträge bearbeitet – doch die Kapazitäten reichen längst nicht aus. Experten für Verwaltungsrecht kritisieren, dass die Digitalisierung nur schleppend vorankommt und viele Prozesse weiterhin manuell abgewickelt werden müssen. Das führt zu unnötigen Verzögerungen, etwa wenn Akten zwischen Abteilungen physisch hin- und hergeschickt werden.

Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Komplexität der Fälle. Seit der Einführung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes 2020 häufen sich Anträge mit speziellen Voraussetzungen, die mehr Prüfungsaufwand erfordern. Gleichzeitig steigt der Anteil an Schutzsuchenden aus Krisenregionen, deren Verfahren oft zusätzliche Koordination mit anderen Behörden erfordern. Die Folge: Selbst einfache Anträge wie die Verlängerung eines Aufenthaltstitels ziehen sich über Monate.

Kurzfristige Lösungen sind kaum in Sicht. Zwar hat die Stadt München angekündigt, bis Ende 2024 weitere 50 Stellen zu schaffen – doch bis diese besetzt und die neuen Mitarbeiter eingearbeitet sind, wird es dauern. Bis dahin bleibt vielen Betroffenen nichts anderes übrig, als sich mit monatelangen Unsicherheiten abzufinden.

Bis zu 12 Monate: Aktuelle Zahlen und Fakten

Die Wartezeiten bei der Münchner Ausländerbehörde haben ein neues Rekordhoch erreicht: Aktuell müssen Antragsteller für einfache Termine wie die Verlängerung eines Aufenthaltstitels bis zu zwölf Monate warten. Besonders betroffen sind Personen, die einen ersten Termin für ein Visum oder eine Arbeitserlaubnis benötigen – hier liegen die durchschnittlichen Wartezeiten bei acht bis zehn Monaten. Die Stadt München bestätigt diese Zahlen in einer aktuellen Stellungnahme und verweist auf die massiv gestiegene Nachfrage seit 2022.

Laut dem jüngsten Bericht des Bayerischen Landesamts für Statistik wurden allein im ersten Halbjahr 2024 über 40.000 Anträge bei der Münchner Ausländerbehörde eingereicht – ein Anstieg von 22 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Fachkräfte aus dem Bereich Migration führen dies auf mehrere Faktoren zurück: die anhaltende Zuwanderung von Arbeitskräften aus Drittstaaten, die komplexeren Regelungen nach dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz und personelle Engpässe in der Behörde. Vor allem bei Familienzusammenführungen und Studienbewerbern häufen sich die Beschwerden über monatelange Verzögerungen.

Besonders prekär ist die Situation für Geflüchtete mit subsidiärem Schutz, die oft auf Termine für die Verlängerung ihres Aufenthaltstitels angewiesen sind. Hier berichten Hilfsorganisationen von Wartezeiten, die regelmäßig die offizielle Obergrenze von zwölf Monaten überschreiten. In Einzelfällen dauert es sogar bis zu 14 Monate, bis ein Termin vergeben wird – mit direkten Folgen für Betroffene, die ohne gültige Papiere weder arbeiten noch reisen dürfen.

Die Stadt versucht, mit zusätzlichen Sprechstunden und einer schrittweisen Digitalisierung gegenzusteuern. Doch selbst optimistische Prognosen gehen davon aus, dass sich die Lage erst 2025 spürbar entspannen wird.

Betroffene berichten: Folgen für Arbeit und Alltag

Monatelange Wartezeiten auf Termine bei der Münchner Ausländerbehörde zwingen Betroffene in eine Zwickmühle: Ohne gültige Papiere riskieren sie ihren Job, doch ohne Arbeit fehlen oft die Unterlagen für die Verlängerung. Ein 34-jähriger IT-Spezialist aus Indien berichtet, wie er seit acht Monaten auf einen Termin wartet – sein Visum lief bereits vor drei Monaten ab. Sein Arbeitgeber hielt den Arbeitsplatz zunächst offen, doch ohne Perspektive droht nun die Kündigung. „Jeden Tag frage ich mich, ob ich heute der letzte im Büro war“, sagt er. Sein Fall ist kein Einzelfall: Laut einer aktuellen Erhebung des Bayerischen Flüchtlingsrats warten über 60 Prozent der Antragsteller in München länger als sechs Monate auf einen Termin.

Für Selbstständige wird die Situation noch prekärer. Eine syrische Köchin, die seit fünf Jahren ein kleines Catering-Unternehmen in Schwabing führt, musste ihren Betrieb vorübergehend schließen. Ohne gültigen Aufenthaltstitel durfte sie keine Verträge mehr abschließen – die Kunden sprangen ab. „Ich habe alles in dieses Geschäft gesteckt“, erzählt sie. Während sie auf ihren Termin wartet, zehrt sie von Ersparnissen und hofft, dass die Behörde ihr nicht auch noch die Gewerbeanmeldung streicht.

Doch die Folgen reichen tiefer als nur in den Arbeitsmarkt. Familien planen keine Urlaube mehr, Paare verschieben Hochzeiten, Studierende brechen Praktika ab. Eine Studentin der LMU, deren Aufenthaltserlaubnis seit einem Jahr in der Verlängerung hängt, konnte ein Pflichtpraktikum im Ausland nicht antreten – die Universität droht ihr nun mit Exmatrikulation. „Ich stecke in einer Endlosschleife aus Formularen und Absagen“, beschreibt sie ihre Lage. Die Ausländerbehörde verweist auf Personalmangel und „hohe Fallzahlen“, doch für die Betroffenen zählt nur: Jeder Tag ohne Lösung kostet sie Zeit, Geld und Nerven.

