Wer in München einen Termin für den Führerschein braucht, muss sich auf monatelanges Warten einstellen. Aktuell betragen die Wartezeiten bis zu zwölf Wochen – ein neuer Rekord, der Fahrschulen, Berufspendler und junge Erwachsene gleichermaßen unter Druck setzt. Die Stadt hat die Terminvergabe bei der Führerscheinstelle weiter verschärft, während die Nachfrage durch Zuzüge und nachgeholte Prüfungen nach der Pandemie ungebrochen bleibt. Betroffen sind nicht nur Neulinge, sondern auch alle, die Ummeldungen, Ersatzdokumente oder internationale Führerscheinumschreibungen benötigen.

Die Situation spitzt sich zu, seit die Führerscheinstelle München Termin-Anfragen nur noch stark begrenzt bearbeitet. Wer glaubt, mit einem kurzen Anruf oder Online-Klick zum Ziel zu kommen, irrt: Die digitalen Warteschlangen sind überlastet, und freie Slots werden oft innerhalb von Minuten vergriffen. Für viele bedeutet das nicht nur Geduld, sondern auch konkrete Probleme – etwa wenn der Arbeitsweg ohne gültigen Führerschein nicht mehr zu bewältigen ist oder die Fahrschule die praktische Prüfung ohne amtlichen Termin verweigert. Die Stadtverwaltung verweist auf Personalmangel, doch für Betroffene zählt vor allem eins: Wie lässt sich die Wartezeit bei der Führerscheinstelle München Termin-mäßig überhaupt noch umgehen?

Warum München die Wartezeiten explodieren lässt

München steht vor einem administrativen Kollaps – und der Führerscheinstelle kommt dabei eine traurige Hauptrolle zu. Während andere Städte Termine innerhalb von vier Wochen vergeben, kämpfen Antragsteller hier mit Wartezeiten von bis zu zwölf Wochen. Der Grund liegt nicht allein in der schieren Nachfrage, sondern in einer perfekten Sturmkonstellation aus Bürokratie, Personalmangel und strukturellen Engpässen. Laut einer aktuellen Erhebung des ADAC hat sich die Bearbeitungsdauer in den letzten zwei Jahren fast verdreifacht, ein Wert, der selbst in Vergleichsstädten wie Berlin oder Hamburg unerreicht ist.

Ein zentrales Problem: Die Führerscheinstelle München arbeitet mit einem veralteten Buchungssystem, das weder digitale Vorab-Checks noch automatisierte Terminvergaben zulässt. Jeder Antrag muss manuell geprüft werden – ein Prozess, der in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden Antragszahlen zum Flaschenhals wird. Hinzu kommt, dass die Stadt seit 2020 über 20 % der Stellen im Bürgerdienst nicht nachbesetzen konnte, wie aus internen Dokumenten hervorgeht. Die Folge sind überlastete Sachbearbeiter, die zwischen Aktenbergen und telefonischen Beschwerden kaum noch zu effektiver Arbeit kommen.

Doch es gibt noch einen zweiten, weniger offensichtlichen Faktor: München zieht seit Jahren überdurchschnittlich viele Zuzüger an, die ihren Führerschein umschreiben lassen müssen. Allein 2023 registrierte die Stadt über 50.000 Neu-Anmeldungen von Bürgern aus dem In- und Ausland – jeder fünfte davon mit einem ausländischen Führerschein, der erst geprüft und gegebenenfalls durch eine deutsche Lizenz ersetzt werden muss. Diese zusätzliche Belastung trifft auf ein System, das bereits an seinen Grenzen operiert.

Verstärkt wird die Krise durch die seit 2021 geltenden verschärften Prüfrichtlinien für EU-Führerscheine, die mehr Dokumentenprüfungen und gegebenenfalls praktische Nachtests erfordern. Wo früher eine einfache Umschreibung reichte, sind nun oft aufwändige Einzelprüfungen nötig. Verkehrsexperten weisen darauf hin, dass München als internationale Stadt hier besonders betroffen ist – und die Wartezeiten weiter in die Höhe treibt.

Drei Monate auf einen Termin: Die neuen Regeln im Detail

Seit dem 1. Juli gelten in der Münchner Führerscheinstelle strikt durchgetaktete Wartezeiten – und die sind nicht ohne Grund auf bis zu zwölf Wochen angewachsen. Wer jetzt einen Termin für die Erstbeantragung, Ummeldung oder Verlängerung des Führerscheins braucht, muss sich auf ein mehrstufiges Verfahren einstellen. Die Stadtverwaltung begründet die Verlängerung mit einem Rekordandrang: Allein im ersten Halbjahr 2024 verzeichnete die Behörde über 45.000 Anträge, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kapazitäten der 18 Sachbearbeiter:innen reichen schlicht nicht aus, um die Flut an Anfragen schneller abzuarbeiten.

