Mit 12.000 frisch gepflanzten Blumen und einem brandneuen Rosengarten beweist der Westpark München einmal mehr, warum er seit vier Jahrzehnten zu den beliebtesten grünen Oasen der Stadt zählt. Die Parkverwaltung setzt zum 40-jährigen Jubiläum ein klares Zeichen: Wo einst Brachland lag, blüht heute auf 70 Hektar ein lebendiges Stück Natur – mit Themengärten, Seen und jetzt auch einer der größten Rosensammlungen Süddeutschlands. Die Zahlen sprechen für sich – über zwei Millionen Besucher jährlich suchen hier Erholung zwischen urbanem Trubel und botanischer Vielfalt.

Doch der Westpark München ist mehr als nur eine Parkanlage. Als einer der letzten großen Landschaftsparks, die im 20. Jahrhundert in Deutschland entstanden, verkörpert er ein Stück Münchner Identität. Die Neugestaltung des Rosengartens mit historischen und modernen Sorten unterstreicht diesen Anspruch: Hier verschmelzen Natur, Kultur und Stadtleben zu einem Ort, der Generationen verbindet. Für Münchner und Touristen alike wird das Jubiläum damit zum Anlass, eine der prägendsten Grünflächen der Stadt neu zu entdecken – und zu feiern.

Vom Müllberg zur grünen Oase

Vor vier Jahrzehnten war das Gelände des heutigen Westparks noch eine braune Narbe im Münchner Stadtbild: 60 Hektar Schutt, Trümmer und Hausmüll, hinterlassen vom Krieg und der Nachkriegszeit. Wo heute Familien picknicken und Jogger ihre Runden drehen, türmten sich einst bis zu 15 Meter hohe Abfallberge. Die Umwandlung in eine der größten innerstädtischen Grünflächen Deutschlands galt damals als kühnes Experiment – und wurde zum Vorbild für Stadtplaner weltweit.

Die Renaturierung begann 1983 mit einer radikalen Idee: Statt den Müll abzutragen, formten Landschaftsarchitekten die Hügel zu künstlichen Erhebungen um, die heute als Aussichtspunkte und natürliche Lärmschutzwälle dienen. Über 1,2 Millionen Kubikmeter Erde wurden aufgebracht, um das Gelände zu stabilisieren und eine tragfähige Basis für Bäume, Sträucher und später die berühmten Themengärten zu schaffen. Bodenkundler der TU München begleiteten das Projekt und entwickelten spezielle Substratmischungen, die trotz der belasteten Untergründe ein gesundes Pflanzenwachstum ermöglichen sollten.

Besonders bemerkenswert ist die ökologische Bilanz: Während ähnliche Flächen oft jahrelang brachen, zeigte der Westpark bereits nach fünf Jahren eine artenreiche Vegetation. Heute beherbergt er über 200 einheimische und exotische Baumarten, darunter seltene Sorten wie den Mammutbaum oder den Tulpenbaum. Die künstlich angelegten Teiche filtern nicht nur Regenwasser, sondern bieten Lebensraum für Libellen, Frösche und sogar Biber – eine Erfolgstory, die selbst Skeptiker überraschte.

Dass aus einer Mülldeponie ein Ort der Erholung werden konnte, verdankt München auch der beharrlichen Bürgerbeteiligung. Anwohner kämpften in den 1970er-Jahren gegen Pläne, das Gelände industriell zu nutzen, und setzten sich für eine parkähnliche Gestaltung ein. Ihr Engagement prägt bis heute das Konzept: Der Westpark ist kein steriles Zierbeet, sondern ein lebendiger Freiraum mit Gemeinschaftsgärten, Spielplätzen und jetzt dem neuen Rosengarten – ein Stück Natur, das die Stadtgeschichte wachsen lässt.

000 Blumen und ein neuer Rosengarten

Der Westpark München beweist einmal mehr, dass er nicht nur eine der größten Grünflächen der Stadt ist, sondern auch ein lebendiges Labor für botanische Vielfalt. Zum 40-jährigen Jubiläum verwandelt sich ein zentraler Bereich des Parks in ein blühendes Meisterwerk: Über 12.000 Stauden, Sommerblumen und Gehölze wurden neu gepflanzt – darunter 150 verschiedene Rosenarten, die den frisch gestalteten Rosengarten zum Herzstück der Feierlichkeiten machen. Die Auswahl der Sorten folgte strengen ökologischen Kriterien: Ein Drittel der Pflanzen stammt aus regionaler Züchtung, um Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge gezielt zu fördern.

Besonders auffällig ist die farbliche Choreografie. Gartenarchitekten setzten auf kontrastreiche Kombinationen aus tiefen Violetttönen, leuchtendem Gelb und zartem Rosa, die sich über die Beete ziehen. Ein 60 Meter langer Blumenstreifen entlang der Hauptwege leitet Besucher durch das Farbspektakel – inspiriert von englischen Cottage-Gärten, aber angepasst an Münchens Klima. Laut Angaben des Baureferats wurden allein für diese Neugestaltung über 500 Kubikmeter Mutterboden aufbereitet, um optimale Wachstumsbedingungen zu schaffen.

