Wer in München aktuell einen Führerschein beantragen oder umschreiben lassen will, muss Geduld mitbringen: Die Wartezeiten bei der Führerscheinstelle München haben sich auf über 12 Wochen ausgedehnt – doppelt so lang wie noch vor einem Jahr. Betroffen sind nicht nur Fahranfänger, sondern auch Umzieher aus anderen Bundesländern oder EU-Bürger, die ihren ausländischen Führerschein eintragen lassen müssen. Selbst Terminverschiebungen wegen fehlender Unterlagen treiben die Wartezeiten weiter in die Höhe, wie aktuelle Rückmeldungen von Betroffenen zeigen.
Hinter den Verzögerungen stehen personelle Engpässe und ein massiv gestiegener Andrang, der die Führerscheinstelle München an ihre Kapazitätsgrenzen bringt. Für viele bedeutet das nicht nur organisatorischen Ärger, sondern auch konkrete Einschränkungen: Wer auf den Führerschein für Beruf oder Alltag angewiesen ist, sitzt wochenlang ohne gültigen Nachweis fest. Die Stadtverwaltung reagiert bisher mit halben Maßnahmen – doch ohne nachhaltige Lösungen droht die Situation sich weiter zuzuspitzen.
Warum Münchens Führerscheinämter überlastet sind
Seit Monaten kämpfen Münchens Führerscheinämter mit einer beispiellosen Überlastung. Allein im ersten Halbjahr 2024 verzeichnete die Stadtverwaltung über 15.000 Anträge mehr als im Vorjahreszeitraum – ein Anstieg von fast 30 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch ein zentraler Faktor bleibt der akute Personalmangel. Laut Angaben des Bayerischen Innenministeriums sind derzeit rund 20 Prozent der Stellen in den Kfz-Zulassungs- und Führerscheinstellen unbesetzt, was zu massiven Verzögerungen bei der Bearbeitung führt.
Hinzu kommt der administrative Aufwand durch neue EU-Vorschriften. Seit der Einführung der überarbeiteten Führerscheinrichtlinie im Januar 2023 müssen Antragsteller zusätzliche Nachweise erbringen, etwa ein aktuelles biometrisches Passfoto oder eine Bestätigung über die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs. Diese Änderungen verlängern die Bearbeitungszeit pro Antrag um durchschnittlich 10 bis 15 Minuten – eine scheinbar kleine Zahl, die sich bei tausenden Anträgen monatlich zu einem massiven Stau summiert.
Verkehrsexperten weisen zudem auf einen strukturellen Engpass hin: Die meisten Führerscheinämter in München arbeiten noch mit veralteter Software, die nicht für die heutige Antragsflut ausgelegt ist. Während andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg bereits digitale Terminsysteme mit Priorisierungsalgorithmen nutzen, erfolgt die Vergabe in München oft noch manuell. Das führt dazu, dass selbst dringende Anträge – etwa für Berufskraftfahrer – Wochen auf einen freien Slot warten müssen.
Ein weiterer, oft unterschätzter Grund ist der Zuzug junger Erwachsener in die Stadt. München verzeichnet seit Jahren einen überdurchschnittlichen Anstieg der 18- bis 25-Jährigen, die meisten von ihnen beantragen kurz nach dem Umzug den Führerschein. Statistiken des Einwohnermeldeamts zeigen, dass fast jeder dritte Antragsteller in diesem Alter neu in München gemeldet ist – eine Entwicklung, die die Ämter völlig unvorbereitet traf.
Drei Monate Wartezeit: Aktuelle Zahlen und Betroffene
Drei Monate auf den Führerschein warten – was für viele noch vor wenigen Jahren undenkbar klang, ist in München längst Realität. Aktuelle Daten der Stadtverwaltung zeigen, dass die durchschnittliche Wartezeit für einen Termin bei der Führerscheinstelle mittlerweile bei 12,3 Wochen liegt. Besonders betroffen sind Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren, die oft auf schnelle Mobilität angewiesen sind. Doch auch Berufspendler, die ihren Führerschein nach einem Umzug nach München umschreiben müssen, kämpfen mit den Verzögerungen.