Neu ist die verbindliche Online-Vorbuchung über das Serviceportal der Stadt. Telefonische Termine gibt es nur noch in absoluten Härtefällen – etwa bei dringenden beruflichen Gründen oder nachweislich kurzfristigen Auslandsaufenthalten. Selbst dann dauert es mindestens vier Wochen, bis ein Slot frei wird. Die Priorisierung folgt einem klaren Schema: Wer seinen Führerschein aufgrund eines Umzugs nach München umschreiben lassen muss, rückt in der Warteschlange weiter nach oben als Erstantragsteller:innen. Kritiker monieren, dass dieses System besonders junge Fahrschüler:innen benachteiligt, die oft keine Wahl haben, als auf den nächsten freien Termin zu warten.

Ein Lichtblick für alle, die es eilig haben: Seit Kurzem kooperiert die Führerscheinstelle mit zwei externen Bürgerbüros in Schwabing und Neuhausen. Dort werden pro Woche zusätzlich 120 Termine angeboten – allerdings nur für einfache Anliegen wie Adressänderungen oder die Beantragung eines internationalen Führerscheins. Komplexere Fälle wie verlorene Dokumente oder medizinische Nachuntersuchungen bleiben der Hauptstelle in der Landsberger Straße vorbehalten.

Verkehrsrechtsexperten raten dazu, den Antrag so früh wie möglich zu stellen. „Wer seinen Führerschein rechtzeitig vor Ablauf verlängern lässt, spart sich nicht nur Stress, sondern vermeidet auch Säumnisgebühren“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des ADAC Bayern. Wer den Termin verpasst, muss mit zusätzlichen Kosten von bis zu 30 Euro rechnen – und landet wieder ganz hinten in der Schlange.

Wie Betroffene jetzt noch an einen schnellen Platz kommen

Wer in München dringend einen Termin bei der Führerscheinstelle braucht, muss kreativ werden. Die offiziellen Wartezeiten von bis zu zwölf Wochen lassen sich mit ein paar Tricks oft verkürzen – wenn man weiß, wie. Viele Betroffene berichten, dass sie durch gezieltes Nachfragen oder das Nutzen weniger bekannter Kanäle schneller an einen Platz kamen.

Ein bewährter Weg ist die tägliche Abfrage der Online-Terminvergabe, besonders früh morgens oder spät abends. Stornierte Termine werden oft kurzfristig freigegeben. Laut einer aktuellen Umfrage des ADAC konnten rund 30 % der Antragsteller so ihren Wunschtermin innerhalb von zwei Wochen erhalten. Auch ein Anruf bei der Hotline der Führerscheinstelle (089 233-33333) kann helfen – manche Sachbearbeiter geben bei dringenden Fällen wie Berufsstart oder Umzug Priorität.

Wer flexibel ist, sollte alternative Standorte prüfen. Nicht alle Münchner Bezirksstellen sind gleich stark ausgelastet. Die Außenstellen in Pasing oder Neuperlach haben mitunter kürzere Wartezeiten als das Hauptamt am Marsplatz. Ein Blick auf die Website der Landeshauptstadt zeigt die aktuelle Auslastung.

Fahrschulen kooperieren oft mit der Führerscheinstelle und erhalten Kontingente für ihre Schüler. Wer sich dort anmeldet, bekommt manchmal schneller einen Termin – selbst wenn der Führerschein noch nicht sofort benötigt wird. Die Kosten für die Anmeldung in einer Fahrschule sind überschaubar und können sich lohnen, wenn es um Wochen geht.

Als letzte Option bleibt der Weg über den Bürgerbeauftragten der Stadt München. Bei nachweislich dringenden Fällen – etwa bei drohendem Jobverlust – kann eine Beschwerde die Bearbeitung beschleunigen. Formulare und Anleitungen gibt es online, der Prozess dauert aber meist mehrere Tage.

Fahrschulen warnen: Prüflinge stecken in der Warteschleife

Die Münchner Fahrschulen schlagen Alarm: Seit der Verschärfung der Terminvergabe bei der Führerscheinstelle sitzen Prüflinge monatelang fest. „Wir haben Schüler, die seit drei Monaten auf ihren Theorieprüfungstermin warten“, berichtet ein Fahrlehrer aus Neuhausen. Der Grund? Die Stadt hat die verfügbaren Slots drastisch reduziert – von vormals 600 auf nunmehr 300 pro Monat. Damit verdoppeln sich die Wartezeiten im Schnitt auf acht bis zwölf Wochen.