Der Rosengarten selbst ist mehr als nur Zierde. Er dient als Pilotprojekt für stadtklimagerechtes Grün: Unter den Rosen finden sich trockenheitsresistente Bodendecker, die Bewässerung erfolgt über ein intelligentes Tropfsystem mit Regenwassernutzung. Experten für urbanes Grün betonen, dass solche Lösungen künftig Schule machen müssten – besonders in Zeiten häufiger Hitzeperioden. Die ersten Rückmeldungen der Parkbesucher bestätigen den Erfolg: Die Sitzbänke rund um die neuen Beete sind seit der Eröffnung ständig besetzt.

Wer genau hinschaut, entdeckt zwischen den Blüten auch historische Bezüge. Einige Rosenarten stammen aus den 1980er-Jahren, als der Westpark für die Internationale Gartenbauausstellung angelegt wurde. Damals wie heute gilt: Hier wird Gartengeschichte nicht nur bewahrt, sondern weitergeschrieben.

Wie der Westpark Münchens Freizeitkultur prägt

Seit vier Jahrzehnten ist der Westpark weit mehr als nur eine grüne Lunge zwischen Laim und Sendling – er hat Münchens Freizeitkultur nachhaltig verändert. Mit seiner Eröffnung 1983 als Teil der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) brach er bewusst mit dem klassischen Parkkonzept: Statt strenger Symmetrie bot er von Anfang an weite Wiesen zum Liegen, Spielplätze für Kinder und sogar einen See zum Bootsfahren. Diese Mischung aus Naturerlebnis und urbaner Lebensqualität machte ihn schnell zum Vorbild für spätere Grünflächen wie den Olympiapark oder die Isarauen. Heute nutzen jährlich über drei Millionen Besucher den Park – nicht nur zum Spazieren, sondern als Ort für Picknicks, Open-Air-Konzerte oder einfach zum Abschalten zwischen den Hochhäusern.

Besonders prägend war der Westpark für Münchens multikulturelles Freizeitleben. Während andere Parks oft einem bestimmten Klientel zugeordnet werden, entwickelte sich hier früh eine bunte Mischung: Familien aus Neuhausen treffen auf Studierende aus der Maxvorstadt, ältere Münchner auf junge Migranten, die auf den Grillplätzen ihre kulinarischen Traditionen teilen. Laut einer Studie der TU München von 2022 gilt der Westpark als einer der sozial durchmischtesten öffentlichen Räume der Stadt – ein Erfolg, der auf die bewusste Gestaltung mit dezentralen Sitzgelegenheiten und kostenlosen Angeboten wie dem Rosengarten oder den Themenbeeten zurückzuführen ist.

Auch kulturell setzte der Park Maßstäbe. Die regelmäßigen Veranstaltungen – vom Japanischen Wochenende über das Tollwood-Festival bis zu den Sommerkinoabenden – zogen seit den 1990er-Jahren ein immer breiteres Publikum an. Die Kombination aus Natur und Kulturprogramm inspirierte später Projekte wie das Werksviertel oder die Freiluftbühnen an der Isar. Selbst die Gastronomie im Park, etwa das historische Seebad oder die Biergärten, zeigt, wie öffentlich-private Partnerschaften urbane Freizeiträume bereichern können.

Dass der Westpark bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat, liegt nicht zuletzt an seiner Anpassungsfähigkeit. Wo andere Parks in den 1980ern noch als reine Zierflächen angelegt wurden, setzte man hier von Beginn an auf Nutzerfreundlichkeit: breite Wege für Radfahrer, barrierefreie Zugänge, sogar ein Hundestrand am See. Diese Flexibilität macht ihn zum perfekten Ort für Münchens wandelnde Freizeitbedürfnisse – ob für die Mittagspause der Büroangestellten aus der Nähe, das Workout der Fitnessbegeisterten oder die Sonntagsausflüge ganzer Familien.

Führungen und Feste zum Jubiläum

Vom 14. bis 22. September verwandelt sich der Westpark in ein Festgelände: An neun Tagen feiert München das 40-jährige Jubiläum der Grünanlage mit einem bunten Programm aus Führungen, Musik und kulinarischen Angeboten. Den Auftakt macht eine offizielle Feier mit Oberbürgermeister Dieter Reiter, der gemeinsam mit Gartendirektorin Sylvia Schacht die neu gestalteten Bereiche einweiht. Besonders im Fokus steht der frisch angelegte Rosengarten mit seinen 12.000 Blumen in über 150 Sorten – ein Projekt, das laut Angaben des Baureferats rund 1,2 Millionen Euro verschlang und die historische Parkarchitektur um ein modernes Floralelement erweitert.