Verkehrsexperten führen die lange Wartezeit auf mehrere Faktoren zurück. Neben dem anhaltenden Personalmangel in den Behörden spielt auch die gestiegene Nachfrage eine Rolle. Seit der Pandemie haben viele Münchner den Führerschein als sichere Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln entdeckt. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand: Allein die Bearbeitung eines Antrages auf Führerscheinerteilung dauert laut interner Statistiken doppelt so lange wie noch 2019.
Die Folgen sind spürbar. Fahrschulen berichten von verärgerten Kunden, die ihre Prüfungen zwar bestanden haben, aber monatelang nicht fahren dürfen. Einige greifen zu teuren Privatlösungen, etwa über externe Dienstleister, die Termine in umliegenden Landkreisen vermitteln – oft zu Preisen von bis zu 200 Euro Aufschlag. Doch selbst das ist keine Garantie: Auch in Städten wie Augsburg oder Ingolstadt sind die Wartezeiten auf über acht Wochen gestiegen.
Besonders hart trifft es diejenigen, die auf den Führerschein für ihren Job angewiesen sind. Lieferfahrer, Pflegekräfte oder Handwerker können sich die Verzögerungen schlicht nicht leisten. Ein Sprecher des Münchner Gewerbeverbandes warnte kürzlich, dass die Wartezeiten zunehmend zu einem Standortnachteil für die Stadt werden – vor allem, wenn Nachbarcommunen wie Unterhaching oder Garching ihre Kapazitäten schneller ausbauen.
Wie Anmeldung und Terminvergabe jetzt funktionieren
Wer in München aktuell einen Führerschein beantragen oder umschreiben lassen möchte, muss sich auf ein mehrstufiges Verfahren einstellen. Die Anmeldung erfolgt seit 2023 ausschließlich online über das Serviceportal der Stadt. Dort wählen Antragsteller zunächst zwischen Neubeantragung, Umschreibung oder Verlängerungen aus und laden die erforderlichen Dokumente – Personalausweis, Sehtest, Erste-Hilfe-Nachweis – als digitale Kopien hoch. Erst nach erfolgreicher Prüfung der Unterlagen durch die Behörde erhalten sie den Link zur Terminbuchung.
Die Terminvergabe selbst läuft über ein dynamisches System, das freie Slots nach Prioritäten vergibt. Laut Angaben des Kreisverwaltungsreferats (KVR) werden dringende Fälle wie berufliche Umschreibungen oder abgelaufene EU-Führerscheine bevorzugt behandelt. Dennoch zeigen aktuelle Zahlen: Selbst in diesen Fällen betragen die Wartezeiten mindestens sechs Wochen. Für Standardanträge liegen sie bei durchschnittlich 13,2 Wochen – Tendenz steigend.
Ein häufiger Stolperstein ist die digitale Vorprüfung. Fehlen Unterlagen oder sind sie unvollständig, wird der Antrag automatisch zurückgestellt. Verkehrsexperten raten daher, alle Dokumente vor dem Hochladen nochmals auf Vollständigkeit und Lesbarkeit zu prüfen. Besonders der Nachweis über den Sehtest (nicht älter als zwei Jahre) und die Bescheinigung der Fahrschule (bei Neubeantragung) führen oft zu Verzögerungen.
Sobald der Termin bestätigt ist, erhalten Antragsteller eine E-Mail mit allen weiteren Details. Der Besuch in der Führerscheinstelle am Ruppertstraße 19 dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten – vorausgesetzt, alle Papiere liegen vor. Wer den Termin versäumt, muss sich hinten anstellen: Eine erneute Buchung ist erst nach vier Wochen möglich.
Alternativen: Private Fahrschulen und Online-Services nutzen
Wer in München nicht monatelang auf einen Termin bei der städtischen Führerscheinstelle warten möchte, greift zunehmend auf private Alternativen zurück. Laut einer aktuellen Erhebung des TÜV-Verbandes nutzen bereits 38 Prozent der Fahrschüler in Bayern mindestens teilweise Angebote privater Fahrschulen oder digitaler Services – Tendenz steigend. Diese Optionen umgehen zwar nicht die behördliche Prüfung, beschleunigen aber oft die theoretische und praktische Ausbildung.
