Seit Wochen häufen sich die Beschwerden: Wer in München ein Auto anmelden, ummelden oder abmelden will, muss mit Wartezeiten von über sechs Wochen rechnen. Die Zulassungsstelle München kämpft mit einem historischen Rückstau – Termine sind oft erst für Mitte Oktober verfügbar, selbst für dringende Anliegen. Betroffen sind nicht nur Privatpersonen, sondern auch Gewerbetreibende, die auf schnelle Abwicklungen angewiesen sind. Die Stadtverwaltung bestätigt die Engpässe, verweist aber auf Personalmangel und gestiegene Antragszahlen als Hauptgründe.
Für viele Münchner bedeutet das mehr als nur bürokratischen Ärger. Ohne gültige Zulassungspapiere drohen Bußgelder, Versicherungsprobleme oder gar Stillstand im Berufsalltag. Besonders hart trifft es Neu-Münchner, die ihr Fahrzeug nach dem Umzug ummelden müssen, oder Eltern, die dringend ein Familienauto anmelden wollen. Die Zulassungsstelle München hat zwar Notfall-Termine für Härtefälle eingerichtet, doch die Kriterien sind streng – und die Kapazitäten begrenzt. Wer Glück hat, ergattert einen kurzfristigen Slot über stundenlanges Aktualisieren der Online-Buchung.
Warum Bürger monatelang auf Termine warten
Seit Monaten kämpfen Münchner Bürger mit massiven Verzögerungen bei der Fahrzeugzulassung. Wer einen Termin für die Ummeldung, Neuzulassung oder Abmeldung eines Autos benötigt, muss oft über sechs Wochen warten – eine Verdopplung der Wartezeit im Vergleich zum Vorjahr. Schuld daran ist nicht nur die gestiegene Nachfrage, sondern auch ein chronischer Personalmangel in der Zulassungsstelle. Laut einer aktuellen Erhebung des ADAC fehlen allein in Bayern rund 200 Sachbearbeiter, um den regulären Betrieb aufrechtzuerhalten.
Besonders hart trifft es Berufspendler und Gewerbetreibende. Wer etwa für einen neuen Job dringend ein Firmenfahrzeug anmelden muss, steht vor einem Problem: Ohne gültige Papiere drohen Bußgelder, selbst wenn der Termin erst in Wochen möglich ist. Einige Autohäuser berichten, dass Kunden aus Verärgerung sogar Kaufverträge stornieren, weil sie ihr Fahrzeug nicht rechtzeitig nutzen können.
Die Stadtverwaltung verweist auf Überlastung und veraltete IT-Systeme. Zwar wurden in den letzten Monaten zusätzliche Online-Termine freigeschaltet, doch diese sind oft innerhalb weniger Minuten vergeben. Kritiker bemängeln, dass die Digitalisierung der Zulassungsprozesse zu langsam voranschreitet – während andere Bundesländer bereits elektronische Anträge ohne persönliches Erscheinen ermöglichen, bleibt München hinter den Möglichkeiten zurück.
Ein weiterer Faktor verschärft die Situation: die steigende Zahl an Elektrofahrzeugen. Jede Neuzulassung eines E-Autos erfordert zusätzliche Prüfschritte, etwa die Eintragung der Ladeleistung oder die Beantragung von Umweltboni. Das bindet zusätzliche Kapazitäten, die an anderer Stelle fehlen. Experten des TÜV warnen, dass sich die Wartezeiten ohne strukturelle Reformen weiter verlängern werden.
Daten zeigen: 45 Tage Wartezeit sind jetzt Normalfall
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Wer in München ein Fahrzeug anmelden oder ummelden möchte, muss sich auf eine Wartezeit von durchschnittlich 45 Tagen einstellen. Das geht aus den aktuellen Auswertungen des Bayerischen Landesamts für Statistik hervor, die eine Verdopplung der Bearbeitungsdauer im Vergleich zum Vorjahr zeigen. Besonders betroffen sind Neu-Münchner und Berufspendler, die auf eine schnelle Zulassung angewiesen sind.