Für Gartenliebhaber und Geschichtsinteressierte gibt es tägliche Themenführungen. Experten der Bayerischen Gartenakademie erklären etwa, wie der Park 1983 als Teil der Internationalen Gartenbauausstellung entstand und warum seine 215 Hektar bis heute zu den größten innerstädtischen Grünflächen Europas zählen. Wer es praktischer mag, kann an Workshops zur Rosenzucht teilnehmen oder bei einer „Baum-Safari“ seltene Arten wie den Mammutbaum und den Tulpenbaum kennenlernen.

Kulinarisch sorgt ein „Park-Schmaus“ mit regionalen Anbietern für Abwechslung: Von der traditionellen Brezn bis zu veganen Leckereien reichen die Angebote an den Festständen. Abends verwandelt sich die große Wiese vor dem Seerosenbecken in eine Open-Air-Bühne. Local Acts wie die Münchner Philharmoniker und DJ-Kollektive wechseln sich ab, während eine Lichtinstallation die neuen Wasserfontänen in Szene setzt.

Ein Highlight für Familien ist der „Tag der offenen Tür“ am 16. September. Dann dürfen Kinder im Pflanzlabor Setzlinge ziehen, während Eltern im historischen Pavillon Ausstellungen zur Parkgeschichte besuchen. Selbst die sonst gesperrten Bereiche wie der Japanische Garten öffnen an diesem Tag ihre Tore – ein seltenes Privileg, das selbst langjährige Besucher überraschen dürfte.

Zukunftspläne: Nachhaltigkeit im Münchner Westen

Der Westpark München blickt nicht nur auf 40 Jahre Erfolg zurück, sondern setzt mit klaren Nachhaltigkeitszielen die Weichen für die kommenden Jahrzehnte. Bis 2035 will der Park klimaneutral betrieben werden – ein ehrgeiziges Vorhaben, das bereits konkrete Formen annimmt. Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen der Parkgebäude decken seit 2023 rund 30 Prozent des Strombedarfs, während ein neues Regenwassermanagementystem jährlich bis zu 15.000 Kubikmeter Wasser für die Bewässerung der Anlagen speichert. Stadtgärtner betonen, dass solche Maßnahmen nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch das Mikroklima im dicht besiedelten Münchner Westen spürbar verbessern.

Ein zentraler Baustein der Zukunftsstrategie ist die Umstellung auf ökologische Pflege. Chemische Düngemittel und Pestizide gehören seit 2022 der Vergangenheit an; stattdessen setzt man auf Kompost aus parkinterner Grünschnittverwertung und Nützlingsförderung. Besonders im neu angelegten Rosengarten kommt dieses Konzept zum Tragen: Die 12.000 Rosen werden ausschließlich mit organischen Substraten versorgt, was laut Fachleuten der Stadtgärtnerei die Bodenqualität langfristig sichert und die Artenvielfalt stärkt.

Auch die Besucher:innen sollen künftig aktiver in die Nachhaltigkeitsbemühungen eingebunden werden. Geplant sind interaktive Stationen, die über ökologische Zusammenhänge aufklären – etwa ein „Insektenhotel“ mit Live-Kameras oder Workshops zur Samenbomben-Herstellung. Studien zeigen, dass solche partizipativen Formate das Umweltbewusstsein nachhaltig prägen: In Parks mit ähnlichen Angeboten stieg das Engagement für Naturschutz bei Besuchenden um bis zu 40 Prozent.

Langfristig könnte der Westpark sogar zum Modell für andere Münchner Grünflächen werden. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie zur Einführung eines „Grünen Pfandsystems“, bei dem Besucher:innen Mehrwegbecher für Kaffee oder Eis gegen Pfand leihen können. Sollte das Pilotprojekt im Parkrestaurant erfolgreich sein, wäre ein flächendeckender Einsatz in der gesamten Stadt denkbar.

Vier Jahrzehnte nach seiner Entstehung bleibt der Westpark München ein lebendiges Beispiel dafür, wie urbane Natur Räume schafft, die Generationen verbinden – und mit dem neuen Rosengarten sowie 12.000 frisch gepflanzten Blumen setzt er nun ein weiteres Zeichen für gelungene Stadtoase. Wer die Mischung aus historischer Parkgestaltung, kultureller Vielfalt und ökologischer Weitsicht selbst erleben möchte, sollte den Herbst nutzen: Die Rosen blühen bis in den Oktober hinein, und das goldene Laub der alten Bäume macht jeden Spaziergang zum Erlebnis.

Dass der Park auch in den nächsten 40 Jahren eine solche Strahlkraft behält, hängt davon ab, wie München seine grünen Lungen weiterdenkt – nicht nur als Erholungsort, sondern als lebendiges Labor für nachhaltiges Stadtleben.