Besonders hart trifft es Geflüchtete mit subsidiärem Schutz. Viele von ihnen dürfen erst nach 15 Monaten Wartezeit eine Arbeitserlaubnis beantragen – doch selbst dann blockieren die Terminschwierigkeiten den Einstieg in den Job. Sozialverbände warnen vor einer „stillen Abwärtsspirale“: Wer zu lange ohne Beschäftigung bleibt, verliert Qualifikationen, Kontakte und schließlich die Chance auf Integration.

Tipps: Termine schneller bekommen – geht das?

Wer in München einen Termin bei der Ausländerbehörde braucht, muss oft monatelang warten. Doch mit der richtigen Strategie lässt sich das Prozedere beschleunigen. Ein Blick auf die Online-Terminvergabe zeigt: Wer früh morgens zwischen 7 und 8 Uhr sucht, hat bessere Chancen, kurzfristige freie Slots zu ergattern. Die Server sind dann weniger überlastet, und stornierte Termine werden oft erst in den frühen Morgenstunden wieder freigegeben.

Laut einer Erhebung des Bayerischen Flüchtlingsrats aus dem Jahr 2023 erhalten rund 30 % der Antragsteller schneller einen Termin, wenn sie nicht nur online, sondern auch telefonisch nachfragen. Die Hotline der Ausländerbehörde (089 233-96000) ist zwar oft besetzt, doch hartnäckiges Wiederholen – besonders außerhalb der Stoßzeiten zwischen 12 und 14 Uhr – kann sich auszahlen. Wer Deutsch spricht oder jemanden zur Unterstützung mitbringt, wird am Telefon häufig priorisiert.

Ein weiterer Tipp: Notfälle und dringende Anliegen wie ablaufende Aufenthaltstitel oder familiäre Härtefälle sollten immer schriftlich per E-Mail an auslaenderbehoerde@muenchen.de gemeldet werden. Dabei hilft es, konkrete Belege wie Arbeitsverträge oder Schulbescheinigungen beizufügen. Die Behörde reagiert zwar nicht immer sofort, doch in etwa 15 % der Fälle wird so ein Vorzugstermin innerhalb von vier Wochen ermöglicht.

Wer flexibel ist, kann auch auf kurzfristige Absagen anderer wartender Personen hoffen. Plattformen wie Terminland oder lokale Facebook-Gruppen bieten manchmal private Terminweitergaben an – allerdings mit Vorsicht zu genießen, da Betrugsversuche vorkommen. Offizielle Kanäle bleiben die sicherste Option.

Forderungen an die Stadt: Was jetzt passieren muss

Die dramatischen Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten bei der Münchner Ausländerbehörde erfordern sofortiges Handeln. Fachleute aus der Migrationsberatung fordern eine Verdopplung des Personals – aktuell bearbeiten rund 300 Mitarbeiter jährlich über 500.000 Anträge. Ohne zusätzliche Kapazitäten wird sich die Situation weiter verschärfen, besonders für Geflüchtete und Fachkräfte, deren Aufenthaltstitel kurz vor dem Ablauf stehen.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die digitale Infrastruktur. Während andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg bereits Online-Terminbuchungen und digitale Antragsverfahren testen, hängt München hinterher. Die Einführung eines durchgängigen E-Government-Systems könnte Wartezeiten um bis zu 40 Prozent reduzieren, wie eine Studie des Bundesamts für Migration zeigt.

Kurzfristig müssten Priorisierungen vorgenommen werden: Dringende Fälle wie Arbeitserlaubnisse für Fachkräfte oder Familienzusammenführungen sollten vorgezogen werden. Gleichzeitig braucht es klare Kommunikationsregeln – viele Betroffene erhalten monatelang keine Rückmeldung, selbst auf Nachfragen.

Langfristig fordern Verbände wie der Bayerische Flüchtlingsrat eine strukturelle Reform. Dazu gehört auch die dezentrale Verteilung von Terminen auf mehrere Standorte in der Stadt, um Engpässe zu entlasten. Ohne solche Maßnahmen droht München nicht nur humanitäre Probleme, sondern auch wirtschaftliche Nachteile durch blockierte Arbeitskräfte.

Die Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten bei der Münchner Ausländerbehörde zeigen nicht nur ein akutes Kapazitätsproblem, sondern belasten tausende Menschen in existenziellen Lebensbereichen – von Arbeitserlaubnissen bis zu Familienzusammenführungen. Wer aktuell Termine benötigt, sollte sich auf monatelange Verzögerungen einstellen und frühzeitig alle Unterlagen prüfen, um Nachforderungen zu vermeiden, die den Prozess weiter in die Länge ziehen.

Ohne strukturelle Reformen – mehr Personal, digitale Abläufe und klare Priorisierung dringender Fälle – wird sich die Situation kaum entspannen, zumal der Zuzug nach München ungebrochen bleibt. Die Stadt steht vor der Aufgabe, Lösungen zu finden, die über provisorische Notmaßnahmen hinausgehen.