Lag die durchschnittliche Wartezeit 2022 noch bei knapp drei Wochen, hat sich die Situation 2023 dramatisch verschärft. Termine für die Hauptstelle an der Friedenheimer Brücke sind oft erst nach sechs bis sieben Wochen verfügbar – Spitzenwerte, die selbst Fachleute überraschen. Branchenkenner führen dies auf Personalmangel und gestiegene Nachfrage zurück, nachdem pandemiebedingte Rückstaus nun nachwirken.
Ein Blick auf die Online-Terminvergabe bestätigt den Trend: Wer heute einen Slot buchen will, erhält in der Regel den ersten freien Platz Mitte November. Wer dringend ein Fahrzeug anmelden muss, bleibt oft nur der Weg über teure private Dienstleister, die gegen Aufpreis kurzfristige Termine vermitteln.
Dass die Wartezeiten kein vorübergehendes Phänomen sind, zeigt auch die Entwicklung in anderen Großstädten. Doch München liegt mit 45 Tagen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 30 Tagen – ein Wert, der für viele Autohäuser und Leasingfirmen längst zum Kalkulationsfaktor geworden ist.
Wie Umgehungslösungen und Online-Services helfen können
Die monatelangen Wartezeiten beim Straßenverkehrsamt München zwingen viele Autohalter zu kreativen Lösungen. Online-Dienste wie Zulassungsdienst24 oder Fahrzeugscheine.de übernehmen die komplette Abwicklung – von der Terminvereinbarung bis zur Abholung der Papiere. Für rund 50 bis 150 Euro erledigen sie die Formalitäten oft innerhalb weniger Tage. Besonders gefragt sind diese Services bei Gewerbetreibenden, die auf schnelle Zulassungen angewiesen sind.
Eine Umfrage des ADAC Bayern aus dem Frühjahr 2024 zeigt, dass fast 30 Prozent der Münchner Autokäufer inzwischen auf externe Dienstleister zurückgreifen. Die Gründe liegen auf der Hand: Neben der Zeitersparnis entfällt das stundenlange Warten vor Ort. Viele Anbieter arbeiten mit speziellen Berechtigungen, die ihnen priorisierten Zugang zu den Zulassungsstellen ermöglichen.
Auch temporäre Lösungen gewinnen an Bedeutung. Kurzzeitkennzeichen (sogenannte 5-Tage-Kennzeichen) oder Exportkennzeichen bridges die Wartezeit, bis der offizielle Termin ansteht. Diese sind zwar mit Kosten von etwa 30 bis 80 Euro verbunden, erlauben aber zumindest die Nutzung des Fahrzeugs für dringende Fahrten. Besonders bei Gebrauchtwagenhändlern sind solche Übergangsregelungen längst Standard.
Ein weiterer Ausweg: die Zulassung in umliegenden Landkreisen wie Dachau oder Freising, wo die Wartezeiten oft deutlich kürzer ausfallen. Allerdings ist dies nur möglich, wenn der Hauptwohnsitz dort gemeldet ist – ein Umzug allein zur Umgehung der Münchner Engpässe wird von den Behörden nicht geduldet. Wer die Regeln ignoriert, riskiert Bußgelder bis zu 500 Euro.
Fazit der Verbraucherzentrale Bayern: Wer Flexibilität braucht, sollte die Kosten für externe Dienstleister gegen den eigenen Zeitaufwand abwägen. Bei dringenden Fällen lohnt sich der Griff zu professioneller Hilfe oft mehr als wochenlanges Hoffen auf einen freien Termin.
Fahrschulen warnen vor Folgen für Fahranfänger
Die explodierenden Wartezeiten bei der Münchner Zulassungsstelle treffen besonders Fahranfänger hart. Fahrschulen berichten von verzweifelten Schülern, die nach bestandener Prüfung wochenlang ohne Führerschein dastehen – weil die Zuteilung der Dokumente stockt. Normalerweise erhalten Neulinge ihren Kartenführerschein innerhalb von 14 Tagen, doch aktuell dauert es im Schnitt 45 Tage, wie eine aktuelle Erhebung des Fahrlehrerverbands Bayern zeigt. Die Folge: Viele müssen trotz bestandener Prüfung weiter mit dem Lernfahrschein fahren oder auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen.