Private Fahrschulen in München wie jene in Schwabing oder Neuhausen bieten häufig flexiblere Terminplanungen und intensivere Betreuung als die überlastete städtische Stelle. Viele arbeiten mit Online-Lernplattformen zusammen, die Theorieinhalte per App vermitteln und Fortschritte in Echtzeit tracken. Besonders beliebt sind Paketangebote, die Theorie- und Praxisstunden bündeln – oft zu Preisen, die nur marginal über denen der öffentlichen Anbieter liegen.
Ein weiterer Vorteil: Einige private Anbieter haben Kooperationen mit externen Prüfstellen, was die Wartezeit auf die praktische Prüfung verkürzen kann. Allerdings bleibt die Anmeldung zur theoretischen Prüfung selbst bei privater Vorbereitung an die Kapazitäten der Führerscheinstelle gebunden. Experten raten daher, parallel zur Fahrschulausbildung frühzeitig einen Termin bei der Behörde zu reservieren – selbst wenn dieser erst in Monaten stattfindet.
Online-Dienste wie Fahren Lernen Max oder Theorie24 ergänzen das Angebot. Sie ermöglichen es, die Theorieprüfung digital vorzubereiten und unter Aufsicht eines zugelassenen Fahrlehrers sogar online abzulegen – eine Option, die besonders Berufstätige und Studierende nutzen. Die Akzeptanz solcher Modelle wächst, doch die finale Führerscheinausgabe bleibt der Münchner Behörde vorbehalten.
Neue Pläne der Stadt – wird sich 2025 etwas bessern?
Die Münchner Stadtverwaltung hat reagiert – und präsentiert nun einen Maßnahmenkatalog, der die Wartezeiten bei der Führerscheinstelle bis 2025 spürbar verkürzen soll. Kernpunkt ist die Aufstockung des Personals: Bis Ende nächsten Jahres sollen 15 zusätzliche Sachbearbeiter die bestehenden 42 Mitarbeiter unterstützen. Eine Studie des TÜV-Verbandes aus dem Frühjahr 2024 hatte München als eine der am stärksten überlasteten Führerscheinstellen Deutschlands ausgewiesen, mit durchschnittlichen Bearbeitungszeiten von 14 Wochen für Neuanträge.
Doch Personalknappheit ist nicht das einzige Problem. Die Digitalisierung hinkt hinterher. Während andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg bereits Online-Terminbuchungen und digitale Antragsassistenten nutzen, muss in München noch vieles per Post oder vor Ort erledigt werden. Die Stadt plant nun, bis Mitte 2025 ein neues IT-System einzuführen, das Anträge beschleunigen und Doppelarbeit vermeiden soll.
Kritik kommt von Fahrschulen. „Die aktuellen Pläne sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie greifen zu kurz“, erklärt ein Sprecher des Fahrlehrerverbands Bayern. Besonders die praktischen Prüfungen stocken, da Prüfplätze Mangelware sind. Hier setzt die Stadt auf eine Kooperation mit externen Dienstleistern, um die Kapazitäten um 30 Prozent zu erhöhen.
Ob die Maßnahmen reichen, bleibt abzuwarten. Die Nachfrage nach Führerscheinen steigt – allein 2023 verzeichnete München 12 Prozent mehr Anträge als im Vorjahr. Ohne strukturelle Änderungen könnte selbst der Personalzuwachs nur eine kurzfristige Entlastung bringen.
Die Wartezeiten von über drei Monaten für einen Termin bei der Münchner Führerscheinstelle zeigen deutlich, wie überlastet die Behörden sind – ein Problem, das nicht nur angehende Fahrschüler, sondern auch Berufspendler und Umzugswillige hart trifft. Während die Stadt nach Lösungen sucht, wird klar: Ohne personelle Verstärkung und digitale Optimierung wird sich die Situation kaum entspannen.
Wer dringend einen Termin benötigt, sollte frühzeitig alle Unterlagen vorbereiten, online nach kurzfristigen Stornierungen suchen oder notfalls benachbarte Führerscheinstellen in Erding oder Freising kontaktieren, wo die Wartezeiten oft kürzer sind. Bis die Stadt München hier nachhaltig gegensteuert, bleibt Geduld das einzige sichere Begleitfahrzeug.