Besonders betroffen sind Berufstätige und Studierende, die auf flexible Prüfungstermine angewiesen sind. Viele müssen nun ihre Arbeitszeiten umstellen oder Urlaubstage opfern, nur um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Ein 24-jähriger Prüfling aus Schwabing erzählte, er habe bereits fünfmal vergeblich nach einem freien Termin gesucht – erfolglos. Die Fahrschulen warnen vor Frust und demotivierten Schülern, die durch die langen Wartezeiten ihr Gelernte wieder vergessen.

Laut einer aktuellen Umfrage des Fahrlehrerverbands Bayern haben 68 Prozent der Münchner Fahrschulen bereits Stornierungen von Schülern verzeichnet, die es satt hatten, auf unbestimmte Zeit zu warten. Einige wechseln sogar in umliegende Landkreise wie Dachau oder Freising, wo die Terminlage entspannter ist. Doch selbst dort werden die Kapazitäten langsam knapp.

Die Fahrschulen fordern eine schnelle Lösung – etwa durch die Einführung von Wochenendprüfungen oder die vorübergehende Aufstockung des Personals. Bis dahin bleibt vielen Prüflingen nichts anderes übrig, als sich geduldig in die Warteschleife einzureihen.

Digitalisierung als Rettung – oder nur ein leeres Versprechen?

Die Digitalisierung galt lange als Allheilmittel für überlastete Behörden – doch in München zeigt sich, wie schwerfällig selbst moderne Lösungen umgesetzt werden. Seit Jahren verspricht die Stadt, Online-Terminbuchungen und automatisierte Abläufe sollten Wartezeiten bei der Führerscheinstelle verkürzen. Doch die Realität sieht anders aus: Trotz digitaler Anmeldeformulare und Vorab-Checks per App dauert es oft Wochen, bis Bewerber einen Termin erhalten. Ein Blick auf die Zahlen macht das Ausmaß deutlich: Laut einer aktuellen Erhebung des Bayerischen Kommunalen Prüfverbandes benötigen 63 Prozent der deutschen Führerscheinstellen selbst für digitale Anträge noch manuelle Bearbeitungsschritte – was die versprochenen Effizienzgewinne zunichtemacht.

Hinzu kommt, dass viele Anträge an formalen Hürden scheitern. Wer etwa Unterlagen falsch hochlädt oder das Antragsformular unvollständig ausfüllt, wird automatisch ans Ende der Warteschlange verwiesen. Die Folge: Selbst wer sich digital anmeldet, landet schnell im analogen Chaos.

Experten aus der Verwaltungsmodernisierung kritisieren, dass München zwar in Einzelprojekte wie die Einführung einer Termin-App investiert habe, die Prozesse dahinter aber nicht grundlegend überarbeitet wurden. Ohne eine durchgängige Digitalisierung der gesamten Abläufe – von der Antragsstellung bis zur Führerscheinausgabe – bleibe die Entlastung begrenzt. Solange Mitarbeiter manuell Daten zwischen verschiedenen Systemen übertragen müssen, bleibt der versprochene Geschwindigkeitsschub aus.

Dabei gibt es durchaus Erfolgsbeispiele: In Städten wie Hamburg oder Köln reduzierten vollständig digitale Workflows die Wartezeiten um bis zu 40 Prozent. München hingegen hinkt hinterher – und zahlt den Preis in Form von frustrierten Bürgern und überlastetem Personal.

Die Wartezeiten von bis zu zwölf Wochen für einen Termin bei der Münchner Führerscheinstelle zeigen deutlich, wie stark die Nachfrage das Angebot übersteigt – und dass spontane Anmeldungen längst keine Option mehr sind. Wer seinen Führerschein rechtzeitig braucht, muss sich nun monatelang im Voraus planen oder auf alternative Lösungen wie private Fahrschulen mit eigenen Prüfungsterminen ausweichen.

Betroffene sollten sofort nach Erhalt des Antrages alle verfügbaren Online-Slots prüfen und notfalls mehrmals täglich nach kurzfristigen Stornierungen suchen, da diese oft morgens freigegeben werden. Auch der Blick auf benachbarte Landkreise wie Dachau oder Freising kann sich lohnen, wo die Wartezeiten teilweise deutlich kürzer ausfallen.

Langfristig bleibt abzuwarten, ob die Stadt München mit zusätzlichem Personal oder digitalen Prozessen gegensteuert – oder ob die Engpässe zum Dauerzustand werden.