Besonders prekär wird die Situation für Berufspendler oder Auszubildende, die auf ein Auto angewiesen sind. Einige Fahrschulen bieten inzwischen Notlösungen an – etwa die Beantragung eines vorläufigen Führerscheins über das Straßenverkehrsamt. Doch selbst dieser Prozess zieht sich hin, da die Bearbeitungskapazitäten vollständig ausgelastet sind.
Experten warnen vor langfristigen Konsequenzen: Wer nach der Prüfung zu lange ohne Praxis bleibt, verliert schnell Routine. Studien zeigen, dass Fahranfänger, die länger als vier Wochen nicht selbst fahren, ein deutlich höheres Unfallrisiko in den ersten Monaten haben. Die Münchner Fahrschulen fordern daher eine Priorisierung von Führerscheinanträgen – oder zumindest transparente Kommunikationswege, um die Wartezeiten besser planbar zu machen.
Einige Betroffene versuchen, die Verzögerung durch persönliche Vorsprachen zu umgehen. Doch selbst wer früh morgens vor Ort erscheint, wird oft mit dem Hinweis auf „systembedingte Engpässe“ abgewiesen. Die Stadt München hat bisher keine konkreten Maßnahmen angekündigt, um die Situation zu entschärfen.
Neue Digitalisierungspläne – wann kommt die Entlastung?
Die überlasteten Zulassungsstellen in München sollen bald digitale Unterstützung erhalten. Das Bayerische Staatsministerium für Digitales hat im März 2024 ein Pilotprojekt angekündigt, das bis Ende des Jahres die Online-Terminvergabe auf eine KI-gestützte Plattform umstellen wird. Aktuell scheitern 42 % der Buchungsversuche an Serverüberlastungen – ein Wert, der laut einer Studie der Technischen Universität München auf veraltete IT-Infrastruktur zurückzuführen ist.
Konkret plant die Behörde, die Wartezeiten durch automatisierte Vorab-Checks zu verkürzen. Künftig sollen Antragsteller ihre Unterlagen vor dem Termin digital hochladen können. Ein Algorithmus prüft dann, ob alle Dokumente vollständig sind, und weist auf fehlende Nachweise hin. Das würde nicht nur die Bearbeitungsdauer vor Ort halbieren, sondern auch die häufigen Doppeltermine reduzieren, die derzeit durch unvollständige Anträge entstehen.
Kritiker monieren allerdings, dass ähnliche Versprechen bereits 2022 gemacht wurden – ohne sichtbare Ergebnisse. Die Gewerkschaft ver.di warnt vor „übereilten Digitalisierungsversprechen“, die an der Realität vorbeigehen, solange die personelle Unterbesetzung in den Ämtern nicht behoben wird.
Ob die Entlastung tatsächlich kommt, hängt auch von der Umsetzung ab. Die Stadt München hat für das Projekt 3,8 Millionen Euro bereitgestellt, doch ob die Mittel reichen, um sowohl die Technik als auch die Schulung der Mitarbeiter zu finanzieren, bleibt abzuwarten. Erste Testläufe in anderen bayerischen Städten wie Nürnberg zeigen immerhin: Dort sanken die Wartezeiten nach Einführung digitaler Vorprüfungen um durchschnittlich 30 %. München könnte ähnliche Effekte erzielen – wenn die Planung diesmal hält, was sie verspricht.
Die Wartezeiten von über sechs Wochen bei der Münchner Zulassungsstelle zeigen deutlich, wie stark der Service unter Personalmangel und steigender Nachfrage leidet—ein Problem, das nicht nur Autokäufer, sondern auch Gewerbetreibende und Umzugswillige hart trifft. Wer aktuell ein Fahrzeug anmelden muss, sollte sich auf monatelange Verzögerungen einstellen und frühzeitig einen Termin buchen, selbst wenn dieser erst in Wochen verfügbar ist.
Alternativ lohnt es sich, digitale Dienstleister oder externe Zulassungsdienste zu prüfen, die gegen Gebühr schneller Abhilfe verschaffen können. Ohne grundlegende Reformen—sei es durch mehr Personal, effizientere Abläufe oder eine Ausweitung der Online-Services—wird sich die Situation in München kaum entspannen, zumal die Nachfrage nach Neuzulassungen weiter steigt.

